18:35
Wir erkunden eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas mit der Eisenbahn und erleben dabei Natur und Kultur des ehemals russischen und deutsch geprägten Landes. Gerade zur Mittsommerzeit tauen in Estland Land und Leute im wahrsten Sinne des Wortes auf. Die Reise führt uns von der Hafenstadt Paldiski im Nordwesten über die Hauptstadt Tallinn immer Richtung Osten bis zur russischen Grenze nach Narwa. Weiter Richtung Süden erleben wir die ehemalige europäische Kulturhauptstadt Tartu und enden schließlich in Valga an der Grenze zu Lettland. Dabei dürfen wir Tallinna kilud, eine Fischspezialität, genauso probieren, wie wir die von der Unesco geadelte Altstadt Tallinns besuchen. Im endlosen Grün Estlands fühlen sich viele Tiere wohl - im Nationalpark Alutaguse leben vor allem viele Braunbären. Der Fluss Narva trennt in Narwa die EU vom russischen Iwangorod. In Südestland lernen wir einen Teil der Gesangskultur Estlands kennen - Seto Leelo. Es ist der Gesang der Setukesen, einer ethnischen Minderheit, bei der eine Vorsängerin mit hoher Stimme den Ton für den Chor angibt. Für viele ist die "Wiege der estnischen Kultur" die Universitätsstadt Tartu - fast alle Esten mit Rang und Namen haben hier studiert. Auf unserem Weg weiter Richtung Süden dürfen wir noch an einer in Estland typischen Familientradition teilnehmen: dem Besuch einer Rauchsauna. Sie hat keinen Schornstein, beim Anheizen zirkuliert der Rauch in der Sauna. Stimmt die Temperatur, wird der Saunaraum gelüftet und das "Saunabaden" kann beginnen. Am Ende unserer Reise kommen wir nach Valga. Mitten durch die Stadt verläuft hier die Grenze zu Lettland. Auf einer Schaukel kann man zwischen den beiden Ländern hin- und herschaukeln. Ein schönes Finale unserer Reise durch das sympathische Estland.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Jeden Morgen vor Sonnenaufgang öffnet Carla Palmisano ihren Zeitungskiosk in Neapel. Seit Generationen lebt ihre Familie von diesem Beruf, auch ihre Schwester betreibt nur wenige Straßen weiter einen eigenen Kiosk. Doch die kleinen Verkaufsstände verschwinden zunehmend aus dem italienischen Stadtbild. Von einst 33.000 sind landesweit nur noch knapp 10.000 übriggeblieben. Ursachen sind die fortschreitende Digitalisierung des Zeitungsmarktes, steigende Miet- und Instandhaltungskosten und fehlender Nachwuchs. Auch Alessandro Ghidini setzt sich für den Erhalt der Kioskkultur ein. Obwohl er ursprünglich als Journalist arbeitete, übernahm er einen Zeitungskiosk in Mailand, um dessen Schließung zu verhindern. Die Anwohner schätzen den Laden als wichtigen Treffpunkt im Viertel. Alessandro weiß, dass ein Kiosk heute mehr bieten muss als den Verkauf von Zeitungen. Inzwischen ist sein Geschäft ein Ort der Begegnung für Schulkinder und Nachbarn geworden. Mit der Feier zum zweijährigen Bestehen möchte er auf die Bedeutung solcher Einrichtungen aufmerksam machen. Dass gedruckte Zeitungen auch im digitalen Zeitalter wichtig bleiben, glaubt man auch in Amatrice. Hier besucht Priester Don regelmäßig gemeinsam mit Jugendlichen den Kiosk von Roberto Serafini, um sie für das Lesen zu begeistern. Bei dem schweren Erdbeben von 2016 verlor Roberto sowohl sein Haus als auch sein Geschäft. Dennoch gelang es ihm, einen neuen Laden zu eröffnen. Heute kämpft er gemeinsam mit anderen Betreibern für den Erhalt der Zeitungskioske in der abgelegenen Region.
20:15
Arizona, 1874: Kurierreiter der Kavallerie Hondo Lane durchquert das Grenzland zwischen den Fronten, als er auf die einsam gelegene Ranch von Angie Lowe und ihrem Sohn Johnny stößt. Ihr Ehemann hat Angie allein mit dem Kind zurückgelassen, doch sie will ihr Zuhause nicht aufgeben, trotz der wachsenden Spannungen zwischen der US-Armee und den Apachen. Hondo, verkörpert von John Wayne, erkennt die herannahende Gefahr und beschließt, vorerst an ihrer Seite zu bleiben. Zwischen dem wortkargen Scout und der entschlossenen Rancherin entwickelt sich eine vorsichtige Annäherung. Als die Gewalt näherrückt, gerät Hondo selbst in den Konflikt zwischen den verfeindeten Lagern und muss Entscheidungen treffen, die Mut, Loyalität und Menschlichkeit gleichermaßen verlangen. Mit "Man nennt mich Hondo" schuf John Farrow einen Western, der klassische Motive mit ungewöhnlich differenzierten Figuren verbindet. John Wayne verkörpert den Titelhelden als erfahrenen Grenzgänger zwischen zwei Welten, während Geraldine Page in ihrer ersten großen Filmrolle der Figur Angie bemerkenswerte Stärke und Eigenständigkeit verleiht. Statt eindeutiger Heldenbilder setzt der Film auf moralische Zwischentöne und einen respektvolleren Blick auf die indigene Bevölkerung, als es für viele Western seiner Zeit üblich war.
21:35
Der US-amerikanische Polizist Nick Conklin und sein jüngerer Partner Charlie Vincent werden beauftragt, den in New York festgenommenen japanischen Yakuza-Gangster Sato nach Osaka zu überführen. Nach einer spektakulären Flucht Satos in Japan geraten die beiden Polizisten in einen Machtkampf zwischen der japanischen Polizei und der Yakuza, der japanischen Mafia. Gegen den Widerstand der Behörden kommt Nick Conklin schließlich in der ihm fremden Welt noch einem Bandenkrieg und einer großangelegten Geldfälscher-Aktion auf die Spur. Als die Angelegenheit zwischen ihm und Sato zu einer persönlichen Auseinandersetzung wird, erhält Nick Conklin unerwartet Unterstützung vom traditionsbewussten japanischen Kollegen Masahiro "Masa" Matsumoto. Gemeinsam versuchen sie, Sato einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Hauptrolle in der Regiearbeit von Ridley Scott bekleidet Hollywood-Star Michael Douglas, neben dem damaligen Newcomer Andy Garcia als Partner und Ken Takakura als japanischem Kollegen, der versucht, mit den teils überheblich auftretenden Amerikanern zusammenzuarbeiten. Kate Capshaw ist als in Osaka lebendes US-Callgirl zu sehen. Konzeptionell ist "Black Rain" ein Polizeifilm, stellenweise ein Buddy-Movie und insbesondere ein Neo-noir-Actionthriller, der sich ästhetisch stark auf Stil und Atmosphäre konzentriert - und inhaltlich auf interkulturelle Spannungen. Der Film beschäftigt sich mit Themen wie Ehre, Loyalität, kulturellen Missverständnissen und dem Clash westlicher und östlicher Sicht- und Denkweisen. "Black Rain" ist bekannt für seine eindrucksvolle Inszenierung. Dabei ist der Umstand, dass der Film nicht nur ein spannender Thriller, sondern auch ein visuelles Erlebnis ist, ebenso Verdienst des renommierten niederländischen Kameramanns Jan de Bont, später selbst als produktiver Regisseur tätig. Der Soundtrack wurde von Hans Zimmer komponiert und trägt gleichsam viel zur intensiven emotionalen Stimmung des Films bei. "Black Rain" erhielt 1990 zwei Oscarnominierungen.
23:35
Jedes Jahr zu Weihnachten wird im mexikanischen Penjamillo in der ländlichen Region Michoacán das traditionelle Jaripeo-Rodeo ausgetragen. Hier werden Nostalgie und klassische männliche Ideale zelebriert: Einheimische feiern gemeinsam mit heimgekehrten Migranten aus den USA die lokale Cowboykultur. Das Ereignis erinnert die Diaspora daran, was es auf dem mexikanischen Land "heißt, ein Mann zu sein". Doch bei genauerer Betrachtung wird allmählich eine andere Wirklichkeit sichtbar: flüchtige Berührungen, vielsagende Blicke und heimliche Treffen im Wäldchen hinter der Arena. Das Rodeo ist der Treffpunkt einer geheimen, queeren Subkultur. Der Filmemacher Efraín wuchs in Penjamillo und im kalifornischen Riverside auf. Er stellt die Welt des Jaripeo vor und verbindet dabei seine persönlichen Erfahrungen mit Geschichten, die ihm in Penjamillo erzählt wurden. In Super-8-Aufnahmen, inszenierten Erinnerungen und in der Tradition des Direct Cinema hinterfragt dieser Film die Männlichkeitsbilder des Jaripeo. Beim weihnachtlichen Jaripeo trifft Efraín die beiden anderen Hauptfiguren: Noé ist ein machohafter schwuler Cowboy, der seine Sexualität noch größtenteils geheim hält. Joseph ist eine schillernde Diva und ein großer Jaripeo-Fan, der in seiner Community sehr beliebt ist. Die Begegnungen der drei führen Efraín auf eine Reise der Selbsterkenntnis. In seinen Begegnungen mit Noé und Joseph treten die vielschichtigen und komplexen Persönlichkeiten der Protagonisten zutage. Der Film lief in der offiziellen Auswahl des Sundance Film Festivals 2026 und in der Auswahl für den Publikumspreis in der Sektion Panorama bei der Berlinale 2026.