22:55
Regisseur Gregor Samsa, von imposanter Gestalt und ausdrucksvollem Gesicht, ist von seinem Leben als Filmemacher höchst frustriert. Die Details der Dreharbeiten für seinen neuen Film interessieren ihn nicht mehr; um die seinen Schlafzyklus regulierenden Medikamente kümmert sich keiner am Set, und die Proben mit seinen zwei Hauptdarstellern führen zu mehr Wut- als Genieausbrüchen ... Üblicherweise schlägt der desillusionierte Alleingänger seine Freizeit im Bordell tot. Als er bei so einer Gelegenheit eine Prostituierte aus einer früheren Begegnung in einer Buchhandlung wiedererkennt, wird Gregor seine romantischen Gefühle nicht mehr los. Diese Grete, eine begehrenswerte Intellektuelle aus Litauen, lässt sich erst mal auf die Besessenheit des Regisseurs ein und rezitiert für ein paar Bonusscheine beim Geschlechtsakt Gedichte. Während sein Einfluss am Filmset mehr und mehr schwindet, baut sich Gregor seinen eigenen "Film": den einer Zukunft mit Grete. Die Meuterei am Filmset wird unumgänglich, und als Gregor es wagt, seinen Hauptdarsteller ersetzen zu wollen, wird er selbst zum Ausgestoßenen.
00:55
Die amerikanische Kleinstadt Karmack hat schon bessere Zeiten gesehen. Wer nicht wegzieht, ist auf Arbeitssuche. Zu allem Überfluss erlebt die Stadt eine ungewöhnliche Häufung von Unglücksfällen. Um nicht selbst die schlechten Nachrichten überbringen zu müssen, engagiert eine Kommission - bestehend aus Sheriff, Arzt und Pastor - einen "Mittelsmann". Dessen einzige Aufgabe ist überschaubar: Er muss die Angehörigen informieren, wenn wieder etwas passiert ist. Der ruhige Frank Farrelli scheint perfekt für den Job, hat er doch jahrelang bei der Bahn gearbeitet und auch dort zumeist schlechte Nachrichten überbracht. Frank blüht in seinem Job auf, verliebt sich in die Rathaussekretärin Blenda und schafft es sogar, sich etwas aus den Klauen seiner Mutter zu befreien, bei der er noch immer wohnt. Doch der Druck des Jobs lastet immer schwerer auf ihm und mit jedem Unglück kommen die Einschläge näher. Denn irgendwann gilt er selbst als Unglücksbringer und wird in einen skurrilen Mordfall verwickelt, der ihn vom Mittelsmann zum Mittäter macht. "The Middle Man - Ein Unglück kommt selten allein" erzählt am Beispiel einer fiktiven Stadt im sogenannten Rust Belt der USA von Niedergang, Tod und Trauer, aber auch von der Unfähigkeit der Menschen, damit halbwegs adäquat umzugehen. Aus dem Scheitern einer angemessenen Trauerarbeit zieht der Film immer wieder seine komischsten Momente. Bent Hamers staubtrockener, tiefschwarzer Humor erinnert an die Coen-Brüder. Doch seine Filme kommen weniger aus dem Genrekino als aus einer sehr eigenen Form von schrägem Sozialdrama.
02:30
Endlose Strände, Palmen, Mangrovenwälder, Korallenriffe und eine reiche Vielfalt an Wildtieren - die entlegene, in großen Teilen unberührte Inselgruppe der Nikobaren gleicht einem tropischen Paradies. Doch Ende 2004 rückte das Gebiet plötzlich in den Fokus der weltweiten medialen Aufmerksamkeit. Ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra - nur 200 Kilometer südlich der Nikobaren - löste einen verheerenden Tsunami aus, der ganze Küstenstreifen Südostasiens verwüstete und Hunderttausende Menschenleben forderte. Eine beispiellose Katastrophe, die auch die Ökosysteme der Nikobaren schwer verwundete. Bindenwarane, Einsiedlerkrebse und viele andere - teils heimische - Arten fielen den Fluten zum Opfer oder mussten fliehen. Korallenriffe, Mangroven und Regenwälder wurden zerstört. Die auf den Inseln heimischen Nikobaren-Langschwanzmakaken litten ganz besonders unter den dramatischen Auswirkungen des Tsunami. Ihre Population hatte sich innerhalb eines Jahres nach der Naturkatastrophe beinahe halbiert. Heute, rund 20 Jahre später, zeichnen die Inseln ein völlig anderes Bild: Die geschwächten Ökosysteme konnten sich in bemerkenswerter Weise regenerieren, Wildtiere haben sich in ihren Beständen erholt. Die Nikobaren sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Resilienz der Natur. Zum Schutz ihrer einzigartigen Fauna und Flora sowie der indigenen Bevölkerung ist der Zugang zu Inseln nur unter strikten Auflagen möglich. Regisseur und Kameramann Varun Alagar Surenduran konnte die Nikobaren mit einer Ausnahmegenehmigung besuchen und feiert mit seinem ebenso packenden wie berührenden Film die Wiederauferstehung eines Naturparadieses.
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03:25
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:35
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.