05:00
Die Winzerin Simone Adams arbeitet biodynamisch und stärkt so auf vielfältigem Weg die Abwehrkräfte ihrer Reben. Sie muss dadurch nur wenig Kupfer zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus einsetzen, weit weniger als die in Deutschland für den ökologischen Weinbau zugelassenen drei Kilogramm pro Jahr. Doch ganz verzichten kann sie nicht darauf, weil ihr Weinbau sonst durch Ernteausfälle wirtschaftlich nicht mehr tragbar wäre. Forschende in Deutschland und Frankreich suchen nach Strategien, Kupfer zu ersetzen. Dabei verfolgen sie verschiedene Ansätze. Zum einen wollen sie gezielt die mikrobielle Besiedelung der Weinreben und der Böden beeinflussen, damit die Abwehrkräfte der Reben gestärkt werden. Sie sind auch einem geheimnisvollen Netzwerk im Boden auf der Spur: Mykorrhiza-Pilze gehen eine Symbiose mit den Wurzeln der Weinrebe ein und aktivieren ihre Abwehrkräfte. Die Züchtung von pilzwiderstandsfähigen Sorten, sogenannten PIWIs sollen Weinreben grundsätzlich gegen den Falschen Mehltau immun machen. Dabei kommen gentechnische Verfahren wie Marker-gestützte Selektion zum Einsatz. Aber verträgt sich das mit dem Konzept "Bio"?
05:55
Vespas, die Italo-Roller von Piaggio, wurden lange auch in der indonesischen Hauptstadt Jakarta hergestellt. Dort kostet eine alte Vespa umgerechnet gerade mal 20 Euro - günstig genug, dass auch junge Menschen sie sich leisten können. Im Gegensatz zu anderen Rollern wird bis heute an Vespas kein Kunststoff verbaut. Sie sind aus Metall und lassen sich gut umschweißen. Ideal für die Anhänger der "Extrem-Vespa-Szene". Sie fahren keine gewöhnlichen Motorroller wie Millionen andere Indonesier. Extrem-Vespa-Fans schweißen und schrauben Tag und Nacht an ihren Fahrzeugen. Vor allem jetzt, wo der Höhepunkt des Jahres ansteht: das große Szene-Treffen in Kediri in Ost-Java. Das Extrem-Vespa-Festival lockt bis zu 50.000 Besucher aus ganz Indonesien an. Auch dieses Jahr werden wieder aus den letzten Winkeln Indonesiens Tausende von Vespa-Fans hier zusammenkommen. Die Entfernungen sind teils erheblich. Viele sind Tage oder sogar Wochen unterwegs zum Event. Nicht so weit haben es Tajab und sein Freund Blablu, die selbst in Kediri leben. Sie wollen eine ganz besondere Vespa an den Start bringen - für die Wettbewerbskategorie "Schönheit", bei der das kreativste Gefährt gekürt wird. Aber was soll das Besondere ihrer Vespa sein? Die beiden durchforsten Werkstätten und Ersatzteilmärkte, um sich inspirieren zu lassen. Werden sie auf gute Ideen kommen? Und wie groß ist die Konkurrenz auf dem diesjährigen Festival?
06:50
Sie ist klein, scharf und erobert die Küchen der Welt: Die Chilischote hat eine feurige Geschichte zu erzählen. Als Heilmittel, Währung oder kulinarisches Erlebnis - kaum eine Zutat prägt Geschmackserlebnisse so intensiv. In Aquitanien widmen Thierry und Marie-Laure Hiriart ihr Leben der Kultivierung seltener Chilisorten - von mild-aromatisch bis höllisch scharf. Lucie Fischer-Chapalain erkundet die vielseitigen Facetten der Schoten: Sie stellt knuspriges Chili-Öl her, verfeinert hausgemachte Sriracha-Soße und kreiert verführerische Schokoladen-Trüffel mit feuriger Note. Die scharfen Früchte sorgen dabei nicht nur für Geschmacksexplosionen, sondern setzen auch Glückshormone frei - dank des Scharfmachers Capsaicin.
07:20
(1): Ouessant: Jean Epsteins Kinokulisse (2): Madeira: Von Walen umgeben (3): Laos: Laas Schweinsragout (4): Chicago: Kulinarische und musikalische Leckerbissen
08:05
(1): Malta, Caravaggios Refugium zwischen Hell und Dunkel (2): Malta, christliche Ritterbastion (3): Malta: Annas Kaninchenragout (4): Malta: Das rote Gold der Ritter
08:55
In den Bergen des Schweizer Jura dringt ein schriller Schrei durch den winterlichen Nebel. Ein Eurasischer Luchs streift majestätisch zwischen Buchen und Tannen umher und ruft nach seinem Weibchen. Das Paar findet zusammen und gründet eine Familie. Das Leben der Luchse folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten: Die Jungen kommen zur Welt und erlernen die Jagd; sie müssen sich ein eigenes Revier erobern und so manche Gefahr bestehen. Die größte Raubkatze Europas lebt in einer Welt, die der menschlichen Zivilisation nah ist und dennoch fremd erscheint. Ein natürliches Umfeld, das der Luchs mit Gämsen, Wanderfalken, Füchsen und Hermelinen teilt. Luchse sind für das Gleichgewicht des Ökosystems Wald unverzichtbar, doch durch das Eingreifen des Menschen in die Natur ist die Art nach wie vor stark bedroht. Der Fotograf und Filmemacher Laurent Geslin kennt Luchse im Schweizer Jura wie kein anderer. Neun Jahre lang hat er unzählige Tage und Nächte damit verbracht, den Spuren des scheuen Jägers zu folgen und ihn zu beobachten. Luchssichtungen in freier Wildbahn sind äußerst selten, was diese Dokumentation über das Leben der Raubkatze besonders wertvoll macht.
10:15
Wirbelstürme, Erdbeben, Vulkanausbrüche: Wie reagieren eigentlich Tiere und Pflanzen auf solche Naturkatastrophen? Einige Tiere können kurz bevorstehende Naturkatastrophen erahnen und sich davor schützen. Andere sind gezwungen zu bleiben und müssen gegen die Unberechenbarkeit der Natur um ihr Überleben kämpfen. Seit einiger Zeit wird im Rahmen der Wissenschaft untersucht, wie Flora und Fauna auf die Launen des Planeten Erde reagieren. Die Ergebnisse deuten auf bemerkenswerte Überlebensstrategien hin. Dennoch bleibt ungewiss, ob Tiere und Pflanzen auch in der Lage sein werden, sich den neuen, menschengemachten Herausforderungen zu stellen. Der Zug der Vögel von Kanada nach Brasilien ist von starken Wetterereignissen beeinflusst. Während der Sturmsaison wird die Reise durch kräftige Winde und atmosphärische Niederschläge gestört. Die Insel Puerto Rico beheimatet Ameisen, die Überschwemmungen überstehen, indem sie kompakte Flöße bilden und sich mit der Strömung davontreiben lassen. Die australische Flora und Fauna hat sich an die alljährlichen Buschfeuer angepasst: Gewisse Vögel profitieren von den Bränden, da sie dank ihnen Beute einfacher aufstöbern. Nichtsdestotrotz haben die Tierarten angesichts des gegenwärtigen Klimawandels, der seit der Industrialisierung vorangetrieben wird, nur wenig Zeit zur Anpassung. Der Anstieg des mittleren Meeresspiegels, die Häufung zerstörerischer Wirbelstürme und gigantische Waldbrände übersteigen alles, was bisher beobachtet wurde und beunruhigen Forschende verschiedenster Disziplinen.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Iberisches Schwein aus dem Alentejo: Porco preto mit Migas (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Max Havelaar - oder wie ein Roman Indonesiens Schicksal veränderte (2): Der Jura: Königreich der Luchse (3): Österreich: Andreas Kalbsrouladen (4): Kanada: Unterwegs mit dem Toboggan
13:10
(1): Irland: Edna O'Briens junge Rebellinnen (2): Die Chivas, kunterbunte Ikonen der kolumbianischen Anden (3): Frankreich: Thomas' Jakobsmuschel-Spieße (4): Die Färöer-Inseln: ein Arzt, der polarisiert
14:00
Als Mircos Eltern morgens nach ihrem Sohn schauen, ist er nicht da. Offenbar ist er vom Sport am Vorabend nicht nach Hause gekommen. Die alarmierte Polizei beginnt mit der Suche nach dem Jungen. Spätestens als seine Kleidungsstücke weit verstreut aufgefunden werden, droht aus der Befürchtung, dass er tot ist, Gewissheit zu werden. Der Leiter der eingesetzten Sonderkommission, Ingo Thiel, verspricht der Familie, dass er das Kind zurückbringen wird. Eine langwierige und zermürbende Suche beginnt, bei der die Soko jede Spur und jeden Hinweis aus der Bevölkerung verfolgt, mit Tornados der Luftwaffe das Terrain scannt, Tausende Kombis auf mögliche Tatspuren untersucht. Immer mit Unterstützung der Familie des Opfers, die bei aller Verzweiflung in ihrem tiefen Glauben an Gott Halt findet. Dann, als schon kaum jemand mehr an einen Fahndungserfolg glaubt und bereits laut über die Auflösung der Soko nachgedacht wird, fügen sich verschiedene Beweisstücke zusammen und der Täter kann gefasst werden. Er führt die Polizei zur Leiche des Kindes. Endlich - nach über 140 Tagen - kann Ingo Thiel sein Versprechen gegenüber der Familie einlösen. Der Film "Ein Kind wird gesucht" basiert auf wahren Begebenheiten. Er zeigt, was sonst eher selten der Fall ist, die mühselige und oft frustrierende Ermittlungsarbeit der Polizei.
15:50
Der Vulkan Santiaguito in Guatemala ist vor weniger als hundert Jahren entstanden, aus erdgeschichtlicher Sicht nicht mehr als ein Wimpernschlag. Der junge Feuerberg ist ständig aktiv, sodass ein Aufstieg unmöglich ist. Stattdessen wählt Arnaud den Gipfel des benachbarten Vulkans Santa María als Beobachtungspunkt, den auch die Vulkanologen nutzen: An diesem Ort überwachen sie aus sicherer Entfernung den Santiaguito, denn der junge und unberechenbare Vulkan bedroht mit seinen Ascheeruptionen und den darauffolgenden Schlammströmen die gesamte Region. Bald könnte es wieder zu einem stärkeren Ausbruch kommen. Trotz der Bedrohung liegen mehrere große Fincas in den Nebelwäldern nicht weit vom Krater entfernt. Arnaud trifft Valdemar Martinez, der ihm erklärt, dass die Vulkanasche den Boden fruchtbar macht, aber zu viel davon die Blätter von der Photosynthese abhalten kann. Zwar fürchtet Valdemar die nächste schlimme Eruption, doch das Gefahrengebiet zu verlassen, kommt für ihn nicht infrage - wirtschaftlich gesehen wäre es ein riesiger Verlust. Die Glutriesen spielen auch für die Traditionen und den Glauben der Quiché, den Nachfahren der Mayas, eine wichtige Rolle: In ihrer Vorstellung ist ein Vulkan das Werk ihres Schöpfers, also ist es ein Privileg, in der Nähe ihres Lebensspenders zu wohnen. Der Schamane Mario Ovalle lädt Arnaud zum Neujahrsfest ein: Die Quiché danken für alles, was die Feuerriesen ihnen geschenkt haben.
16:20
Im fernen Pazifik liegt eine Welt wie keine andere. Ein Land voller seltsamer Kreaturen, die kaum irgendwo sonst auf der Erde zu finden sind, inmitten reicher Meere, mit unberührter Wildnis und einer aufregenden Vergangenheit. Seit Charles Darwin 1835 einen Fuß auf die Galapagosinseln setzte, sind sie ein Ort des Staunens und der Faszination für Menschen auf der ganzen Welt. Eine Reise zu dem Archipel führt zu Darwins bahnbrechenden Werk über den Ursprung der Arten. Seine Theorie der Evolution durch natürliche Auslese begann mit den Erkenntnissen auf diesen Inseln. Mit einer einzigartigen Flora und Fauna strahlt Galapagos noch heute einen Zauber aus, wie ihn Darwin zu seiner Zeit erlebte. Die Existenz der Lebewesen wurde durch den Ozean und die vulkanischen Böden tiefgreifend geprägt. Mit eindrucksvollen Bildern der unberührten Natur und den außergewöhnlichsten Kreaturen entdeckt die Dokumentation die besondere Naturgeschichte der Galapagosinseln und die Ansiedlung ihrer Tier- und Pflanzenwelt. Die Schönheit des Archipels entfaltet sich in der Vielfalt der Landschaften sowie in Flora und Fauna der verschiedenen Inseln - wie zum Beispiel piratenhafte Fregattvögel, die charismatischen Blaufußtölpel oder die größten Schildkröten der Welt. Unter Wasser tummeln sich junge Pelzrobben und Hammerhaie, die in den Mangroven darauf warten, dass sie groß genug werden, um sich in die Weiten des Ozeans zu wagen. Über Wasser bieten Geysire ein wahres Spektakel.
17:05
Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Inseln und der vielen Herausforderungen, die der Kreislauf des Lebens in diesem wilden und rauen Gebiet mit sich bringt. Nirgendwo sonst auf der Erde lässt sich eine so bizarre Vielfalt an Lebewesen finden: Hier gibt es Tiere, deren Existenz durch den Ozean und die vulkanischen Böden tiefgreifend geprägt wurde. So wie die Galapagosinseln durch Feuer entstehen und sich entfalten, so durchläuft auch das Leben seine Zyklen und passt sich stets dem Wandel an. In eindrucksvollen Bildern von der unberührten Natur und den außergewöhnlichen Tieren beleuchtet der Film die natürliche Schönheit der Galapagos-Inseln. Hier brüten als Einzige ihrer Art die Galapagos-Pinguine nördlich des Äquators. Während Blaufußtölpel beim Paarungstanz ihre schönen Füße zeigen, mühen sich die Rotfußtölpel beim Nestbau ab und die Riesenschildkröten bei der Paarung. Nachts graben die weiblichen Grünen Meeresschildkröten Gruben am Strand und legen ihre Eier ab. Frisch geschlüpft machen sich die Schildkröten-Jungen auf den Weg ins Meer. Junge Wellenalbatrosse und Blaufußtölpel verlassen zum ersten Mal ihre Nester und heben ab in die Luft. Die Dokumentation enthüllt die bemerkenswerte Vielfalt, Pracht und Fülle der heimischen Flora und Fauna, die Galapagos so einzigartig macht. Faszinierende Aufnahmen zeigen die Herausforderungen des Lebens in diesem wilden und rauen Gebiet und die Kämpfe und Erfolge der Tiere, die auf den Inseln geboren, aufgezogen und geschützt werden.
17:50
Die karibische Hauptstraße im Nordosten Kolumbiens führt entlang der Küste vorbei an Regenwäldern, am Fuß des höchsten Küstengebirges der Welt und weiter in die trockenen Regionen der Guajira. Wind, Sand und Meer setzen der Straße zu. Jedes Jahr im Februar herrscht Ausnahmezustand an der wichtigen Verkehrsader, denn es ist Karneval. Dann gehören die Straßen den Clowns, Musik- und Tanzgruppen. Die afrikanischen Rhythmen, indigenen Instrumente und europäischen Einflüsse vermischen sich zu einem bunten, lauten Fest, das die einzigartige Vergangenheit der Gegend spürbar macht. Die bezaubernde Gegend ist auch die Heimat von vier indigenen Völkern. Die Straße ist ihnen ein Dorn im Auge, denn sie bedroht die Natur. Immer wieder demonstrieren die Arhuacos aus dem Küstengebirge gegen den weiteren Ausbau und andere Infrastrukturprojekte. Die Straße und die nahegelegene Kohlemine sind jetzt schon ein massiver Eingriff in die Natur. Das spürt auch Raphael: Wegen anhaltendem Wassermangel liefert er mit einem jahrzehntealten LKW das Trinkwasser über holprige Straßen an die Bevölkerung aus. Trotzdem hat die Gegend noch eine große Biodiversität und sogar Jaguare bewohnen das Gebirge. Ihr Lebensraum wurde durch den Bau der Straße allerdings stark eingeschränkt. Catalina und die Gemeinschaft der Kogi arbeiten daran Wildbrücken und Tunnels zu bauen, um die Jaguare wieder ans Meer zu locken. Im äußersten Nordosten Kolumbiens liegt die Guajira-Wüste, umgeben vom Meer der Karibik. Das Gebiet ist Dokaris Heimat und Arbeitsumfeld. Mit dem LKW ihrer Schwestern transportiert sie Salz in die entlegensten Ecken. Der Weg über unmarkierte, holprige Sandpisten ist ein echtes Abenteuer und auch der alte LKW macht nicht immer, was er soll.
18:35
Zwischen Mai und September herrscht Regenzeit in Guinea - und Straßen und Pisten sind nur schwer zu bereisen. Die Menschen vor Ort haben aber keine Wahl: Sie ziehen auch in dieser Zeit von Markt zu Markt. Die einen, um ihre Waren zu verkaufen, die anderen, um Obst, Gemüse und das, was sie für den Alltag brauchen, zu besorgen. Da es so gut wie keine zuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel in Guinea gibt, sind die Menschen auf Taxis angewiesen. Die Gäste sitzen eng an eng, und auf dem Dach stapeln sich Kanister, Säcke, Körbe und die, die keinen Platz mehr im Inneren gefunden haben. Eine der zentralen Routen im Westen Guineas führt von Kindia nach Sambailo im Norden, an die Grenze zum Senegal. Es geht auf schlammigen Pisten und über Flüsse zu mehreren Wochenmärkten bis zum Badiar Nationalpark mit einer reichen Flora und Fauna. Er bildet die grüne Grenze zum Nachbarland Senegal, wo sich der Park fortsetzt. Mit ihrem Motorrad-Taxi fährt Sintiya Konaté Kundinnen und Kunden in und außerhalb von Kindia. Sintiya ist die einzige Frau in diesem Job. Seit fünf Jahren behauptet sie sich gegen die männliche Konkurrenz. Wenn sie am Abend nach Hause kommt, dann tut ihr der ganze Körper weh. Moustapha Saw ist 28 und fährt seit acht Jahren Taxi. Er kennt die Gefahren auf Guineas Wegen. Seine Passagiere muss er nicht nur sicher ans Ziel bringen, sondern auch zeitig, was eine Herausforderung für ihn ist.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Schmiede fiebern der Weltmeisterschaft ihres uralten Handwerks entgegen, die alle zwei Jahre im toskanischen Stia stattfindet, unter ihnen Meister Johannes Rienhoff aus Hamburg. Dieses Jahr schickt er zwei talentierte Lehrlinge nach Italien. Alex Sun, im vierten Lehrjahr, möchte in drei Stunden eine Figur aus der griechischen Mythologie herstellen. Im Wettbewerb hat er nur einen einzigen Versuch - unter Zeitdruck, vor Publikum und bei großer Konkurrenz. 250 Schmiedekünstler aus der ganzen Welt treten an. Entsprechend gilt im Vorfeld: üben, üben, üben. So lange, bis jeder Schlag sitzt. Toranlagen, Balkonbrüstungen, Brückengeländer - in vielen Städten sind sie noch handgeschmiedet und seit Jahrhunderten Teil des Straßenbildes. Doch die Handwerker, die solche Arbeiten erhalten oder neu schmieden können, werden weniger. Allein in Deutschland ist die Zahl der Auszubildenden in den letzten zehn Jahren fast um die Hälfte gesunken. Derzeit gibt es nur rund 250 Lehrlinge in diesem Beruf. Schmied Johannes Rienhoff in Hamburg bildet in seiner Werkstatt fünf von ihnen aus - mehr, als viele Betriebe überhaupt noch Mitarbeiter haben. Er sagt, diese Arbeit brauche Menschen: "Das wird keine KI schaffen, das wird auch kein komischer Metalldruck schaffen. Es wird immer Menschen geben, die mit ihren Händen und mit ihrem Auge Dinge mit Seele produzieren." Für seine Lehrlinge ist die WM in Italien mehr als nur ein Wettkampf. Hier wird ihr Handwerk zelebriert und bewiesen, wie lebendig es noch ist.
20:15
Frankreich, Ende der 1920er Jahre: Die junge, attraktive Célestine aus Paris tritt in der Normandie ihren Dienst als Hausmädchen einer bürgerlichen Familie an. In ihrem neuen Umfeld herrschen allerhand Unsitten: Madame ist pedantisch und verbittert, Monsieur ein notorischer Lustmolch, Schwiegervater Rabour ein nostalgischer Fetischist. Der Nachbar entpuppt sich als zänkischer Militarist und der sadistische Gärtner Joseph, ein Faschist, macht Célestine auf zudringliche Weise den Hof. Das Hausmädchen weist ihn entschieden ab und verhält sich ihrer Umgebung gegenüber beobachtend und distanziert. Nur zu dem kleinen Bauernmädchen Claire verbindet sie ein liebevolles Verhältnis. Als der Schwiegervater stirbt, will Célestine kündigen und nach Paris zurückzukehren. Doch am Bahnhof erreicht sie die schreckliche Nachricht, dass die kleine Claire im nahen Wald vergewaltigt und ermordet wurde. Das Hausmädchen beschließt, zu bleiben. Zwar gibt es keine Spur des Mörders, doch Célestine verdächtigt Joseph. Um Gewissheit zu erlangen, lässt sie sich auf die Avancen des Gärtners ein. Buñuels "Tagebuch einer Kammerzofe" ist eine bitterböse Satire auf die verlogene, in ihren überkommenen Traditionen gefangene französische Provinz-Bourgeoisie vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Jeanne Moreau in der Rolle des Hausmädchens Célestine befördert die unter der Fassade lauernden Untugenden eines Milieus zutage, das Buñuel zutiefst verachtete und in vielen seiner Filme auf teils schockierende Art und Weise kritisierte.
21:50
"Die Aussprache" ist mehr als ein Film - es ist ein Manifest für weibliche Selbstbestimmung. Regisseurin Sarah Polley adaptiert den Roman von Miriam Toews und erzählt die Geschichte einer Gruppe von Frauen in einer abgeschiedenen Mennoniten-Gemeinschaft, die nach jahrelanger sexueller Gewalt durch Männer entscheiden, ob sie bleiben und vergeben, kämpfen oder fliehen. Die Gespräche, die sie führen, sind ein Akt des Widerstands. Sie brechen das Schweigen, das ihnen auferlegt wurde, und fordern ihr Recht auf Sicherheit, Würde und Glauben zurück. Der Film zeigt, wie feministische Solidarität entsteht - nicht als abstrakte Theorie, sondern als gelebte Praxis in einer Situation existenzieller Bedrohung. Mit einem herausragenden Ensemble (Frances McDormand, Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Ben Whishaw) inszeniert Polley eine intime, kraftvolle Debatte über Macht, Religion und die Freiheit, selbst über den eigenen Körper und die Zukunft zu bestimmen. "Die Aussprache" wurde international gefeiert und mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Der Film wirft die Frage auf, was es bedeutet, eine Frau zu sein, und wie man gemeinsam eine gerechtere Welt schaffen kann.
23:25
Wer sich heute mit der Diskussion über Transgeschlechtlichkeit beschäftigt, könnte meinen, es handle sich um ein modernes Thema. Doch bereits vor mehr als einem Jahrhundert gab es Menschen, die ihr Geschlecht angleichen ließen und sich für ihre Rechte einsetzten - lange bevor der Begriff "Transgender" allgemein bekannt wurde. Eine Schlüsselfigur dieser frühen Bewegung war der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld. Im Jahr 1919 rief er in Berlin das erste Institut für Sexualforschung ins Leben. Hirschfeld kämpfte für die rechtliche Anerkennung queerer Identitäten und war damit seiner Zeit weit voraus. Erst seit Ende 2024 erlaubt das deutsche Selbstbestimmungsgesetz, dass Menschen selbst über Vornamen und Geschlechtseintrag entscheiden. Doch das Gesetz entfacht eine hitzige Debatte: Wer definiert das Geschlecht? Schon vor 100 Jahren stehen queere Menschen im Zentrum eines Kulturkampfs. Hirschfelds Einsatz für Vielfalt und Entkriminalisierung macht ihn selbst zur Zielscheibe. 1920 wird er nach einem Vortrag niedergeschlagen und für tot erklärt - er überlebt jedoch und arbeitet weiter, bis die Nationalsozialisten an Macht gewinnen. Sie plündern und verwüsten sein Institut, Hirschfeld flieht ins Exil. Es ist das Ende des liberalistischen Geistes der Weimarer Zeit und der Beginn grausamster Verfolgung queerer Menschen. In der Dokumentation "Die sexuelle Provokation - Magnus Hirschfeld und die Geschlechter" ergründet der Regisseur Miguel Kaluza die Geschichte des Sexualpioniers und fragt: Warum provoziert Vielfalt bis heute? Droht ein neuer Backlash?