16:50
Riccardo Chailly ist einer der gefragtesten Dirigenten der Welt. Seit fast 50 Jahren steht der ehemalige Assistent von Claudio Abbado den besten Orchestern des europäischen Kontinents vor, vom Royal Concertgebouw Amsterdam bis zum Gewandhausorchester Leipzig und dem Lucerne Festival Orchestra. 2015 kehrte er in seine italienische Heimat zurück und übernahm den Posten des Musikdirektors der Mailänder Scala. Für sein letztes Konzert als Chefdirigent des Mailänder Opernhauses im Dezember 2026 hat der Maestro ganz symbolisch Giuseppe Verdis Requiem auf den Spielplan gesetzt. Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" stieg insbesondere dank seiner dramatischen Sequenz "Dies irae" zu einem Klassiker der Konzertliteratur auf. Verdi komponierte die Totenmesse 1873 im Gedenken an Alessandro Manzoni, den großen italienischen Dichter. Wie Verdi selbst war Manzoni eine Persönlichkeit des Risorgimento, der italienischen Einigungs- und Unabhängigkeitsbewegung. Uraufgeführt wurde es am 22. Mai 1874, Manzonis erstem Todestag. Vier Interpreten von Weltrang, die langjährige Wegbegleiter von Riccardo Chailly sind, übernehmen die Soloparts des Abschiedskonzerts: Anna Netrebko, Caterina Piva, Antonio Poli und Michele Pertusi. Anna Netrebko hat unter Chailly gleich vier Mal die Saison der Scala eröffnet, als Giovanna d'Arco (2015), als Tosca (2019), als Lady Macbeth (2021) und als Elisabetta di Valois (in "Don Carlo", 2023).
18:30
(1) Myriam Neureuther erzählt von einem Gegenstand, den fast jeder kennt: die Blattglasschale. (2) Celia Schütt ist Deutsche und wohnt in Paris. Dort scheint es ihr sehr gut zu gefallen, auch wenn ihr eine Sache fehlt: die Brezel. (3) Volker Saux erklärt, warum es in Deutschland und in Frankreich andere Computertastaturen gibt. (4) Und wie immer - das Rätsel!
18:45
Danilo Braun betreibt zusammen mit seiner Frau Katja in Langhennersdorf, einem Dorf zwischen Chemnitz und Dresden in Mittelsachsen, eine Ölmühle. Frisch gepresstes Leinöl schmeckt nussig und buttrig und wird in der Region traditionell zu Kartoffeln und Quark gegessen. Danilo gibt das Öl auch zu Früchten in einen Smoothie oder isst es auf einer gerösteten Scheibe Brot. Im Lein stecken viele Omega-3-Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selbst bilden kann. Auch im Hanföl sind gesunde Fettsäuren enthalten. Katja verwendet es als Zutat für ein Eis und die Hanfsamen als Topping. Bei der Ölherstellung bleibt der sogenannte Presskuchen übrig. Katja und Danilo suchen Wege, ihn sinnvoll weiter zu verwenden. Die zu Mehl vermahlenen Hanfreste verarbeitet Katja in einem Nudelteig und kreiert daraus einen Nudelsalat mit Gemüse.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:40
In Accra, der Hauptstadt Ghanas, gibt es eine inzwischen weltweit bekannte Bestattungskultur, die auf die Traditionen der Ga - der größten indigenen Gemeinschaft im Großraum Accra - zurückgeht. Das Leben der Verstorbenen wird ein letztes Mal durch die Form der eigens für sie entworfenen Särge gefeiert. Die bunten und originellen Fantasiesärge stehen für Berufe, Erinnerungen oder Symbole: Fische, Zigarettenschachteln, Handys, Kakaoschoten, Bananen oder Busse - je nachdem, welches Motiv zum Leben der Verstorbenen passt. Eric Kpakpo Adotey baut die exquisiten Särge in dritter Generation in seiner kleinen Werkstatt an der Küste von Accra. In seiner Werkstatt baut der Sargschreiner im Auftrag seiner Kunden Fantasiesärge - seine Designs reichen von Fischen, Krabben, Maurerkellen, Chilischoten bis zu riesigen Handys, mit seinen Mitarbeitern erfüllt er jeden Wunsch der Familien. "Ich weiß schon bevor ich anfange, wie der Sarg am Ende aussehen wird. Wenn ein Ghanaer zu mir kommt, um den fertiggestellten Auftrag zu sehen und nicht lacht, dann bin ich gescheitert. Er wird nicht wiederkommen. Ich möchte meine Kunden immer lächeln sehen, darin sehe ich meine Berufung: Menschen mit meinen Särgen glücklich zu machen". Gerade ist ein Tro-Tro, wie die typischen Kleinbusse in Ghana heißen, in Arbeit, denn der Verstorbene war Busfahrer. Jedes Detail wird detailliert in wochenlanger Arbeit gefertigt - selbst die Sitze im Innenraum werden mit den typisch bunten Kente-Stoffen bezogen und auf dem Nummernschild prangt der Name des Toten - Big Aziz. Nachdem die Familie den Sarg abgenommen und für gut befunden hat, beginnt eine bunte und laute Totenfeier, schaukelnd und von Freunden und Kollegen getragen, geht es für Big Aziz in seinem Tro-Tro-Sarg in Richtung Friedhof. Und auf Eric wartet schon der nächste Auftrag, mit der Bestellung des eigenwilligen Motivs beginnt der Countdown zur letzten Feier des Lebens.
20:15
Eine junge, schüchterne Amerikanerin lernt in Monte Carlo den melancholischen Maxim de Winter kennen. Der adelige Witwer macht ihr einen Heiratsantrag, den sie freudig annimmt. Doch als die beiden auf de Winters Landgut Manderley ziehen, ist seine verstorbene erste Frau Rebecca allgegenwärtig. "Rebecca", Alfred Hitchcocks oscarprämierter Psychothriller aus dem Jahr 1940 In Monte Carlo lernt die Amerikanerin Joan Fontaine den Witwer Maxim de Winter kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten spontan. Der britische Adelige zieht mit seiner jungen Ehefrau auf den Familiensitz Manderley an der rauen Küste Cornwalls. Hier führt die Haushälterin Mrs. Danvers das Regiment. Sie lässt die neue Ehefrau deutlich spüren, dass sie in ihren Augen niemals an ihre Vorgängerin, die verstorbene Rebecca de Winter, heranreichen wird. Maxim dagegen verweigert jedes Gespräch über seine erste Frau. Doch als in einer stürmischen Nacht das Wrack einer Jacht gefunden wird, fördert dies schockierende Neuigkeiten über Rebeccas Ableben zutage. Denn auf Manderley ist nichts, wie es scheint ... Hitchcocks erster Hollywoodfilm basiert auf dem gleichnamigen Buch von Daphne du Maurier. Über die wahren Umstände von Rebeccas Tod rätselten selbst Hitchcock-Kenner wie François Truffaut, zumal Film und Romanvorlage hier deutlich voneinander abweichen. Der Psychothriller brachte Hitchcock 1941 die erste seiner insgesamt fünf Oscarnominierungen als bester Regisseur ein. Mit dem Academy Award ausgezeichnet wurden schließlich Produzent David O. Selznick und der Kameramann George Barnes. 1951 eröffnete "Rebecca" die allererste Berlinale. Auch außerhalb des Filmgeschäfts war "Rebecca" einflussreich: Für die zeitlos klassische Strickjacke, wie sie Joan Fontaine am Strand trägt, hat sich im Spanischen das Wort "la rebeca" eingebürgert. Und auch die Psychologie kennt ein "Rebecca-Syndrom", das auftritt, wenn eine Partnerin im Schatten ihrer Vorgängerin steht.
22:20
Spannung, Nervenkitzel, Serienmörder, Psychopathen aller Art und eine Vorliebe für kühle Blondinen - das ist es, was viele mit Alfred Hitchcock verbinden. Als "Master of Suspense" hat er die Lust an der Angst zu seinem Markenzeichen gemacht. Hitchcock war ein faszinierender Leinwandmagier und auch ein Fernsehstar, der komische wie furchteinflößende Effekte gleichermaßen beherrschte. Doch was weiß man über den Menschen hinter der berühmten Silhouette? Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt dankte Hitchcock der Frau, die für ihn alles war: Ehefrau, Mutter der gemeinsamen Tochter, Ko-Drehbuchautorin, Cutterin und lebenslange Partnerin - Alma Reville. Hinter dem Namen Hitchcock verbargen sich in Wahrheit zwei Persönlichkeiten: Hitch und Alma. Von ihrer ersten Begegnung an bis zum Ende ihres Lebens arbeiteten sie eng zusammen und schufen in echter Gemeinschaftsarbeit Meisterwerke, die Filmgeschichte schrieben. Zwischen den beiden herrschte von Anfang an großes Vertrauen: Er begann einen Satz, sie vollendete ihn; er hatte eine Idee für einen Plot, sie entwickelte sie weiter. Auch bei der berühmten Duschszene in "Psycho" war Alma maßgeblich am Schnitt beteiligt. Neben Alma war Hitchcock als Regisseur vor allem von einer weiteren Frauenfigur fasziniert: der jungen, schönen und oft undurchsichtigen Blondine, beispielhaft verkörpert von Grace Kelly in "Bei Anruf Mord", "Das Fenster zum Hof" oder "Über den Dächern von Nizza". In vielen Filmen scheint Hitchcock auf den ersten Blick das klassische Motiv der schutzbedürftigen Frau zu bedienen. Doch häufig sind seine weiblichen Figuren den Männern überlegen und wenden das Geschehen am Ende zu ihren Gunsten. "Mr. und Mrs. Hitchcock" rückt den legendären Regisseur durch diesen besonderen Blickwinkel in ein neues Licht.
23:15
Dmitri Schostakowitsch war im besten Sinne des Wortes populär - sein "Walzer Nr. 2" zählt beispielsweise bis heute zu den meistgespielten klassischen Stücken. Zugleich steht er für eine völlig neue musikalische Sprache. Seine im Alter von 19 Jahren komponierte erste Symphonie verschaffte ihm sofort internationale Anerkennung. In seiner rund 50-jährigen Laufbahn komponierte er drei Opern und 15 Symphonien, erneuerte die Kunst des Quartetts und schuf Filmmusiken von einzigartiger Kraft. Doch um im totalitären Sowjetstaat überleben zu können, musste sich der Ausnahmemusiker mit dem Regime arrangieren. 1936 erregte seine Oper "Lady Macbeth von Mzensk" das Missfallen Josef Stalins, woraufhin er in Ungnade fiel. Aus Angst, verhaftet zu werden, führte Schostakowitsch fortan ein musikalisches Doppelleben: Neben offiziellen, den Machthabern genehmen Kompositionen setzte er sein innovatives Werk im Verborgenen fort. Dmitri Schostakowitsch erlebte Triumphe und Niederlagen, Ruhm und Schmach. Wegbegleiter wie der Dirigent Thomas Sanderling, die Pianistin Ludmila Berlinskaya und die Cellistin, Musikwissenschaftlerin und Schostakowitsch-Biografin Elizabeth Wilson erzählen aus dem Leben des Komponisten, das im zaristischen Russland begann und 1975 unter Leonid Breschnew endete. Sie schildern die Bedrängnis eines Mannes, der allein seiner Kunst verpflichtet war und dafür einen hohen Preis zahlte. Archivmaterial, historische Aufzeichnungen und zeitgenössische Aufnahmen bieten Zugang zu seiner Musik, die von innerer Freiheit beseelt ist - allen Widrigkeiten zum Trotz.