21:45
Der bis in die Mammutzeit zurückreichende arktische Permafrostboden taut heute schneller auf als je zuvor. Mit dem Untergrund sackt auch die von Menschen errichtete Infrastruktur ab: Häuser bekommen Risse, Straßen verformen sich, ganzen Gemeinschaften wird förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Sowohl Nikita aus Ostsibirien als auch Martha aus Nordalaska erleben hautnah, wie ihre Welt buchstäblich zerfällt. Doch die Krise beschränkt sich nicht auf die Dörfer, in denen die beiden leben. In dem vereisten Boden sind enorme Mengen prähistorischer Flora und Fauna eingeschlossen, deren nun beginnende Zersetzung Kohlendioxid und Methan freisetzt. Diese Treibhausgase heizen den globalen Klimawandel weiter an. Die einst großen Klimaversprechen der Weltpolitik schwanden im Zuge von Kriegen und globalen Wirtschaftskrisen dahin. Das Thema "Energiesicherheit" steht heute ganz oben auf der Agenda der Regierungen. Deshalb gibt es immer mehr Bohrungen in der Arktis - einer Region mit riesigen, bislang unerschlossenen Rohstoffvorkommen. Russland treibt die Öl- und Gaserschließung trotz internationaler Sanktionen in Sibirien voran, während die USA in unmittelbarer Nähe von Marthas Heimatdorf ein großangelegtes Bohrprojekt genehmigten. Wissenschaftler schlagen Alarm: Die Arktis erwärmt sich viermal schneller als der globale Durchschnitt. Sie warnen vor Kipppunkten und unumkehrbaren Rückkopplungseffekten, doch angesichts kurzfristiger politischer und wirtschaftlicher Interessen verhallen ihre Stimmen ungehört. Die Geschichten von Nikita und Martha sind mehr als lokale Schicksale. Sie gelten als letzter Weckruf aus dem hohen Norden - an die gesamte Menschheit.
23:10
Ende des 19. Jahrhunderts ist der Nordpol ein weißer Fleck auf der Landkarte - Sinnbild für Abenteuer, Ruhm und wissenschaftlichen Fortschritt. Am 11. Juli 1897 starten die Schweden August Salomon Andrée, Nils Strindberg und Knut Frænkel von der Inselgruppe Spitzbergen nördlich von Norwegen in einem Wasserstoffballon ihre Nordpol-Expedition. Die ganze Welt schaut zu, ihr Heimatland hält den Atem an. Nachdem Brieftauben einige optimistische Nachrichten überbracht haben, bricht plötzlich der Kontakt ab. Es folgen 33 Jahre Funkstille. Zahlreiche Bücher und Presseartikel spekulieren über das Verschwinden der Entdecker und überbieten sich mit den wildesten Erklärungen. Am 6. August 1930, nach einem außergewöhnlich heißen Sommer mit starkem Eisrückgang, stoßen Robbenjäger auf der Insel Kvitøya - der "Weißen Insel" im äußersten Norden des Spitzbergen-Archipels - auf die Überreste der Expedition. Im Schnee befinden sich perfekt konservierte Körper sowie die gesamte Ausrüstung: Hunderte Gegenstände, darunter Morphin und Opium, aber auch intakte Notizbücher und Fotofilme mit 240 Aufnahmen, von denen 93 gerettet werden können. Was verraten diese Fotografien und sorgfältig geführten Tagebücher über die Expedition? Wie gelangten die drei Männer auf diese Insel - und wie, wann und warum starben sie? Geisterhaft anmutende Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Tagebuchfragmente rekonstruieren den Verlauf der legendären Andrée-Expedition und ihr rätselhaftes Ende. Vor Ort, in derselben kargen und grauen Landschaft, suchen heute drei Personen nach Erklärungen: Der schwedische Fotografie-Historiker Tyrone Martinsson, die französische Schriftstellerin Hélène Gaudy und die schwedische Autorin und Ärztin Béa Uusma. Immer noch bleiben viele Fragen offen. Doch wo liegt die Wahrheit - und muss man ihr auf den Grund gehen? "Gestrandet im ewigen Eis" ist ein archäologischer Thriller. Die Dokumentation rekonstruiert mithilfe mystisch wirkender Schwarz-Weiß-Bilder und heutiger Landschaftsaufnahmen die letzten Etappen der legendären Andrée-Expedition. Drei Experten begeben sich vor Ort auf Spurensuche - doch trotz neuer Erkenntnisse bleiben Fragen offen.
00:10
Die westsibirische Halbinsel Jamal ist das Herzstück des russischen Energieimperiums. Die riesigen Gasvorkommen wecken die Gier von Ölkonzernen wie Gazprom, Novatek, TOTAL und Chinese National Petroleum Corp. Auf Nenzisch bedeutet Jamal "Ende der Welt". Die Nenzen sind ein Nomadenvolk, das diese Region weit hinter der Polargrenze seit mehr als 200 Generationen bewohnt. Als Rentierzüchter überqueren sie die Halbinsel mit ihren Herden regelmäßig von Nord nach Süd und wieder zurück. Wassili bereitet sich ein weiteres Mal auf diese 1.500 Kilometer lange Reise vor. Doch wie lange noch? Viele Weideflächen sind inzwischen Gasfeldern gewichen. Überall werden Gaspipelines und Verkehrswege gebaut - ohne Abstimmung mit den Nenzen. Dörfer wachsen zu Städten und die neue Infrastruktur durchtrennt die Wanderrouten der Nomaden. Jamal ist der neue Zankapfel geostrategischer Interessen und Ausgangspunkt für die Nordostpassage, über die mit Flüssiggas beladene Frachter in 21 statt wie bisher 30 Tagen nach Asien gelangen sollen. Russland will sich die Bodenschätze der Arktis sichern - aber um welchen Preis? "Sibirien: Eine Pipeline und die letzten Nomaden" ist ein Polar-Western und Umweltkrimi zugleich: Auf der einen Seite stehen die Nenzen, die um ihren Lebensraum kämpfen und vielleicht zur letzten Wanderung mit ihren Rentieren aufbrechen, auf der anderen die Gasindustrie und die russischen Wissenschaftler, die die Nordostpassage vorantreiben. Wer wird gewinnen?
01:30
Arbeit kann erfüllend sein - im Idealfall. Doch ziemlich viele Menschen mit Bürojobs sind in ihrer täglichen Arbeit todunglücklich. Klar, man könnte einwenden, die Unzufriedenheit dieser Angestellten sei hauptsächlich ein Problem der Ersten Welt. Sie haben einen sicheren, körperlich nicht anstrengenden Beruf, der oft auch noch relativ gut bezahlt wird - und auf der Welt gibt es viele Menschen, die in weit größerem Elend leben. Aber gehört die beispiellose Verschwendung menschlicher Ressourcen nicht trotzdem zu den großen Dramen unserer Zeit? "Arbeit ohne Sinn" erforscht die Gründe dafür, warum hochbezahlte Managerinnen und Manager so gerne Phrasen dreschen, abstrusen Managementmethoden folgen und zum Wohl der Aktionärinnen und Aktionäre das Betriebsklima vergiften. Laut einer Untersuchung von Gallup bemühen sich nur 13 Prozent der arbeitenden Bevölkerung, ihren Job gut zu machen. 64 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dagegen ist ihr Job gleichgültig, sie wollen nur mit einem Minimum an Aufwand einigermaßen gut durch den Tag kommen. Ganze 25 Prozent der Angestellten arbeiten gegen die Firma, bei der sie angestellt sind, weil sie ihre Tätigkeit hassen. Die Zahlen variieren von Land zu Land, aber der Trend lässt sich überall auf der Welt beobachten. Dass sie in ihrer Arbeit keinen Sinn finden können, macht viele Menschen sogar krank. In der Dokumentation berichten Patientinnen und Patienten mit Burnout von ihren Erfahrungen. Eingeordnet und kommentiert werden deren Aussagen vom verstorbenen Anthropologen und Aktivisten David Graeber und der in Berkeley ansässigen Pionierin der Burnout-Forschung, der Psychologin Christina Maslach.
02:50
In der afrikanischen Savanne haben die Löwen das Sagen und gehen im Rudel auf die Jagd nach großer Beute. Im indischen Bundesstaat Gujarat hingegen sieht der Überlebenskampf dieser majestätischen Raubtiere ganz anders aus. Asiatische Löwen müssen sich in einer Welt behaupten, in der der Mensch an der Spitze der Nahrungskette steht. Im Gegensatz zu ihren afrikanischen Verwandten ist ihr Lebensraum durch dichte Wälder, bewirtschaftete Felder und bewohnte Dörfer stark eingeschränkt. Inmitten dieser Herausforderungen begleitet die Dokumentation eine Löwenmutter, die ihr erstes Junges großzieht. Ständig muss die Löwin Mut und Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen, denn Gefahr lauert überall. So muss sie ihr Junges vor umherstreifenden Leoparden und paarungswilligen Löwen verstecken. Männchen sind unerwünschte Gäste in den Rudeln - hier geben die Weibchen den Ton an. Entschlossen, ihren Sohn zum neuen König heranzuziehen, stellt sie ihn unter den Schutz schwesterlicher Solidarität. Doch der Weg bis zum Erwachsenwerden ist steinig. Das Jungtier muss lernen, sich an Beute anzuschleichen, die geschmeidigen Bewegungen seiner Mutter zu imitieren und gefährlichen Feinden aus dem Weg zu gehen. Die wichtigste Lektion ist jedoch die der Unabhängigkeit. Eines Tages muss die Löwin ihren Sohn sich selbst überlassen, damit er im Gir-Wald ein eigenes Revier erobern kann. Die Dokumentation erzählt eine Geschichte von Überlebenskampf, Anpassungsfähigkeit - und vom Vermächtnis der letzten Asiatischen Löwen.
03:30
03:35
Die Aufnahmen vom Tod der US-Amerikanerin Renée Good, die von einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurde, gingen in Windeseile um die Welt. Dass sie nicht zur Aufklärung des Tathergangs beitragen konnten, sondern vielmehr die unterschiedlichsten Deutungen nährten, lässt Zweifel an der Beweiskraft von Bildern aufkommen.
03:50
Wie nah ist der Mensch den Schimpansen? Dieser Frage geht die Primatologin, Tierärztin und Spezialistin für Verhaltensökologie und Zoopharmakognosie Sabrina Krief nach. / Atomprogramm: Der Iran und die Vereinigten Staaten nahmen am 26. Februar in Genf neue indirekte Verhandlungen über das iranische Atomprogramm auf, zeitgleich wächst der Druck auf Teheran.
04:40
Wie es sich für eine echte Leinwandlegende gehört, spricht Alain Delon von sich selbst gerne in der dritten Person ... Die Animationsserie "(Fast) Die ganze Wahrheit", die mit augenzwinkerndem Humor aus dem Nähkästchen prominenter Persönlichkeiten plaudert, wartet mit einer fünften Staffel auf. Die vom Kreativteam der französischen Produktionsfirma Blogothèque geschaffene Serie setzt Spielzeug oder Alltagsutensilien in Stop-Motion-Animationen ein, die von einer frechen Off-Stimme kommentiert werden. In der fünften Staffel gesellen sich zur lustigen Porträtgalerie 39 weitere Promis, darunter Josephine Baker, Jeanne Moreau, Albert Camus, Napoleon, Alain Delon und Virginie Despentes.