19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Für Melanee Schneider ist Wasser das Element, in dem sie sich am wohlsten fühlt, vor allem, wenn sie mit ihrer glitzernden Nixenschwanzflosse durch die Wellen gleitet: schwerelos und voller Freude im Herzen. Ihre Mutter Margaret dagegen fürchtet es - so wie Millionen Afroamerikaner. Denn über das Wasser kamen die Schiffe, die ihre Vorfahren in die Sklaverei zwangen. Die jahrhundertelange grausame Sklaverei und die anschließenden Rassentrennungsgesetze, die bis 1964 in Kraft waren, entfremdeten die Afroamerikaner vom Wasser und schufen ein folgenschweres Trauma, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Melanees Großmutter, ihre Mutter und auch ihre Schwester haben bis heute nie schwimmen gelernt. Nur Melanee durchbrach das Generationentrauma, wurde Schwimmlehrerin und begeisterte Meerjungfrau mit einer starken Mission: Sie will die Menschen zurück ins Wasser bringen und ihnen die Freude daran vermitteln. Das gelingt ihr, indem sie als Afro Mermaid auf Kindergeburtstagen auftritt und schon den Kleinsten zeigt, wie es geht: Mit Mut und Kraft kann jeder erreichen, was er will, und jede ist schön, so wie sie ist. Damit ist sie nicht allein. Zu Melanees großem Meeresleutetreffen haben sich fast 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet, die aus allen Teilen der USA anreisen. Zusammen schwimmen sie anmutig schwebend und im Vertrauen darauf, dass das Wasser sie trägt. Spielerisch mit den Fischen tanzend und die Welt umarmend, die sie bisher oft ausgeschlossen hat. Nun muss nur noch die Organisation klappen - und an der feilt Melanee zusammen mit ihrem Mann Manny bis zur letzten Minute.
20:15
Bis heute gilt das Mittelmeer als Netz lebenswichtiger Handelswege, als Schmelztiegel von Kulturen und Ideen sowie als Arena politischer und militärischer Kämpfe. Vor gut 2.200 Jahren wurden im Zweiten Punischen Krieg die Weichen für die politischen, kulturellen und religiösen Kräfte gestellt, die Europa und den Mittelmeerraum bis heute prägen. Dabei bekämpften sich das aufstrebende Rom und die etablierte Seemacht des Mittelmeers, Karthago. Begonnen wurde dieser Krieg von Hannibal Barkas, einem karthagischen Feldherrn, der zu den größten der Geschichte zählt. Bekanntheit erlangte er durch die Überquerung der Alpen mitten im Winter mit einem Heer von 80.000 Mann und vielen Kriegselefanten. Hannibals Ziel besteht in der Wiederherstellung der Macht Karthagos. Aufgrund seines taktischen Geschicks, mitsamt unerwarteten Aktionen, schafft er es, die Römische Republik an den Rand des Untergangs zu treiben. Nach der bitteren Niederlage bei Cannae ist es der junge Scipio Aemilianus, der den Widerstand Roms gegen Karthago anführen wird. Hautnah beobachtet er Hannibals militärisches Genie in einer Reihe von Schlachten und lernt daraus, wie man ihn schlagen kann. Scipio verlagert den Krieg aus Italien nach Nordafrika, direkt vor die Tore Karthagos. Hannibal muss Italien verlassen und in die Heimat zurückkehren. Bei Zama treffen die beiden größten Feldherren ihrer Epoche aufeinander. Wer von beiden wird als Sieger hervorgehen - der erfahrene Stratege, der keine Schlacht gegen die Römer verloren hat, oder der Neuling?
21:45
481 vor Christus: Der uneingeschränkte Herrscher der Perser, Xerxes, rüstet sich für einen Feldzug gegen rebellische Städte in Griechenland. Besonders auf Athen hat er es abgesehen, das seinem Vater Dareios bei Marathon eine demütigende Niederlage zugefügt hat. Xerxes beherrscht viele Länder von Kleinasien bis Indien. Sein Reich ist eines der größten der Geschichte, das erste Imperium des Nahen Ostens, mit schier unerschöpflichen Ressourcen. Seit Jahren plant er eine Invasion Griechenlands und hat keine Mühen und Kosten gescheut, um ein riesiges Heer aufzustellen. Ein Kampf von Goliath gegen David - so scheint es. Xerxes trifft auf eine Konföderation griechischer Stadtstaaten, angeführt von Themistokles aus Athen. Den Griechen stehen nur wenige Ressourcen im Vergleich zur gewaltigen Macht des Perserreichs zur Verfügung. Doch sie besitzen einen entscheidenden Vorteil: Athen ist seit zehn Jahren eine Demokratie. Dieses damals radikale politische System ermöglicht es freien Männern - etwa zehn Prozent der Bevölkerung -, ihre Regierung selbst zu wählen. Sie wählen Themistokles. Er entstammt zwar der Aristokratie, gehört aber nicht zum oligarchischen Machtzirkel, der die junge Demokratie Athens prägt. Doch er besitzt rhetorisches Geschick und politischen Scharfsinn. Als Stratege geht er neue Wege: Er versteht es, Gegner zu täuschen, und beherrscht das Intrigenspiel wie kaum ein anderer. Es gelingt ihm, die Athener davon zu überzeugen, im Kampf gegen die Perser auf Schiffe zu setzen. Die Seeschlacht bei Salamis wird alles entscheiden ...
23:15
Für die Animationskünstlerin Émilie Tronche, bekannt durch die Serie Samuel von ARTE, und ihre Freundin Ophélie Lepert ist Freundschaft der Raum, wo jede der beiden sie selbst sein kann, gebaut auf Verständnis und Vertrauen. Für die Ballettstars Friedemann Vogel und Eleonora Abbagnato reicht ein einziger Blick und beide wissen, alles wird gut. Die Senioren des FC Bayern feiern Erfolge, weil die Mannschaft befreundet ist und Probleme ehrlich besprechen kann. Ist die Freundschaft unsere versteckte Superkraft? An der Universität Leiden findet die Neurowissenschaftlerin Berna Güroglu heraus: Freundschaften aktivieren unser Belohnungssystem. Sie fördern den Selbstwert, die mentale Gesundheit und Resilienz. Doch was entscheidet darüber, mit wem wir uns befreunden? In den USA untersucht Thalia Wheatley im MRT: Könnte eine Ähnlichkeit der Reaktionsmuster unserer Gehirne der Funke für die Freundschaft sein? Wie mächtig die Freundschaft ist, zeigt sich, wenn sie fehlt. In Bochum forscht Dirk Scheele nach Ursachen von Einsamkeit. Er weiß, ein Mangel an sozialer Integration erhöht das Risiko, vorzeitig zu sterben: Freunde sind ein Puffer gegen Stress und schützen so die Gesundheit. Im Zeitalter der KI steht die Freundschaft vor der Bewährungsprobe: Kann ein KI-Avatar menschliche Freunde ersetzen? Oder liegt deren Kraft in ihrer Einzigartigkeit, die uns fordert wie fördert? Doch wie finden wir neue Freunde? In Chicago zeigt Verhaltensforscher Nicholas Epley, wie uns falsche Erwartungen auf Abstand halten und wir diese Hürde überwinden können.
00:15
"Klassische Musik war nicht mein Ding", sagt die damals 33-jährige Marie Jacquot über ihre Jugendzeit, in der sie in der höchsten Spielklasse Turniere gewann. Nach Musikstudium und Gastdirigaten bei führenden internationalen Orchestern - und als designierte Chefdirigentin des Königlichen Dänischen Theaters Kopenhagen - ist Jacquot eine der charismatischsten Frauen mit Taktstock. In diesem Konzert wird sie Kurt Weill als Symphoniker vorstellen. Die 2. Symphonie ist Kurt Weills bedeutendstes Orchesterwerk, dem man die Verwandtschaft mit seiner berühmten"Dreigroschenoper" oft anmerkt. Den Auftakt des Konzerts bilden Paul Dukas' feierliche Fanfare aus dem Ballett "La Péri" und die symphonische Dichtung "Der Zauberlehrling" nach Johann Wolfgang von Goethes Gedicht über einen außer Kontrolle geratenen Zauberbesen. Victor Julien-Laferrière - in seinem Fach unter anderem mit dem Königin-Elisabeth-Preis und dem ersten Preis beim internationalen Musikfestival Prager Frühling ausgezeichnet - spielt die Solostimme in Arthur Honeggers Cellokonzert, das Einflüsse des aufkommenden Jazz aufnimmt, sowie Erich Wolfgang Korngolds Cellokonzert, das nach Motiven seiner Filmmusik für "Trügerische Leidenschaft" ( "Deception", 1946) gestaltet wurde.
01:45
Der Programmtitel "Die unvollendete Revolution" verweist auf die politische Entwicklung in Belarus, wo 2020 friedliche Proteste gegen die autokratische Führung brutal unterdrückt wurden. Vitali Alekseenok, Newcomer der Stunde in der Dirigentenszene und politischer Aktivist, nutzte 2022 den Konzertabend bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen als musikalische Verneigung vor der Bevölkerung des Landes. "Statt wie ursprünglich geplant, begegneten wir uns also nicht mit einem Taktstock und einer Flöte in einem Konzertsaal, sondern mit Trauerblumen neben einem Blutfleck auf den Straßen von Minsk." Die Begegnung des Dirigenten Vitali Alekseenok mit der Flötistin und Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava in der belarussischen Hauptstadt verlief anders als erwartet: 2020 protestierten beide friedlich gegen den autokratischen Amtsinhaber Alexander Lukaschenko. Kalesnikava wurde - wie viele andere - im Jahr 2020 inhaftiert. Dirigent Vitali Alekseenok ist von den Erlebnissen in Minsk stark geprägt. Schwerpunkt seines Programms für die Ludwigsburger Schlossfestspiele 2022 sind drei von ihm in Auftrag gegebene Gedichtvertonungen von belarussischen Komponistinnen und Komponisten. In ihnen werden die Zu- und Notstände der Bevölkerung verarbeitet - hymnisch, betend, verzweifelt. Eröffnet wird das Programm mit Samuel Barbers berühmtem "Adagio" für Streicher. Die Stille schließlich, die Toru Takemitsus Flötenstück "Air" verkörpert, passt zu der friedlichen Qualität der belarussischen Revolution. Die Aufführung wurde der damals noch inhaftierten Maria Kalesnikava gewidmet. Dass die friedliche Revolution noch nicht am Ziel ist, kommt mit Franz Schuberts unvollendeter 7. Symphonie zum Ausdruck.
03:05
Ton ist ein faszinierendes Gestein - im trockenen Zustand empfindlich und spröde, in feuchtem Zustand formbar und nach Einwirkung hoher Temperaturen dauerhaft fest. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften beeinflusst Ton die biologische Welt wie kein anderes Mineral. Und er hat nach der Entdeckung seiner vielseitigen Verwendbarkeit durch den Menschen den Lauf der Geschichte verändert. Um die Besonderheiten des Tons besser zu verstehen, besucht das Kamerateam Forscher, Töpfer und Ziegelhersteller in Indien und geht in Frankreich den Geheimnissen des Gesteins auf den Grund. Anschließend begibt es sich in Namibia auf die Jagd nach Staubpartikeln und spricht mit Termitenforschern, bevor Wissenschaftler in den USA die entscheidende Rolle des Tons für das Überleben der Ökosysteme auf unserem Planeten aufzeigen.
03:50
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.
04:35
Ein Mann geht mit seiner Ehefrau ins Restaurant. Da sie seit 40 Jahren zusammen sind, haben sie sich nicht viel zu sagen. Sie schweigen bei allen Gängen des Menüs - bis am Nebentisch eine Diskussion über ein "echtes Bresse-Huhn" entflammt ...