19:35
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Für Damla Saydam ist der türkische Teppich eine Frage der kulturellen Identität. Doch aus dem einstigen Exportschlager ist ein Nischenprodukt geworden. Selbst in den traditionellen Teppichgeschäften des Istanbuler Großen Basars werden zunehmend maschinell hergestellte Teppiche aus China, Indien oder der Türkei verkauft, und die Händler handgewebter Ware bleiben auf ihren Produkten sitzen. Ohne Absatzmarkt lohnt sich das Geschäft für die Weberinnen und Weber nicht mehr. Für Damla ist das eine besorgniserregende Entwicklung: "Wenn niemand mehr weiß, wie man webt und knüpft und keiner mehr die alten Muster kennt, dann endet irgendwann unsere großartige Teppichkultur", sagt die 34-Jährige. Gegen den Trend hat Damla Saydam in Bergama, im Westen der Türkei, ein kleines Geschäft für handgewebte Teppiche eröffnet und baut sich derzeit ein eigenes Netzwerk auf: von den Weberinnen in der Umgebung bis zu den Kunden, die bereit sind, für Naturprodukte und Handwerkskunst einen entsprechenden Preis zu zahlen.
20:15
Zehn Jahre ist es her, dass Samba aus dem Senegal nach Frankreich gekommen ist, um seine Familie finanziell zu unterstützen. In Paris hält er sich seitdem mit schlecht bezahlten Hilfsjobs über Wasser. Als ihm in einem Restaurant eine feste Stelle in Aussicht gestellt wird, scheint ein geregeltes Leben erreichbar. Um seine Situation zu legalisieren, beantragt er eine Aufenthaltserlaubnis, die jedoch abgelehnt wird. Samba wird von der Ausländerbehörde festgesetzt und in Abschiebehaft gebracht. Dort begegnet er Alice, die sich nach einem Burn-out in einer Hilfsorganisation für Menschen ohne Papiere engagiert. Während sie für sich versucht, nach ihrem Zusammenbruch wieder Halt zu finden, lässt sie Sambas Schicksal nicht los. Nach seiner Entlassung taucht der in Paris unter und schlägt sich weiter mit prekären Arbeiten und der ständigen Unsicherheit und Angst vor Kontrollen durch. Je länger Samba in dieser Parallelwelt aus improvisierten Überlebensstrategien gefangen bleibt, desto mehr gerät auch sein Selbstbild ins Wanken. Zugleich entwickelt sich zwischen ihm und Alice eine vorsichtige Nähe. Das Regieduo Olivier Nakache und Eric Toledano verbindet in "Samba" soziale Realität mit melancholischer Komik. Der Film erzählt von Arbeit, Identität und Zugehörigkeit, ohne seine Figuren auf Thesen zu reduzieren. Omar Sy verleiht der Titelfigur Charme und Verletzlichkeit.
22:10
München, Anfang der 1970er Jahre: Der italienische Komponist Giorgio Moroder und die amerikanische Backgroundsängerin LaDonna Adrian Gaines, besser bekannt als Donna Summer, treffen zum ersten Mal aufeinander. Ihre anmutige Stimme, die mit berückender Kühle endlos Liebesworte wiederholt, gepaart mit seinem kraftvollen futuristischen, aus hypnotischen Elektroimpulsen schöpfenden Sound - eine Zusammenarbeit war geboren, die unter Mitwirkung des britischen Produzenten Pete Bellotte Hits wie "Love to Love You Baby" (1975) oder "I Feel Love" (1977) hervorbringen sollte. Ihre innovative, tanzbare und stimmungsvolle Musik markiert die Blütezeit des Munich Sound, der zugleich den Höhepunkt der Disco-Ära darstellt und als Vorläufer der heutigen Popmusik gilt. Die Begegnung zwischen Giorgio Moroder und Donna Summer schrieb nicht nur Musikgeschichte, sie veränderte auch das Leben beider Künstler: In den 1980er und 1990er Jahren avancierte Giorgio Moroder zu einem der großen Komponisten von Filmmusik und zum "Paten" der europäischen Elektro-Musik, und Donna Summer wurde zur Disco-Königin ...
23:05
In Italien geboren, in Deutschland vorangetrieben, brachte sie den ganzen Erdball zum Tanzen: die Welt der Italo Disco. In den 1980er Jahren gaben sich Millionen junger Europäer dem irren Rhythmus einer Musik hin, die eingängige synthetische Klänge, bizarre englische Texte und süchtig machende elektronische Beats vermischte. Legendär sind auch die visionären Videoclips. Die Dokumentation von Alessandro Melazzini schildert die Entstehung und Entwicklung eines facettenreichen Musikgenres. Sie taucht ein in die kreativen, wirtschaftlichen und produktiven Bereiche eines soziokulturellen Phänomens und einer ganzen Musikindustrie. Liebevoll zusammengestelltes Archivmaterial wird mit Interviews von Künstlern und Protagonisten jener Epoche gepaart. Dazu zählen unter anderem Sabrina Salerno, Johnson Righeira, Savage und die La-Bionda-Brüder sowie angesagte DJs und Experten, darunter DJ Hell und Mathias Modica. Mit Hilfe von mitreißenden und pulsierenden Rhythmen bekannter Songs aus jener Epoche, aber auch durch Kultsongs, die der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind, nimmt "Italo Disco - Der Glitzersound der 1980er" den Zuschauer mit auf die Entdeckungsreise eines gleichwohl kommerziellen wie auch zukunftsweisenden Musikgenres. Der Sound einer Ära, die sehr oft beschrieben, aber nicht immer wirklich verstanden wird. Diese Dokumentation erkundet die Geheimnisse der Italo Disco.