04:35
Die Verfilmung des ersten Romans von Virginie Despentes mit brutalen Sex- und Gewaltdarstellungen rief den französischen Staatsrat auf den Plan, der die Altersfreigabe für den Film 2001 auf 18 Jahre setzte. Die schonungslose Darstellung verstörender Szenen begründete Despentes damit, dass sie "mit der Männerwelt noch eine Rechnung offen" habe ... Die Animationsserie "(Fast) Die ganze Wahrheit", die mit augenzwinkerndem Humor aus dem Nähkästchen prominenter Persönlichkeiten plaudert, wartet mit einer fünften Staffel auf. Die vom Kreativteam der französischen Produktionsfirma Blogothèque geschaffene Serie setzt Spielzeug oder Alltagsutensilien in Stop-Motion-Animationen ein, die von einer frechen Off-Stimme kommentiert werden. In der fünften Staffel gesellen sich zur lustigen Porträtgalerie 39 weitere Promis, darunter Josephine Baker, Jeanne Moreau, Albert Camus, Napoleon, Alain Delon und Virginie Despentes.
05:10
Das Piemont, die italienische Region "am Fuß der Berge", grenzt an Frankreich und die Schweiz und ist geprägt von den mächtigen Alpen. Aus den Höhen fließt der Po in die Ebene mit der Hauptstadt Turin, die in Sichtweite der Berge liegt. Die Stadt gilt als wirtschaftliches Zentrum Norditaliens und glänzt mit barocker Prachtarchitektur. Kulinarisch ist die Region eine der reichsten der italienischen Halbinsel. Weiter östlich erstreckt sich die Po-Ebene, wo der Reisanbau die Landschaft prägt. Das Wasser für die Reisfelder kommt aus den Alpen; die Schneeschmelze im Frühjahr spült es ins Tal. Der kleine Ort Barolo in der Hügellandschaft des Piemont steht für einen der besten Rotweine Italiens. Ein beliebter Begleiter zum Aperitivo auf der Dorfpiazza sind die typischen Grissini. Die Geschwister Cravero stellen sie in ihrer Bäckerei auf traditionelle Weise her: Gezogen werden sie von Hand und dann im Steinofen gebacken. Und mit Glück findet man auch den edelsten unter den Edelpilzen: Trüffel aus dem Piemont gelten als die besten der Welt und werden zu Spitzenpreisen gehandelt. Rund um Alba werden die Wälder im Herbst zum Jagdgebiet für die heiß begehrte Köstlichkeit. Auch Trüffelsucherin Martina Aloi und ihre Hündin Edvige haben es auf die schmackhaften Knollen abgesehen. Als Storchenhauptstadt Italiens gilt Racconigi. Hier machen die Langbeiner Rast auf ihrem Weg nach Afrika. Und viele Storchenpaare haben sich auch langfristig niedergelassen. Bruno Vaschetti hat auf seinem Hof Sumpfgebiete angelegt für heimische Vogelarten, aber auch für Zugvögel, die hier eine Rast einlegen.
05:55
Die zweijährigen Hundegeschwister Kelo und Karetta verdanken ihre Namen den wissenschaftlichen Bezeichnungen zweier Schildkrötenarten. Marlene Zähner hat sie in der Schweiz ausgebildet - nun sollen sie auf die Kapverden gebracht werden, um dort Wilderer zu überführen. Ivan und Valdir, zwei Kapverdier und Mitglieder der Schutzorganisation Turtle Foundation, übernehmen die Hunde. Marlene zeigt ihnen, wie man den Hunden Befehle erteilt, damit sie auf dem Archipel zum Schutz der Schildkröten beitragen können. Die Jagd Einheimischer auf Schildkröten ist eine brutale Tradition: Um an das Fleisch zu kommen, schlitzen sie die Tiere bei lebendigem Leib auf. Seit einem Jahr fliegt ein Drohnenteam der Organisation nachts über die Niststrände, um die Wilderer mit Hilfe von Infrarotstrahlen zu ertappen. Mit Erfolg: Die Fälle von Wilderei gingen massiv zurück. Doch gefasst wurden die Täter bislang noch nicht. Diese Aufgabe sollen nun die beiden Hunde übernehmen - indem sie die Täter am Geruch der am Strand zurückgelassenen Werkzeuge ausfindig machen. Wie werden Kelo und Karetta die ersten Wochen auf den Kapverden meistern? Kommen sie mit ihren neuen Herrchen zurecht, und werden es auch in diesem Jahr genügend Babyschildkröten schaffen, das Meer zu erreichen?
06:50
(1): Das süße Geheimnis der Levante: Kunafa (2): Ein Biss'chen Heimat: Ziyad, ein Jordanier in Paris (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Das kalabrische Exil von Cesare Pavese (2): Grasse: Welthauptstadt des Parfüms (3): Ruanda: Regines Schmorgericht (4): Irak: Ein Archäologe findet das Tor nach Babylon
08:05
(1): Touraine: Olivier Debrés malerische Revolution (2): Marokko: Die Dattelpalme, Herzstück der Oasen (3): Griechenland: Angelas frittierte Sardinen (4): London: Shakespeares Ghostwriter
08:55
Die Emilia-Romagna ist bekannt für Parmesan, Parmaschinken und den Balsamico-Essig aus Modena. Die Region im Nordosten Italiens ist auch ein Paradies für Tiere: In der Lagune um Comacchio lebt eine der größten Flamingo-Kolonien Europas. Die Flamingos wanderten erst vor wenigen Jahren ins Po-Delta ein, wo sie ideale Lebensbedingungen vorfanden. Auch Wildpferde aus der Camargue sind heute hier heimisch. Ein Pferdenarr hat vor Jahrzehnten ein paar Pferde ausgesetzt. Mittlerweile sind es schon Dutzende weißer Wildpferde. Die Valli di Comacchio bilden eine der größten Lagunenlandschaften Italiens - und das mitten in der Emilia-Romagna. Fast 4,5 Millionen Einwohner zählt die Region mit der Hauptstadt Bologna, einer der ältesten Universitätsstädte Europas und Metropole des guten Essens. Zu den berühmtesten Nudelmacherinnen gehören die Schwestern Zappoli. Ihr Geheimnis? Eine gute Pastamacherin braucht Gespür für das Wetter. Am Wochenende lädt einer der berühmtesten Strände Europas zum Spaziergang ein. Der 15 Kilometer lange Sandstrand von Rimini ist in der Nebensaison Naherholungsgebiet. Hinter der Küste wird seit Jahrhunderten Reis angebaut - meist von Frauen, den "mondine". Sie wurden berühmt, weil sie auf den Feldern Lieder gegen die ehemals schlechten Arbeitsbedingungen sangen. Noch heute singen Alt und Jung gemeinsam, um das Kulturerbe zu bewahren. Der Süden der Emilia-Romagna ist geprägt von mittelalterlichen Festungen, Kreidefelsen und Weinbergen. Aus den Trauben wird nicht nur der Perlwein Lambrusco hergestellt, sondern auch der traditionelle Balsamico-Essig aus Modena.
09:40
Die Marken gelten als die letzte unentdeckte Region der italienischen Halbinsel. Dabei bietet die mittelitalienische Region idyllische Bergdörfer, liebliche Hügellandschaften, schroffes Gebirge und ursprüngliche italienische Lebensweise. Für die Bewahrung der Traditionen setzen sich vor allem junge Einheimische ein. Viele kehren nach dem Studium in ihre alte Heimat zurück. Hier versucht Danila Versini mit einem Start-up die alte Papierhandwerkskunst in der Stadt Fabriano wiederzubeleben. Die Geschwister Cardinali produzieren Wein aus Sauerkirschen und eine Kooperative fördert den Anbau einer regionalen Spezialität: der Platterbse. Die Landschaft der Marken mit dem fruchtbaren Boden ist von Landwirtschaft geprägt. Erst vor etwas mehr als 30 Jahren wurden die Sibillinischen Berge als Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt. Fast zu spät, denn einige Tierarten waren da schon akut bedroht. Darunter die Apenninischen Gämsen. Allmählich erobern die Tiere ihre alte Heimat rund um den Monte Bove zurück. Auf einem Hochplateau trägt Marco Scolastici zum Artenschutz bei: Die Sopravissana-Schafe waren fast ausgestorben, weil sie weniger Milch geben als andere Rassen. Dafür sind sie robuster und halten die niedrigen Temperaturen im Winter aus. Ein verheerendes Erdbeben hatte 2016 Marcos Hof zerstört. Ein neuer Stall schafft gutes Raumklima für seine Tiere und ist erdbebensicher. So kann er ruhiger schlafen.
10:25
Rom ist eine Reise wert. Das gilt auch für das die italienische Hauptstadt umgebende Latium. Die Reise durch die Region führt zum Giardino di Ninfa, einem Park, der in Europa als Inbegriff romantischer Gartengestaltung gilt. Vor seinen Toren breitet sich die Agro Pontino aus, ein gewaltiges Agrargebiet, entstanden durch die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe. Mitten in der Ebene liegt Mussolinis Mustermetropole Littoria. Ein Ort monumentalen Pomps, der seit 1946 Latina heißt. In den Prenestini-Bergen östlich von Rom durchstreifen Hirten mit ihren Ziegen und Schafen die Landschaft. Käser schöpfen von Hand den Primo Sale und Ricotta-Frischkäse Im Norden liegt der Lago di Bolsena mit seinem glasklaren Wasser. Der See ist legendär für seine Fischvielfalt. Doch die sogenannte Killerkrabbe, eine invasive Krebsart, stört die biologische Balance. Ganz in der Nähe hat ein Tierzüchter, der auch die berühmten Seneser Schweine großzieht, Exemplare der antiken Rasse der Viterbo-Esel wiederentdeckt. Einer der berühmtesten Flüsse durchquert die Region: der Tiber. In den Sommermonaten fährt Kapitän Ubaldo Ranucci bei jedem Wetter von Rom nach Ostia. Nachdem der Fluss lange Zeit als Abwasserkloake von Rom galt, hat sich die Wasserqualität mit dem Bau von Kläranlagen gebessert. Der einst "heilige Fluss" ist wieder ein Stück mehr ins Blickfeld der Bewohnerinnen und Bewohner gerückt. Und Rom macht sich jenseits des antiken Zentrums hübsch: Sogenannte Stadtfarmer erobern Brachflächen und gestalten sie in bunte Schrebergärten für alle um.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Sardiniens Star aus dem Meer: Roter Thunfisch (2): Ein Biss'chen Heimat: Igina, eine Sardin in Schweden (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Die andalusische Partitur von Manuel de Falla (2): Roquefort: Der Käse und seine Königinnen (3): Philippinen: Carls Schweinefleisch-Eintopf (4): Cambridge: Die Geburt von Wonder Woman
13:10
(1): Schweden: Das Epos der Auswanderer (2): Neapel: Ein Gott namens Maradona (3): Frankreich: Nicole und Raymondes würziges Lammfleisch in Kokosmilch (4): Vereinigtes Königreich: Mit bloßer Gewalt zum kulturellen Schmelztiegel
14:00
Nach zwei Mandaten als Bürgermeisterin des Wohnbezirks "Bernardins" in der Pariser Banlieue hatte sich Clémence Collombet vorgenommen, von der politischen Bühne abzutreten. Kurz vor Ende ihrer Amtszeit bleibt aber eine Baustelle offen: die gründliche Sanierung des Viertels mit Hilfe von 63 Millionen Euro staatlichen Fördergeldern. Tatsächlich leiden die Bewohner seit Jahren unter den Lebensbedingungen in den Hochhaustürmen, die allmählich verfallen. Sie sind alle Eigentümer ihrer Wohnungen, kommen aber nur schwer über die Runden; einige verdienen mit der illegalen Untervermietung winziger Zimmer an Migranten ein Zubrot. Aufgrund ihres ablaufenden Mandats fehlt es Clémence an Zeit, die erhofften Finanzmittel für das Wohnviertel noch zu erhalten und damit ein ewiges Wahlkampfversprechen zu erfüllen. Mit Hilfe ihres Kabinettschefs Yazid, selbst in der Banlieue aufgewachsen, setzt Clémence alles aufs Spiel, um in letzter Minute doch noch die staatliche Unterstützung zu bekommen. Als die Bewohner des Viertels nach einem kolossalen Wasserschaden aus Protest entscheiden, die Bezahlung der Nebenkosten einzustellen, schwimmen Clémence die Felle davon. Aus Paris werden nämlich keine Hilfsgelder an einen Bezirk zugewiesen, der Schulden hat. Nun müssen Clémence und Yazid sich beeilen: Bei der Verfolgung ihres Ziels mit undurchsichtigen Strategien vergisst Clémence ihr Versprechen an sich selbst, die Macht aufzugeben. Regisseur Thomas Kruithof liefert einen kühlen Einblick in die Mechanismen der Politik und die inneren Konflikte, die politische Verantwortung mit sich bringt.
15:50
Der japanische Vulkan Sakurajima ist fast täglich aktiv und stellt eine akute Gefahr für die rund 600.000 in seinem Radius lebenden Menschen dar. Das wohl eindrücklichste Beispiel für die Bedrohung zeigte sich 1914: Eine gigantische Aschewolke stieg aus dem Krater, enorme Lavamassen ergossen sich über die Flanken des Vulkans - die größte Vulkankatastrophe Japans im 20. Jahrhundert. Doch aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und des Vulkanreichtums hatten die Japaner gar keine andere Wahl, als auch Zonen in der Nähe solcher Feuerriesen zu besiedeln. Täglich treten die Dorfbewohner zum Großputz auf die Straße, da der Vulkan Unmengen an Asche ausstößt - im Jahr bis zu 30 Tonnen. Das ist zwar lästig, bringt aber auch Vorteile: Die Vulkanasche düngt den Boden, so dass an den Hängen des Sakurajima die mitunter größten Rettiche der Welt wachsen. Aufgrund der ständigen Aktivität ist der Krater nicht zugänglich, doch die Forscher brauchen Informationen, um Eruptionen vorauszusehen. Arnaud trifft Masato Iguchi, der ihm eine weltweit einmalige Methode präsentiert: Um dem Zentrum des Geschehens so nahe wie möglich zu kommen, wurde ein Tunnel zum Inneren des Vulkans gebaut. So können die Bewegungen des Magmas praktisch vor Ort beobachtet werden. Im Falle einer größeren Eruption müssen jedoch Tausende Menschen in Rekordzeit in Sicherheit gebracht werden, deswegen finden jährliche Evakuierungsübungen statt - ein Ernstfalltraining, das enorme logistische und menschliche Ressourcen erfordert. Trotz der großen Gefahren haben die Menschen es geschafft, sich mit dem turbulenten Sakurajima zu arrangieren. Sie leben ihr Leben - den rauchenden Vulkankrater stets im Blick.
16:20
Mehr als sechs Stunden braucht die Rhodopenbahn, die letzte bulgarische Schmalspurbahn, von Septemwri nach Dobrinischte und zurück. Sie schlängelt sich in über 1.200 Meter Höhe vorbei an kleinen Minaretten, orthodoxen Kirchen, verlassenen Bahnübergängen und atemberaubenden Landschaftskulissen. Die Rhodopen und das anliegende Pirin-Gebirge an der bulgarisch-griechischen Grenze gelten als Artenvielfalt-Hotspot Europas, denn nirgends sonst gibt es auf so kleiner Fläche so viele verschiedene Vogel-, Säugetier-, Insekten- und Pflanzenarten. Sogar einer der größten Greifvogel Europas, der fast ausgestorbene Mönchsgeier mit einer Flügelspannweite von fast drei Metern, gleitet hier durch die Luft. Auch der höchste Berg der Umgebung, der Große Perelik mit seinem über 2.000 Meter hohen Gipfel ist aus dem Zugfenster zu beobachten. Am Fuße des Wichren, dem höchsten Gipfel des Pirin-Gebirges, nahe dem Zielort des Zuges, liegt der älteste Nationalpark Bulgariens, der Nationalpark Pirin. Die bulgarische Regierung wollte die Strecke der Rhodopenbahn schon oft stilllegen, doch die Bevölkerung setzte sich mit ganzer Kraft für ihren Erhalt ein. Die Strecke hat nicht nur Tradition, sie ist für viele Anwohnerinnen und Anwohner der landwirtschaftlich geprägten Gegend das einzige Verkehrsmittel und damit auch die einzige Verbindung zur Außenwelt, denn Autos gibt es nur wenige. Die Dokumentation begleitet entlang der Gleise das Leben verschiedener Menschen der Region, die seit jeher eng durch den alten Zug verbunden sind.
17:05
Die Bahnstrecke Oravi?a-Anina heißt bei den Einheimischen schlicht "Aninabahn" - benannt nach ihrem Zielort auf 559 Meter Höhe im Banater Gebirge. Die Bewohnerinnen und Bewohner im dünn besiedelten Banat sind bis heute stolz auf ihren Zug. Als die Linie in den 1860er Jahren erbaut wurde, gehörte das Gebiet zum Österreichisch-Ungarischen Kaiserreich. Noch heute werden deutsche Traditionen entlang der Strecke aufrechtzuerhalten versucht. Mit dem Auto sind die Endbahnhöfe kaum weiter als eine Stunde voneinander entfernt, auf den Schienen kann es locker zweieinhalb Stunden dauern. Und steckt man seinen Kopf aus dem Fenster der alten Zugwaggons, rast die Zeit nur so an einem vorbei. Belohnt wird man mit wunderschönen Aussichten, die so nur aus dem Zugfenster möglich sind.
17:50
In der extremen Trockenheit der Atacama-Wüste im Norden Chiles wirkt der Camanchaca wie ein Wunder: In einer Region, wo so gut wie niemals Regen fällt, legt sich dieser dichte, vom Ozean kommende Nebel jeden Morgen über das Land und bringt die wenige Feuchtigkeit, die das Leben in dieser feindlichen Umgebung benötigt. Ohne den Camanchaca könnten Menschen, Tiere oder Pflanzen hier nicht überleben. Die wurzellosen Tillandsien gedeihen hier, indem sie das Wasser aus dem Nebel aufnehmen, Blumen sprießen nach jahrelanger Dürre, und die vereinzelten Viehzüchter können ihre Herden dank des Taus zum Grasen dorthin treiben. Die Changos - ein indigenes Urvolk, das einst an der Pazifikküste lebte - verehrten ihn. Der Nebel war für sie so etwas wie ein heiliger Atem und Ursprung zahlreicher Legenden und Rituale. Heute angesichts von Klimawandel und Wasserknappheit, finden lokale Gemeinschaften und Forschende neue Wege, um den Nebel einzufangen, passen die Landwirtschaft an, recyceln altes Wissen und testen innovative Systeme zur Wassergewinnung. Dank der Wolke werden Agrarökologie, erdfreier Weizenanbau und sogar Bierproduktion in einer Gegend möglich, die zu den trockensten der Welt zählt. An der Schnittstelle zwischen Tradition, Wissenschaft und Zukunft lehrt der Camanchaca, wie fragil das Leben ist, aber auch, wie sehr sich Mensch und Natur an widrige Lebensumstände anzupassen und durch Innovation ihr Überleben zu sichern vermögen.
18:35
Der geheimnisvolle "Wolkenhut" Kasagumo ist ein seltenes Phänomen am japanischen Himmel über dem Berg Fuji. Er verdankt seine Entstehung dem subtilen Zusammenspiel von Höhenwinden, feuchten Strömungen und dem perfekten Profil des heiligen Vulkans. Der Kasagumo fasziniert und verzaubert alle: Für Meteorologen ist er ein komplexes Studienobjekt, für Fotografen und Künstler ein im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu greifender Quell der Inspiration. Seit Hunderten von Jahren beeinflusst der Kasagumo den Bauernkalender, Gedichte, Gemälde und Volkserzählungen. Als Symbol für stille Kraft steht er im Mittelpunkt vieler Rituale und symbolisiert den Respekt vor der Natur - die Grundlage der japanischen Spiritualität. Seine Flüchtigkeit gemahnt an die Vergänglichkeit, die in der japanischen Kultur eine zentrale Rolle spielt, aber auch an das empfindliche Gleichgewicht zwischen Berg, Klima und Mensch. Die Erderwärmung lässt neue Kontroversen um den Wolkenhut entstehen, doch egal, ob er als lebendes Kunstwerk gefeiert oder als Klimawächter untersucht wird: Der Kasagumo lädt dazu ein, sich Gedanken über die zerbrechliche Schönheit der Welt zu machen. Meteorologen, Teebauern, Künstler und Bewahrer von Traditionen erzählen von der Vielfalt der Sichtweisen auf diese mythische Wolke. Als Spiegelbild des Ideals von Harmonie steht sie in der japanischen Vorstellungswelt für die heilige Verbindung zwischen Wissenschaft, Spiritualität, Kultur und Natur.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Fatima Keblawi ist eine der "Nachbarinnen" aus Wien. Sie begleitet Migrantinnen wie Maisaa oder Hiba, die meist isoliert leben und keinen Zugang zu Bildung oder Arbeit haben - beim Deutsch lernen, bei Arztterminen und bei Fragen zur Kindererziehung, Finanzen oder Partnerschaft. Maisaa wurde in Syrien mit ihrem Cousin verheiratet und hat mit fünfzehn Jahren ihr erstes Kind bekommen. Die 26-Jährige lebt mit ihren fünf Kindern und dem Mann seit 2022 in Wien - ohne Verwandtschaft oder Sprachkenntnisse. Die Familie muss nun aus ihrer Wohnung ausziehen. Fatima unterstützt sie bei der Suche. Doch Hilfe gibt es nur im Austausch gegen aktive Schritte in Richtung Integration. Es sind kleine, aber entscheidende Aufgaben für Frauen wie Maisaa: tägliches Zähneputzen mit den Kindern als neue Routine, der erste eigene Einkauf, ein Gespräch auf Deutsch und der Mut, Grenzen zu setzen. Hiba ist einen Schritt weiter. Die 35-Jährige spricht sehr gutes Deutsch, sie sucht nach der Elternzeit Arbeit und steht für ihre Wünsche ein. Die "Nachbarinnen" - selbst Frauen mit Migrationserfahrung - kennen die Hürden und Ängste der Migrantinnen. Für sie beginnt Integration hinter den Wohnungstüren. Gegründet wurde der Verein von Ärztin Christina Scholten, die erkannte, wie wichtig Brückenbildnerinnen sind. Heute betreuen elf "Nachbarinnen" jährlich hunderte Familien, finanziert von Stadt, Bund und eigener Nähwerkstatt.
20:15
Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gilt als die größte Herausforderung im Motorsport. Seit 1923 wird auf der traditionsreichen Strecke in Westfrankreich rund um die Uhr gefahren, bei Tag und Nacht, Sonne und Regen. Über 13,6 Kilometer Asphalt, der Mensch und Maschine gleichermaßen alles abverlangt. Der Name Le Mans ist auch verbunden mit der größten Katastrophe des Motorsports, bei der im Jahr 1955 mehr als 80 Menschen starben. Hinter diesem Motorsport-Event mit jährlich bis zu 300.000 Besuchern stecken ein enormer finanzieller und logistischer Aufwand und eine minuziöse Vorbereitung der Teams. Das Rennen selbst ist ein permanenter Balanceakt zwischen technischer Perfektion und menschlicher Belastbarkeit. Fahrer und Fahrerinnen, Ingenieure und Strategen werden in der Vorbereitung und während der aufregenden 24 Stunden des Rennens begleitet. Über die Jahrzehnte hat sich das Rennen verändert und immer wieder angepasst - von den gefährlichen Anfangsjahren über die Hochphase der Werksteams bis zur modernen Ära hybrider und elektrischer Antriebe. Le Mans ist mehr als ein Rennen - es ist ein Prüfstand für Ideen, Emotionen und den Glauben an das Machbare. Seit mehr als 100 Jahren haben diese intensiven 24 Stunden ihre Magie bewahrt: als Bühne für Innovation, Mut und Durchhaltevermögen. Zu Wort kommen unter anderem die Rennfahrer Timo Bernhard, Kévin Estre, Antonio Fuoco, Ferdinand Habsburg und Mick Schumacher, die Pilotinnen des "Iron Dames"-Teams und in historischen Aufnahmen Sir Stirling Moss.
20:55
1921 wurde die Avus eröffnet: Die jeweils etwa zehn Kilometer langen Geraden wurden durch zwei Kehren verbunden. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die die Entwicklung des Automobils in Deutschland vorantreiben sollte. Von Anfang an gab es jedoch auch Kritik. Bei Regen verwandelte sich die Avus in eine glatte, gefährliche Rutschbahn. Schon die ersten Rennen in den 1920er Jahren forderten zahlreiche Todesopfer. Für die Nationalsozialisten wurde die Avus zum Symbol deutscher Überlegenheit. Und sie wurde durch eine gigantische Steilkurve ergänzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Berlin schnell, die Avus wieder als Veranstaltungsort für die Massen zu aktivieren. Die 1950er Jahre erinnerten wieder an alte Glanzzeiten. Doch die Probleme der Strecke blieben: Die Steilkurve forderte immer wieder Opfer, wie den Franzosen Jean Behra, der 1959 tödlich verunglückte. Dieses Rennwochenende bildete eine Zäsur in der Geschichte der Rennstrecke. In den folgenden Jahren stand die Avus weiter in der Kritik: Sie war einfach zu gefährlich. 1967 kam dann das Aus für die Steilkurve, Rennen gab es aber weiterhin - mit tragischen Unfällen. Doch die Avus war für viele Berliner immer auch ein Symbol der Freiheit: Nach der mühsamen Durchquerung der DDR konnte man sich zu Zeiten der deutschen Teilung ohne Tempolimit in die Innenstadt von West-Berlin bewegen. Heute ist die Avus - die erste Straße der Welt, die ausschließlich Kraftfahrzeugen vorbehalten war - noch immer in der Erinnerung ihrer Fans lebendig: Rennstrecke und Legende.
21:50
Spannende Geschichten haben es der Journalistin Anna Romano immer schon angetan. Doch als die Leiche ihres Vaters aus dem Comer See auftaucht, wird Annas eigene Familie zum Kern ihrer nächsten Story. 30 Jahre lang war Anna der festen Überzeugung, ihr Vater sei einfach verschwunden und habe die Familie im Stich gelassen. Doch er wurde ermordet. Sein Verschwinden fand damals kaum Beachtung, auch eine Vermisstenanzeige ist heute nirgends mehr zu finden. Annas Bruder Francesco glaubt nicht an eine Lösung des alten Falls, doch Anna lässt das Ganze nicht los. Auch Kommissar Cavadini will den Fall nochmal neu aufrollen. Im alten Atelier ihres Vaters entdeckt Anna Fotografien aus den 90ern, die ein wertvolles, 1969 in Palermo gestohlenes Gemälde zeigen. Der Antiquitätenhändler Fontana, bei dem Annas Vater früher gearbeitet hatte, reagiert verdächtig, sobald Anna das Gemälde erwähnt. Zwischen persönlicher Wahrheit und der großen Story treibt Anna ihre Recherche voran.
22:35
Der Tod von Annas Vaters hat alte Fragen an die Oberfläche gebracht, doch statt Antworten stößt sie auf Mauern - bei der Polizei ebenso wie im familiären Umfeld. Annas Mutter wirkt zunehmend verwirrt und liefert keine zuverlässigen Informationen. Kommissar Cavadini werden entscheidende Schritte in der Ermittlung verwehrt, weil ihm die Rückendeckung seines Vorgesetzten fehlt. Die Polizei in Palermo vermutet unterdessen, dass das Mafianetzwerk der Cosa Nostra in den Fall verwickelt sein könnte, und bietet Unterstützung an. Während Anna weiter über den Kunsthändler Marco Fontana recherchiert, wächst ihr Misstrauen gegenüber ihrem Bruder Francesco. Auch die Polizei beginnt, ihn zu überprüfen. Anna bewegt sich in einem Graubereich zwischen Journalismus und Selbstjustiz. Als Luca, Annas wichtiger Mitstreiter, brutal zusammengeschlagen wird, stellt sie sich die Frage, wie weit sie bereit ist, zu gehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
23:25
Anna ist überzeugt, dass das Kunstwerk aus dem Zollfreilager entwendet wurde, kurz bevor Luca und sie dort aufkreuzten. Mit ihren Erkenntnissen stößt Anna bei der Polizei auf Widerstand. Vor allem Inspektor Guerrini aus Palermo misstraut ihr. Gleichzeitig verstärkt sich Annas Verdacht gegenüber ihrem Bruder - er war der Einzige, der von Annas Recherche im Lager wusste. Francesco wehrt den Vorwurf ab, Anna solle sich besser an ihren Ziehvater und engen Freund des Vaters Saro wenden. Das Netz aus halb garen Informationen wird weitergesponnen, als auch Saro beteuert, nichts zu wissen und der Chef der Privatbank Vela Anna eindringlich warnt, sich nicht weiter einzumischen. Kommissar Cavadini forscht weiter und findet in Antonios hinterlassenem Notizbuch weitere Hinweise. Anna ist ihm einen Schritt voraus und stattet der Herzogin, einer alten Freundin der Familie, einen Besuch ab - mit verheerenden Folgen.