Einem aufmerksamen Museumsgänger entgehen sie nicht: die häufig mit Weinblättern und drapierten Laken über den Genitalien gemalten Akte. Warum bedeckt das Haar von Botticellis Venus nicht nur deren Scham, sondern kringelt sich an ebenjener Stelle zu einer zweideutigen Locke? Und warum suggerieren Waffenscheiden, Schwerter und Degen das männliche Glied oft mehr, als es zu kaschieren? Wie kommt es, dass selbst prächtig ausstaffierte Herren auf manchen Standporträts wie nackt wirken? Seit wann - und warum - ist die Darstellung menschlicher Geschlechtsteile in der bildenden Kunst problematisch? Diesen Fragen geht "Das versteckte Geschlecht. Kunst und Scham" nach. Die Filmemacher recherchierten in Frankreich, England und Dänemark und befragten Konservatoren, Kunsthistoriker und Künstler dazu, wie die Zensur die westliche Kunstgeschichte seit der Antike geprägt hat. Wie hielten es die Künstler mit der ihnen auferlegten Prüderie? Passten sie sich an oder versuchten sie, das Verbot zu umgehen? Nicht wenigen gelang es, die Zensur auszutricksen und durch geschicktes Verbergen sogar noch mehr zu enthüllen. Künstler, Auftraggeber und Zensoren waren lange ausschließlich Männer, und Kunstwerke erzählen oft viel über die Gesellschaft, in der sie entstanden. Ob Feigen- oder Weinblätter, Perlen oder drapierte Laken, Federn und Spiegel für die weibliche Scham; symbolträchtige Objekte wie Schwerter, Knüppel oder Wasserhähne für das männliche Glied - zu allen Zeiten dienten die seltsamsten Objekte dazu, Genitalien zu kaschieren. Und das bei großen Künstlern wie Michelangelo, François Boucher und Jacques-Louis David, René Magritte und Francis Picabia bis hin zum Paar Pierre et Gilles.
Thelma und Louise - zwei Namen, die sich einprägten und als Synonym für Freiheit, Lebensfreude und unerschütterliche Freundschaft in die Popkultur eingingen. Noch 20 Jahre nach seinem Kinostart bezeichnete die US-Presse "Thelma & Louise" als den "größten Film aller Zeiten zum Thema Frauen", und auch mehr als 30 Jahre später läuft der Film auf den größten Festivals - so auch 2024 bei den Filmfestspielen in Cannes. Seine Energie, Vitalität und Komik sind ungebrochen, seine Treffsicherheit bleibt schwer zu toppen. Thelma und Louise, gespielt von Geena Davis und Susan Sarandon, wollen mal raus. Sie wollen für ein paar Tage ausbrechen aus einem unterwürfigen Alltag, setzen sie sich ins Cabrio und fahren einfach los. Die Spritztour wird zur Reise ihres Lebens. Beim ersten Stopp in einer Bar tötet Louise den Mann, der Thelma auf dem Parkplatz vergewaltigen will. Aus dem Feelgood-Trip wird eine Flucht durch den Mittleren Westen der USA, ja, eine Coming-of-Age-Story. Die Geschichte zweier Freundinnen auf der Flucht vor männlicher Gewalt, vor einer Gesellschaft, die sie nicht schützt, hat bis heute nichts von ihrer Kraft verloren. Die Dokumentation erzählt, wie dieser "feministische Western" entstand und warum der Film sofort Kult wurde. Auch die beiden Hauptdarstellerinnen wurden zu gefeierten Feminismus-Ikonen. Ihre sofortige Verehrung als Heldinnen verweist wohl auch auf eine Leerstelle auf der Leinwand: Derartige Protagonistinnen hatte es bis dahin nicht gegeben. Der Film über zwei Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, bringt durch seinen Wortwitz und Situationskomik das Publikum zum Lachen. Ein Kassenschlager, der zugleich zum Meilenstein für ein neues starkes Frauenbild im Kino wurde - das gelingt selten.
Es ist noch Nacht am Strand von Barra da Lagoa, im Osten der Insel Florianópolis. Das Inselparadies im Süden Brasiliens ist für seine schönen Strände bekannt und für die Tradition der Meeräschen-Fischerei. Die Sonne steigt gerade über den Horizont und die Saragaço-Gruppe, eine Vereinigung von Fischern unter der Leitung ihres Anführers Chinho, ist bereits auf den Beinen. In diesen zwei Wintermonaten von Mai bis Juli ist der Alltag der Männer vom Warten auf den richtigen Moment bestimmt. Warten darauf, dass sich die Fischschwärme der Küste nähern und die Männer in See stechen können. Ein einziges Holzkanu und ein schlichtes Schleppnetz dienen den Männern als Hilfsmittel. Ein Späher sitzt rund um die Uhr auf einem Wachturm und beobachtet das Meer - sieht er einen Schwarm, gibt er das Signal per Funk an die Männer in der Strand-Ranch. Dann ist Eile geboten: Das Kanu muss von vier Ruderern so schnell es geht aufs Meer befördert werden, wobei die Männer die Position der Fischschwärme immer im Blick haben müssen. Am Strand warten etliche Helfer, um das riesige Netz an Land zu ziehen - erst dann zeigt sich, ob der Fang von Erfolg gekrönt ist. Etliche Male wird das Ritual in diesen Wochen wiederholt, doch die Ausbeute bleibt mager. Und mit einem Mal ist er da, der Moment, auf den hier alle sehnsüchtig warten: der Beobachtungsposten meldet riesige Fischschwärme, die sich dem Strand von Barra da Lagoa nähern. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und die Menschen eilen in Scharen an den Strand, um ihre Fischer zu unterstützen. Wird diese Tradition weiterleben können?
Eine zentrale Rolle im Karneval spielt der Candombe, ein afro-uruguayischer Musik- und Tanzstil, der bis heute gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Manuel Silva ist Leiter einer sogenannten Comparsa, einer Gruppe von Trommlern und Tänzern, die an den verschiedenen Karnevalsumzügen teilnehmen. Kurz vor Beginn des Karnevals wird fast jeden Abend geprobt, denn das wichtigste Ereignis des Candombe steht unmittelbar bevor: die Llamadas, ein zweitägiger Umzug von knapp 50 Trommel- und Tanzgruppen aus Montevideo und ganz Uruguay. Lange Zeit als Kultur der aus Afrika in die Sklaverei verschleppten Menschen marginalisiert, ist der Candombe heute aus der uruguayischen Kultur nicht mehr wegzudenken und ist der Stolz der ganzen Nation. Im Jahr 2009 wurde die kulturelle Praxis des Candombe von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Eine weitere lebendige Karnevalstradition in Montevideo sind die sogenannten Murgas. Dabei handelt es sich um traditionelle Männerchöre in aufwendigen Kostümen. In ihren mehrstimmigen Gesängen, die meist von theatralischen Gesten begleitet werden, kritisieren und kommentieren die Laiendarsteller lautstark und launisch das politische Geschehen, gesellschaftliche Strömungen und die Weltpolitik. Maxi Perez, künstlerischer Leiter der Murga Asaltantes con Patente, hat vor dem Karneval alle Hände voll zu tun. In wenigen Tagen wird seine Murga im Teatro de Verano, dem größten Freilufttheater der Stadt, aufgeführt. Wird die akribisch einstudierte Show vor fast 5.000 Zuschauern gelingen?
Die kanadischen Badlands im Südosten Albertas: Prärie, so weit das Auge reicht, staubtrockene Canyons und bizarre Felstürme, genannt "Hoodoos". Eine faszinierende, unwirklich scheinende Landschaft. Auf fast 90.000 Quadratkilometern leben nur noch wenige, sehr bodenständige Menschen - auch junge Familien. Hebamme zu sein im "schlechten Land", ist mehr als ein Abenteuer. Inmitten dieser Landschaft lebt und arbeitet die Hebamme Terrie Shaw. Rund 250 Kilometer zu einer Kundin zu fahren, ist für sie Alltag. Die Hebamme wohnt in Medicine Hat, einer Kleinstadt inmitten der kanadischen Badlands. Terrie hat selbst fünf erwachsene Kinder und ihr Beruf ist ihre Leidenschaft. Sie ist fast immer unterwegs, denn ihre Kundinnen wohnen oft weit im Land verteilt, Stunden entfernt. Die meisten der Frauen in der Region wollen ihre Kinder zu Hause entbinden und schätzen die Begleitung einer Vertrauensperson. Doch längst nicht alle kommen in diesen Genuss, denn das Budget für die selbstständige Hebamme ist begrenzt.
(1): Das romantische Schottland von Walter Scott (2): Shetlandinseln: Fantastische Pullover (3): Schottland: Dunbars heldenhafte Gräfin
(1): Roma: Das Mexiko von Alfonso Cuarón (2): Mexiko: Der Sound der Mariachi (3): Yucatán, Scheidung auf Mexikanisch
Bei den Brüdern Finn und Steff Smith sowie Jack Cunliffe dreht sich alles ums Essen: Die Bergregion Snowdonia im Nordwesten von Wales ist für den Anbau von Lauch bekannt - und das inspiriert auch viele hier typische Gerichte. Vor allem im Winter gibt der Lauch den Walisern Kraft und Energie. Der 31-jährige Finn Smith ist gelernter Bäcker und versorgt die Familie mit Sauerteigbrot, aus dem er ein Welsh Rarebit mit viel Lauch herstellt. Der 29-jährige Steff überrascht die Familie mit einem Superfood-Brunch. Zu seinen Lauchfritters kommt Laverbread, eine Paste aus Seegras, die er mit pochiertem Ei garniert. Sein vierjähriger Sohn Bran hilft ihm beim Kochen. Auch Tante Tamsin Smith kocht mit Lauch. Da das Stangengemüse in der Region kaum noch kommerziell angebaut wird, experimentiert sie damit in ihrem Garten. Die heimischen Lauchsorten sind robust und winterfest. Der viele Regen in der Region bietet ideale Anbaubedingungen. So schaffte Lauch es sogar zum Nationalsymbol der Waliser. Tamsins herzhafte Lauchküchlein bäckt sie mit Caerphilly-Käse - eine Variation der für die Region typischen Welsh Cakes.
Zypern ist ein Paradies unter blauem Himmel mit rund 320 Sonnentagen pro Jahr. Fast 18 Prozent der Fläche der Republik Zypern stehen unter Naturschutz. Wie das Troodos-Gebirge, dessen Gipfel bis zu 2.000 Meter in die Höhe ragen. Damit die reiche Natur auf der Insel überlebt, braucht es Menschen, die sich darum kümmern. Schleiereulen sollen helfen, den Einsatz von Gift-Ködern in der Landwirtschaft zu reduzieren. Eine einzige Eule kann bis zu tausend Mäuse und Ratten pro Jahr vertilgen. Naturschützer machen sich genau das zunutze. Sie installieren neue Brutkästen und kontrollieren, wie die Schleiereulen sich vermehren. Auch die Bäume der Insel sind etwas Besonderes. Im Troodos-Gebirge, oberhalb von 900 Metern, wächst eine Art, die es nur hier gibt: die Zypern-Zeder. Die Bäume waren jahrhundertelang das klassische Baumaterial für Kirchen und Häuser. Raubbau und Klimaveränderungen sorgten dafür, dass die Zeder heute auf der Roten Liste steht. Dank eines Schutzprogramms wird jetzt massiv aufgeforstet. Wildtierbeauftragte der Forst- und Jagdbehörde sind auf der Suche nach dem selten gewordenen Nationaltier Zyperns, dem Mufflon. Die großen Wildschafe lebten einst zu Tausenden auf der Insel. Durch starken Jagdbetrieb wurden die Tiere in den vergangenen Jahrhunderten fast ausgerottet. Das Mufflon ist mittlerweile streng geschützt. Die Akamas-Halbinsel im Westen Zyperns ist ein fast 200 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet mit ausgedehnten Hügellandschaften und unberührten Küstenregionen. Im Frühling blüht es zwischen den Felsen prächtig. Dann wird die Halbinsel zum Schlaraffenland für Schmetterlinge.
Zypern ist ein kleines Paradies mit rund 320 Sonnentagen pro Jahr. Fast 18 Prozent der Fläche der Republik Zypern stehen unter Naturschutz. Wie das Troodos-Gebirge, dessen Gipfel bis zu 2.000 Meter in die Höhe ragen. Seit einiger Zeit spüren die Fischer von Agia Napa die Folgen der steigenden Meerestemperaturen. Gebietsfremde Arten wandern ein. Vor allem Rotfeuerfische gehen derzeit ins Netz. Das Problem: Die Brustflossenstacheln dieser Meeresbewohner sind giftig. Doch abgesehen von den giftigen Stacheln gilt der Rotfeuerfisch als äußerst schmackhaft. Die Boden- und Klimaverhältnisse Zyperns sind so gut, dass bestimmte Gemüsesorten, wie etwa Kartoffeln, sogar drei Mal pro Jahr geerntet werden können. Im Dorf Xylophagou findet die erste Ernte schon Ende Februar statt. Es sind die frühesten Frühkartoffeln der Europäischen Union. Unzählige Vögel nutzen Zypern als Rast- und Brutplatz. Doch sie brauchen Hilfe. Naturschützer haben Land gekauft, Hunderte Bäume gepflanzt und somit einen Schutzraum geschaffen. Der "Safe Haven" liegt mitten in einem Gebiet, in dem illegal Singvögel gejagt werden, obwohl dies seit 1974 offiziell verboten ist. Die Sumpfgebiete nahe der Inselhauptstadt Nikosia sind seit jeher Heimat der ostmediterranen Bachschildkröte. Eine groß angelegte Untersuchung soll zeigen, wie viele Exemplare der seltenen Art wirklich hier leben. Seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend wird auf Zypern Olivenöl hergestellt. Am Fuße des Troodos-Gebirges steht ein ganz besonderer Baum: ein uraltes Exemplar, das fast 800 Jahre alt ist.
Im Jahr 2019 wird in der korsischen Gemeinde Aléria ein seltener Fund gemacht: ein Archäologenteam entdeckt bei Ausgrabungen an einer römischen Nekropole in einer unterirdischen Grabkammer ein Skelett mit wertvollen Beigaben. Die Grabkammer lässt sich der Zivilisation der Etrusker zuordnen, die vom 9. bis etwa zum 1. Jahrhundert vor Christus über Mittelitalien und einen großen Teil Korsikas geherrscht hat. Das etruskische Volk war eines der mächtigsten und einflussreichsten des Altertums und prägte Kunst, Ingenieurwesen und Kultur des Mittelmeerraumes nachhaltig. Anhand der archäologischen Funde von Aléria und von anderen etruskischen Stätten in Frankreich und Italien entschlüsseln die Archäologinnen und Archäologen in diesem Dokumentarfilm die rätselhafte Geschichte dieses Volkes. Keramik, Schmuckstücke und andere Grabbeigaben geben Aufschluss über die Kultur und Lebensweise der Etrusker. Dabei forscht der Dokumentarfilm auch nach den Gründen für den Niedergang des etruskischen Reiches, dem es nicht gelang, das aufsteigende Rom zurückzudrängen. Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus fielen die Städte der Etrusker eine nach der anderen, als letzte fiel Aléria im Jahr 259 vor Christus. An jeder Etappe erläutern Spezialisten die von den Etruskern hinterlassenen Zeugnisse. Karten und 3D-Animationen lassen die Bauten, Tempel und Städte des untergegangenen Volkes für das Publikum wiederauferstehen.
Dorothy und Lorelei sind zwei schöne und erfolgreiche Showgirls. Während Dorothy sich nichts aus Geld macht, interessiert sich Lorelei ausschließlich für Millionäre. Die beiden reisen von Amerika mit dem Schiff nach Paris, um dort Loreleis Hochzeit mit dem Millionärssohn Gus zu feiern. Sein Vater ist von dieser Verbindung allerdings nicht begeistert und setzt Privatdetektiv Malone darauf an, seinem Sohn zu beweisen, dass Lorelei nur auf sein Geld aus ist. Als plötzlich ein sehr wertvolles Diadem gestohlen wird, eskaliert die Situation ... Dorothy und Lorelei sind in den Vereinigten Staaten zwei erfolgreiche Showgirls. Während Dorothy sich nichts aus Geld macht, strebt Lorelei nach Luxus und Wohlstand. Sie möchte Millionärssohn Gus heiraten, und das natürlich in Paris. Die beiden Freundinnen machen sich zunächst ohne Gus, der noch nicht mitkommen kann, auf die Reise, und er bittet Dorothy, ein Auge auf Lorelei zu haben. Gus' Vater ist von der Wahl seines Sohnes nicht überzeugt. Seines Erachtens ist Lorelei nur auf die Millionen aus. Er engagiert Privatdetektiv Malone, der dafür Beweise sammeln soll. Dieser fotografiert Lorelei mit Piggy, dem Besitzer einer Diamantenmine, der von Lorelei sehr entzückt ist und ihr das Diamantdiadem seiner Frau schenkt. Dorothy und Lorelei schaffen es jedoch gemeinsam, die Fotos, die auf eine Affäre hindeuten könnten, verschwinden zu lassen. Privatdetektiv Malone sieht die Ausführung seines Auftrags auch dadurch erschwert, dass er sich in Dorothy verliebt hat. Doch plötzlich gibt es ganz andere Sorgen: Das Diadem ist weg! Lorelei und Dorothy müssen sich schnell einen Ausweg aus der misslichen Lage überlegen, denn gegen Lorelei liegt bereits ein Haftbefehl vor ... Eine US-amerikanische Filmkomödie über Materialismus, Manipulation und weibliche Macht in einer patriarchalen Welt - mit Marilyn Monroe und Jane Russell.
Dresden, auch "Elbflorenz" genannt, ist eine der schönsten Kunst- und Kulturmetropolen Europas - mit seinem einmaligen Schlösserreigen entlang der Elbe, den funkelnden Schätzen des "Grünen Gewölbes" und der Gemäldegalerie mit der "Sixtinischen Madonna". Sachsens schillernder Herrscher August der Starke wollte aus seiner Residenz eine barocke Perle machen und so seine absolute Macht demonstrieren. Der Pomp von Versailles und die Allüren von Frankreichs Sonnenkönig waren das große Idol dieser Epoche. Der Dresdner Zwinger mit seinen "tanzenden" Sandsteinfassaden und versteckten Wasserspielen ist das Herzstück barocker Prachtentfaltung in dieser alten Fürsten-Residenz: gebaut als steinerne Machtrepräsentation Augusts, angelegt als Garten für kostspielige Orangenbäume und genutzt als Festplatz für eine Fürsten-Hochzeit, die den Anspruch auf den Kaiserthron anmelden sollte. Der Zwinger lässt uns heute in eine Epoche blicken, in der Prunk und Verschwendung zur Repräsentationspflicht eines Fürsten gehörten. August der Starke kann seinen Sohn mit einer österreichischen Kaisertochter verheiraten. Ein unglaublicher Triumph. 1719 feiert der europäische Hochadel deshalb im Zwinger eines der glänzendsten Feste der Barockzeit - mit Reiterspielen, Kostümfest und riesigem Festmahl. Der Zwinger ist der Startschuss für eine Stadt, die ein Gesamtkunstwerk werden sollte. Die Frauenkirche mit ihrer Kuppel, die majestätische Hofkirche, ein einmaliges Areal imposanter Bauten, das in jedem Jahr Millionen Besucher und Besucherinnen in die Stadt an der Elbe lockt.
Ob über den Aufstand von Landarbeitern in Südafrika, die Situation von Prostituierten in Mexiko oder über die neuen Gastarbeiter in Deutschland ... Das internationale Nachrichtenmagazin berichtet von den Brennpunkten der Welt.
Die französischen Überseegebiete verteilen sich über die Weltmeere Atlantik, Indischer Ozean und Pazifik und bedeuten für Frankreich einen erheblichen geostrategischen Vorteil. Die Gebiete, in denen mehr als 2,8 Millionen Menschen leben (Stand: 2022), sind reich an Bodenschätzen und stärken die französische Einflussnahme auf das Weltgeschehen. Gleichzeitig stellen diese Außenposten das Mutterland vor komplexe Probleme: Wirtschaftliche, soziale und demografische Schwächen befeuern lokale Spannungen und verschärfen die Ungleichheiten gegenüber Festlandfrankreich. Ob La Réunion, Französisch-Guayana, Mayotte oder die Antillen - die französischen Überseegebiete stehen vor zahlreichen Herausforderungen, darunter hohe Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Abhängigkeit vom französischen Mutterland und Inflation. Französisch-Guayana erlebt aufgrund der Zuwanderung eine Bevölkerungsexplosion, während Martinique und Guadeloupe mit einer Überalterung der Bevölkerung zu kämpfen haben. "Mit offenen Karten" gibt Einblicke in die komplexe Realität dieser Gebiete.
Patagonien ist eine der faszinierendsten und zugleich härtesten Gegenden unseres Planeten. Die Region an der Spitze Südamerikas bietet eine Landschaft der Extreme, denn die Eismassen Patagoniens gehören zu den mächtigsten der Erde. Wer hier lebt, muss der Kälte und dem ewigen Wind trotzen. Dass das Leben im Einklang mit der Natur attraktiv sein kann, beweist Paulina Escobar. Die Modedesignerin lebt in Puerto Natales und verarbeitet die Merinowolle traditioneller Schafsfarmen zu handgefertigten regionalen Produkten. Dabei ist ihr die Verbindung zur Natur und Kultur Patagoniens besonders wichtig. Arcilio Sepúlveda macht sich im Namen der Stiftung Rewilding Chile auf die Suche nach der größten Katze Südamerikas, dem Puma. Als Schaffarmer hat er sein Leben lang Pumas gejagt, denn das Tier galt lange Zeit als Gefahr für das Vieh. Doch ein Wandel macht sich bemerkbar: Immer größere Flächen werden geschützt, die Weideflächen für domestizierte Tiere begrenzt. Statt die Tiere zu töten, jagt Arcilio sie heute nur noch, um sie lebend zu fangen und zu beschützen. Isaí Madriz ist einer geheimnisvollen Kreatur Patagoniens auf der Spur: dem "patagonischen Drachen". Es ist das einzige Lebewesen, das auf dem Inlandeis vorkommt. Ziel seiner Forschung ist es, das eisige Ökosystem erstmals zu beschreiben.
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
Hector ist ein dreijähriger Percheron-Hengst, der auf dem Gestüt "Centre de Valorisation du Haras national du Pin" zu einem universell einsetzbaren Arbeitspferd ausgebildet werden soll. Das Gestüt, einst von Ludwig XIV. errichtet, um seiner Armee den Nachschub an Reittieren zu sichern, hat eine immense Erfahrung mit Pferden. Mit Percherons allerdings beschäftigen sich die Trainer und Ausbilder noch nicht so lange - galten diese Pferde doch über viele Jahrhunderte hinweg als schwerfällige Arbeitstiere der Landbevölkerung. Erst in den letzten Jahren erlebte die Rasse eine Renaissance. Ein verändertes Umweltbewusstsein lässt viele Menschen auf dem Land wieder auf diese ausdauernden und gutmütigen Kraftpakete zurückgreifen. So helfen Percherons bei der Feldbestellung, der Ernte, der Waldrodung und auch im Weinanbau. Züchter und Ausbilder haben zudem weitere Einsatzmöglichkeiten der Tiere entdeckt: Die Pferde sind heute im Polizeidienst oder ziehen romantische Hochzeitskutschen. Wie und wo Hector eines Tages eingesetzt wird, ist noch nicht klar, in wenigen Monaten soll er verkauft werden - deshalb bereitet sein Gestüt ihn auf alle Aufgaben vor, die von einem modernen Percheron erwartet werden.
1975 entdeckte Jianying Wang in Fengyang, rund 900 Kilometer südlich von Peking, Spuren von Bauten, Formationen und Stadtmauern riesigen Ausmaßes. Bei zahlreichen Besuchen fertigte er Skizzen und Pläne der einst prächtigsten Kaiserstadt Chinas, Ming Zhongdu, an. Sie entstand unter der Herrschaft von Zhu Yuánzhang. Der Spross einer Bauernfamilie führte 1352 die chinesischen Rebellen gegen die Mongolen zum Sieg und wurde Kaiser. Mit der Gründung der Ming-Dynastie sorgte er für die Rückkehr einer chinesischen Familie auf den Kaiserthron. Als Demonstration der Macht und der Strahlkraft seines Reichs, ließ er eine prunkvolle Stadt von gigantischen Ausmaßen errichten. Über eine Million Menschen arbeiteten auf der Baustelle, für die der Kaiser alle Kräfte seines Reiches mobilisierte und Unsummen ausgab. Doch nach sechs Jahren pausenloser Arbeit ereilte die Stadt, die die erste Hauptstadt der Ming-Dynastie werden sollte, ein unrühmliches Schicksal: Sie wurde verlassen und unter die Obhut einer kleinen Gruppe von Eunuchen gestellt. Im Laufe der Zeit fiel sie dem Wetter und den Elementen zum Opfer, bis nur noch Ruinen von ihrem vergänglichen Glanz zeugten. Ohne die Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit von Jinying Wang hätte sich daran auch heute, 600 Jahre nach ihrer Erbauung, nichts geändert. Erst nach 30-jähriger Vorarbeit erhielt er Fördermittel für seine archäologische Forschung. Seit fünf Jahren legen Ausgrabungen die Stadt frei. Auf mehreren Baustellen sind 70 Arbeiter, Archäologen und Techniker das ganze Jahr über im Einsatz, um die Geheimnisse von Ming Zhongdu zu lüften. Geomagnetische Prospektionen sowie geologische und chemische Analysen bringen neue Erkenntnisse ans Licht.
Ein noch nie dagewesenes Verteidigungssystem, entworfen vor mehr als 2.000 Jahren, um jedem Angriff standzuhalten: die Chinesische Mauer. Die Regierung hat eine definitive Vermessung in Auftrag gegeben, um jeden Abschnitt der Mauer zu erfassen, gleich, aus welcher Epoche er stammt oder an welchem Ort er errichtet wurde. Die Dokumentation begleitet unterschiedliche Forscherteams, die sich mit dem Bauwerk befassen. Unter anderem in die Wüste Gobi, wo Archäologen Mauerteile aus Lehm und getrocknetem Schilf untersuchen. Hightech-Drohnen überfliegen die Mauer, um deren Verlauf per Luftbildvermessung aufzuzeichnen. Auf dieser Grundlage werden 3D-Modelle erstellt, die wertvolle Informationen für die Instandhaltung der Mauer liefern. Rechnet man alle Abschnitte zusammen, kommt man auf die eindrucksvolle Länge von insgesamt 21.000 Kilometern. Und würde man alle Mauerteile aus den verschiedenen Epochen aneinanderreihen, hätte das Bauwerk eine Länge, die vom Nord- bis zum Südpol reicht. Übermenschliche Kräfte waren nötig, um diese gigantische Umfriedung zu errichten, die China vor den Feinden aus dem Norden beschützen sollte. ARTE zeigt, wie die Mauer von den verschiedenen Dynastien ausgebaut und vor 400 Jahren während der Ming-Dynastie vollendet wurde. Die "neue" Mauer, welche die Kaiser der Ming-Dynastie errichteten, bestand nicht mehr aus Lehm, sondern aus Ziegeln und Mörtel - und diese Bauweise prägt auch das Bild, das wir heute von ihr haben: eine ausgefeilte Struktur mit Wachtürmen und Befestigungen, die sich durch die Berge nördlich von Peking schlängelt. Die Dokumentation lässt unter anderem Guohua Xu zu Wort kommen, der im Auftrag der Regierung die Restaurierung eines Abschnitts der Ming-Mauer leitet. Er stammt aus einer Familie von Maurern, die seit 25 Generationen an der Chinesischen Mauer mitgebaut haben. Die Ziegelsteine für seine Restaurierungen stellt er mit traditionellen Techniken und in einem historischen Brennofen her, und auch sein Mörtel ist dem originalen Gemisch sehr nahe. Dessen Zusammensetzung wurde von Chemikern der Zhejiang-Universität analysiert, die herausfanden, dass er ein sagenhaftes Bindemittel enthält, die der Mauer ihre besondere Festigkeit verleiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg schottete sich das kommunistische China von der Welt ab. Die Große Mauer wurde zum Sinnbild der Isolation. Ab den 70er Jahren begann China, sich dem Westen schrittweise wieder zu öffnen. Die Große Mauer wurde erneut zum Wahrzeichen für Chinas Stärke und Innovationskraft.
Mimik, Gestik und Berührung sind für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung wie eine fremde Sprache. Immer mehr Menschen, vor allem Kinder, erhalten die Diagnose "Autismus-Spektrum-Störung", und doch bleiben viele Autisten unerkannt. Denn Autismus ist eine sehr komplexe neurologische Entwicklungsstörung - mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen: Manche Betroffene führen ein weitgehend normales Leben, andere sind lebenslang auf Betreuung angewiesen. Doch nicht nur die unterschiedlichen Erscheinungsformen machen es schwer, Autismus zu verstehen. Auch die Ursachen geben Rätsel auf. Weltweit suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Antworten auf die Frage, warum sich das Gehirn von Menschen aus dem Autismus-Spektrum anders entwickelt, um verlässliche Diagnosen und Therapien zu ermöglichen. "Autismus - Das rätselhafte Spektrum" zeigt, was "Leben im Autismus-Spektrum" bedeutet. Für die Betroffenen und ihr Umfeld. Dafür hat das Kamerateam Autistinnen und Autisten in ihre Welt begleitet. Die Dokumentation zeigt die Herausforderungen ihres Alltags und lässt sie ihre persönlichen Geschichten erzählen. Dabei begleitet sie die beiden renommierten Autismusforscher Tony Attwood und Professor Ludger Tebartz van Elst und räumt mit den Klischees auf, die die meisten Menschen von Autisten haben. Denn Autismus ist sehr vielfältig. Zum aktuellen Stand der Autismusforschung wirft die Dokumentation einen exklusiven Blick in das Genlabor von Professor Jürgen Knoblich in Wien.
Schon die Relativitätstheorie hat gezeigt, dass Zeit nicht immer gleich schnell vergeht. Doch während wir kaum beeinflussen können, wie schnell die Zeiger einer Uhr ticken, haben wir unser persönliches Zeitgefühl zum Teil selbst in der Hand. Die Psychologin Lila Davachi von der Columbia University in New York erforscht, wie besondere Erlebnisse, Routinen und Erinnerungen unser Leben kürzer oder länger erscheinen lassen. Es gibt Momente, in denen wir die Kontrolle über unser Zeitgefühl zu verlieren scheinen. Wenn wir zum Beispiel in Gefahr sind, haben wir plötzlich das Gefühl, in Zeitlupe zu leben. Sylvie Droit-Volet, Psychologin an der französischen Universität Clermont-Ferrand, erforscht, warum wir die Zeit mal schneller, mal langsamer erleben und was ein Taktgeber im Gehirn damit zu tun haben könnte. Wie genau unser Gehirn die Zeit misst und verarbeitet, ist allerdings noch ein Rätsel - zu dem es mehrere Theorien gibt. Eine der bekanntesten stammt von dem Neurowissenschaftler Dean Buonomano: Er entschlüsselt, wie neuronale Netzwerke Zeitmuster speichern und verarbeiten. Buonomano sieht das Gehirn als eine Art "Zeitmaschine", die uns helfe, zeitliche Abläufe zu interpretieren und Entscheidungen zu treffen. Wie eng unser Zeitgefühl und unser Wohlbefinden zusammenhängen, erklärt der Psychiater Kai Vogeley. Sein Forschungsprojekt "VIRTUALTIMES" untersucht mit Hilfe virtueller Realität, wie sich die Zeitwahrnehmung gezielt verbessern könnte, indem man sie verlangsamt oder beschleunigt.
(1): Hin und Her (2): Schöne Männer (3): Postkarte (4): Love Me True
Flore gibt eine Party. Doch Lazare hat etwas falsch verstanden: Er steht schon eine Woche früher vor ihrer Tür - und bleibt ... Besondere Erwähnung Wettbewerb Contrebande FIFIB Bordeaux 2023 Vor dem Film wird ein Gespräch mit dem Regisseur Louis Douillez gezeigt
Der 7. Oktober 2023 war ein Schock für Israel und die Welt: An diesem Tag durchbrechen Hamas-Terroristen den Zaun zwischen dem Gaza-Streifen und Israel, ermorden Kibbuz-Bewohner und Besucher eines Musikfestivals, verschleppen Geiseln nach Gaza. Israel reagiert mit Luftangriffen und einer Bodeninvasion in den Gaza-Streifen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte des Konflikts aus der Perspektive der Opfer auf beiden Seiten. Gali, Mutter von drei Kindern, schildert, wie Hamas-Terroristen in ihr Haus eindringen, die älteste Tochter Maayan töten und ihren Mann Ohad nach Gaza verschleppen. Auch die 17-jährige Agam wurde entführt. Sie erzählt, wie Hamas-Kämpfer sie in den Tunneln versteckten und wie sie in Todesangst lebte, bis sie schließlich freigelassen wurde. Der Fotograf Ibrahim verliert bei einem Bombenangriff auf Gaza einen Teil seiner Familie, er selbst überlebt schwer verletzt. Mit seiner Kamera dokumentiert er die schweren Bombardierungen Gazas und die katastrophalen Folgen. Die junge Solartechnikerin Ghada wollte ein Unternehmen gründen, aber der Krieg hat sie schmerzlich getroffen: Bruder und Vater werden Opfer eines israelischen Angriffs, das Haus liegt in Trümmern, Flucht und Hunger bestimmen nun ihr Leben. Der Dokumentarfilm des preisgekrönten Regisseurs Robin Barnwell ("Die Überlebenden von Mariupol", 2022) begleitet Menschen auf beiden Seiten, die sich wünschen, in Sicherheit und Frieden zu leben.
Rock, Folk, Pop, Reggae, Gospel und Blues: Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich der virtuose Kalifornier Ben Harper schon in einigen Stilen ausprobiert. In seinen experimentierfreudigen Anfangszeiten wurde er mit Größen wie Bob Marley, Bob Dylan und sogar Jimmy Hendrix verglichen, von denen er sich inspirieren ließ. Was also ist Harpers Erfolgsrezept? Seine samtweiche Stimme und der gekonnte Stilmix machen ihn seit den 2000er Jahren zu einer Referenz des amerikanischen Folk-Rock. Und auch nach dreißig Jahren im Musikbusiness hat der charismatische Amerikaner nichts von seiner Ausstrahlung verloren - ganz im Gegenteil! Das beweist er erneut bei seinem Konzert im Pariser "Ground Control" im Juli 2022, wo er das Publikum mit Songs von seinem Album "Bloodline Maintenance" begeisterte, das im Jahr 2022 veröffentlicht wurde. Dabei vergisst Harper aber auch seine langjährigen Fans nicht und spielt für sie einige seiner Klassiker. Darunter auch "We Need To Talk About It" (2022), "Below Sea Level" (2022) und "Diamonds On The Inside" (2002).
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.