19:40
"Ich habe mir immer geschworen, ich lasse mich nie schlagen von einem Mann, und trotzdem habe ich mir alles gefallen lassen", sagt Sabine. Nachdem er sie immer wieder zusammengeschlagen und dann sogar gedroht hat, sie zu töten, flüchtete sie, nur mit Leggings und T-Shirt bekleidet, zur Polizei. Sie fand Unterschlupf im Frauenhaus Espelkamp. Im Gegensatz zu den meisten Frauenhäusern ist dieses nicht anonym. Die Adresse, mitten im Ortszentrum, ist öffentlich bekannt. Hier sorgen Überwachungskameras für Sicherheit, auch Nachbarschaft und Polizei wissen Bescheid. Der Erleichterung, der Gewalt entkommen zu sein, folgt die Verzweiflung über diese Taten und die Sorge, wie es weitergehen soll. Teamchefin Miriam Kary erlebt die Frauen oft zuerst in einer Art Schockstarre, gefolgt von Trauer und Selbstvorwürfen: Was haben die Kinder mitbekommen? Warum bin ich nicht eher gegangen? Auch Lara aus Osteuropa (anonym) musste vor der Gewalt ihres Partners fliehen. Er hat sie erst mit Liebe überschüttet, dann erniedrigt, geschlagen und so manipuliert, dass sie sich in Deutschland prostituiert hat. Obwohl sie ihm alles Geld gegeben hat, hat er sie immer wieder verprügelt. "Ich hatte Angst jeden Tag, wann kommt der nächste Schlag? Angst um mein Leben." Nachdem sie ihm schwer misshandelt entkommen ist, hat er sie überall gesucht. Sie ist von Bordell zu Bordell geflohen, bis sie in einem streng geheim gehaltenen Schutzhaus Unterschlupf und Fürsorge gefunden hat. Für einen solchen Neustart braucht es viel Unterstützung und Zeit, die körperlichen und seelischen Wunden zu heilen.
20:15
Robert Stroud wird nach einer Gefangenenrebellion in die Strafanstalt Leavenworth verlegt. Er sitzt wegen Mordes zwölf Jahre Zuchthaus ab und gilt als gewalttätig und verbittert. Als er einen Wärter ersticht, soll er hingerichtet werden, doch seine Mutter erreicht die Umwandlung des Urteils in lebenslange Einzelhaft. In der Isolation hat Stroud nur wenig Kontakt, bis er im Hof einen verletzten Sperling findet und ihn in seiner Zelle aufzieht. Später darf er Kanarienvögel züchten und entdeckt darin einen neuen Lebenssinn. Er entwickelt ein Heilmittel gegen eine gefährliche Vogelkrankheit und wird als Vogelexperte bekannt. Durch die Züchterin Stella Johnson entsteht erstmals eine persönliche Bindung, die jedoch zum Bruch mit seiner Mutter führt. Er wartet auf eine Begnadigung ... "Der Gefangene von Alcatraz" basiert auf der Lebensgeschichte des Amerikaners Robert Stroud, der 1963 in einem Gefängnishospital starb, nachdem er 54 Jahre in Zuchthäusern verbracht hatte, davon 43 Jahre in Einzelhaft. Der Film, auch ein Plädoyer für einen humaneren Strafvollzug, erhielt mehrere bedeutende Preise. Burt Lancaster wurde als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert, gewann den BAFTA Film Award und in Venedig die Coppa Volpi. Weitere drei Oscarnominierungen gingen an Telly Savalas und Thelma Ritter für ihre Nebenrollen und an Burnett Guffey für die beste Bildgestaltung in Schwarz-Weiß. Für Telly Savalas war es der Start seiner Schauspielkarriere, die im TV als Polizist Kojak mit "Einsatz in Manhattan" ihren Höhepunkt fand.
22:35
20 Männer lassen sich für zwei Wochen auf ein riskantes Rollenspiel ein: Gefangene und Wärter in einem simulierten Gefängnis. Anfangs gelten klare Regeln, Gewalt ist verboten. Doch Macht, Angst und Gehorsam verändern alles. Aus der Studie wird ein Alptraum - und die Frage bleibt: Kann "Das Experiment" noch gelingen? Psychothriller, inspiriert vom Stanford-Prison-Experiment. Die Handlung orientiert sich an der Versuchsanordnung des Stanford-Prison-Experiments: Eine Gruppe von 20 - in Stanford 24 - Männern wird zufällig in "Gefangene" und "Wärter" eingeteilt. Zwei Wochen lang sollen die Teilnehmer in einem Scheingefängnis ausharren, das in einem umgebauten Flur im Keller einer Universität eingerichtet ist. Die Gefangenen müssen grundlegende Rechte und Freiheiten aufgeben. Sie werden desinfiziert, erhalten nummerierte Kittel und werden zu dritt in enge Zellen gepfercht. Als sie sich gegen Erniedrigungen und Schikanen wehren, reagieren die Wärter bereits in der ersten Nacht mit brutaler Härte. Während das reale Experiment in Stanford wegen zunehmender Aggressionen der Wärter und wachsender Abstumpfung der Gefangenen nach kurzer Zeit abgebrochen wurde, steigern Drehbuch und Film die Situation weiter. Sie zeigen, wie Macht, Gehorsam und Gewalt die Versuchspersonen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus treiben. Oliver Hirschbiegels Kinodebüt ist ein verstörender Psychothriller über Rollenverhalten, Autorität und soziale Isolation, basierend auf Mario Giordanos Roman "Black Box" und dem Stanford-Prison-Experiment von 1971. Anfangs scheint die Studie kontrolliert, doch bald eskalieren Macht, Angst und Demütigung. Das reale Experiment gilt als einer der berühmtesten Versuche der Psychologie. Jedoch standen Versuch und Ergebnisse zunehmend in der Kritik und stehen es nach wie vor aufgrund mangelnder Wissenschaftlichkeit.