16:45
"Der Kuss" von Gustav Klimt gehört zu den bekanntesten und am häufigsten reproduzierten Gemälden weltweit. Das um 1908 in Wien entstandene Bild eines anonymen, sich küssenden Paares fasziniert durch seine geheimnisvolle Atmosphäre, Sinnlichkeit und überraschende Details. Wer das Gemälde genauer verstehen will, versetzt sich am besten zurück ins Wien der Jahrhundertwende: Klimt kämpfte damals insbesondere für die Aufhebung der hierarchischen Grenzen zwischen Kunst und Kunstgewerbe und strebte ein Gesamtkunstwerk an, das Malerei, Architektur und Musik vereinte. "Der Kuss" gilt als Höhepunkt von Klimts "goldener Phase". Der Künstler wuchs als Sohn eines Goldschmieds auf und ließ seiner Liebe zur Ornamentik und zum Blattgold freien Lauf. Klimt überzog das lebensgroße Gemälde mit feinem Goldstaub, der die schillernden Farben, die überwältigende Schönheit und die symbolische Tiefe des Bildes noch verstärkt. "Der Kuss" erregte bei seiner ersten öffentlichen Präsentation viel Aufmerksamkeit und wurde sofort vom kaiserlich-königlichen Ministerium für Kultus und Unterricht erworben, das es zu einem Werk von nationalem Interesse erklärte. Das Bild zeigt ein Paar, das sich, in ein goldenes Tuch oder einen Mantel gehüllt, innig umarmt und küsst. Bis heute gilt es als ultimatives Symbol für ewige Liebe. Revolutionär war es damals, weil Klimt das darzustellen wagte, was laut gesellschaftlicher Tradition im Verborgenen bleiben sollte: Berührungen, Umarmungen, Küsse und Erotik.
17:40
Mit der Einfachheit und Klarheit seiner tonalen Musiksprache erreicht Arvo Pärt ein breites Publikum. Der estnische Komponist hat seine musikalischen Ambitionen einmal wie folgt beschrieben: "Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich. Ich baue aus primitivem Stoff, aus einem Dreiklang, einer bestimmten Tonqualität. Die drei Klänge eines Dreiklangs wirken glockenähnlich. So habe ich es,Tintinnabuli' genannt." Eine zentrale Stellung in Pärts Schaffen nimmt die geistliche Musik ein. Mit seinem kontemplativen und konzentrierten Stil, der sich auf die Vokalmusik des Spätmittelalters und der Renaissance zurückbesinnt, ist es ihm gelungen, auch außerhalb des Gottesdienstes eine große Zuhörerschaft zu gewinnen. Die "Berliner Messe" wurde 1990 für den 90. Deutschen Katholikentag geschrieben, den ersten nach dem Fall der Berliner Mauer. Das Werk ist jedoch ein Ausdruck der Freude darüber, dass in Estland geistliche Musik wieder öffentlich aufgeführt werden durfte. In diesem Konzert, das im Rahmen des Lausitz-Festivals veranstaltet wurde, stand mit "Festina Lente" ("Eile mit Weile") auch ein Instrumentalwerk auf dem Programm. Es handelt sich dabei um einen Proportionskanon, bei dem drei Streicherstimmen gemeinsam beginnen, die Melodie aber in drei verschiedenen Geschwindigkeiten spielen. Zum Abschluss des Konzerts erklang das "Da pacem Domine", ein musikalisches Gebet um Frieden, das Pärt nach den Terroranschlägen in Madrid im Jahr 2004 komponierte. Auf dem Programm stehen: - "Berliner Messe" für Chor und Orchester - "Festina Lente" für Streichorchester - "Da pacem Domine" für Chor und Orchester
18:25
Ein künstlerisches und humorvolles Spiel mit Klischees bietet dieses Magazin. In jeder Folge werden dabei bestimmte Eigenheiten der Franzosen und Deutschen unter die Lupe und auch aufs Korn genommen.
18:40
Das Tiroler Grauvieh gilt als Rinderrasse, die sich über die Jahrtausende bestens an die Alpen angepasst hat. Die Tiere sind genügsam, robust und von so stoischer Ruhe, dass sie sich sogar von Pius, dem vierjährigen Sohn der Familie Hausegger, auf die Weide führen lassen. Aus ihrer Milch wird Schneemilch gekocht, eine Nachspeise. Bei Familie Hausegger kommen außerdem Rindsrouladen auf den Tisch, Marende - eine Jause - und Schwammerlgulasch aus frischen Waldpilzen. Oberhalb der Gemeinde Längenfeld, auf den Hochalmen, hütet Martin Scheiber den Sommer über die Jungtiere der Bauern. Wenn Julia und Roland mit ihren Kindern am Sonntag hinaufsteigen, serviert Martin einen Kaiserschmarrn, der hier, auf 2.300 Meter Höhe, seiner Meinung nach besonders gut gelingt ...
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
Seit Jahrtausenden galt die Melipona-Biene den Maya als heilig. Heute ist sie bedroht - von Hitze, Umweltzerstörung und dem Vergessen. Im Dorf Tankuché setzen Frauen dem etwas entgegen: Sie halten die Maya-Sprache lebendig und hüten das Wissen über die stachellosen Bienen. Im Mittelpunkt steht Evelyn, eine alleinerziehende Mutter, die das Leben der Melipona-Bienen zu ihrer Berufung gemacht hat. Gemeinsam mit ihren Cousinen und Nachbarinnen gründete sie die erste Imkerinnen-Kooperative der Region - ein mutiger Schritt in einer patriarchalen Gesellschaft. Zwischen Bienenstand und Honigvermarktung erzählt die Dokumentation von Frauen, die für das Überleben einer bedrohten Bienenart kämpfen - und damit auch für die Balance zwischen Mensch, Natur und Tradition in der vom Klimawandel bestimmten Zukunft. "Die Honigfrauen von Yucatan - Las damas de la miel" erzählt in ruhigen, mit Hingabe gestalteten Bildern eine Geschichte über weibliche Selbstermächtigung, den Wert von Gemeinschaft und das fragile Zusammenspiel von Umwelt und kultureller Identität.
20:15
Nordstaatenoffizier Kirby Yorke befehligt ein texanisches Fort am Rio Grande, das die Siedler vor den indigenen Apachen beschützen soll. Die Apachen ziehen sich nach Raubzügen über den Grenzfluss zurück, den die Kavallerieeinheit laut eines mit Mexiko ausgehandelten Abkommens nicht überschreiten darf. Doch nicht nur mit den Apachen hat Colonel Kirby seine Schwierigkeiten. Nachdem er im Bürgerkrieg vor 15 Jahren aus strategischen Gründen die Farm seiner Frau Kathleen niederbrennen musste, hat diese sich von ihm getrennt. Nun tritt ihr gemeinsamer Sohn Jeff in die Armee ein und wird als Meldereiter der Einheit seines Vaters zugeteilt. Aus Angst um ihn taucht Kathleen in Kirbys Vorposten auf, um Jeffs Entlassung zu bewirken. Doch bevor sie ihr Ziel erreichen kann, kommt es zum Überfall durch die Apachen, die alle Soldatenkinder als Geiseln nehmen und sich über den Grenzfluss zurückziehen. Kirby bleibt keine andere Wahl, als mit seinen Truppen den Rio Grande zu überschreiten. Bei dieser Mission kommt Jeff eine Schlüsselrolle zu - eine Gelegenheit für ihn, sich endlich vor seinem Vater zu beweisen. Dieser beschauliche John-Ford-Western betont weniger die Kampfszenen als die knisternde Auseinandersetzung zwischen John Wayne und Maureen O'Hara in den Rollen von Colonel Kirby und seiner Frau Kathleen, die in einem denkwürdigen Dialogsatz die Armee als ihre einzige ernsthafte Konkurrentin bezeichnet.
21:55
Ob einsamer Cowboy, draufgängerischer Kavallerieoffizier oder US-Soldat im Zweiten Weltkrieg - John Wayne hat mit über 170 Rollen Filmgeschichte geschrieben. Das Porträt befasst sich nicht nur mit dem klassischen Westernhelden, sondern beleuchtet auch Waynes ultrapatriotischen, homophoben und rassistischen Ansichten. Nachdem sich John Wayne als Schauspieler viele Jahre mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatte, gelang ihm 1939 mit "Ringo" der Durchbruch. Weil er nicht als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde, konnte er weiter Filme drehen. Die Entscheidung gegen die Armee sorgte jedoch dafür, dass er sich im Gegenzug besonders stark für Heer und Heimat engagierte. Er drehte einen Kriegsfilm nach dem anderen und wurde so auf der Leinwand zu dem Helden, der er im richtigen Leben nie gewesen war. In der McCarthy-Ära stand er der "Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals" vor, die sich den Kampf gegen die Ausbreitung "kommunistischer, faschistischer und anderer totalitärer Gruppen" in der amerikanischen Filmindustrie zum Ziel gesetzt hatte. Verdächtigte Filmschaffende wurden vorgeladen und vor die Wahl gestellt, mit den entsprechenden Ausschüssen zusammenzuarbeiten oder Gefängnisstrafen beziehungsweise das berufliche Aus zu riskieren. Während des Vietnamkriegs drehte John Wayne mit großem Budget den Propagandafilm "Die grünen Teufel" (1968) und besuchte die US-Truppen vor Ort. 1960 trat er der rechtsradikalen John Birch Society bei, deren politisches Denken auf Verschwörungstheorien fußt, und ging in seinen rassistischen Äußerungen so weit, von einer "Überlegenheit der weißen Rasse" zu sprechen. Er wurde zur Reizfigur der protestierenden 68er-Jugend. In seinen Filmen hatte er weiter Erfolg: 1970 wurde er mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller in "Der Marshal" (1969) ausgezeichnet. In zahlreichen Ausschnitten und Interviews mit Filmhistorikern und US-amerikanischen Kriegsveteranen zeigt die Dokumentation die zwei Gesichter des John Wayne.
22:50
Brigitte Fassbaender ist eine der größten Opern- und Lied-Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Geliebt wegen ihres unverkennbaren Timbres, bewundert wegen ihrer außerordentlichen Gestaltungskunst. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn gibt sie mit nur 55 Jahren ihr Leben als Sängerin auf. Um nahtlos die Karriere einer erfolgreichen Opernregisseurin einzuschlagen. Von der Regisseurin wird sie bald zur Operndirektorin, 1999 schließlich zur Intendantin des Tiroler Landestheaters Innsbruck, das sie bis 2012 leitet. In Frankfurt inszeniert Fassbaender 2025 Richard Wagners "Parsifal" - ihre 96. Inszenierung. Die 100. will sie noch schaffen. In Andreas Morells Dokumentation reflektiert Fassbaender offen und authentisch über ihr Leben. Das Publikum erlebt legendäre Aufnahmen, Proben zu Richard Wagners "Parsifal" und Giacomo Puccinis "Gianni Schicchi" sowie einen ihrer Meisterkurse an der Wiener Staatsoper.
23:45
An einem heiteren Sommertag bereiten Dorfbewohner ein Hochzeitsfest vor. Wilhelm Tell aber denkt nur daran, dass die Habsburger über das Land herrschen und sie alle nicht frei sind. Er ruft zum Aufstand auf. Leuthold, der Schäfer, platzt mitten in das Fest hinein. Er wird von den Besatzern gejagt, weil er seine Tochter schützen wollte und verlangt, auf die andere Seite des Wildbachs gebracht zu werden. Tell wagt es und bringt Leuthold über das gefährliche Wasser sicher ans andere Ufer. So beginnt bei Gioachino Rossini die Geschichte über den Freiheitskampf der Schweizer. Friedrich Schiller hatte den Gründungsmythos der Schweiz mit der Figur des Meisterschützen verknüpft. Während eines Festes zu Ehren der Habsburger kommt es dann zum berühmten Apfelschuss. Die Schweizer werden von den Soldaten misshandelt, Gesslers Hut wird wie eine Trophäe ausgestellt, vor der sich die Einwohner zu verneigen haben. Alle verbeugen sich, alle außer Tell. Er wird verhaftet, hat aber Zeit, seinen Sohn Jemmy zu bitten, den drei Kantonen das Signal zum Aufstand zu geben. Gessler gibt Tell den Befehl, auf einen Apfel zu schießen, der auf dem Kopf seines Kindes platziert ist. Wenn er das Ziel nicht trifft, werden Vater und Sohn sterben. Tell besteht die gefürchtete Prüfung unter dem Jubel der Schweizer. Als er Gessler jedoch antwortet, dass der zweite Pfeil, der in seinem Köcher versteckt war, für ihn bestimmt war, wäre sein Sohn getroffen worden, lässt der Statthalter ihn verhaften. Die Ankunft der habsburgischen Prinzessin Mathilde befreit Jemmy aus den Fängen des Gouverneurs, aber Tell wird abgeführt und soll in Gesslers Festung hingerichtet werden. Die Überfahrt zur Festung endet kläglich für die Soldaten und tödlich für Gessler. Das Boot gerät in einem schweren Sturm. Wilhelm Tell entkommt, springt ans Ufer, zückt seinen Bogen und erschießt den Vogt. Prinzessin Mathilde hatte sich in Arnold von Melchtal, den späteren Abgesandten des Kantons Unterwalden auf dem Rütli, verliebt. Er selbst, hin- und hergerissen zwischen seiner Geliebten und den Freiheitskämpfern, kehrt schließlich mit ihr an die Seite der Aufständischen zurück und erobert die Burg des Vogts. So ist der Sieg komplett. Bruno Ravella zeichnet in Lausanne für die Inszenierung verantwortlich, Francesco Lanzillotta dirigiert das Orchestre de Chambre de Lausanne. Die Titelrolle übernimmt Jean-Sébastien Bou, Hedwig, Tells Frau wird von Géraldine Chauvet gesungen und Sohn Jemmy von Elisabeth Boudreault. Die Rolle des bösen Vogt spielt Luigi De Donato. Zwei der Unterhändler, die auf dem Rütli die Eidgenossenschaft gründen werden, sind für die Handlung entscheidend: Arnold von Melchtal, interpretiert von Julien Dran und Walter Fürst, gesungen von Frédéric Caton. Oper in vier Akten. Französisches Libretto von Victor-Joseph Étienne de Jouy und Hippolyte-Louis-Florent Bis. Frei nach dem Drama von Friedrich Schiller. Uraufführung am 3. August 1829 in Paris.
03:10
Es ist die Geschichte eines Körpers. Eines Körpers, für den sich der junge Harvey Keitel schämte, bevor er in dem Abschlussfilm "Wer klopft denn da an meine Tür?" (1967) erstmals vor der Kamera seines Freundes Martin Scorsese stand. Die Geschichte eines leidenden und verwahrlosten Körpers in "Bad Lieutenant" (1992), eines von Jane Campion meisterhaft inszenierten Körpers in "Das Piano" (1993). Und eines Körpers, der sich selbst zurücknimmt, um anderen - wie seinem Kollegen Robert De Niro - den Vortritt zu lassen, dabei aber auch Chancen verpasst. Keitel hätte groß rauskommen können, hätte er sich gegenüber Francis Ford Coppola kompromissbereiter gezeigt - und nicht so sehr mit der Hauptrolle in "Apocalypse Now" (1979) gerungen, die er nach wenigen Drehtagen wieder abgeben musste. Er wollte die Rolle nicht einfach spielen, sondern sie vollständig durchdringen. Coppola ersetzte ihn schließlich durch Martin Sheen. Keitels kompromissloser Anspruch, jede Rolle bis ins Innerste zu durchdringen, ist das Ergebnis einer engen künstlerischen Partnerschaft mit Martin Scorsese - und zugleich Ausdruck eines lebenslangen Gefühls, nie ganz dazuzugehören. Der Sohn jüdischer Emigranten aus dem New Yorker Stadtviertel Little Odessa hat viele Irrungen und Wirrungen durchlebt. Zunächst verpflichtete er sich bei der Marine, wurde zu einem Hoffnungsträger des New Hollywood und fiel dann in Ungnade. Als er sich beinahe vergessen wähnte, setzte er Anfang der 1990er Jahre mit "Bad Lieutenant" alles auf eine Karte - und wurde doch noch zum Liebling der Filmindustrie.
04:05
Es klafft eine Lücke in den Betten von Heteropärchen: Während die meisten Männer regelmäßig zum Orgasmus kommen, gehen Frauen öfter leer aus. Ein Grund dafür ist, wie sie beim Hetero-Paarsex stimuliert werden. Nämlich oft falsch, sagt die Gynäkologin Mandy Mangler. Dabei ist das sexuelle Universum der Frau weit - mit vielen erogenen Zonen, die Frauen zu rauschenden Orgasmen verhelfen könnten. Allen voran die oft vernachlässigte Klitoris. Sie ist bedeutender für die Lust der Frau, als viele wissen. Und natürlich spielt auch das Gehirn eine wichtige Rolle. Welche, das erklärt Neurowissenschaftlerin Celeste Bittoni. Noch immer verstehen viele Menschen zu wenig über die weibliche Sexualität. Lange war sie ein gesellschaftliches Tabuthema. Auch die medizinische Forschung hinkt bis heute hinterher. Viele Frauen kennen daher auch ihre Bedürfnisse nicht besonders gut und wissen nicht, was ihnen im Bett gefällt. Doch all das kann man lernen, sagt Sexologin Dania Schiftan. Denn am Ende haben Frauen genauso viel Lust auf Sex wie Männer und sind auch nicht komplizierter. Erogene Zonen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Frauen können lernen, was ihnen den größten Spaß im Bett bringt, ob sie ein empfindliches G-Areal haben und wie sie regelmäßig zum Orgasmus kommen.