05:05
Im Südwesten Chinas, an den Ausläufern des Himalaya, erstreckt sich im Schatten des schneebedeckten Khawa Karpo ein steiniges, unwirtliches Gebiet, das zum Hochland von Tibet gehört. Diese Region im Norden der Provinz Yunnan ist nur schwer erreichbar und hat sich ihren eigenwilligen Charakter bis heute erhalten. Drei große Flüsse, darunter der Mekong, versorgen sie mit Wasser. Die fruchtbaren Täler, die das Wasser gegraben hat, werden von Tibetern und anderen Volksgruppen für die Landwirtschaft genutzt. Investorengruppen sehen in dieser einzigartigen Landschaft ein großes Potenzial und haben sich bereits mehrere Gebiete gesichert. Ihr Ziel ist es, Weine der Spitzenklasse zu produzieren. Weinbau ist in dieser Region keine Neuheit. Bereits seit der Ankunft katholischer Missionare vor rund 150 Jahren pflanzen einheimische Bauern hier neben anderen Nutzpflanzen auch Trauben an. Die ersten Reben wurden in dem Dörfchen Cizhong produziert. Dort begannen französische Missionare ab 1865, die traditionell buddhistische Bevölkerung zu missionieren. Noch heute ist Cizhong zu 80 Prozent katholisch, und die Weinproduktion hat sich stark entwickelt. Rund 30 tibetische Weinbauern haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen. Sie verkaufen ihre Trauben, verpachten Parzellen oder helfen bei den Arbeiten im Weinberg. In dieser armen Region Chinas sind die Einnahmen aus dem Weinbau die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Die Methoden, die die Großkonzerne beim Weinbau einsetzen, stehen im starken Kontrast zu denen der lokalen Weinbauern, aber ihr Ziel ist dasselbe: einen Wein von höchster Qualität herzustellen.
05:35
In der Privatsammlung einer bescheidenen Familie in Mittelitalien ist ein bemerkenswertes Gemälde aufgetaucht, das die Kunstwelt in Aufregung versetzt hat. Das Bild zeigt eine Frau mit halb geschlossenen Augen, ihren Oberkörper und Kopf in einem Moment scheinbarer Glückseligkeit nach hinten geworfen. Dieses Gemälde ist eine Version von Caravaggios berühmter "Maria Magdalena in Ekstase", von der es zahlreiche Kopien gibt, aber das Original des Meisters gilt seit seinem Tod im Jahr 1610 als verschollen. Die renommierte Caravaggio-Expertin Mina Gregori hat das Gemälde begutachtet und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich um ein authentisches Werk des italienischen Künstlers handelt. Auf ihr Anraten hin durchforsteten die Eigentümer des Gemäldes ihre privaten Unterlagen und stießen tatsächlich auf lange Zeit übersehene, geheimnisvolle Dokumente. Diese Dokumente werfen Licht auf das Kunstwerk und seinen Schöpfer. Zwei der angesehensten Kunsthistorikerinnen Italiens, Orietta Verdi und Francesca Curti, haben anhand dieser Indizien die Entstehungsgeschichte des Gemäldes rekonstruiert. Es scheint, als folge das Gemälde dem tragischen Lebensweg Caravaggios in den letzten vier Jahren seines Daseins. Der Meister der Hell-Dunkel-Malerei, der selbst viele Schattenseiten hatte, geriet in eine verhängnisvolle Wendung seines Schicksals, als er wegen einer tödlichen Auseinandersetzung des Totschlags beschuldigt wurde. Um seiner Verurteilung zu entgehen, floh er nach Neapel, dann nach Malta und schließlich nach Sizilien. Während dieser turbulenten Zeit entstand die "Maria Magdalena in Ekstase". Die Authentifizierung dieses Fundes führt die beiden Forscherinnen immer wieder zu diesem einschneidenden Vorfall zurück, der Caravaggio bis zu seinem Tod in einem kleinen Hafen in der Toskana verfolgte. "Das Caravaggio-Geheimnis" erzählt von den außergewöhnlichen Ermittlungen zur Herkunft dieses unerwarteten Kunstwerks, das nunmehr zu den großen Legenden der Kunstgeschichte gehören könnte. Diese faszinierende Geschichte verspricht, die Geheimnisse um Caravaggios Leben und Werk aufzudecken und die Welt der Kunstliebhaber und Historiker gleichermaßen zu begeistern.
07:05
George Tatirayi erinnert sich gut an die Zeit, als er es als junger Friseur schwer hatte. Frauen gingen lieber zu anderen Frauen, um sich die Haare machen zu lassen - und Männern war es ohnehin höchst suspekt, wenn ein anderer Mann den Kopf ihrer Partnerinnen berührte. Diese Zeiten sind noch nicht lange vorbei, doch inzwischen hat sich viel verändert. In den Straßen von Harare, der Hauptstadt Simbabwes, gibt es immer mehr männliche Friseure. Die Toleranz der Kundschaft ihnen gegenüber ist gestiegen - viele Frauen glauben sogar, dass Männer die besseren Friseure sind. Was für sie wie ein Segen erscheint, empfinden manche alteingesessene Friseurinnen als Problem. So auch Sandra Ciatsi. In ihrer Familie wird das Friseurhandwerk seit Generationen ausgeübt - es ist Sandras Leben und ihre Leidenschaft. Inzwischen betreibt jedoch Rasta Jabu mit seinen Kollegen einen ähnlichen Salon, nur wenige Hundert Meter weiter die Straße hinunter. Auf lange Sicht glaubt Sandra nicht daran, dass sich Männer in diesem Geschäft durchsetzen können. Sie hält deren Stil für zu eindimensional - ihr Auftreten für zu aggressiv. Hoffnung schöpft sie auch daraus, dass die traditionellen Friseurschulen weiterhin mehr Frauen als Männer ausbilden. Und doch spürt jeder in der Branche: Etwas ist im Umbruch. Wie tiefgreifend diese Veränderungen sein werden, zeigen die kommenden Jahre. Sandra fühlt sich gewappnet. Dass auch ihr direkter Konkurrent Jabu sich selbst als bestens gerüstet sieht, beunruhigt sie nicht. Behauptet sie zumindest ...
07:40
"Fliegen ist viel mehr als nur ein Teil meines Lebens. Es gehört zu mir, bedingungslos. Alle Tränen und alle Stürze haben sich gelohnt. Ich fliege, weil es für mich wie Atmen ist." Laurie Lubbe gehört zur französischen Nationalmannschaft. Die Athletin und Trainerin fliegt im Windkanal in der künstlerischen Disziplin Freestyle. Die Herausforderung liegt darin, in einem Luftstrom von 200 Stundenkilometern den eigenen Körper zu kontrollieren. Die kleinste Bewegung hat enorme Folgen - eine Bewegung der Hände zum Beispiel kann eine plötzliche Drehung bewirken, für das Auf- und Absteigen reicht es, den Oberkörper zu strecken oder zu entspannen. Enorm viel Erfahrung und Training braucht es erst recht dann, wenn es um ganze Choreographien geht. Der Windtunnel wird überwiegend von Fallschirmspringern genutzt, sie trainieren hier Übungen, die sie sonst am freien Himmel machen. Laurie ist eine Ausnahmeathletin - nicht nur, weil sie eine der wenigen Frauen in diesem Sport ist. Ihre Anmut und Eleganz beim Flug sollen nun auch die Preisrichter der französischen Meisterschaften in Lyon überzeugen.
08:35
La Lutte - der Ringkampf des Senegal: Körperliche Stärke trifft dabei auf spirituelle Magie. Fans feiern ihre Helden und erleben ihre mystische Kraft. Der Sport ist in dem westafrikanischen Land populärer als Fußball. Ganze Stadtviertel begeistern sich für ihre Helden im Ring, die nicht selten aus ihrer Mitte stammen und daher voller Stolz verehrt werden. Immer an der Seite der Kämpfer dabei: Marabouts, spirituelle Heiler, die mittels Magie und Fetischen ihre Schützlinge mit Kraft und Macht ausstatten. Entstanden ist La Lutte im Süden des Senegal, in der Casamance. Dort traten die Bauern seit Jahrhunderten nach einer erfolgreichen Ernte gegeneinander an, Männer ebenso wie Frauen. Von hier stammt auch Gorgui Étudiant. Er gehört zu den aufstrebenden Talenten dieses Sports und will seinen Status demnächst durch einen anstehenden Vorbereitungswettkampf untermauern. Auch sein Freund Sokhor Clé wird demnächst in den Ring steigen. Im Gegensatz zu Gorgui, der einer wohlhabenden Mittelschichtfamilie entstammt, braucht Sokhor den Sieg jedoch dringender denn je. Zum einen ist er als Schneider und Gelegenheitschauffeur auf das hohe Preisgeld angewiesen. Zum anderen hat er bereits seinen letzten Kampf verloren. Da die Kämpfer nur wenige Male im Jahr antreten, zählt jede Niederlage doppelt. Für Sokhor, den nicht mehr unumstrittenen Helden seines Viertels, geht es dieses Mal also um alles: Sieg oder Niederlage, Auf- oder Abstieg, Schmach oder Schande. Um einen drohenden Gesichtsverlust abzuwenden, trainiert er wochenlang und sucht Hilfe bei religiösen Würdenträgern. Wird es am Ende reichen?
09:30
(1): Jokha Alharthi: Die Liebe in Oman (2): Im Oman: Die Seefahrer aus der Wüste (3): Oman: Ab auf die Insel!
10:05
Fast am äußersten Nordrand des Beringmeers liegt die ehemalige Goldgräberstadt Nome. Von den knapp 30.000 Einwohnern, die hier zu Zeiten des Goldrausches lebten, sind noch 4.000 geblieben. Einer von ihnen ist der Fischkutter-Kapitän Adem Boekmann. Wenn die See zugefroren ist, geht er aufs Eis und sucht nach einem anderen Schatz des Polarmeeres: den Königskrabben. Noch immer dem Goldrausch verfallen sind hingegen Derek und seine Kumpel. Bei lebensgefährlichen Tauchgängen unter der meterdicken Eisschicht spülen sie mit einem überdimensionalen Staubsauger den Sand vom Meeresgrund an die Oberfläche. Dort filtern sie kleinste Goldpartikel heraus - und hoffen tagtäglich auf den großen Fund. 1.300 Kilometer weiter südlich bildet die Inselgruppe der Aleuten die Südgrenze der Beringsee. Auf Unalaska Island ist der Polizist Jason Pforsich mit seinem Streifenwagen unterwegs, in einem der wohl einsamsten Reviere der Welt. In Dutch Harbour, einem wichtigen Fischereihafen der USA, gibt es wenig Kriminalität, dafür aber umso aufdringlichere Weißkopfadler, die der Cop vertreiben muss. Für die auf der Insel Little Diomede in größter Abgeschiedenheit lebenden Einwohner ist der Hubschrauber die einzige Verbindung zur Außenwelt. Robert Soolook, der Stammesälteste der 80 dort lebenden Inuit, blickt aus seinem Fenster nicht nur auf ein anderes Land, sondern auch in die Zukunft: Nur einige Kilometer entfernt liegt die zu Russland gehörende Insel Big Diomede, direkt hinter der Datumsgrenze. Mit beeindruckenden Aufnahmen und einmaligen Geschichten zeichnet die Dokumentation ein authentisches Bild vom Leben auf den Inseln am Rande der Zeit.
10:50
Kabeljau kommt fast überall im Nordatlantik vor. Als Jungfisch vor der Geschlechtsreife und als kleinwüchsiges Ostsee-Exemplar wird er Dorsch genannt. Skrei, der norwegische Winterkabeljau, hingegen ist kulinarisch ein Edelfisch. Sobald er im Alter von fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif wird, wandert er von der eisigen Barentssee zum Laichen mehr als tausend Kilometer bis zu den norwegischen Lofoten. Sein festes und mageres Fleisch macht ihn zu einer Delikatesse. Für die Fischer Jan-Ivar Pettersen und seinen Sohn Bjarne ist die Skrei-Saison von Januar bis April wichtig, aber auch schwer planbar, weil das Wetter im Winter sehr rau und unbeständig ist. Manchmal können sie tagelang nicht auf das stürmische Meer hinausfahren. Der Großteil des Fangs trocknet über großen Holzgestellen an der Luft und wird dann als Stockfisch weltweit exportiert. Den frischen Skrei gibt es bei der Familie meist traditionell zubereitet: Boknafisk, eine halbgetrocknete Variante, gebratene Skrei-Zungen oder als Mölje, gekochter Skrei mit Rogen und Leber. Eine neue Kreation ist wilder Seetang auf Skrei-Filet. Sonja Hagen, Jan-Ivars Frau, arbeitet in Ballstad an der Grundschule. Von ihren sechs Kindern sind zwei auf den Lofoten geblieben: Bjarne, der mit seinem Vater zum Fischen rausfährt, und Björn, der in die Fußstapfen seiner Mutter getreten ist und als Lehrer arbeitet. Das Lieblingsgebäck der Norweger fehlt auch auf den Lofoten nicht: frische Waffeln, die Sonja mit ihren Enkeln backt - ganz ohne Fisch!
11:20
Kein anderes Gewürz prägt die türkische Esskultur so stark wie Kumin. Den deutschen Namen Kreuzkümmel erhielt er wegen seiner äußeren Ähnlichkeit mit echtem Kümmel. Er riecht und schmeckt aber ganz anders. Kreuzkümmel blüht im Frühjahr. Die Blütenstände verraten seine Zugehörigkeit zur Familie der Doldenblütler, zu der auch Anis und Fenchel gehören. Kumin aus der Türkei gilt als die schmackhafteste Sorte dieses Gewürzes weltweit. Geerntet wird er von Saisonarbeitern wie Halit, der mit seinen Kindern die harte Erntearbeit macht. Vom Taurusgebirge geschützt, ist Zentralanatolien das westlichste Verbreitungsgebiet des Gewürzes. Garantiert vier glühend heiße Sommermonate braucht Kreuzkümmel, um genug Öle anzusammeln. Dann ist er in seinem besonderen Geschmack nach Zitrone unschlagbar, findet Gewürzhändler Ahmet Kadioglu. Er betreibt in der fünften Generation einen Gewürzhandel im berühmten Gewürzbasar von Istanbul. Die türkische Küche schätzt Hülsenfrüchte, und Kreuzkümmel hilft bei der Verdauung. Das wissen auch die Freundinnen um Zehra Demir. Gemeinsam betreiben die modernen Istanbuler Hausfrauen das angesehene Restaurant Potlatsch, was so viel heißt wie "Freude am Schenken." Die Reise geht zwischen dem streng islamischen Handelszentrum Konya in Anatolien und der quirligen, modernen Weltstadt Istanbul hin und her. Denn in Istanbul verschmelzen Traditionen und Moderne - im Leben und in der Küche. Aber eine Konstante bleibt: Der unwiderstehliche Duft von Kreuzkümmel, der in der Luft liegt.
12:05
Die Liparischen Insel sind berühmt für ihre Kapern. Die besten kommen von der Insel Salina. Auf einem Felsplateau über der schroffen Küste liegt der kleine Ort Pollara. Hier werden seit Generationen Kapern angebaut. Geerntet werden die Knospen des Kapernstrauches. Mit einer geschickten Drehung des Handgelenks wird die zarte Knospe abgepflückt. Nach der Ernte werden die Knospen sofort in Meersalz konserviert. Über einige Monate fermentieren die Kapernknospen im Salz. Das entzieht ihnen Wasser und Bitterstoffe. Die filigrane Blüte des Kapernstrauches überdauert nur einen Tag. Wird sie von einer Biene befruchtet, wächst aus ihrem Stempel die Frucht der Kaper, Kapernapfel genannt. Auf der Nachbarinsel Stromboli werden die Kapern nicht auf Feldern angepflanzt. Sie wachsen wild. Zu ihrer Vermehrung trägt die Sizilianische Mauerechse bei. Sie frisst die Kapernäpfel und scheidet die Samen wieder aus. Auf Stromboli entsteht auch der bisher einzige Kapernhonig der Welt. Die einmalige Natur der "sieben Schwestern" genannten Inseln steht zu großen Teilen unter Naturschutz. Der Stromboli ist der einzige dauerhaft aktive Vulkan Europas. Aus dem gut 900 Meter hohen Krater steigt ständig Rauch und Feuer auf. Kapern und Malvasia-Wein sind bis heute die wichtigsten Agrarprodukte der Insel Salina. Als im 19. Jahrhundert die Reblaus die Weinstöcke vernichtete, wanderten viele Insulaner nach Amerika und Australien aus. Der Kapernstrauch ist perfekt an das Klima und den vulkanischen Boden der Insel angepasst. Das verleiht den Kapern von Salina ihr einzigartiges Aroma.
12:50
Koriander ist eines der vielseitigsten Gewürze der Welt und verbindet seit Jahrtausenden die Küchen verschiedener Kulturen. Während seine frischen Blätter mit ihrem intensiven, frisch-würzigen Aroma Salate, Suppen und Soßen bereichern, geben die Samen Currys, Marinaden und Backwaren eine warme, blumige Note. In Portugal ist Koriander jedoch weit mehr als nur eine Zutat - er ist ein zentraler Bestandteil der kulinarischen Identität. Besonders im Süden Portugals ist das Gewürz aus der regionalen Küche nicht wegzudenken. Es steht für eine bodenständige Küche aus einfachen Zutaten mit einzigartig herzhaftem Geschmack. Der Bauer Joaquim Velhinho legt auf seinem kleinen Hof jede Woche neue Saat aus, um die ununterbrochene Nachfrage zu bedienen. Für ihn ist Koriander nicht nur ein Produkt, sondern Tradition. In Lissabon begeistert Gourmetkoch Leopoldo Calhau seine Gäste mit neu interpretierten traditionellen Gerichten. Er zeigt seinen Kunden täglich, wie wichtig das Kraut für die portugiesische Küche ist. Die Wissenschaftlerinnen Noémia Farinha und Orlanda Póvoa untersuchen seit über 20 Jahren den Koriander. Sie erforschen seine Bedeutung für Medizin und Landwirtschaft. Ihre Arbeit macht es möglich, dass Landwirte heute Saatgut portugiesischer Herkunft nutzen können - ein Gewinn für die regionale Wirtschaft und den Geschmack. Ganz im Süden Portugals, an der Algarve, wohnt Madalena auf der kleinen Insel Culatra in der Lagunenlandschaft Ria Formosa, ihre Familie sammelt seit Generationen Herzmuscheln. Herzmuscheln mit Koriander - eines der bekanntesten Gerichte Portugals.
13:35
Bereits die Ureinwohner Mittelamerikas würzten ihre Speisen mit Chiltepin, dem Urahn von Paprika und fast aller Chilischoten. Vögel trugen die scharfen, kirschkerngroßen Chiltepin-Beeren zuerst in die Weiten Mittelamerikas. Als spanische Soldaten Mittelamerika eroberten, nahmen sie das feurige Gewürz mit auf ihre Schiffe, die bis nach Ostasien reisten. So verbreitete sich Chili in alle Welt, veränderte Farbe und Schärfe. Heute wachsen die wilden Beeren auf Feldern im fruchtbaren Norden Mexikos oder versteckt in den Canyons am Rande der Sonora-Wüste in Arizona. Dort fahndet ein Ethnobotaniker nach ihren Standorten, ein Anthropologe reist nach Mexiko, um Chiltepin einzukaufen. Dort findet er nicht nur den wilden Chiltepin, sondern trifft auf eine äußerst talentierte Köchin, die hervorragende Salsas mit Chiltepin und Agavenschnaps zaubert. In den Regionen beiderseits der Grenze, die eine lange gemeinsame Geschichte haben, gehört Chiltepin bis heute an fast jedes Gericht. Und sogar die lokale mexikanische Tanzgruppe, die an den Wochenenden die Landarbeiter unterhält, hat ein Stück zu Ehren des Chiltepin im Repertoire. Aus den brutal heißen Ebenen, in denen im Sommer Temperaturen von weit über 50 Grad herrschen, ragen verstreut Berggruppen auf. Das sind die Sky Islands, Himmelsinseln, biologische Wunderwelten voller Wild, Pflanzen und Vögel inmitten einer lebensfeindlichen Wüste. Eine Gruppe von Forest Rangern erkundet den dichten Wald des Madera Canyon, eine immergrüne Oase für Zugvögel aus Südamerika, und forscht dort nach Vögeln, die sich von wilden Chilibeeren ernähren.
14:20
Zwei US-Marines werden des Mordes an einem Kameraden auf dem kubanischen Stützpunkt in Guantanamo Bay angeklagt. Der junge Anwalt Daniel Kaffee untersucht mit seiner engagierten Kollegin JoAnne Galloway die Umstände des Todesfalls. Hinter dem Verbrechen steckt mehr, als es zunächst scheint. Rob Reiners bekannter Gerichtsfilm mit Tom Cruise, Demi Moore und Jack Nicholson (1992). Auf dem US-Marines-Stützpunkt in Guantanamo Bay spielt sich ein folgenschweres Verbrechen ab: Die Soldaten Dawson und Downey dringen mitten in der Nacht in den Schlafraum ihres Kameraden William Santiago ein und greifen ihn brutal an. Santiago überlebt den Angriff nicht, woraufhin die beiden Männer angeklagt werden. Ihnen wird vorgeworfen, ihren Kameraden vorsätzlich ermordet zu haben, damit er nicht über ein früheres Fehlverhalten Dawsons aussagt. Militäranwalt Daniel Kaffee wird als Verteidiger bestimmt. Der junge Offizier, der sich mehr für Baseball als die Juristerei interessiert, möchte den Fall möglichst schnell hinter sich bringen. Für ihn steht fest: Dawson und Downey sind schuldig. Seine Kollegin Commander JoAnne Galloway sieht das anders: Sie vermutet, dass es sich bei der Tat um einen "Code Red" handelt - eine brutale, illegale Disziplinaraktion, die von einem Vorgesetzten angeordnet wurde. Daniel belächelt zunächst JoAnnes Engagement, auch wenn sie aufgrund ihres höheren Ranges ihm vorgesetzt ist. Nach und nach beginnt jedoch auch er, an der offiziellen Version zu zweifeln, und beschließt, gemeinsam mit ihr und seinem Assistenten Leutnant Sam Weinberg der Sache auf den Grund zu gehen. Als sie den hoch angesehenen Colonel Nathan Jessep ins Visier nehmen, steht Kaffee vor einer Entscheidung: Wird er seinen Ruf und seine Karriere aufs Spiel setzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen?
16:30
Was passiert, wenn traditionelle Zirkuskunst auf die Gegenwart trifft? Beim 44. Weltfestival des Zirkus von Morgen im Pariser Cirque Phénix wurde diese Frage wie jedes Jahr spektakulär beantwortet. Hier zeigte sich, wie lebendig diese Kunstform aktuell ist: Sie ist fest in der Gegenwart verankert und offen für neue ästhetische Ausdrucksformen. Zirkuskünstlerinnen und -künstler aus rund 15 Ländern - von Tansania bis Grönland, von der Ukraine bis Japan - präsentierten Nummern, die begeistern: Ein dänisches Schleuderbrett-Team (X-Board X) gewann die Goldmedaille, ein tansanischer Rola-Bola-Künstler (Hakuna Matata) wurde ebenfalls mit Gold belohnt, und ein japanischer Jo-jo-Virtuose (Toy Toy Toy) verzauberte das Publikum und erhielt dafür die Silbermedaille. Dazu kamen atemberaubende Nummern auf Klappstühlen, ein Hand-zu-Hand-Duo, das Rollenklischees aufbrach (Agathe und Adrien) sowie ein chinesisches Cyr-Wheel-Kollektiv, das mit perfekter Präzision glänzte. Ob Akrobatik, Jonglage oder poetisches Akro-Theater - dieses Festival ist ein faszinierendes Kaleidoskop heutiger Zirkuskunst. Und die Botschaft? Zirkus ist längst mehr als Tradition - er ist eine Kunstform, die sich ständig neu erfindet. Mit: - X-Board X, Schleuderbrett, Dänemark, Goldmedaille - Hakuna Matata, Rola-Bola, Tansania, Goldmedaille - Toy Toy Toy, Jo-jo, Japan, Silbermedaille - Franco Pelizzari del Valle, Akro-Theater, Argentinien, Bronzemedaille - David Trappes & Skip Walker-Milne, Stab, Australien - Agathe et Adrien, Hand-zu-Hand-Duo, Kanada/Frankreich - Maksym Vakhnitskyi, vertikales Seil, Ukraine - Sergiy Mishchurenko & Vladyslav Tsarov, doppelte Flugstange, Ukraine - Troupe de Guangzhou - Chen Tao, Cyr Wheel, China - David Yemishian, Jonglage, Ukraine - Malou Latrompette & Alizé Poitreau, Trapez, Frankreich - Marceau Bidal, Asymmetrische Träger, Frankreich Zu Gast: - Les Acrostiches - Excentriques (Frankreich)
18:05
Wie schon oft kehrt Magdalena Kozená mit ihrem Ehemann Sir Simon Rattle in ihre Heimat zurück. Die ausgebildete Sängerin des Brünner Konservatoriums und der Akademie der Darstellenden Künste in Bratislava wurde 1995 mit dem Sieg beim Internationalen Mozart-Wettbewerb international bekannt. Vier Jahre später unterzeichnete sie einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon und veröffentlichte zahlreiche preisgekrönte Aufnahmen (Gramophone Award, Echo Klassik, Diapason d'Or). Ihre künstlerische Tätigkeit reicht von Liederabenden über Konzertauftritte bis zu Opernrollen - darunter regelmäßige Engagements an der Metropolitan Opera in New York. Neben der Klassik widmet sie sich auch Swing und Flamenco. Ihr Repertoire umfasst Musik vom Barock bis zur Gegenwart, wobei sie sich besonders als Botschafterin tschechischer Musik hervorgetan hat. Sir Simon Rattle war in den vergangenen Jahren häufig im Rudolfinum zu erleben. In der Saison 2022/2023 war er gemeinsam mit Kozená Artist in Residence der Tschechischen Philharmonie. Er dirigierte zahlreiche Symphonien und Vokalwerke aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert - jenes Repertoire, das ihn berühmt gemacht hat. Zuletzt trat er im Februar 2024 mit Yuja Wang auf; ihre gemeinsame Asien-Tournee 2017 brachte eine Grammy-nominierte Aufnahme hervor. Seit 2024/2025 ist Rattle Erster Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie.
19:05
"Mit offenen Karten" analysiert dieses Mal ein Phänomen, das sich fast unbemerkt vor aller Augen abspielt: das weltweite Artensterben. Von der Schleiereule über den europäischen Nerz bis zu den Amphibien in Asien - die Vielfalt der Lebewesen nimmt auf allen Kontinenten schneller und stärker ab als je zuvor. Gründe dafür sind die Zerstörung der Lebensräume, Umweltverschmutzung, Klimawandel und die generelle Übernutzung durch den Menschen. Die Weltkarte der bedrohten Tierarten zeigt, wo das Artensterben am ausgeprägtesten ist und wo es noch eine Aussicht auf Rettung gibt. SOS Tierwelt: ein Notstand internationalen Ausmaßes.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Tatiana-Mosio Bongonga lebt mit ihrer dreijährigen Tochter und der von ihr gegründeten Artistengruppe in einem pittoresken Dorf am Fuße der Cevennen. Die Reportage begleitet sie beim Training in den Tagen vor ihrem großen Auftritt am "Stade de France" vor den Toren von Paris. Für Tatiana ist der bevorstehende Auftritt eine technische, künstlerische und menschliche Herausforderung. Um sie herum ist ein ganzes Team im Einsatz. In Saint-Denis kümmert sich ihr Kompagnon und Mitstreiter Jan Naets drei Tage lang mit fünf Seilkletterern allein um die aufwendige Installation des Seils und die Einweisung des Bodenpersonals zur Absicherung. Seiltanz ist ein ständiges Ausloten der Grenzen zwischen Erdanziehungskraft und akrobatischer Eleganz: Die Artistin beherrscht das Gleichgewicht, das es ihr ermöglicht, sich tänzerisch vorwärtszubewegen, ohne in die Tiefe zu stürzen. Es ist eine Zirkuskunst, die sowohl die Darstellerin als auch das Publikum in ihren Bann zieht. Tatianas Anmut und ihre kalkulierte Risikobereitschaft ziehen alle Blicke auf sich. Jede Darbietung auf dem Hochseil ist ein luftiges und tänzerisches Abenteuer, das von einprägsamer Livemusik begleitet wird, aber auch von zahlreichen Helfern, die zur Stabilisierung des Seils beitragen. Kein Zuschauer kann sich der Faszination eines scheinbar schwerelos zwischen Himmel und Erde balancierenden Menschen entziehen.
20:15
Die dreiteilige Dokumentation begleitet Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci in ihren frühen Jahren - zwei Künstler, die im Florenz der Renaissance um Anerkennung kämpfen. Die Stadt war zwar ein Zentrum der Künste, doch der Beruf des Malers oder Bildhauers genoss kaum Prestige. Dennoch zieht der junge Michelangelo die Aufmerksamkeit von Lorenzo de' Medici auf sich. Michelangelo hat erkannt, dass Kunst mehr als nur Schönheit ist - sie ist ein Instrument der Macht. In einer Zeit, in der italienische Stadtstaaten um Vorherrschaft ringen und durch benachbarte Mächte wie Frankreich oder das Habsburgerreich bedroht sind, sind prunkvolle Werke wertvolle diplomatische Tauschobjekte. Lorenzo fördert Michelangelo, der im Kreis der Medici die Ideale der Renaissance verinnerlicht. Hier entsteht sein erstes großes Werk, das Marmor-Relief "Kentaurenschlacht". Doch während Michelangelo in Florenz Fuß fasst, scheitert Leonardo da Vinci an der Konkurrenz. Die Medici ignorieren ihn, also wendet er sich an Ludovico Sforza, den skrupellosen Herzog von Mailand. Da Vinci bietet ihm zunächst seine Dienste als Ingenieur an, um Waffen und zivile Verteidigungsanlagen zu entwerfen. Bald darauf malt er "Die Dame mit dem Hermelin" und beginnt mit der Arbeit an einer monumentalen Reiterstatue, die Sforzas Macht symbolisieren soll. Bevor das Werk vollendet ist, brechen Unruhen über Mailand herein. Die Stadt gerät unter den Einfluss des fundamentalistischen Bußpredigers Savonarola, der die Medici verbannt und die Kunst ächtet. Michelangelo flieht nach Rom, wo er mit der "Bacchus"-Statue für den Vatikan ein Meisterwerk schafft, das jedoch nicht dem Zeitgeist entspricht. Sein Ruf wankt. Während Leonardo da Vinci in Mailand mit dem "Letzten Abendmahl" seinen Ruhm als Maler begründet, erhält Michelangelo in Rom den Auftrag für eine "Pietà". Er weiß, dass dies seine letzte Chance ist. Das Ergebnis wird zu einem der bewegendsten Werke der abendländischen Kunstgeschichte.
21:05
Leonardo und Michelangelo kehren nach Florenz zurück - beide fest entschlossen, der größte Künstler zu werden, den die Stadt je hervorgebracht hat. Im Jahr 1498 hatten die Florentiner gerade den radikalen Bußprediger Savonarola gestürzt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und Florenz zur Republik erklärt. Michelangelo sieht darin einen Neuanfang, der auch die Kunst zu neuer Blüte bringen könnte. Leonardo wiederum eilt ein hervorragender Ruf aus Mailand voraus. Erbittert wetteifern die beiden Männer um die besten Aufträge der Florentiner. Die neue Regierung beschließt, eine Bürgerarmee zur Verteidigung der Stadt aufzubauen, und erkennt die entscheidende Bedeutung der Kunst. Der erste Auftrag soll ein mächtiges Symbol für die Stadt Florenz sein: eine riesige Skulptur von David, der den Riesen Goliath mit einem einfachen Steinschleuder niederstreckt. Michelangelo gewinnt die Ausschreibung. Um nicht zurückzustehen, unternimmt Leonardo den beispiellosen Schritt, sein Atelier für die Öffentlichkeit zu öffnen, um seine Meisterschaft als Maler und Zeichner unter Beweis zu stellen. In diesem angespannten kreativen Umfeld bringt sich ein dritter Wettbewerber ins Spiel: Raffael Santi, ein Wunderkind aus Urbino. Es dauert nicht lange, bis er erste Aufträge erhält. Michelangelo wird vom neuen "Kriegerpapst" Julius II. nach Rom gerufen. Er beauftragt den Künstler mit einem Malprojekt von buchstäblich biblischen Ausmaßen: der Decke der Sixtinischen Kapelle.
21:55
Michelangelos Rivale Raffael enthüllt in den päpstlichen Gemächern "Die Schule von Athen" - ein überwältigender Erfolg. Gleichzeitig arbeitet Michelangelo so besessen an der Decke der Sixtinischen Kapelle, dass er darüber sogar das Essen vergisst. Obwohl die künstlerischen Großtaten der beiden Maler das Ansehen des Papstes steigern, sorgen seine militärischen Misserfolge und sein luxuriöser Lebenswandel zusehends für Kritik. Als Martin Luther 1510 nach Rom kommt, ist er entsetzt und beginnt, eine Reform der Kirche zu fordern. 1512 enthüllt Michelangelo schließlich seine Deckenmalerei in der Sixtinischen Kapelle. Der Papst ist begeistert: Das Meisterwerk zelebriert eindrucksvoll den Ruhm des Papsttums. Doch nur wenige Monate später stirbt Julius II.. Sein Nachfolger Leo X., ein Medici und früherer Bekannter Michelangelos, gibt Raffael den Vorzug. Doch seine verschwenderischen Werke schüren die wachsende Empörung über die Prunksucht der Kirche. Luthers Aufruf zur Reformation zieht immer größere Kreise. Der neue Papst Clemens VII. verschließt sich den Forderungen der Protestanten ... bis es zu spät ist. Enttäuscht kehrt Michelangelo nach Florenz zurück und hinterfragt den Sinn seiner Kunst. Der Tod von Leonardo und Raffael vertieft seine Schaffenskrise. 1527 plündern lutherische Soldaten aus Deutschland Rom und zwingen den Papst zur Flucht. Clemens VII. will sich der Kunst bedienen, um die Vorherrschaft der katholischen Kirche angesichts der Reformation wiederherzustellen. Er holt Michelangelo zurück nach Rom und beauftragt ihn, die Altarwand der Sixtinischen Kapelle zu schmücken. So entsteht ein monumentales Werk, das auch Michelangelos persönlichen Wunsch nach Erlösung widerspiegelt.
22:45
23:40
Das Hochland von Tibet ist eines der letzten noch weitgehend unberührten Gebiete der Welt, ein Lebensraum seltener und kaum bekannter Tierarten. In diese Wildnis reisen der mehrfach ausgezeichnete Naturfotograf Vincent Munier und der Schriftsteller Sylvain Tesson. Mehrere Wochen lang durchstreifen sie die Täler des Himalayas auf den Spuren einzigartiger Tiere wie dem vom Aussterben bedrohten, äußerst menschenscheuen Schneeleoparden. Die Suche nach der nahezu unsichtbaren Wildkatze wird für Tesson zu einer fast spirituellen Erfahrung. Vincent Munier lehrt den Schriftsteller, die Landschaft zu lesen, regungslos auszuharren und aufmerksam zu beobachten. Der Schneeleopard steht mehr als jedes andere Tier für die bedrohte Wildnis. Die majestätische Großkatze ist in naher Zukunft vom Aussterben bedroht und so auch ein Sinnbild für die ganze faszinierende Artenvielfalt, die der Mensch zunehmend zerstört. Der Mensch darf sich dem geheimnisvollen Raubtier nur mit äußerster Vorsicht nähern. Der Film wirft nicht zuletzt die Frage auf, wer hier wen beobachtet: der Mensch das Tier oder das Tier den Menschen? Koautorin Marie Amiguet und Vincent Munier folgen dem Lebensrhythmus der Natur, um ihrem Publikum nicht nur die Bedrohung der Natur, sondern auch die atemberaubende Schönheit der Landschaften und Tiere vor Augen zu führen.
01:15
Die Geschichte beginnt in der Taiga, im Grenzgebiet zwischen Finnland und Russland. Dort zieht sich ein rund 20 Kilometer breiter und etwa 1.300 Kilometer langer Korridor durch unberührten Wald - ein Niemandsland, das im Lauf der Zeit zum Rückzugsraum für Grauwölfe geworden ist. Der Fotograf Olivier Larrey und der Aquarellmaler Yves Fagniart wollen, jeder auf seine Weise, die Verbundenheit eines Wolfsrudels in Bildern festhalten. Dazu beziehen sie eine winzige Jagdhütte. Vom Wintereinbruch bis zum darauffolgenden Herbst harren sie dort aus - mit kurzen Unterbrechungen, um Vorräte aufzufüllen. Sie lernen, sich wochenlang kaum zu bewegen, eins zu werden mit der Natur, so wenig und so leise wie möglich zu sprechen. Aus nächster Nähe werden sie zu faszinierten, aber auch besorgten Zeugen der fragilen Schönheit der Wildnis. Die Perspektive bleibt gleich - und verändert sich doch mit jedem Tag. Schwarze Kolkraben im weißen Schnee werden zum künstlerischen Motiv, ein vorbeiziehender Vielfraß sorgt für überraschende Momente. Schließlich wird ihre Geduld belohnt: Das Wolfsrudel erscheint. Yves Fagniart und Olivier Larrey erleben mit, wie der Vielfraß von den Wölfen angegriffen wird, und beginnen, das Rudel zu beobachten, zu zeichnen und zu fotografieren. Sie geben jedem Tier einen Namen. Das größte Geschenk: Nachwuchs, der im Lauf der Jahreszeiten vor ihren Augen heranwächst.
02:10
Noch heute erinnert man sich auf Savai'i an den Vater von Monica Flaherty, der hier 50 Jahre zuvor das Leben der Samoanerinnen und Samoaner filmisch festgehalten hatte. Während einer Begrüßungszeremonie wird Monica von den Dorfbewohnern reich beschenkt. Erinnerungen an glückliche Kindheitstage auf der paradiesischen Insel werden wach. Parallel zu Rückblenden zeigt der Dokumentarfilm die Entstehung des Stummfilms "Moana" (1926). Nach dem immensen Erfolg von "Nanuk, der Eskimo" (1922) war Robert J. Flaherty von Paramount mit einem weiteren Dokumentarfilm beauftragt worden. Der Filmemacher reiste mit seiner Frau Frances und ihren Kindern auf die Insel Savai'i im Südpazifik, um die aussterbende Kultur des dort lebenden Volkes für ein amerikanisches Publikum zu dokumentieren. 50 Jahre später kehrt seine Tochter Monica mit einem kleinen Team auf die Insel zurück, um die einzelnen Szenen zu vertonen. Dazu trifft sie sich mit Pe'a Taule'ale'ausumai, einem der Hauptdarsteller von "Moana". In Zeremonien lernt sie die komplexe Kultur des Austauschs von Geschenken und Ehrungen der Samoaner kennen. Sie sucht auch Fa'agase Su'a-Filo auf, eine der Hauptdarstellerinnen, die von Robert Flahertys Arbeitsmethoden erzählt. Bei der Abschiedszeremonie mit den Häuptlingen des Dorfs wird Monica der ehrenhafte Titel Taupo, Tochter von Safune, verliehen. Monica hält eine Rede und beteuert, mit der vertonten Version von "Moana" zurückzukehren. Sechs Jahre später arbeitet Monica in New York mit dem Tontechniker Lee Richter daran, die eigenen Aufnahmen mit den Szenen aus "Moana" zu kombinieren. Monicas vertonte Version wurde 1981 in der Pariser Cinémathèque uraufgeführt. Die Kritik lobte den Film als einen der besten post-synchronisierten Filme der Geschichte.
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Im eigenen Land produzierter Wein könnte künftig bei über einer Milliarde Inder auf den Tisch kommen - vielleicht sogar bei Weinliebhabern auf der ganzen Welt. Die Dokumentation stellt einige dieser visionären Weinbauern vor. Rajeev Samant gehört zu den Vorreitern der indischen Weinkultur. Er hat den Weinbau nach Indien gebracht und legte die ersten Weinberge des Landes an. Mit seinem Gut Sula Vineyards, das wie ein Themenpark rund um Wein und Lifestyle gestaltet ist, erreichte er in weniger als 20 Jahren das Produktionsniveau der weltweit größten Weinbauern. Auf den Spuren von Pionieren wie Samant investiert der Franko-Inder Ravi Viswanathan bedeutende Summen in das Weinunternehmen Grover Zampa. Er möchte mit seinen Weinen zur internationalen Spitzenklasse vordringen. Bei einem Besuch während der Weinlese spricht er über seine Ziele für sein neues Gut und darüber hinaus. In Mumbai, der wirtschaftlichen und kulturellen Hauptstadt des Landes, hat sich Sonal Holland ganz dem Wein verschrieben. Die Weinkennerin, die als Einzige in Indien den Titel "Master of Wine" trägt, will den Frauen ihres Landes den Genuss edler Tropfen nahebringen. Denn für sie steht fest: Die neue Weinkultur unterstützt das Streben der jungen Inderinnen nach Erfolg und Emanzipation. Der Wein ist zum Symbol einer Gesellschaft geworden, die sich verändert und weiterentwickelt.
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Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.