14:00
Seit 20 Jahren arbeiten Bruno und Malik im Großraum Paris mit Menschen, die durch das gesellschaftliche Raster fallen. Bruno leitet eine private Einrichtung für schwer autistische Kinder und Jugendliche, die von staatlichen Heimen oft abgewiesen werden. Malik bildet junge Männer aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu Betreuern aus und bindet sie in die tägliche Arbeit mit den Schützlingen ein. Gemeinsam schaffen die beiden ein ungewöhnliches Netzwerk, das dort einspringt, wo das System nicht mehr weiterweiß. Dabei geraten vor allem zwei Jugendliche in den Blick: Joseph, der Fortschritte gemacht hat, aber in der Métro immer wieder die Notbremse zieht, und Valentin, dessen heftige Selbstverletzungen jede Betreuung zur Herausforderung machen. Zugleich wächst die Verantwortung für die jungen Betreuer, die bei Malik eine neue Perspektive finden sollen. Doch je erfolgreicher und bekannter Brunos und Maliks Institution wird, desto stärker geraten ihre Methoden unter Druck. Die Gesundheitsbehörde prüft die Arbeit der Einrichtung kritisch; Vorschriften und Kontrollinstanzen drohen das innovative System zu kippen. Nach ihren Erfolgen "Ziemlich beste Freunde" und "Heute bin ich Samba" überzeugen die Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache auch hier durch ihre Nähe zu den Figuren und den feinen Humor. Viele Rollen sind mit Laien und jungen Menschen mit Autismus besetzt. So verbindet der Film soziale Dringlichkeit mit dokumentarischer Genauigkeit und großer Menschlichkeit.
16:00
Zypern ist ein Paradies unter blauem Himmel mit rund 320 Sonnentagen pro Jahr. Fast 18 Prozent der Fläche der Republik Zypern stehen unter Naturschutz. Wie das Troodos-Gebirge, dessen Gipfel bis zu 2.000 Meter in die Höhe ragen. Damit die reiche Natur auf der Insel überlebt, braucht es Menschen, die sich darum kümmern. Schleiereulen sollen helfen, den Einsatz von Gift-Ködern in der Landwirtschaft zu reduzieren. Eine einzige Eule kann bis zu tausend Mäuse und Ratten pro Jahr vertilgen. Naturschützer machen sich genau das zunutze. Sie installieren neue Brutkästen und kontrollieren, wie die Schleiereulen sich vermehren. Auch die Bäume der Insel sind etwas Besonderes. Im Troodos-Gebirge, oberhalb von 900 Metern, wächst eine Art, die es nur hier gibt: die Zypern-Zeder. Die Bäume waren jahrhundertelang das klassische Baumaterial für Kirchen und Häuser. Raubbau und Klimaveränderungen sorgten dafür, dass die Zeder heute auf der Roten Liste steht. Dank eines Schutzprogramms wird jetzt massiv aufgeforstet. Wildtierbeauftragte der Forst- und Jagdbehörde sind auf der Suche nach dem selten gewordenen Nationaltier Zyperns, dem Mufflon. Die großen Wildschafe lebten einst zu Tausenden auf der Insel. Durch starken Jagdbetrieb wurden die Tiere in den vergangenen Jahrhunderten fast ausgerottet. Das Mufflon ist mittlerweile streng geschützt. Die Akamas-Halbinsel im Westen Zyperns ist ein fast 200 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet mit ausgedehnten Hügellandschaften und unberührten Küstenregionen. Im Frühling blüht es zwischen den Felsen prächtig. Dann wird die Halbinsel zum Schlaraffenland für Schmetterlinge.
16:55
Zypern ist ein kleines Paradies mit rund 320 Sonnentagen pro Jahr. Fast 18 Prozent der Fläche der Republik Zypern stehen unter Naturschutz. Wie das Troodos-Gebirge, dessen Gipfel bis zu 2.000 Meter in die Höhe ragen. Seit einiger Zeit spüren die Fischer von Agia Napa die Folgen der steigenden Meerestemperaturen. Gebietsfremde Arten wandern ein. Vor allem Rotfeuerfische gehen derzeit ins Netz. Das Problem: Die Brustflossenstacheln dieser Meeresbewohner sind giftig. Doch abgesehen von den giftigen Stacheln gilt der Rotfeuerfisch als äußerst schmackhaft. Die Boden- und Klimaverhältnisse Zyperns sind so gut, dass bestimmte Gemüsesorten, wie etwa Kartoffeln, sogar drei Mal pro Jahr geerntet werden können. Im Dorf Xylophagou findet die erste Ernte schon Ende Februar statt. Es sind die frühesten Frühkartoffeln der Europäischen Union. Unzählige Vögel nutzen Zypern als Rast- und Brutplatz. Doch sie brauchen Hilfe. Naturschützer haben Land gekauft, Hunderte Bäume gepflanzt und somit einen Schutzraum geschaffen. Der "Safe Haven" liegt mitten in einem Gebiet, in dem illegal Singvögel gejagt werden, obwohl dies seit 1974 offiziell verboten ist. Die Sumpfgebiete nahe der Inselhauptstadt Nikosia sind seit jeher Heimat der ostmediterranen Bachschildkröte. Eine groß angelegte Untersuchung soll zeigen, wie viele Exemplare der seltenen Art wirklich hier leben. Seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend wird auf Zypern Olivenöl hergestellt. Am Fuße des Troodos-Gebirges steht ein ganz besonderer Baum: ein uraltes Exemplar, das fast 800 Jahre alt ist.
17:50
Jeder kennt die rundliche Silhouette und das Schnäuzchen der "süßen" Alpenmurmeltiere. Tatsächlich aber sind die Nager alles andere als freundlich. Im Naturschutzgebiet Grande Sassière in den französischen Alpen liefern sich die einzelnen Kolonien erbitterte Revierkriege. 1990 beobachtet ein Forscherteam in diesem einzigartigen Naturparadies rund dreißig Murmeltierfamilien. Was sie dabei herausfanden, ist von hochkomplex: Rangkämpfe, Putschversuche, Kindsmorde, strategischer Verrat und kollektive Opferungen. Jede Kolonie bewohnt eine unterirdische Burg, deren Gesamtgröße etwa ein halbes Fußballfeld umfasst, und kämpft in einer gnadenlosen sozialen Rangordnung ums Überleben. Nur das dominante Alphapaar darf sich fortpflanzen. Aber heute bedroht ein neuer Feind die Dynastien. Die Klimaerwärmung stellt ihre Überlebensstrategien infrage und schmälert die wärmedämmende, schützende Schneedecke über den Bauten. Schon jetzt wird ein kontinuierlicher Rückgang der Population registriert. "Entschlossen kämpft das Murmeltier" zeigt aus nächster Nähe und über Jahreszeiten und Generationen hinweg, wie die Gebirgsmaskottchen leben. Ihr Sozialgefüge zählt zu den faszinierendsten in der Tierwelt - und spiegelt die Dynastiegeschichten des Menschen auf verblüffende Weise.
18:30
Um die tausend Meter hoch ragt das sogenannte Kammplateau über die Ebene Nordtschechiens. So hoch, dass die Wälder dort oben manchmal in den Wolken versteckt bleiben. Die Natur in diesem Teil des Erzgebirges scheint seit Urzeiten unverändert. Und doch ist sie das Werk weniger Menschen, die diese Wälder nach der Katastrophe des Waldsterbens vor rund vierzig Jahren wieder auferstehen ließen. Einer dieser Menschen ist der alte Förster Vajnar, der mit 67 eigentlich schon in den Ruhestand gehört. Doch das Forstamt hat noch eine letzte Aufgabe für ihn, der eigentlich keine Menschen mag: Veronika, 28, soll Försterin auf dem Kammplateau werden und von Vajnar alles lernen, was er über den Wald und seine Tiere weiß. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der beiden, die eigentlich nicht gutgehen kann - und die doch eine überraschende Wendung nimmt. Der Film führt die Zuschauer in einen wenig beachteten Teil des tschechischen Erzgebirges, an dessen Fuß die Kurstadt Teplice liegt. In ihrem heißen Thermalwasser suchten schon Kaiser und Könige Heilung. Und wenn der Mond über der alten Kurstadt und dem Kammplateau aufgeht, kommen Wölfe in das Revier von Veronika und Förster Vajnar. Wie Geister der Nacht gehen sie auf die Jagd und sind verschwunden, bevor der neue Tag anbricht. Doch Tierfotograf Rosta Stach, ein Freund des Försters, weiß, wo man die Wölfe findet.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Amsterdam gilt als Europas Fahrrad-Eldorado - neben Kopenhagen, Paris und London überzeugt die Stadt mit moderner Infrastruktur und gelebter Radkultur. Doch nicht alle profitieren davon: Fußgänger fühlen sich zunehmend an den Rand gedrängt. Für die 72-jährige Rentnerin Patty Muller vom niederländischen Fußgängerverband ist ein Spaziergang durch Amsterdam inzwischen zur Belastungsprobe geworden. In einer Fallstudie dokumentiert sie Stellen, an denen Fußgänger und Radfahrer sich gefährlich nahekommen. Ihr Vorwurf: Zehn Jahre lang habe Amsterdam den Fokus fast ausschließlich auf den Radverkehr gelegt - die Sicherheit der Fußgänger sei dabei auf der Strecke geblieben. Die steigende Zahl von E-Bikes, Lastenrädern und Lieferdienst-Fahrern verschärft die Lage zusätzlich. Auch in Berlin wächst der Handlungsdruck, denn laut landeseigenem Mobilitätsgesetz soll sich die Stadt von einer Auto- zu einer Fahrradstadt entwickeln. Es gibt in der deutschen Hauptstadt zwar immer mehr Räder, laut Schätzungen um die drei Millionen, aber auch immer mehr Unfälle mit ihnen. Die Fahrradstaffel der Berliner Polizei hat 2024 knapp 20.000 Radfahrer angezeigt. Häufige Delikte sind rote Ampeln, ignorierte Zebrastreifen, Handy am Lenker oder Missachtung der Vorfahrtsregeln. Dort, wo in Berlin viele zu Fuß unterwegs sind, häufen sich auch hier die Verstöße. Trotz aller Aufklärung stoßen die beiden Polizisten Stefanie Lütz und Johannes Feige oft auf wenig Einsicht und die immergleichen Ausreden. Woher aber kommt der Glaube, dass die Straßenverkehrsordnung nicht für alle gleichermaßen gilt?
20:15
Bretagne, Ende der 60er Jahre: Der neunjährige Sohn des Schriftstellers Charles Thénier wird von einem rücksichtslosen Autofahrer totgefahren. Der verwitwete Thénier will Vergeltung und schwört sich, den Fahrer zu finden und ebenfalls zu töten. Besessen von diesem Gedanken notiert er seine Pläne minuziös in ein Tagebuch. Als Drehbuchautor getarnt nimmt er Kontakt zur Schauspielerin Hélène Lanson auf, die eine der Hauptzeuginnen ist. Er reist nach Paris. Es beginnt eine Liebesbeziehung, in deren Verlauf sich herausstellt, dass Hélènes Schwager, Paul Decourt, das Auto fuhr. Charles lernt die ganze Familie kennen und es wird immer deutlicher, dass er nicht der Einzige ist, der den Schwager gern tot sehen würde. Decourt ist als herzloser Mann und Vater bei seinem Umfeld nicht gerade beliebt. Mit wachsender Nähe zu den Familienmitgliedern beginnt für Thénier ein enormer emotionaler Konflikt, bis er sich durch einen unerwarteten Zwischenfall zu handeln gezwungen sieht ... Claude Chabrol nimmt sich in einem seiner berühmtesten Filme viel Zeit für die feinfühlige Inszenierung seiner vielschichtigen Charaktere und deren seelische Abgründe.
22:05
Truman Capote (1924-1984) ist Ende der 1950er bereits ein Star in der New Yorker Literaturszene, nicht zuletzt dank seines Kurzromans "Frühstück bei Tiffany" (1958). Eines Tages stößt er in der New York Times auf folgende Kurzmeldung: In einer friedlichen Kleinstadt wurde die Farmerfamilie Clutter in der Nacht des 15. November 1959 brutal in ihrem Haus ermordet. Capote beschließt, hinzufahren und eine Reportage über das Verbrechen zu schreiben. Doch mit der Zeit wandelt sich sein Projekt; der übliche journalistische Ansatz reicht dem Schriftsteller nicht mehr aus. Als die beiden Mörder gefasst werden, nimmt Capote Kontakt mit ihnen auf und wird mit der Zeit ihr Vertrauter. Aus dieser engen Beziehung zu den Kriminellen entsteht der Roman "Kaltblütig", der 1966 veröffentlicht wurde. Der Tatsachenroman ist eine literarische Sensation und verschiebt die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus. Doch die fünf Jahre andauernde intensive Beschäftigung mit dem Verbrechen prägte Capote nachhaltig. Er sagte später, er wäre nie nach Kansas gefahren, wenn er all dies hätte vorhersehen können. Und fügte hinzu: "Niemand wird jemals die Leere kennen, die 'Kaltblütig' in mir entstehen ließ. Irgendwie glaube ich, dass mich dieses Buch getötet hat."
23:00
Helena ist eine erfahrene Rettungssanitäterin, die es gewohnt ist, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch im eigenen Zuhause entgleitet ihr die Kontrolle. Ihre 15-jährige Tochter Stefi schwänzt die Schule, verschwindet des Nachts und gerät unter den Einfluss einer gewaltbereiten Clique. Während Helena Abend für Abend nach ihr sucht, zerreibt der Dauerkonflikt allmählich die ganze Familie. Vater Kaarel ist permanent bemüht, die Spannungen zu dämpfen; Stefis jüngerer Bruder Sander leidet unter der ständigen Unruhe und dem Mangel an Aufmerksamkeit. Als Stefi nach einer weiteren Grenzüberschreitung im Krankenhaus landet, trifft Helena eine radikale Entscheidung. Sie holt ihre Tochter ab und bringt sie in das abgelegene Landhaus der Familie. Dort will sie Stefi vor ihrem Umfeld schützen und zugleich die Beziehung zu ihr retten. Was als Rettungsversuch beginnt, wird zu einem sich aufschaukelnden Machtkampf zwischen einer Mutter, die ihr Kind nicht verlieren will, und einer Tochter, die sich jeder Vereinnahmung widersetzt. Im Verlauf des Films verschiebt sich der Blick von der äußeren Krise auf die seelischen Verwundungen beider Figuren. Nach und nach wird sichtbar, dass Stefis Absturz nicht nur mit ihrem gefährlichen Umfeld zu tun hat, sondern auch mit einer beschädigten Mutter-Tochter-Bindung. Liina Triskina-Vanhatalo erzählt dieses Familiendrama als psychologisch-analytische Annäherung, getragen von Katariina Unts und Teele Piibemanns intensiven Darstellungen.