04:10
Neapel, die drittgrößte Stadt Italiens, wird von zwei aktiven Vulkanen umrahmt. Einer von ihnen ist der Vesuv, der wohl berühmteste Vulkan der Welt: Die Folgen seines Ausbruchs im Jahr 79 nach Christus, der Pompeji, Stabiae und Herculaneum unter einem riesigen Ascheberg begrub, sind in der Region noch heute sichtbar. Seine legendäre Zerstörungskraft lockt Millionen Touristen an, obwohl die Gefahr noch nicht gebannt ist: Je länger der Vulkan schläft, desto größer wird der Druck und desto explosiver kann der nächste Ausbruch werden. Als 1944 in Europa der Zweite Weltkrieg tobte, brach auch der Vulkan aus. Die Eruption forderte 26 Opfer und machte 12.000 Menschen obdachlos. Auf der anderen Seite der Stadt befindet sich eine weitere Bedrohung: die Phlegräischen Felder. Durch unterirdische Magmaflüsse und sich erwärmende Gesteinsschichten hebt und senkt sich das Gelände der anliegenden Stadt Pozzuoli - ein seltenes Phänomen. Innerhalb von 15 Jahren hat sich der Erdboden der Gegend gehoben, was sogar zur Evakuierung eines Stadtteils führte. Doch die knapp eine Million Neapolitaner haben gelernt, mit den unberechenbaren Nachbarn zu leben, aber auch die Ressourcen für sich zu nutzen, wie das vulkanische Tuffgestein. Zusammen mit dem Geologen Vincenzo Albertini besucht Arnaud ein Stollenlabyrinth 40 Meter unter der Stadt, wo das Gestein abgebaut wurde. Alles, was hier fehlt, wurde benutzt, um die Häuser zu bauen. Es ist wie ein Negativabdruck von Neapel. Die Vulkane sind für die Bewohner zugleich Wohltäter und Gefahr, doch der allgegenwärtigen Bedrohung begegnen die Neapolitaner mit Dolce Vita. Als wollten sie den Vulkanen, die ihnen jederzeit alles nehmen können, eine lange Nase ziehen.
05:10
Der Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, ist die größte Raubkatze der Welt. Er lebt in den Urwäldern des Sichote-Alin, einem rund 1.500 Kilometer langen Hochgebirge zwischen dem Japanischen Meer und der russisch-chinesischen Grenze. Als höchstes Glied in der Nahrungskette trägt die gefürchtete Raubkatze dort entscheidend zur Erhaltung des Ökosystems bei. Der Sibirische Tiger gilt als "Seele der russischen Wildnis" - dabei hätte der Mensch ihn bereits fast ausgerottet: 1940 gab es nur noch 40 Amurtiger weltweit. Inzwischen ist der Bestand dank strikter Artenschutzmaßnahmen wieder gewachsen - doch nun droht eine neue Gefahr: Der russische Osten wird immer dichter besiedelt, und das enge Zusammenleben von Mensch und Tiger sorgt zunehmend für Spannungen. Wird sich das mächtigste Raubtier der Welt gegenüber neuen Urbanisierungstrends behaupten können? Die Dokumentation folgt einem jungen Tiger auf seiner Suche nach einem neuen Territorium. Dabei werden auch Menschen porträtiert, die regelmäßig auf das Raubtier stoßen - so wie Kim, der sein Jagdgebiet mit dem Tiger teilt, und Yuri Kolpak, der sich mit seinem Team für ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Raubkatze einsetzt. Die seltenen Aufnahmen geben Einblick in das Leben der Amurtiger, die trotz ihrer Stärke und Geschicklichkeit ums Überleben kämpfen. Dabei wird auch die Artenvielfalt der ostrussischen Berge mit ihren Sikahirschen, Wildschweinen und Kragenbären beleuchtet.
05:55
Einmal im Jahr findet das Streetart-Festival "Hit the North" in Belfast statt. Kerrie Hanna ist eine der Künstlerinnen, die diesmal mit dabei ist. Die junge Malerin gehört zur neuen Generation von engagierten Künstlerinnen und Künstlern, die die Wände der Stadt "zurückerobern" wollen. Sie ist überzeugt, Belfast dadurch lebenswerter zu machen. Dass das schon gelungen ist, davon zeugen die vielen modernen Wandbilder Belfasts. Adam Turkington, der Gründer und Leiter des "Hit The North"-Events, ist für den Boom verantwortlich, den die Streetart in Belfast in den letzten Jahren erlebt hat. Aber Routine ist es nach all den Jahren noch immer nicht. Unzählige Kunstschaffende, Aktivisten, Kunstbegeisterte und Touristen werden in den nächsten Tagen erwartet. Jede Malerin braucht ihre Wand, jeder Künstler seinen Platz. Ganz große Flächen können nur per Hochgerüst, mitunter nur per Kran bemalt werden. An vielen Stellen der Stadt entstehen so neue farbige, fröhliche, romantische und poppige Wandbilder, die vor allem eines wollen: die Seele der Stadt heilen. Die alten Konflikte sollen endlich der Vergangenheit angehören.
06:50
Ob grün, schwarz oder violett, fleischig, oval, runzlig oder glatt - Oliven bestechen durch ihre Vielfalt an Farben, Formen und Geschmacksrichtungen. Ein Blick in Geschichte und Mythologie legt nahe, dass die Vorliebe für die Frucht sehr alt ist - im antiken Griechenland soll sie einen derart hohen Stellenwert gehabt haben, dass die Zerstörung eines Olivenbaums wohl mit der Todesstrafe geahndet wurde. Und: Warum scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, Oliven zu mögen oder nicht? Köchin Lucie Fischer-Chapalain zeigt, wie man in der Mikrowelle ein lockerleichtes "Oliven-Moos" zaubert. Außerdem kreiert sie ein pikantes Oliven-Chutney - vielseitiger Begleiter zu Käse, Fleisch und Gemüse.
07:20
(1): Arles: Sylvain Prudhomme in der Stadt der Legenden (2): Toskana: Mit Seide zum Wohlstand (3): Taiwan: Wubis Süßkartoffel-Djinabo (4): Mexiko: Der Kuchenkrieg
08:05
(1): Gabrielle Filteau-Chiba in der Wildnis von Québec (2): Kanada: Unterwegs mit dem Eiskanu (3): Kanada: Timothys Poutine (4): Kanada: Unterwegs mit dem Toboggan
08:55
Vor rund 3,5 Milliarden Jahren bildeten sich an der Erdoberfläche die ersten Landmassen. Dass die älteste unter ihnen - das heutige Skandinavien - damals noch irgendwo in der südlichen Hemisphäre lag, konnte anhand winziger Kristalle nachgewiesen werden, die Diamantensucher bei ihrer Arbeit entdeckten. Diese Kristalle heißen Zirkone: Sie haben zwar keinen wirtschaftlichen Wert, sind für Geologen jedoch von unschätzbarer Bedeutung. Anhand ihres Alters lässt sich das Gestein datieren, in dem sie eingeschlossen waren. Die Erdplatte, auf der sich das heutige Europa befindet, dehnte sich zunächst nach Westen, dann nach Süden aus. So entstanden auf der einen Seite Nordamerika und Grönland, auf der anderen das herzynische Gebirge - es liegt heute im Herzen Europas. Damals befand sich Europas Urkontinent nicht an seinem heutigen Ort, sondern in einer tropischen Klimazone. Seine Landschaften erinnerten an die Lagunen der Bahamas. Durch die Zersetzung abgestorbener Pflanzenreste entstand Kohle - jener Rohstoff, der später die Grundlage der industriellen Entwicklung bilden sollte. Im Nordosten spaltete sich das heutige Nordamerika von Europa ab - der Atlantische Ozean öffnete sich. Mit dem Zufluss kalten Wassers aus dem Norden kamen neue Lebensformen: Coccolithen - mikroskopisch kleine Kalkplättchen, die sich zu Kreidegestein verdichteten und unter anderem die weißen Felsen von Étretat und Dover formten. Damals sah Europa bereits dem heutigen Kontinent erstaunlich ähnlich. Ein paar tektonische Korrekturen, einige katastrophale Ereignisse - und der Mensch konnte kommen!
09:40
Die rekonstruierbare geologische Geschichte Europas beginnt mit der Öffnung des Atlantiks im Westen und der Annäherung Afrikas im Süden - Prozesse, bei denen unter anderem das Mittelmeer und die Alpen entstanden. Und sie ist noch lange nicht abgeschlossen: Die Erdplatten bewegen sich auch heute weiter. Was davor geschah, rekonstruieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand geologischer Spuren der europäischen Vorgeschichte. So geben Zirkone - winzige Kristalle, die erfahrene Bergführer in den Alpen fanden - Aufschluss über die Entstehung dieses beeindruckenden Gebirges. Auch das Mittelmeer hat eine faszinierende Vergangenheit: Noch vor vergleichsweise kurzer Zeit waren Korsika und Sardinien mit der provenzalischen Küste verbunden, ehe sie sich ablösten und zu Inseln wurden. Diese Prozesse lassen sich heute mit Hilfe magnetostratigraphischer Verfahren nachvollziehen, bei denen die magnetische Polung von Gestein analysiert wird. Einmal schloss sich sogar die Straße von Gibraltar vollständig - das Mittelmeer trocknete aus. Man hätte zu Fuß von Europa nach Afrika gelangen können. Durch Klimaveränderungen und minimale Verschiebungen der Erdplatten entstanden unterirdische Höhlen, die den ersten Menschen vor rund 40.000 Jahren als Schutzraum dienten. Damals herrschten in Europa Temperaturen wie heute in Skandinavien. Die Rekonstruktion der Gletscherbewegungen hilft der Forschung dabei, tektonische Verschiebungen nachzuvollziehen. Diese Plattenbewegungen lösen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis aus - Naturkatastrophen, die vor allem die Mittelmeerregion und den Norden des Kontinents, insbesondere Island, bedrohen. Sie zeigen deutlich: Die Kräfte im Erdinneren sind noch immer aktiv. Schon bald, so vermuten Wissenschaftler, könnte es das Mittelmeer in seiner heutigen Form nicht mehr geben. Die Alpen hingegen wachsen weiter in die Höhe, und Amerika entfernt sich weiterhin vom alten Kontinent.
10:20
Australien blieb während seiner gesamten geologischen Geschichte weitgehend von Kontinentalkollisionen oder Abspaltungen verschont. Die sehr alten Gesteinsformationen in der nordwestlichen Region Pilbara liefern daher wertvolle Hinweise auf den Verlauf der frühen Erdgeschichte. Eine der wenigen Spuren einer Kollision findet sich im Herzen des Kontinents: der Uluru - auch bekannt als Ayers Rock -, um den sich zahlreiche Legenden der australischen Ureinwohner ranken. Im Süden des Landes wiederum wurden die ältesten fossilen Spuren tierischen Lebens entdeckt: Die sogenannte Ediacara-Fauna lebte einst in flachen Küstengewässern. Eine leichte tektonische Verschiebung reichte aus, um Teile des Meeresbodens an die Erdoberfläche zu heben - die Überreste der ersten Zweiseitentiere blieben im Gestein erhalten. In der Pilbara-Region konnten Forschende rekonstruieren, wann und wie erstmals Sauerstoff auf der Erde entstand und sich in der Atmosphäre verbreitete. Dieses Ereignis ermöglichte nicht nur die Entstehung neuen Lebens, sondern führte auch zum Aussterben früherer, vom Stickstoff abhängiger Organismen. Davon zeugt bis heute eine dunkle Schicht im Gestein - ein Beleg, nach dem der Geologe Martin Van Kranendonk 20 Jahre lang gesucht hat. Vor rund 200 Millionen Jahren trennten sich Australien, die Antarktis und Neuseeland gemeinsam vom südlichen Großkontinent Gondwana. Später driftete die Antarktis infolge eines Magmaaufstiegs, dessen Spuren bis heute an Australiens Südküste sichtbar sind, weiter südwärts und nahm ihre heutige Position am Südpol ein. Neuseeland hingegen versank größtenteils im Ozean, wurde aber durch den Zusammenstoß mit der Pazifischen Platte teilweise wieder emporgehoben. Der Kontinent Zealandia liegt noch heute zu etwa 70 Prozent unter Wasser. Die einzige nennenswerte geotektonische Erschütterung Ozeaniens betrifft daher den Kontakt der Pazifischen Platte mit Neuseeland - ein Prozess, von dem noch heute zahlreiche aktive Vulkane auf den umliegenden Inseln zeugen, etwa im Inselstaat Vanuatu. Doch möglicherweise stehen dem Kontinent noch weitere Veränderungen bevor: Die Bewegung der australischen Platte in Richtung China deutet auf eine künftige Kollision hin, aus der ein neues Hochgebirge entstehen könnte - möglicherweise ein zweiter Himalaya.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Eine italienische Versuchung - Tiramisu (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Brüssel: Das geheimnisvolle Comicuniversum (2): Madeira: Britische Trauminsel (3): Mongolei: Dashsugars Boodog (4): Luzern: Ein sehr lauter Käfer
13:10
(1): Polen: Nach dem Nobelpreis ist vor dem Schauerroman (2): Madagaskar: eine Königin wie keine andere (3): Frankreich: Rogers Kürbissuppe (4): Deutschland: Ohren zu und durch!
14:00
Theresa Osborne arbeitet als Journalistin bei einer Zeitung in Chicago und findet ihr Glück in der Erziehung ihres Sohnes. Während eines seltenen Urlaubs allein auf Cape Cod findet sie am Strand eine Flaschenpost. Darin befindet sich ein Liebesbrief an eine verschwundene Frau, der in seiner Poesie und Intensität in Theresa die Hoffnung erweckt, den Verfasser ausfindig zu machen. Zurück in Chicago begeistert sie ihre Kolleginnen mit dieser Geschichte. Ein paar Tage später veröffentlicht ihr Chefredakteur den gefundenen Brief in der Zeitung. Es folgen Hunderte Leserbriefe, darunter einer, in dem der Autor behauptet, eine ähnliche Botschaft gefunden zu haben. Analysen des Papiers und des Zustands der Flasche deuten darauf hin, dass sie etwa zwei Jahre im Atlantik trieb. Die verschiedenen Spuren führen Theresa zu einem kleinen Ort an der Küste der Outer Banks und zu einem einzigen Mann: Garret Blake. Dieser wohnt bei seinem alten Vater am Meer und trauert seit zwei Jahren um seine verstorbene Frau Catherine. Die Begegnung löst bei dem einsamen Segler überraschende Gefühle aus. Theresa hat sich Hals über Kopf in den Mann hinter den bezaubernden Worten verliebt. Ihre aufblühende Liebe ist dennoch fragil, sie steht im Schatten der verstorbenen Catherine: Das traumhafte Haus am Meer ist voller Erinnerungen an sie, außerdem befindet sich Garret in einem andauernden Konflikt mit seiner früheren Schwiegerfamilie. Und Catherine hat dem Segler noch nichts von dem Auslöser ihrer Begegnung - der gefundenen Flaschenpost - erzählt.
16:20
Der Gran Chaco zählt zu den wildesten und ursprünglichsten Regionen Südamerikas - extrem im Klima, faszinierend in seiner Vielfalt. Eine Landschaft der Gegensätze: Dornwälder und flirrende Hitze prägen das Bild. Doch plötzlich öffnet sich ein verborgenes Paradies: Wenn sich die seltenen Salzlagunen mit Wasser füllen, bieten sie unzähligen Vögeln und Wildtieren einen lebenswichtigen Rückzugsort. Eindrucksvolle Naturaufnahmen und seltene Tierbeobachtungen gewähren Einblicke in ein verborgenes Ökosystem - etwa ein frisch geborenes Ameisenbärenjunges, eine seltene Boa in ihrer natürlichen Umgebung oder der nahezu unbekannte Burmeister-Gürtelmull, ein Tier, das Menschen kaum je zu Gesicht bekommen. Begleitet werden auch Wissenschaftlerinnen wie Dr. Rafaela Laino, die sich für den Schutz sensibler Ökosysteme einsetzen. Ihr Ziel: die Rinderzucht und den Erhalt der Biodiversität miteinander zu vereinbaren. Gleichzeitig zeigt die Dokumentation ein außergewöhnliches kulturelles Miteinander: Indigene Gemeinschaften, paraguayische Viehzüchter und mennonitische Siedler leben seit fast 100 Jahren nebeneinander - drei Lebensweisen, die voneinander profitieren. Einige indigene Gruppen, einst Jäger und Sammler, betreiben heute Rinderzucht - ein Schritt hin zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit. Der Gran Chaco ist eine verborgene Welt - voll rauer Schönheit, seltener Tiere und stiller, aber tiefgreifender Veränderungen.
17:05
Paraguay - ein Land voller verborgener Schätze. Zwischen dichten Wäldern und weiten Landschaften entfaltet sich eine Welt, in der Geschichte und Natur auf besondere Weise miteinander verwoben sind. Im Süden des Landes zeugen imposante Jesuitensiedlungen wie La Santísima Trinidad de Paraná und Jesús de Tavarangue von einer außergewöhnlichen Zeit: Hier verschmolzen einst europäische und indigene Kulturen zu einer einzigartigen Gemeinschaft. Musik wurde zum verbindenden Element - bis heute erklingt die paraguayische Harfe, die Guarani. Doch Paraguay bietet mehr: Üppige Naturschutzgebiete wie das Mbaracayú-Reservat offenbaren vielfältige Flora- und Fauna-Welten. Die artenreichsten Biosphären Südamerikas sind voll mit Vogel- und Säugetierarten wie Tukanen und Brüllaffen. In den dichten Wäldern erhalten Menschen wie die Yerba-Bauern uralte Traditionen wie den Anbau des Mate-Tees im Einklang mit der Natur. Majestätische Wasserfälle wie die Saltos del Monday und die gewaltigen Wassermassen des zweitgrößten Staudamms der Welt - dem Itaipú-Staudamm - stehen für die Kraft und Kontraste Paraguays. Zwischen Natur und Kultur entfaltet sich ein Land, das mit Schönheit und Rätseln fasziniert.
17:50
Mitten in der endlosen Weite der ägyptischen Sahara liegt ein Ort wie aus einem Märchen: Siwa, eine grüne Oase, in der Leben gegen jede Wahrscheinlichkeit gedeiht. Aus Hunderten Quellen sprudelt Wasser aus dem Wüstenboden - ein Naturwunder, das seit Jahrtausenden Menschen, Pflanzen und Tiere nährt. Mehr als 200.000 Dattelpalmen recken sich hier in den Himmel, gespeist von fossilem Wasser, das seit 40.000 Jahren unter der Erde ruht. Seit jeher bilden sie die Lebensgrundlage der Anwohner. Abdou Mohammed ist einer von ihnen - ein Hüter der Palmen, dessen Wissen tief in der Tradition seiner Vorfahren verwurzelt ist. Siwa ist mehr als nur grün: Salz prägt die Landschaft und das Leben. Wo einst ein urzeitliches Meer war, glitzern heute riesige Salzseen. Aus dem salzhaltigen Schlamm entstehen Häuser und Kunstwerke. Fatma Essa verwandelt das "weiße Gold" in filigrane Lampen und Skulpturen, jedes Stück ist ein Ausdruck von Kreativität und Widerstandskraft. In der endlosen Wüste rund um die Oasenstadt wagt Survival-Experte Mohammed Shahin ein extremes Selbstexperiment: Allein streift er durch das große Sandmeer auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Überlebensstrategien. Sein Ziel: die Rückkehr ins lebensspendende Grün von Siwa. Trotz der Abgeschiedenheit in der lebensfeindlichen Wüste ist Siwa voller Leben und Geschichten: von traditionellen Hochzeiten, Palmherzen als Liebesgabe und Lehmtürmen für Tauben bis hin zu Spuren uralter Zivilisationen. Siwa ist mehr als eine Oase - sie ist ein Symbol für Widerstandskraft, kulturelle Identität und das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.
18:35
Moorea - die Schwesterinsel Tahitis - liegt wie ein grünes Juwel mitten im Südpazifik: ein längst erloschener Vulkan mit steilen, von tropischem Regenwald bewachsenen Gipfeln, umringt von einem schützenden Korallenriff. Trotz der extremen Abgeschiedenheit von den nächsten Festlandküsten haben hier Pflanzen, Tiere und Menschen über Millionen von Jahren eine fragile, aber vielfältige Lebensgemeinschaft geschaffen. Schon unter Wasser beginnt das Wunder: Hier entfaltet sich ein komplexes Ökosystem samt Riffhaien und Rochen, Seesternen und Schildkröten, das Forschende zu bewahren versuchen. Doch invasive Arten, Klimawandel und gefräßige Räuber wie der Dornenkronenseestern bedrohen die Existenz der Korallenriffe - und mit ihnen das Gleichgewicht der gesamten Oase. Auch an Land zeigt sich Mooreas ökologische Einzigartigkeit: Seltene, endemische Pflanzen und Tierarten wie die Partula-Baumschnecken leben hier - bedroht von eingeschleppten Raubtieren, die sich im Regenwald ausbreiten. Jenseits der flachen Korallenlagunen werden Tigerhaie und Wale beobachtet, denn Moorea ist ein Refugium für Buckelwale und eine Kinderstube für Junghaie. Die Forschungsstation CRIOBE spielt eine zentrale Rolle für das Verständnis und den Schutz dieser einmaligen Insel des Lebens.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Berlin, Alexanderplatz. Hier leben viele Frauen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, für die ihre Monatsblutung schnell zum akuten Problem wird. "Ich bin schon eineinhalb Tage hier in Berlin mit vollgebluteter Hose rumgerannt", erzählt eine Betroffene. Am Duschmobil erhalten Frauen kostenlose Hygieneprodukte - ein mobiles Hilfsangebot für Menschen, die auf der Straße leben. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Periodensystem e. V., der Tampons und Binden liefert. Doch Periodenarmut betrifft nicht nur wohnungslose Frauen. Nach Angaben der Hilfsorganisation "Plan International" ist rund ein Viertel aller Mädchen und Frauen in Deutschland betroffen. Die Studentin Jaël Gallert aus München hat nach Abzug aller Fixkosten rund 400 Euro im Monat zur Verfügung - und muss davon auch ihre Periodenprodukte bezahlen: Tampons, aber auch Schmerzmittel, Magnesium oder Eisen. "Wenn man es ganz hochrechnet, ist das ein kompletter Einkauf, den ich mir dann stattdessen gönnen kann", sagt die Studentin. Für Menstruierende mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem. Besonders in konservativeren Gesellschaften wie in Polen ist das Thema Periode noch immer stark schambehaftet. In Warschau setzt sich die Künstlerin und Aktivistin Martyna Baranowicz mit ihrer "Pink Box Foundation" deshalb nicht nur für kostenlose Periodenprodukte ein, sondern auch für Aufklärung an Schulen, um das Thema aus der Tabuzone zu holen.
20:15
Francis und seine Söhne Eric und Matthieu arbeiten alle in derselben Fabrik: Francis an der Maschine, Eric am Zeichenbrett und Matthieu am Computer. Eines Tages wird Francis nach 30 Jahren fristlos entlassen, weil er sich nicht an das über Nacht verhängte Rauchverbot gehalten hat. Matthieu lehnt sich gegen diese Ungerechtigkeit auf. Er versucht, die Firmenleitung umzustimmen, und als das fehlschlägt, die Kollegen zu mobilisieren. Aber niemand will sich angreifbar machen, sein Bruder eingeschlossen. Als sein Vater kurze Zeit später bei einem Autounfall ums Leben kommt, glaubt Matthieu an einen Suizid und will ihn rächen. Inkognito verführt er Claire, die Frau des Chefs, und beginnt mit ihr eine leidenschaftliche Affäre, die fast Liebe wird - bis zu dem Tag, an dem sie ihn an seinem Arbeitsplatz in der Fabrik entdeckt. Claire will ihn nicht mehr treffen, aber Matthieu besteht auf ein Wiedersehen ... Nüchtern erkundet Xavier Beauvois eine Tragödie am Arbeitsplatz, den dahinterstehenden Apparat der Klassengesellschaft und die Grenzen einer sturen Suche nach Vergeltung.
21:55
Nach 14 Jahren, in denen er nicht in Berlin war, kehrt der Berufsverbrecher Trojan auf der Suche nach lukrativen Aufträgen in die Stadt zurück. Doch der Gewinn aus den üblichen Raubüberfällen wird immer spärlicher, denn die Käufer scheuen zunehmend den Handel mit physischen Waren. Über die Vermittlerin Rebecca kommt Trojan an ein verlockendes Angebot: den Auftragsdiebstahl eines Gemäldes von Caspar David Friedrich - wodurch seine finanziellen Schwierigkeiten getilgt wären. Mit seinem früheren Kollegen Luca schließt sich der Einzelgänger einem Viererteam an, das außerdem noch aus der Fahrerin Diana und Chris besteht, einem Experten für Cyberkriminalität. Der Plan entpuppt sich jedoch als Falle: Der Auftraggeber, vertreten durch den Handlanger Victor, hat nämlich nicht vor, die Räuber zu bezahlen. Die Übergabe scheitert. Nun müssen andere Wege gefunden werden, um aus der Sache herauszukommen. Als alternativer Käufer kommt das Museum infrage, doch die Verhandlungen verlaufen enttäuschend, und über jeder Auswegmöglichkeit hängt Victors Schatten. Mit einer zweiten Übergabe setzt die Gruppe alles aufs Spiel.
23:35
Sie kichern, quasseln und schminken sich wie andere 14- oder 15-jährige Mädchen - doch bevor Zahraa, Wessam oder Mirna ins 55 Kilometer von Berlin entfernte Eberswalde kamen, führten sie ein anderes Leben, in Syrien oder im Irak. "Tell Them About Us" ermöglicht einen intensiven Einblick in die innere Welt geflüchteter Teenager, die in einer brandenburgischen Kleinstadt nicht nur mit den typischen Herausforderungen des Erwachsenwerdens zu kämpfen haben. Neben Freundschaft, Schule und Selbstfindung müssen sie sich auch mit der neuen Kultur und Umgebung auseinandersetzen. Einfühlsam beobachtet die Regisseurin Rand Beiruty die Mädchen auf ihrer Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Gleichzeitig gibt sie ihnen Raum, ihre Konflikte und Träume mutig vor der Kamera in Szene zu setzen.