19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Mitten in der Nacht, im Kaukasus: Die deutsche Geophysikerin Birgit Müller steigt aus dem Auto. Die Luft ist feucht, der Regen hat die Straßen aufgeweicht. Ankunft in Georgien für den vorerst letzten Forschungsaufenthalt. Vor ihr erhebt sich die "Lady Enguri" - eine gigantische Staumauer, eine der größten der Welt. Seit fast fünfzig Jahren hält sie Millionen Tonnen Wasser zurück. Doch die Zeit arbeitet gegen sie. Materialermüdung, Erosion, Sedimente - die Risiken wachsen. Ein Bruch wäre eine Katastrophe für die Dörfer unterhalb der Staumauer. Und für die Energieversorgung, denn fast die Hälfte des Stroms für Georgien wird hier produziert. Birgit Müller und ihr Team haben im Forschungsprojekt DAMAST Methoden entwickelt, um frühzeitig Gefahren für den Damm zu erkennen. Eine wichtige Arbeit. Nicht nur hier, sondern weltweit stellen alternde Staudämme ein wachsendes Risiko dar. Hinzu kommt die politische Lage: Seit der Abspaltung Abchasiens in den 1990er Jahren steht der Damm auf georgischer Seite, das Kraftwerk jedoch in der von Russland kontrollierten selbst ernannten Republik Abchasien. Levan Mebonia, Direktor der staatlichen Betreiberfirma, muss in diesem Spannungsfeld für die Zusammenarbeit beider Seiten sorgen. Für die Forschenden um Birgit Müller ist es vielleicht die letzte Gelegenheit, gemeinsam mit Georgien am Damm zu arbeiten. Aufgrund der Spannungen zwischen der EU und dem Kaukasusstaat hat Deutschland Kooperationen mit dem Land ausgesetzt. Das Wissen soll jedoch weitergegeben werden. In einer Summer School sollen Erkenntnisse geteilt werden.
20:15
In einer Provinzstadt an der Loire bleibt eigentlich nichts verborgen - vor allem kein Liebesverhältnis. Dennoch gelingt es Lucienne, der Frau des gaullistischen Abgeordneten Delamare, und Pierre, dem sozialistischen Stadtrat, verheiratet mit einer unheilbar kranken Frau, ihre Beziehung zu verheimlichen. Doch um ihr Glück auch wirklich gemeinsam genießen zu können, müssten sie frei sein. Pierre entdeckt, dass es ein Leichtes wäre, seine Frau mit einer erhöhten Dosis ihrer Medikamente zu töten, und ermordet sie tatsächlich. Jetzt steht nur noch Paul Delamare im Weg. Lucienne und Pierre beschließen, auch ihn zu töten. Doch die beiden Morde machen sie nicht frei. Im Gegenteil: Um keinen Verdacht zu erregen, dürfen sie sich nicht mehr sehen. Bis ein anonymer Brief bei der Polizei eintrifft ... Die Geschichte des Films beruht auf einer wahren Begebenheit, deren Protagonisten als die "Teufel von Bourganeuf" bekannt wurden. Doch Chabrol geht es in seinem Film nicht um die Schilderung des Verbrechens. Er nutzt den Fall zu einer subtilen, aber heftigen Attacke auf die französische Bourgeoisie und vor allem die damaligen politischen Verhältnisse. Einmal mehr steht in "Blutige Hochzeit" die Familie als Kernstück der bürgerlichen Gesellschaft im Mittelpunkt. Doch das vorgebliche Familienglück ist zerrüttet, die Ehen sind nur noch Fassade. Stattdessen: Ehebruch und Mord. Die erhoffte Freiheit entpuppt sich als Gefängnis der Konventionen. Was aber, so die zentrale Frage des Films, bringt die Menschen dazu, lieber einen Mord zu begehen, als ihre Gefühle offen einzugestehen?
21:45
Alpenpanorama, eine kleine Berghütte, Schweizer Käse, angenehme Ruhe - so hatte sich der Bankangestellte Sven seine Auszeit vorgestellt. Doch dann wird er Zeuge eines Fahrradunfalls. Der windige Geschäftsmann Achim hat mit seinem teuren Mountainbike bei einer Talabfahrt den Wanderer Willi über den Haufen gefahren. Sven eilt natürlich zu Hilfe und bietet den beiden an, mit zu seiner Hütte zu kommen. Achim will sich seine Verletzung nicht eingestehen und am liebsten direkt weiter. Da sein Körper aber nicht ganz mitspielt, muss er wohl oder übel die Nacht auf Svens Hütte verbringen. Willi dagegen, der von Hartz IV lebt, nutzt gern die Gelegenheit, an eine kostengünstige Unterkunft zu kommen. Der überaus gastfreundliche Sven freut sich über die Gesellschaft der beiden Herren. Nach ersten Startschwierigkeiten, politischen und charakterlichen Differenzen zwischen Achim und Willi, freunden sich die drei dann doch etwas an und verbringen ein paar schöne Tage in den Bergen zusammen. Bis am letzten Abend ein Unfall passiert, der für Sven tödlich endet. Willi und Achim müssen nun ihre Differenzen überwinden und gemeinsam eine Lösung finden. Hier auf der Hütte lassen können sie Sven unmöglich. Sie befürchten, für seinen Unfalltod verantwortlich gemacht zu werden. Deshalb wollen sie seinen Leichnam wunschgemäß auf See bestatten. Achim und Willi müssen Sven also nur noch unbemerkt aus der Schweiz nach Sylt schmuggeln, was sich natürlich alles andere als einfach gestaltet. Noch dazu ist Achims Interesse an der körperlichen Unversehrtheit des Toten weniger seinem Pietätsgefühl geschuldet als der Tatsache, dass laut Sven im Tresor seines Arbeitgebers ein Haufen Schwarzgeld lagert. Ein Roadtrip quer durchs Land beginnt ... mit einer Leiche im Kofferraum.
23:10
Alles begann 1958 in einem Pariser Café: Claude Chabrol, vertieft in eine Partie Flipper, würdigt die junge Frau kaum eines Blickes, als sie ihn anspricht. Sie ist 26 und heißt Stéphane Audran. Die Schauspielerin verkörpert jenen Frauentypus der Bourgeoisie, der den Regisseur zeitlebens faszinierte: elegant, kühl, scharfsinnig, manchmal boshaft. Sie wird Chabrols Muse und 1964 auch seine Ehefrau. Das Duo Chabrol-Audran zählt zu den produktivsten der Kinogeschichte. Gemeinsam schufen sie 22 Filme von "Schrei, wenn du kannst" (1959) über "Die untreue Frau" (1969) und "Der Schlachter" (1970) bis zu "Betty" (1992).