19:40
Ursulae ist schwer gefordert: Die Mitarbeiterin des Waldkindergartens im indonesischen Nyaru Menteng ist mit zwei ihrer Schützlinge unterwegs, um ihnen das Leben im Regenwald beizubringen. Selfie und Nia sind Orang-Utan-Waisen, die von der Nichtregierungsorganisation Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) krank und unterernährt aus Privathaushalten gerettet wurden. Die Organisation bemüht sich seit Jahren darum, Waisen wie diese beiden nach der Rettung auf ein Leben in der Natur vorzubereiten. Eine Arbeit, die Jahre dauert - denn nach uns Menschen pflegen Orang-Utans die längste Bindung zu ihren Nachkommen: Bis zu neun Jahre verbringen die Mütter mit ihrem Nachwuchs, bevor sie diesen in die Selbstständigkeit entlassen. In dieser Zeit bringen sie ihren Jungen alles bei, was sie wissen müssen, um zu überleben. Eine Aufgabe, die nun die Mitarbeitenden der Auffangstation übernehmen. Um jedem Alter gerecht zu werden, ist die Aufzucht der jungen Menschenaffen in mehrere Teile gegliedert - in einen Kindergarten, eine Schule und einen anschließenden mehrjährigen Aufenthalt auf sogenannten Vorauswilderungsinseln. Erst wenn sie all diese Stationen durchlaufen haben, sind die jungen Tiere bereit, in ihre ursprüngliche Heimat, die Wildnis, zurückzukehren. Seit Bestehen der Auffangstation in Nyaru Menteng erlangten mehr als 800 Orang-Utans ihre uneingeschränkte Freiheit in einem der sicheren Waldschutzgebiete auf Borneo. Auch Selfie und Nia sollen eines Tages dorthin zurückgebracht werden. Und Ursulae wird sie auf diesem langen Weg ein gutes Stück begleiten.
20:15
Mitten im Pazifik liegt Hawaii - eine der isoliertesten Inselketten der Erde: mehr als 130 Inseln, geformt von Vulkanen, 3.000 Kilometer vom nächsten Kontinent entfernt. Hier entstand ein Labor der Evolution mit einzigartiger Flora und Fauna. In der aufwendig produzierten Naturdokumentation zeigen Lars Pfeiffer und Florian Graner in spektakulären Bildern die Naturparadiese des Archipels über und unter Wasser. Singende Buckelwale ziehen vor Maui ihre Kälber auf, Spinnerdelfine, Mönchsrobben und Mantarochen bevölkern die Küsten, bunte Vögel und leuchtende Blüten prägen die Regenwälder. Doch die empfindlichen Ökosysteme sind bedroht: Eingeschleppte Axishirsche und Chamäleons setzen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu. An Land kämpft Biologe Rick Barboza für die Rückkehr endemischer Pflanzen, im Meer befreit Aktivistin Ocean Ramsey Tigerhaie von Leinen und Haken. Auf entlegenen Atollen tanzen Laysan-Albatrosse ihren Balzritualen entgegen - bedroht durch Plastikmüll, den Projekte wie das Papahanaumokuakea Marine Debris Project mühsam aus dem Ozean bergen. Exklusive Aufnahmen dokumentieren den Ausbruch des Mauna Loa - ein Schauspiel aus Feuer und Erneuerung. Tief verwurzelt in dieser Landschaft ist die Kultur Hawaiis, getragen vom Prinzip malama ?aina - "sich um das Land kümmern". Aktivistin Hawane Rios kämpft für heilige Orte wie den Mauna Kea, Symbol der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Eine bildgewaltige Reise zu einem Ort, an dem Natur und Kultur untrennbar verbunden sind.
21:45
Faszinierende Landschaften, eine artenreiche Tierwelt und abenteuerliche Geschichten: Das sind die 7.000 Inseln der Karibik. Die Karibik mit ihren Inseln und Atollen ist für heutige Forscher ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis geologischer, klimatischer und biologischer Vorgänge auf unserem Planeten. Kaum eine Region bietet eine solch überwältigende Biodiversität und so viele Superlative. Flora und Fauna sind hier einzigartig: Etwa 72 Prozent der rund 11.000 Pflanzen in der Karibik gibt es nur hier. Im Karibischen Meer tummeln sich etwa 1.400 Arten, darunter allein 76 Haigattungen. Nicht nur Wale suchen die Karibik als Rückzugsgebiet auf. Über 700 Tierarten, die global vom Aussterben bedroht sind, finden hier Lebensraum. Außerdem ist diese Traumregion ein geologischer Hotspot: Vulkane bilden einen kleinen "Ring of Fire". Sie halten die Menschen in Atem. Doch die Karibik war nie das friedliche Paradies, als das es vielen scheint. Katastrophen prägen ihre Geschichte von Anbeginn an: Sei es der Einschlag des Meteoriten, der vermutlich zum Untergang der Dinosaurier führte, oder Erdbeben und tropische Wirbelstürme mit tödlicher Kraft. Grandiose Natur, bewegte Geschichte, so viele Chancen, so viele Risiken. Die Dokumentation "Abenteuer Karibik" beleuchtet ein außergewöhnliches Naturparadies, an dem die Zivilisation nicht spurlos vorübergangen ist.
22:40
Vulkanismus und eruptive Tätigkeit verändern das Gesicht der Erde immer wieder von Grund auf. Und auch an der Entwicklung der Arten haben die feuerspeienden Berge einen wesentlichen Anteil. Die Dokumentation veranschaulicht am Beispiel eines vor 65 Millionen Jahren im Indischen Ozean entstandenen Hotspots den Einfluss von Vulkanen auf Pflanzen, Tiere und Menschen. Während die Dinosaurier den Eruptionen und ihren Folgen wie giftigen Gaswolken und glühenden Lavaströmen zum Opfer fielen, bot die Nähe zu Vulkanen zahlreichen Meerestierarten günstige Lebensbedingungen. Und die Menschen machten sich die fruchtbaren Lavaböden heute noch zunutze. In fünfjährigen Dreharbeiten wurde die Entwicklungsgeschichte des für die Entstehung der Insel Réunion verantwortlichen Hotspots an rund 30 aktiven Vulkanen im Indischen Ozean nachgezeichnet. Im Laufe der Jahrmillionen entstand aus der ständig durch diese Anomalie im Erdmantel austretenden, sehr flüssigen Lava die Insel Réunion, die sich auch heute immer noch ausdehnt.
00:05
Das Bridges-Kammerorchester - The composing orchestra - baut musikalische Brücken und überwindet kulturelle und geografische Grenzen. Musikerinnen und Musiker aus Indien, Syrien, der Türkei, dem Iran, Uruguay, Japan, den USA und Deutschland bringen teils klassische, teils folkloristische Musiktraditionen ihrer Heimatregionen zusammen und kreieren mit ihren Konzerten faszinierende neue Klanglandschaften. Dafür sorgt eine Fülle unterschiedlicher Streich-, und Zupfinstrumente aus Asien und Afrika wie die Langhalslaute Tar, die geigen-ähnliche Rebab, die Sitar sowie zahlreiche Perkussionsinstrumente. Die Stücke werden von Ensemblemitgliedern komponiert und arrangiert. Das Debütalbum "Identigration" wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik 2021 in der Kategorie "Grenzgänge" ausgezeichnet. In diesem Konzert sind zwei Uraufführungen zu hören das Stück "alterity 2.0" von Hindol Deb, Peter Klohmann, Alireza Meghrazi und Tar-Solist Sahib Pashazadeh. Ensemble-Mitgründerin und Flötistin Johanna-Leonore Dahlhoff hat eine Hommage an Ludwig van Beethovens 5. Klavierkonzert komponiert. Die Violinistin und Gastkomponistin Ceren Türkmenoglu ist mit ihrem Stück "Solstice" ("Sonnenwende") zu hören, das sie als Solistin auf der Rebab, einem in West-, bis Ostasien verbreiteten Streichinstrument, interpretiert. Die "Milonga Alfredo" von Gervasio Tarragona Valli ist vom Tango inspiriert. Zahia Ziouani dirigiert.
01:20
Im Sommer 1853 klopft ein junger Mann an die Tür von Clara und Robert Schumann. Es ist Johannes Brahms (1833-1897). Die Schumanns sind zu diesem Zeitpunkt die Musikstars in Europa - Brahms ein Niemand. Nachdem sich die Schumanns seine Kompositionen angehört haben, ist für sie klar: Brahms ist der neue Messias der deutschen Musik. Für alle Drei ist es Liebe auf den ersten Blick: Clara und Robert Schumann fühlen sich magisch von dem Jüngling aus Hamburg angezogen. Und Brahms verehrt die Künstlerin, die international gefeiert wird, ebenso wie den Komponisten und Dichter, der als romantisches Genie gilt. Robert Schumann sieht in Johannes ganz offenbar seinen natürlichen Nachfolger an Claras Seite. Als er stirbt, scheint der Weg für Johannes Brahms frei, doch Clara ist zwölf Jahre älter, Johannes ohne Vermögen, ohne Stellung. Als Komponist hat er noch nichts zustande gebracht. In Brahms klafft ein sich mehr und mehr verhärtender Widerspruch zwischen der Liebe zur Kunst und der Liebe zum Leben. Zwei Seelen wohnen in seiner Brust: Schweren Herzens entscheidet er sich für die Musik und trennt sich von Clara. Das Dokudrama lässt Brahms Leben Revue passieren und erzählt den Werdegang des Genies aus einfachen Hamburger Verhältnissen, der sich zum weltberühmten Komponisten entwickelt und unter anderem in Wien Musikgeschichte schreiben sollte.
02:55
Ein Jahr nach München, Ost-Berlin im August 1973: Die DDR hat die Welt zu Gast. Die X. Weltfestspiele der Jugend sind der sozialistische Gegenentwurf zu den Olympischen Spielen. Unliebsame Gäste erhalten kurzerhand Einreiseverbot, andere werden inhaftiert. Das Sicherheitsaufgebot ist überdimensioniert. Einer der offiziellen "Staatsgäste" ist Jassir Arafat, der an der Seite von Erich Honecker hofiert und von den Massen gefeiert wird. Passend dazu eröffnet damals die offizielle PLO-Vertretung in Ost-Berlin. Wie und warum konnte es passieren, dass sich der "antifaschistische" sozialistische deutsche Staat daran beteiligte, Organisationen und Länder zu unterstützen, die an der Auslöschung des Staates Israel arbeiteten? Was taten beide Seiten dafür, aus der internationalen Isolation auszubrechen? Und welche Rolle spielten die Geheimdienste, vor allem die ostdeutsche Staatssicherheit, die "Stasi"? Antworten geben unter anderem Dominique Vidal, der als französischer Student bei den Weltfestspielen der Jugend für internationales Renommee sorgen soll und sogar zum Posterboy in den WG-Zimmern ostdeutscher Studentinnen wird, und der Historiker Jeffrey Herf von der Universität Maryland, der mit seinem Buch "Unerklärte Kriege gegen Israel" mit der Vorstellung des "konsequent antifaschistischen" Staates DDR aufräumt.
03:46
Wer bislang dachte, Seniorinnen und Senioren hätten keinen Humor, wird in dieser amüsanten Kurzfilmreihe eines Besseren belehrt. Die siebte Staffel der "Alten Schachteln" kommt aus Belgien. In dieser Folge geht es um wesentliche Eigenschaften, um im Medizinstudium erfolgreich zu sein.
03:50
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.