20:15
Die Karriere des Senators Stoddard begann, nachdem er den gefährlichen Gangster Liberty Valance erschossen und damit dessen Willkürherrschaft beendet hatte. Jahre später stellt sich die Wahrheit über die Heldentat heraus ... - Mit diesem Film (1962) hat Regisseur und Western-Großmeister John Ford einmal mehr sein künstlerisches Talent bewiesen. Mit John Wayne und James Stewart. Senator Ransom Stoddard, dessen Karriere vor Jahrzehnten in der Kleinstadt Shinbone begann, kehrt mit seiner Frau Hallie zur Beerdigung seines alten Freundes Tom Doniphon zurück. Im Ort gibt es nur wenige Menschen, die sich an den alten Stoddard erinnern, da er sich in den letzten Jahren auf seine Ranch zurückgezogen hat. Stoddard erinnert sich an seine Ankunft im Wilden Westen, an den Überfall auf seine Postkutsche durch den berühmt-berüchtigten Banditen Liberty Valance und an sein Verlangen, sich an dem gefährlichen Gangster zu rächen, der das Städtchen und seine Umgebung terrorisierte. Tom Doniphon hatte Stoddard und seine Mitreisenden damals gerettet und wurde damit zu seinem Verbündeten und Freund. Stoddards zahlreiche Versuche, Liberty Valance mit rechtsstaatlichen Mitteln zu stoppen, scheiterten. Schließlich startete der idealistische Anwalt eine Kampagne gegen die Landbesitzer, die Valance bezahlten. Als der gefürchtete Übeltäter erneut in der Stadt auftauchte, war die Konfrontation mit dem friedfertigen Stoddard unausweichlich: Es kam zum Showdown, an dessen Ende der junge Anwalt als "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" gefeiert wurde. Doch in Wahrheit wurde der Gangster von Doniphon aus dem Hinterhalt erschossen. Stoddard hatte es nicht für nötig gehalten, die Sache klarzustellen; der Mythos um ihn ermöglichte ihm den politischen Aufstieg und den Eintritt in höchste Ämter. Wie viele bedeutende Western handelt der Film von der Geburt des modernen Amerika. Indem John Ford den gesellschaftlichen Aufstieg seines Protagonisten auf einer Lüge beruhen lässt, reflektiert und problematisiert er die idealisierten Helden des Western-Genres.
22:10
Die 15-jährige Emerson zieht mit ihren Eltern in eine abgelegene, streng religiöse Gemeinde in den Wäldern Kanadas, aus der ihr Vater stammt. Doch der Neuanfang ist für Emerson nicht einfach: In der Schule ist sie eine Außenseiterin, zu Hause bestimmen die Wutausbrüche des Vaters und die bedrückenden Regeln der Gemeinschaft den Alltag. Als die Leiche einer vermissten Schülerin gefunden wird, erklären die Männer der Gemeinde einen Puma zum Täter und machen Jagd auf das Tier. Emerson ist sich jedoch sicher, im Wald eine andere Kreatur gesehen zu haben. Zwischen düsteren Fantasien und realer Bedrohung wächst in ihr der Verdacht, dass hinter dem Tod des Mädchens mehr steckt. Halt findet sie bei ihrer Klassenkameradin Delilah, die ebenfalls ausgegrenzt wird, weil sie sich dem rigiden System entzieht. Zwischen den beiden entsteht eine enge Verbindung. Aus Geschichten über dunkle Geister und aus ihrer eigenen Vorstellungskraft entwickeln Emerson und Delilah ein Ritual, das ihnen Schutz und Stärke verleihen soll. Bald schließen sich weitere Mädchen an. In ihren heimlichen Treffen im Wald, mit bemalten Gesichtern und selbst erschaffenen Zeichen, suchen sie nach einer Kraft, die stärker ist als die Regeln der Erwachsenenwelt. Doch als die Konflikte in der Gemeinde sich zuspitzen und die Gefahr näher rückt, kollidieren die sinnstiftenden Rituale mit der Realität. Carly May Borgstrom verbindet in ihrem Coming-of-Age-Drama psychologischen Horror und Gemeinschaftsporträt zu einem eigenwilligen Genrefilm. Getragen wird er von der intensiven Dynamik zwischen seiner beiden jungen Hauptfiguren.
23:45
Lina ist Journalistin - und Tochter eines Mannes, den sie seit Jahren meidet. Linas Kindheit und Jugend sind von häuslicher Gewalt geprägt, und die Wunden, die ihr Vater ihr zugefügt hat, sitzen tief. Doch dann bekommt sie eine Videobotschaft von ihm. Er lebt inzwischen als Gastarbeiter in Italien - und zeigt ihr blaue Flecken an seinen Armen. Lina beschließt, ihm zu helfen. Sie stattet ihn mit einer versteckten Kamera aus und beginnt zu recherchieren: über Ausbeutung, Arbeitsbedingungen und ihre eigene Vergangenheit. "Diese Gewalt in uns" ist ein sehr persönlicher Dokumentarfilm, der sich zwischen journalistischer Recherche und emotionaler Aufarbeitung bewegt. Gedreht in Moldawien, Italien und Rumänien, erzählt er von einer Tochter, die herausfinden will, ob man jemandem helfen kann, der einem selbst so viel Leid zugefügt hat. Für Lina Vdovîi und Radu Ciorniciuc ist der Film ein Versuch, alte Geschichten neu zu erzählen: über Familie, Gewalt, Verantwortung und darüber, wie man die Fehler der Vergangenheit nicht an die nächste Generation weitergibt. "Diese Gewalt in uns" ist intensiv, ehrlich, berührend und macht nachdenklich.