14:00
Claire ist Hebamme aus Leidenschaft und geht in ihrer Arbeit auf einer Entbindungsstation vollkommen auf. Ihr sonstiges Leben verläuft ruhig und geordnet: Ihre Freizeit verbringt sie meist allein in ihrem Kleingarten oder mit ihrem Sohn. Doch gleich mehrere Umbrüche stellen dieses wohlgeordnete Leben infrage. Die Entbindungsstation soll geschlossen werden, ihr Sohn denkt darüber nach, sein Medizinstudium hinzuschmeißen, in der Kleingartenkolonie taucht der neue Nachbar Paul auf, der hartnäckig Interesse an ihr zeigt, und dann meldet sich auch noch Béatrice, die frühere Geliebte ihres Vaters, nach mehreren Jahrzehnten bei ihr. Claire ist nicht gut auf Béatrice zu sprechen; sie gibt ihr die Schuld dafür, dass ihr Vater kurz nach Béatrices Verschwinden Suizid beging, und will daher möglichst wenig Zeit mit ihr verbringen. Béatrice jedoch hat einen Gehirntumor und nur noch wenige Monate zu leben, die sie nicht allein verbringen will. Ohne Freunde oder Familie wendet sie sich an Claire in der Hoffnung, die vergangene Beziehung wieder aufleben zu lassen. Widerwillig lässt Claire die Nähe zunächst aus Pflichtgefühl zu. Aus der Konfrontation zweier unterschiedlicher Charaktere entsteht eine unerwartete Freundschaft, die Claire zwingt, ihren Lebensentwurf neu zu verhandeln.
16:10
Bei Wildunfällen sterben Tiere, aber auch Tausende Menschen werden verletzt und bis zu 20 Autofahrer sterben dabei jedes Jahr allein in Deutschland. Rothirsche ziehen weite Wege, um genügend Futter zu finden, Kröten wandern, um einen Partner zu finden, und Fische müssen zu ihrem Laichplatz Flüsse hinaufsteigen. Für manche Arten wie den Fischotter sind die Verluste auf unseren Straßen bedrohlich. Denn Straßen töten nicht nur, sie zerschneiden Lebensräume. Diese Isolation kann zu einer genetischen Verarmung führen, die einige Arten in ihrem Bestand stark gefährdet. Gibt es Lösungen für diese Probleme? Straßenplaner und Naturschützer versuchen, die Verluste unter den verschiedenen Wildtierarten zu minimieren und zerschnittene Lebensräume wieder zu verbinden. Grünbrücken und Krötentunnel entstehen, auch Fledermausbrücken, Eichhörnchenseile, Laufstege für Fischotter oder ein Hirschradar werden ausprobiert. Erstmals zeigt diese Naturfilm-Dokumentation Erfolge und Misserfolge verschiedener Maßnahmen, damit Wildtiere Straßen sicher kreuzen können. Versteckte Videofallen und mehrmonatige Beobachtungen bringen erstaunliche Erkenntnisse über das Verhalten von Wildtieren an Straßen zutage. Ebenso unterhaltsam wie spannend beleuchtet die Dokumentation ein bislang wenig beachtetes Problem in unserer Umwelt.
16:55
Ihre zumindest umgangssprachig weitreichende Bekanntheit ist kein Zeichen großer Beliebtheit: Schnepfen. Sie gehören wie Kiebitz und Brachvogel zu den Wiesenvögeln, die früher fast überall in Deutschland heimisch waren. Über Schnepfen ist wenig bekannt. Fest steht: sie haben es zunehmend schwer, weil der Mensch immer mehr Feuchtwiesen trockenlegt und damit den Lebensraum der Vögel zerstört. Am Dümmer See in Niedersachsen aber haben es Naturschützer um den Biologen Heinrich Belting geschafft ein in Deutschland einmaliges Schutzgebiet einzurichten. Hier sind ihre Bestände gewachsen. Der unbestrittene Star auf den nassen Wiesen ist die Uferschnepfe. Sie steht im Mittelpunkt zahlreicher Studien, denn wenn sich die sogenannte Schlüsselart vermehrt, überleben auch viele andere Wiesenvögel. Uferschnepfen sind wahre Ausdauerathleten der Lüfte. Sie legen tausende Kilometer in wenigen Tagen zurück. Mit Feuchtgebieten allein in Deutschland ist den Langstreckenziehern aber nicht geholfen. Die Vögel benötigen intakte, nahrungsreiche Wiesen entlang ihrer Zugrouten, die bis in den Senegal an der Westküste Afrikas führen. Und weil die Vögel so wichtig sind, stehen sie unter besonderer Beobachtung. Sender liefern rund um die Uhr Daten von ihren Aufenthaltsorten. Und um vor Ort zu verstehen, was den Vögeln auf ihren langen Reisen zu schaffen macht, sind die Vogelschützer um Heinrich Belting ihnen hinterher geflogen. Eine abenteuerliche Reise auf den Spuren einer ganz besonderen Vogelart.
17:50
Der Frühling ist die Zeit der Paarung - und für viele Wildtiere geht es dabei um alles. Nicht alle haben den harten Winter überlebt, doch wer noch da ist, muss jetzt handeln. Für ein Gelbhalsmaus-Weibchen bedeutet das: einen starken Partner finden, der ihr und dem Nachwuchs die besten Überlebenschancen bietet. Auch ein Eisvogel-Männchen will eine Familie gründen. Bevor es allerdings zur Paarung kommen kann, muss er die anfängliche Feindseligkeit seines auserwählten Weibchens überwinden. Für manche gestaltet sich die Balz äußerst riskant. Die Weibchen der Erdkröten und Seidenbienen geraten im Ansturm der liebestollen Männchen in Lebensgefahr. Bei Staren und Fasanen hingegen setzen die Männchen alles auf eine Karte: Ihre auffälligen Balzrituale ziehen nicht nur Weibchen an, sondern auch Rivalen und Fressfeinde. Selbst im Schutz der Dunkelheit ist Eile geboten. Ein Dachs-Männchen, das die Nachbarin verführen will, muss schnell sein - bevor der Hausherr zurückkehrt und die Situation eskaliert. So wird der Frühling zu einer wilden Jahreszeit!
18:35
Ein inniges Bartgeierpaar, sich besteigende Maikäfer, Affen, die Streitigkeiten und Spannungen mit Sex lösen - bis hierhin wenig überraschend, wenn es sich nicht um gleichgeschlechtliche Beziehungen handeln würde. Auch Tintenfische, die sich schminken, um zu gefallen, und Weihen, die mit einem besonders verführerischen Federkleid locken, gehören dazu; es sind zuweilen Männchen, die sich zur Paarungszeit als Weibchen ausgeben. Beim Anemonenfisch wird der Vater zur Mutter, beim Zackenbarsch ist es umgekehrt. Meeresnacktschnecken sind praktischerweise als Zwitter gleich beides. Rehe mit Geweih, Vögel mit beiden Geschlechtern - die Tierwelt hat die unglaublichsten Beispiele parat, um zu beweisen, dass in puncto Sex tatsächlich gilt: jedem Tierchen sein Pläsierchen. Mit einem frechen, tabulosen Kommentar zollt "Wilde Liebe - Diversität in der Natur" der komplexen Sexualität der Tierwelt Tribut. Denn Tiere sind immerhin auch nur Menschen.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Knieschmerzen, Verschleiß, Arthrose: Millionen Menschen leiden darunter. Heilkräfte aus der Natur und Hightech-Medizin können schmerzende Gelenke wieder in Bewegung bringen. Was weg ist, ist weg: Das schien auch für den Knorpel im Knie zu gelten, der wie ein Stoßdämpfer zwischen den Gelenkknochen jeden Schritt, jede Bewegung auffängt. Ist er einmal abgenutzt - unwiederbringlich, so dachte man bislang -, reiben die Knochen aneinander. Arthrose. Eine schmerzhafte Sache. Doch eine neue Apparatur aus den Niederlanden erweist sich als echter Gamechanger: Sie zieht die Knochen im Knie auseinander und schafft so Raum, in dem Knorpel nachwachsen kann - die sogenannte Knie-Distraktion. In Deutschland gehört der Orthopäde Kaywan Izadpanah vom Uniklinikum Freiburg zu den Ersten, die die Operation durchführen. In der Schweiz kommt Rettung fürs Knie aus der eigenen Nase. Forschende vom Universitätsspital Basel entnehmen ihren Patientinnen und Patienten ein kleines Stück Nasenscheidewand, züchten es im Labor groß und verpflanzen es dann in das kaputte Knie. Ersatz für den abgenutzten "Stoßdämpfer". Bei leichteren Knie- und Gelenkschmerzen schaffen auch sanftere Mittel Abhilfe. Die "Rostocker Seehunde" schwören auf die Kraft der Kälte: Die Vereinsmitglieder finden beim Eisbaden in der winterlichen Ostsee neue Lebensenergie - manche sogar in einer Kältekammer bei minus 110 Grad. Denn sie spüren es am eigenen Leib: Einmal kurz frieren heißt für sie: Gelenkschmerz ade!
20:15
Tobias Schricker wurde ermordet aufgefunden - ausgerechnet in der Wohnung seiner Ex-Freundin Katrin Sommer, die spurlos verschwunden ist. Handy, Laptop und Geldbeutel fehlen, Nachbarn berichten von einer überstürzten Flucht. Für Hauptkommissarin Judith Mohn und ihren Kollegen Freddy Breyer beginnt eine nervenaufreibende Suche nach der dringend tatverdächtigen Frau. Über Katrins Social-Media-Profile stoßen die Ermittler auf ihren neuen Partner Hannes Großmann. Er erzählt ihnen, die sonst so lebensfrohe Katrin würde ihn plötzlich mit bösen SMS-Nachrichten, Drohungen und Beschimpfungen überschütten. Haben Judith und Freddy es mit einer Stalkerin im Liebeswahn zu tun, die auch vor Mord nicht zurückschreckt? Auf einmal scheint niemand, der Hannes nahesteht, vor Katrins Attacken sicher zu sein. Doch zu einem verabredeten Treffen erscheint sie nicht, und die Übergriffe eskalieren immer mehr: ein totes Tier in einem Geburtstagspaket, eine makabre Todesanzeige, ein in Brand gesetztes Auto. Und schließlich wird Hannes' frühere Geliebte beim Joggen niedergestochen. Eine heiße Spur führt Judith und Freddy nach Frankreich, wo sie Katrins persönliche Gegenstände in einem Ferienhaus finden - doch von ihr selbst fehlt weiterhin jede Spur. Wie gelingt es ihr, allen immer einen Schritt voraus zu sein? Erst Unstimmigkeiten am Tatort in Frankreich und neu bewertete Nachbarschaftsaussagen lassen Judith und Freddy erkennen, dass in diesem Fall nichts ist, wie es scheint. Die Wahrheit über Katrin, Hannes und sein Umfeld entpuppt sich als weit komplexer - und weit gefährlicher - als zunächst angenommen ...
21:45
Lisa Cortés erzählt in ihrem Dokumentarfilm die Geschichte der schwarzen und queeren Ursprünge des Rock 'n' Roll, und sprengt den weiß getünchten Kanon der amerikanischen Popmusik, um den Innovator und Erfinder Richard Penniman alias Little Richard zu enthüllen. Anhand einer Fülle von Archivmaterial und Performances, die uns in Richards komplexe Innenwelt führen, spult der Dokumentarfilm die Lebensgeschichte der Ikone mit all ihren Wendungen und Widersprüchen ab. In Interviews mit Familienmitgliedern, Musikern und führenden schwarzen und Queer-Wissenschaftlern enthüllt der Film, wie Richard eine Kunstform zur ultimativen Selbstdarstellung schuf. Doch was er der Welt gab, konnte er sich selbst nie geben: Sein ganzes Leben lang taumelte Richard wie ein glänzender, kaputter Flipper zwischen Gott, Sex und Rock 'n' Roll. Die Welt versuchte, ihn in eine Schublade zu stecken, aber Richard war ein Alleskönner, der vieles in sich vereinte.
23:20
Eines der besten Beispiele für Spoken Word Poetry im englischsprachigen Raum: Mit Kae Tempest kommt die Avantgarde der Spoken Word Poetry auf die Bühne von "Echoes with Jehnny Beth": weniger Dezibel - dafür mehr Sozialbewusstsein. Der internationale Durchbruch gelang Kae Tempest 2016 mit dem Album "Let Them Eat Chaos". Aber der "Shakespeare der Moderne" kann nicht nur rappen. Tempest hat auch eine Gedichtsammlung veröffentlicht, den britischen Lyrikpreis erhalten und ein Theaterstück geschrieben. Auf der Bühne von Echoes stellt Tempest auch Stücke des im Juli 2025 erschienenen neuen Albums "Self Titled" vor. Auch darin legt er wieder den messerscharfen Flow von düsteren, kompromisslos-engagierten Versen über ätherisch-raue Electro-Sounds. Die Stücke sind eine Momentaufnahme des Englands von heute. Jedes Wort, aber auch der Alltagskampf und die unterschwellige Wut fühlen sich authentisch und erlebt an. Mit Kae Tempest und Jehnny Beth treffen zwei Musikschaffende aufeinander, die wissen, dass Schönheit oft da entsteht, wo es knirscht und klemmt.