05:00
Die Ostsee ist das jüngste Meer der Erde und erst nach der letzten Eiszeit entstanden. Es scheint so vertraut, bietet aber viele Überraschungen. Die zweite Folge führt in eine Welt aus Zehntausenden von Inseln zwischen Estland und dem finnischen Schärenmeer. Auf Saaremaa der größten estnischen Insel schallen im Herbst nasale Laute über die Insel. Es sind die Paarungsrufe der Elche. Große Bullen ziehen zu den traditionellen Brunftplätzen. Im Norden der Insel ragt das Panga Cliff empor, eine über 400 Millionen Jahre alte Kalksteinwand. Anfang März dreht Naturfilmer Christoph Hauschild die Kinderstube der Kegelrobben auf zwei kleinen Inseln in der Rigaer Bucht. Nie zuvor durfte ein Kamerateam die Inseln betreten. Es ist die größte Ansammlung dieser Robbenart in der Ostsee. Nur 200 Kilometer westlich liegt das schwedische Gotland. Viele Tiere und Pflanzen, die sonst nur in Südeuropa vorkommen, finden sich auf der zweitgrößten Insel der Ostsee. Hier brüten Steinadler auf Bäumen, und im Frühling ist der Boden übersät von Orchideen. Auf der Insel Stora Karlsö existiert die größte Lummenkolonie der Ostsee. Im Juni springen die jungen Lummen zu Hunderten von den Felsen, um mit ihren Vätern in die südliche Ostsee zu schwimmen. 300 Kilometer weiter nördlich liegt Finnlands Schärenmeer. Eine Welt aus 80.000 Inseln. In diesem Labyrinth lebt auch das größte Raubtier Europas, der Braunbär. Große Bären schwimmen im goldenen Licht der weißen Nächte von Insel zu Insel auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen. Magische Augenblicke aus dem Felsenmeer, das die letzte Eiszeit in der Ostsee einst geschaffen hat.
05:55
Der Arzt Dr. Fusaro pendelt neben seinem Dienst im Stadtkrankenhaus von San Salvador de Jujuy, regelmäßig zu medizinischen Stationen in der weltläufigen, meist bergigen Umgebung. Ortschaften wie Tilquisaya, Taraxi, Tesorero und Ocloyas besucht er häufiger, da sie noch vergleichsweise gut erreichbar sind. Mit dem Geländewagen benötigt er etwa zwei Stunden, sofern die Straße nicht wieder einmal für mehrere Wochen gesperrt ist. Schwieriger ist die Siedlung San Bernardo, zu der man gut und gerne sechs Stunden fährt. Die anspruchsvollste Tour zur medizinischen Versorgung führt den Anden-Doktor jedoch noch weiter weg - zu den sehr hoch gelegenen Siedlungen rund um den Monte Chañi. Tagelang ist er dafür per Pferd und Muli über Stock und Stein unterwegs. In dieser unwirtlichen und schwer zugänglichen Region, weitab von jeder Infrastruktur, leben nur sehr wenige Menschen. Eine atemberaubend schöne Naturkulisse entschädigt zwar für vieles, die Bewohner führen jedoch ein karges und entbehrungsreiches Dasein und leben von Ackerbau und Viehzucht. Dr. Jorge Fusaro muss dorthin einiges mitnehmen: Kleidung, Batterien, Lebensmittel, Medikamente, Instrumente für Kontrolluntersuchungen und Kokablätter gegen die Höhenkrankheit. Er darf nichts vergessen, denn vor Ort gibt es weder eine Apotheke noch einen Supermarkt und nicht einmal Telefonempfang.
06:50
(1): Die Grillsensation aus Texas: Fajitas (2): Ein Biss'chen Heimat: Andrea, eine Texanerin in Irland (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Friaul: Italiens finstere Seite (2): Französisch-Guayana: Grüne Hölle der Geografen (3): Ruanda: Ramadhans Backfisch (4): Paris: Napoleon Bonaparte in Gefahr
08:05
(1): Neapel: die unbeugsame Malerin Artemisia Gentileschi (2): Der Elch, König der schwedischen Wälder (3): Griechenland: Emilias pikante Rindfleisch-Makkaroni (4): Pontivy: kaiserlicher Besuch
08:55
Der Nachtzug benötigt etwas mehr als 14 Stunden von Berlin nach Stockholm. Unzählige Brücken führen von Deutschland nach Dänemark und schließlich nach Schweden. Die filmische Reise erzählt von verborgenen Naturgeschichten sowie von den Tieren und Menschen der Nacht und der frühen Morgenstunden. In Hamburg zeigt eine Wildbiologin den Friedhof Ohlsdorf bei Nacht und die farbenreiche, geheimnisvolle Welt der Nachtfalter ist zu entdecken. Wieder auf der Strecke zeigt ein Zugbegleiter seinen Alltag - für ihn ist die Nacht zum Tag geworden. An Dänemarks nördlichster Spitze, in Skagen, schätzen Freiwasserschwimmer die Stille des Meeres in der Nacht: Nur in ihr konnten sie etliche Langstreckenrekorde brechen. Hier oben ist die Landschaft genauso rau und eigenwillig wie die Menschen, die hier leben. Die Sonne geht gerade auf, als der Zug die Öresundbrücke nach Schweden überquert. Auf der Halbinsel Kullen nahe dem Öresund sind Schweinswale im ersten Licht des Tages zu sehen. Unterwegs feiern die Reisenden den Mittsommer, lernen Blumenrituale, Naturweisheiten, alte Bräuche und Tänze kennen und erleben, wie eng Mensch und Natur hier miteinander verbunden sind. Kurz vor dem Endbahnhof navigiert eine Einhandseglerin durch den Stockholmer Schärengarten, ein Labyrinth aus mehr als 20.000 Inseln. Jeder Ort offenbart Geschichten, die nur in der Nacht oder im frühen Morgenlicht sichtbar werden.
09:35
Ein Zug, der in der Nacht die Alpen durchquert: Von Budapest nach Zürich folgen die Schienen zunächst der nächtlichen Donau, vorbei an savannenartigen Schilflandschaften, in denen Graurinder und Wildpferde grasen. Im Fokus steht der bedrohte Kaiseradler, dessen Bestand sich trotz illegaler Wilderei langsam erholt, und die traditionelle Käserei im Karwendelgebirge, deren Handwerk seit Generationen unermüdlich gepflegt wird. Eine Zugbegleiterin berichtet vom Leben zwischen Schlafwagen und Sternenhimmel, während ein Schlafcoach die Besonderheiten des Schlafs erklärt: den Rhythmus der Dunkelheit, die Bedeutung des Erwachens sowie die Mystik und Magie der Stunden dazwischen. Durch die Zugfenster blitzen immer wieder die Alpen auf - erst fern am Horizont, dann immer näher, bis das Panorama den ganzen Morgen füllt. An einem der dunkelsten Orte Österreichs beobachten Sternenkundler den Nachthimmel, bevor die Sonne über den Gipfeln aufgeht. In Vorarlberg steht die Sommersonnenwende im Mittelpunkt: ein Fest mit Kräutern, Licht und uralten Ritualen. Zugleich erstreckt sich moderne Architektur in den Hochalpen und eröffnet eine neue Perspektive auf das Himmelsblau. Angekommen in der Schweiz, folgt ein Einblick in die Entstehung der Alpen, sowie in die Rückkehr des mächtigen Bartgeiers, dessen Schwingen wieder über den schroffen Felsen kreisen. Zuletzt geht es tief unter die Erde, in ein ehemaliges Bergwerk, in dem heute Edelpilze wachsen, bevor die Fahrt durch die Schweizer Seenlandschaft in Zürich endet.
10:20
Von Österreich in die Türkei: Mitten im heißen Sommer trägt uns der Optima Express über den Balkan in eine andere Zeitrechnung. Die Reise dauert mehr als 38 Stunden und führt vorbei an Bärenwäldern und Dörfern, in denen Hunderte Störche brüten. Die Reisenden besteigen einen der letzten Gletscher Sloweniens, begegnen serbischen Fliegenfischern und einer Künstlerin, die mit dem Moor arbeitet und dessen fragile Schönheit festhält. Weiter südlich tauchen die Zugpassagiere im Strandscha-Nationalpark nahe dem Schwarzen Meer mit einer Höhlenforscherin in eine verborgene Welt ein. Sie zeigt einen der letzten Urwälder Europas. In den bulgarischen Bergwelten zeigen zwei Brüder, wie sie das Stadtleben hinter sich gelassen haben, um uralte Schaflinien neu zu züchten und ein fast vergessenes Erbe zu bewahren. Im Zug mischen sich Geschichten und Erinnerungen: Viele Reisende sind ehemalige Gastarbeiter und Stammgäste des Optima Express. Die Abteile werden zu fahrenden Wohnzimmern, in denen türkische Gesänge erklingen und sich über Generationen hinweg neue Freundschaften bilden. Schließlich rollt der Zug über die Grenze Bulgariens bis nach Edirne, kurz vor Istanbul - ans Ende einer Reise, die Landschaften, Menschen und Zeiten miteinander verbindet.
11:15
Ende Juni 2024 bereitet sich die lettische Sprinterin Gunta Vaicule auf die Olympischen Spiele in Paris vor. Sie ist auf dem Höhepunkt ihrer Form, als ein betrunkener Fahrer in ihr Auto rast. Ihr Wagen überschlägt sich mehrfach. Vaicule überlebt mit viel Glück. Doch oft enden solche Unfälle tödlich. Lettlands Straßen gehören zu den unsichersten in der EU. Der lettische Staat greift seit 2022 gegen Alkohol am Steuer durch: Wer mit mehr als 1,5 Promille erwischt wird, verliert sein Auto - für immer. Seitdem wurden Hunderte Fahrzeuge beschlagnahmt. Die Polizisten Val?rijs Zlot?ikovs (36) und Mat?ss Ananko (31) führen regelmäßig Alkoholkontrollen durch. "Wenn du jemanden erwischst, weißt du, dass du vielleicht etwas sehr Schlimmes verhindert hast - vielleicht sogar einen tödlichen Unfall", sagt Zlot?ikovs. In einer Nachtschicht stoppen sie einen Fahrer mit drei Promille, sein Auto wird beschlagnahmt. Viele konfiszierte Fahrzeuge schickt Lettland an die ukrainische Armee, um den Abwehrkampf gegen Russland zu unterstützen. Darunter ist auch ein Audi mit Thüringer Nummernschild. Der Fahrer war mit über 1,5 Promille in Lettland unterwegs. Der Informatiker Imants Skerstens rüstet in seiner Freizeit konfiszierte Fahrzeuge für den Einsatz in der Ukraine um. Aus Geländewagen mit Allradantrieb werden gepanzerte Sanitätsfahrzeuge. Skerstens findet das Gesetz sehr gut. Ganz anders ein Fahrer, der betrunken erwischt wurde: "Am meisten leidet die Familie. Denn oft sind auch Ehepartner oder Angehörige von der Konfiszierung betroffen", sagt er.
11:45
(1): Krautwickel aus Rumänien: Sarmale (2): Ein Biss'chen Heimat: Ruxandra, eine Rumänin in Paris (3): Ran an die Töpfe!
12:15
(1): Patrick Süskind und der Duft Frankreichs (2): Mit dem Buschtaxi durch den Senegal (3): Mongolei: Altangerels gedämpfte Teigtaschen (4): Frankfurt: Metamorphosen
13:00
(1): Miss Island, eine wortgewandte Schönheit (2): Marseille: eine Stadt, eine Sprache (3): Albanien: Meritas Forelle mit Gemüse (4): Italien: ein umstrittener Kongress
13:50
Frankreich, Ende der 1920er Jahre: Die junge, attraktive Célestine aus Paris tritt in der Normandie ihren Dienst als Hausmädchen einer bürgerlichen Familie an. In ihrem neuen Umfeld herrschen allerhand Unsitten: Madame ist pedantisch und verbittert, Monsieur ein notorischer Lustmolch, Schwiegervater Rabour ein nostalgischer Fetischist. Der Nachbar entpuppt sich als zänkischer Militarist und der sadistische Gärtner Joseph, ein Faschist, macht Célestine auf zudringliche Weise den Hof. Das Hausmädchen weist ihn entschieden ab und verhält sich ihrer Umgebung gegenüber beobachtend und distanziert. Nur zu dem kleinen Bauernmädchen Claire verbindet sie ein liebevolles Verhältnis. Als der Schwiegervater stirbt, will Célestine kündigen und nach Paris zurückzukehren. Doch am Bahnhof erreicht sie die schreckliche Nachricht, dass die kleine Claire im nahen Wald vergewaltigt und ermordet wurde. Das Hausmädchen beschließt, zu bleiben. Zwar gibt es keine Spur des Mörders, doch Célestine verdächtigt Joseph. Um Gewissheit zu erlangen, lässt sie sich auf die Avancen des Gärtners ein. Buñuels "Tagebuch einer Kammerzofe" ist eine bitterböse Satire auf die verlogene, in ihren überkommenen Traditionen gefangene französische Provinz-Bourgeoisie vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Jeanne Moreau in der Rolle des Hausmädchens Célestine befördert die unter der Fassade lauernden Untugenden eines Milieus zutage, das Buñuel zutiefst verachtete und in vielen seiner Filme auf teils schockierende Art und Weise kritisierte.
15:40
Der Kilauea auf Hawaiis größter Insel Big Island ist einer der aktivsten Vulkane der Erde. Seit 1983 quellen aus dem Krater Pu'u 'O'o Tag für Tag unermüdlich Lavamassen heraus, die den Vulkan ständig verformen und die Inseloberfläche wachsen lassen. Da es zu gefährlich wäre, sich zu Fuß in die vulkanische Hölle zu begeben, betrachtet Arnaud das beeindruckende Schauspiel aus der Luft. Inmitten des Kraters befindet sich ein brodelnder Lavasee, in dem das frische Magma aufsteigt und die Krustenstücke an der Oberfläche verschluckt - als würde man die Erde atmen sehen. Seine Reise führt Arnaud auf ein riesiges Feld erstarrter Lava, wo früher über 250 Familien gewohnt haben, deren Häuser von den Lavaströmen vernichtet wurden. Allein das Anwesen von Pi'ilani Karvaloa und ihrer Familie blieb verschont, was sie Pele verdanken - der Göttin des Feuers, der Erde und der Vulkane. Für die Menschen auf Hawaii verkörpert Pele die Kraft der Schöpfung, aber auch der Zerstörung. Um das Wirken des Vulkans noch einmal aus der Nähe zu sehen, wird Arnaud von dem Lava-Jäger Eric Storm so dicht an die Lava geführt, wie es sonst an keinem Ort der Welt möglich ist. Unaufhaltsam wälzt sich der Lavastrom voran. Den größten Teil des Wegs legt er unterirdisch in Lavaröhren zurück, was das Abkühlen verhindert und es ihm ermöglicht, sich in einem spektakulären Finale ins Meer zu stürzen. Sobald es Nacht wird, bietet sich ein überirdisch anmutender Anblick: Die Feuerzungen tauchen in den Ozean ein, riesige weiße Dampfwolken steigen auf. Beim Kontakt mit dem Wasser erstarrt die Lava sofort und türmt sich zu einem Bollwerk aus Basaltblöcken auf. Langsam und geduldig schafft der Vulkan neues Land - Pele kann zufrieden sein.
16:10
Ein Zug verbindet: Er erklimmt den Kamm der Sudeten und hangelt sich zwischen Iser- und Riesengebirge durch. Seit 2010 gibt es den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen dem tschechischen Nordböhmen und dem polnischen Niederschlesien wieder, der seit dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen war. Landschaften, Städte und Menschen spiegeln die wechselvolle Geschichte einer besonderen Grenzregion wider. So hieß das tschechische Liberec einst Reichenberg und gehörte zu Österreich-Ungarn. Mit der Straßenbahn lässt sich die Innenstadt mit ihren prachtvollen Villen erkunden. Jablonec nad Nisou, früher Gablonz, ist seit jeher für kunstvollen Glasschmuck bekannt. Die überwiegend sudetendeutschen Unternehmer mussten nach dem Zweiten Weltkrieg gehen, doch es gibt auch heute wieder erfolgreiche Hersteller. Hinter Tanvald beginnt eine Zahnradbahnstrecke, die zum Kulturdenkmal erklärt worden ist. Nach zahlreichen Tunneln geht es über die Iserbrücke, die erst die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Preußen und dann zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland war. Weitere Etappen sind der Wintersportort Harrachov, der Neuweltpass zwischen Iser- und Riesengebirge mit der heutigen Grenze nach Polen und Szklarska Poreba, ehemals Schreiberhau. Hier glauben Schatzsucher noch an den Berggeist Rübezahl. Im Hirschberger Tal dann beeindrucken schmucke Schlösser. Einige haben die Nachfahren der Erbauer liebevoll in Schlosshotels verwandelt. In Jelenia Góra, früher Hirschberg, endet die Reise. Der Zug hat zwei Länder und zahlreiche Menschen miteinander verbunden.
17:05
In acht Stunden geht die Reise durch die Nacht von Oslo nordwärts nach Trondheim. Der Nachtzug, der auch von Pendlern genutzt wird, trägt bei den Einheimischen den Namen Dovrefjell-Linie - benannt nach dem Gebirgspass, den er auf seinem Weg in den Norden durchquert. Im Dovrefjell leben alte Sagen von Trollen fort, und urzeitliche Tiere streifen durch die kargen Höhen. Die Strecke führt entlang eines der größten Seen Norwegens, dessen stille Wasser im Kontrast zu den reißenden Flüssen stehen, die immer wieder aus den Zugfenstern aufblitzen. In dieser wasserreichen, blau-grauen Welt begegnen wir einem Insektenliebhaber, der die verborgenen Körper und Gesichter kleinster Geschöpfe sichtbar macht und die Nacht mit unerwartetem Leben füllt. Mutige Kajakfahrer fordern im Dovrefjell-Hochgebirge die wilden Stromschnellen heraus, und traditionsreiche Pferdezüchter leben hier seit Generationen. An einem abgelegenen Bahnhof treffen die Zugreisenden einen Mann, der das gesamte norwegische Streckennetz zu Fuß erwandert hat und dessen Lebensgeschichte die landschaftliche Härte des Landes auf besondere Weise spiegelt. Junge Bauern zeigen ein autarkes Leben fern der Städte, halten Ziegen und stellen würzigen Käse in Handarbeit her. Ein Paar leidenschaftlicher Fliegenfischer wartet auf den ersten Biss des Wildlachses, während ihr Kind am Ufer schläft. Im sagenumwobenen Hessdalen berichten UFO-Enthusiasten von rätselhaften Lichterscheinungen, die der nächtlichen Landschaft eine besondere Mystik verleihen. Am Ende der Reise öffnet sich vor den Zugfenstern der Trondheimfjord - dessen Unterwasserwelt der Tiefsee ähnelt.
17:50
Vom Schwarzen Meer bis in das anatolische Hochland: Der "Highway D915" überquert den 1.000 Kilometer langen Pontischen Gebirgszug, der von Istanbul bis an die Grenze zu Georgien reicht. Im Herbst bereiten sich die Menschen für den Winter vor, sechs Monate im Jahr ist die Straße gesperrt. An den Derebasi Kurven, dem gefährlichsten Teil des Highways, müssen die Fahrerinnen und Fahrer 29 Haarnadelkurven bezwingen und am Ende das Eiserne Tor passieren, eine Felspassage in senkrechten Steilwänden, Hunderte von Metern über dem Tal. Auch risikobereite Besucher zieht der Highway an, so zum Beispiel die junge Motorradfahrerin Merve, die ihr Fahrkönnen auf die Probe stellt und anschließend noch eine Pilgerfahrt der besonderen Art an der weiter südlich gelegenen "Stone Road" gelingt. Ahmet und Burhan nutzen die Straße seit vielen Jahren für die Schafszucht und Landwirtschaft, sie haben eine emotionale Beziehung zu diesen Bergen. Selma baut auf der Nordseite des Gebirges Tee an, den sie selbst mit ihrem Transporter zur Verladung fährt. Im Gebirge kreuzen sich fast alle Wege am Imbiss der Straße: "Turgut's Place". Wenige Kilometer weiter ist die abgelegene Gegend ein wichtiger Rückzugsort für Tiere und besondere Pflanzen, die Fotograf Murat seit Jahren dokumentiert. Als Aktivist setzt er sich dafür ein, dass die Straße nicht weiter ausgebaut wird. So unvollkommen, gefährlich und unbequem die Straße sein mag, sie ist genau deshalb heute von Anwohnern und Besuchern gleichermaßen beliebt und geschätzt.
18:35
Wer das Abenteuer sucht, ist im Süden von Chile genau richtig. Auf der Carretera Austral geht es über 1.200 Kilometer durch Fjordlandschaften, Regenwälder und Bergwelten. Es ist eine Fahrt ins Unbekannte, fast bis ans Ende der Welt. Wer sich auf diesen Weg macht, wird mit fantastischen Landschaften belohnt. Mit dem Bau der Carretera Austral wurde in den 1970er Jahren begonnen, weil der Süden Chiles bis dahin nur mit dem Schiff oder über das Nachbarland Argentinien zu erreichen war. Diktator Augusto Pinochet ließ die Strecke von der Armee erschließen. Berge, Eisfelder und dichte Bewaldung machten den Bau zu Chiles aufwändigstem Großprojekt des 20. Jahrhunderts. Heute sind auf der meist nicht asphaltierten Strecke Laster unterwegs, die die kleinen Orte im Süden mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgen. Und Abenteurer - mit Allradfahrzeugen, Wohnmobilen oder auch per Fahrrad. Für sie ist die Schotterstrecke eine besondere Herausforderung: Sonne, Staub und dicht überholende LKW machen die Carretera zu einer Tour de Force. Die Gegend ist außerdem ein Naturparadies: In großen Nationalparks arbeiten Ranger wie Erwin Gonzales um den Erhalt einheimischer Tiere zu sichern. Heute muss er sich allerdings um die Bergung eines Autowracks kümmern - zwei Touristinnen sind im Park von der Straße abgekommen. Abschleppmeister Ivan Ramirez lebt von der Gefährlichkeit der Straße: Täglich muss er auf der Carretera Austral verunglückte Fahrzeuge bergen, und ist selbst schon in manch schwieriger Situation gewesen.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Sammler Christian Link zählt zu den bekanntesten Fossilien-Händlern Europas. Der gebürtige Schweizer handelt seit Jahren mit Kuriositäten aller Art: Von Briefen, die auf dem Mond waren, bis zu seltenen Eiern des Elefantenvogels. Seit wenigen Jahren kommen bei ihm auch Überreste von Dinosauriern unter den Hammer. Die Preise für Fossilien erreichen international neue Rekordhöhen. 2023 sorgte Link für Aufsehen, als er ein T-Rex-Skelett für 5,6 Millionen Euro versteigerte. Link arbeitet im Vorfeld der Auktion eng mit Wissenschaftlern zusammen, damit diese die Funde dokumentieren können. Die Kritik, Skelette könnten in Privatsammlungen verschwinden, teilt er nicht. Yolanda Schicker-Siber leitet das beliebte Saurier-Museum im Aathal. Ihre Sammlung ist eine der wertvollsten der Welt. Das meiste hat ihre Familie selbst in den USA ausgegraben. Seit ein paar Jahren sind auch sie im Dino-Knochen-Business. Sie bereiten Auktionen vor, indem sie Knochen präparieren und Gestelle bauen. Auch Nils Knötschke ist Dino-Präparator und bereitet Saurierknochen für Auktionen vor - und er ist immer wieder auf der Suche nach neuen Fund- und Grabungsorten. Knötschke weiß, dass viele paläontologische Grabungen ohne private Geldgeber nicht möglich wären. Museen können sich die Dino-Knochen nicht leisten und sind auf Leihgaben oder Schenkungen angewiesen.
20:15
Michel, in den 50ern, verheiratet, die Kinder aus dem Haus, Nine-to-five-Job, steckt in seiner täglichen Routine fest. Wenn er nach der Arbeit auf sein Motorrad steigt, träumt er von einem anderen Leben. Wie gerne würde er wie sein Held, der Luftpost-Pionier Jean Mermoz, in einer Propellermaschine durch den Abendhimmel schweben. Eines Tages stößt Michel durch Zufall auf das Foto eines Kajaks - und ist begeistert von der formvollendeten Schönheit und Eleganz des Objekts. Es ist Liebe auf den ersten Blick! Ein Klick - und das Boot zum selbst Zusammenbauen ist seins. Einige Tage gelingt es Michel, den Kauf vor seiner Frau Rachelle zu verheimlichen. Voller Hingabe setzt er auf der Dachterrasse sein Kajak Stück für Stück zusammen und häuft immer mehr Expeditionsausrüstung an. Ganze Nachmittage verbringt er in seinem halbfertigen Gefährt und träumt sich davon. Schließlich entdeckt Rachelle das Ausrüstungslager, setzt den Trockenübungen ein Ende und ihren Mann an einem Fluss aus, damit er endlich in die Gänge und aufs Wasser kommt. Dass Michels Auszeit ihr gemeinsames Leben komplett auf den Kopf stellen könnte, ahnt Rachelle. Und wirklich: Schon bei seiner ersten Rast trifft Michel im Ausflugslokal mit der schönen Laëtitia auf eine ländliche, exzentrische Boheme. Er taucht ein in eine exotische Welt außerhalb von Raum und Zeit, die geprägt ist von Unbeschwertheit, Kirschen, Sinnlichkeit und eisgekühltem Absinth ...
21:55
Damien und Claire Jeannerat leben zusammen mit ihren drei Kindern in den Bergen um Crans-Montana in der Schweiz. Die Schäferei war nicht ihre ursprüngliche Berufswahl. Damien war als Landschaftsgärtner tätig, als er den Auftrag erhielt, brachliegende Wiesen zu pflegen. Das viele gemähte Gras, das ungenutzt verkam, brachte ihn auf die Idee, Tiere zu halten. Was mit einer Hand voll Schafen und Ziegen begann, wurde schließlich zu einer Vollzeitbeschäftigung mit nicht weniger als 400 Schafen, 80 Ziegen, drei Kühen, sechs Pferden, fast 200 Lämmern, 14 Hütehunden und ganz nebenbei drei Kindern. Claire kommt ursprünglich aus Großbritannien, lebt aber bereits seit 21 Jahren in der Schweiz. Vor sechs Jahren gab sie ihre internationale Karriere auf, um ihrer Leidenschaft zu folgen und mit ihrem Mann zusammenzuarbeiten. Sie ist stolz darauf, Hirtin zu sein. Die Arbeit mitten in der Natur birgt immer neue Überraschungen und Herausforderungen. Man lernt nie aus und wird sich der eigenen Grenzen bewusst. Claire und Damien haben sich mit der Schäferei nicht nur einen Beruf ausgesucht, sondern einen Lebensentwurf, der nicht immer einfach und idyllisch ist. Damien verbringt fünf Monate im Jahr draußen mit den Schafen. Für diesen Zeitraum bleibt die Familie getrennt: Während er allein in den Bergen ist, achtet Claire darauf, dass die Kinder nicht den Kontakt zu Gleichaltrigen verlieren. Die Dokumentation zeigt die Freuden, aber auch die Mühen und Momente des Zweifels im Leben dieser ungewöhnlichen Familie.
22:55
Das Erdbeben an der Küste der japanischen Region Tohoku im Jahr 2011 hat die Gemüter der Menschen durcheinandergebracht: So sieht der Bankangestellte Komura seiner Frau Kyoko dabei zu, wie sie die Tage nach dem Unglück reglos vor dem Fernseher verbringt, die Beiträge über all die Vermissten und die Angst vor einem GAU im Atomkraftwerk in sich aufnehmend. Bis er eines Tages nach der Arbeit in ein leeres Haus zurückkommt und ihm seine vertraute Umgebung zum Alptraum wird. Bei der Bank steht sein Kollege Katagiri unter dem Stress, eine massive Schuld von einem Kunden eintreiben zu müssen. Zu Hause erwartet ihn eines Nachts ein riesiger Frosch: Er überzeugt Katagiri davon, zu größeren Taten bestimmt zu sein. In wenigen Tagen soll es in Tokio, dem Frosch nach, ein neues Erdbeben geben, dessen Auswirkungen die des ersten bei weitem übertreffen werden. Zu zweit wollen sie das dafür verantwortliche unterirdische Monstrum besiegen. Auf der Flucht vor ihrem gemütlichen Leben sinnt Kyoko ihrer Jugend nach; ihrer ersten Liebe mit 20 und ihrer Begegnung mit einem alten Mann, der ihre tiefsten Wünsche erfüllte. Auch Komura denkt an seine verschwundene Frau, an ihre Fantasie und die blinde Weide, die sie in einer Zeichnung erfand. Seine Einsamkeit zerreißt ihn. Spontan fliegt Komura nach Hokkaido, um der Schwester eines Bekannten ein rätselhaftes Paket zu übergeben. Die existenzielle Angst nach der Umweltkatastrophe bringt diese Menschen dazu, neue Wege einzuschlagen, um zu sich selbst zurückzufinden.