18:35
Die Ammergauer Alpen am Fuß von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, sind ein wahres Naturparadies. Ihr König ist der Steinadler. Die Region ist nicht nur berühmt für ihre Schluchten, wilden Flüsse und unberührte Tierwelt, sondern auch für Neuschwanstein, das Märchenschloss des bayerischen Königs Ludwig II. Es diente ihm als Rückzugsort, um die Natur zu genießen und sich von den Menschen zu erholen. Doch das Verhältnis des bayerischen Königs zur Natur war von Beginn an zwiespältig: Für seinen Mammutbau ließ er 1869 die gesamte Bergspitze wegsprengen und errichtete eine mittelalterlich anmutende Pseudo-Ritterburg, allerdings mit Zentralheizung und Telefon. Die Bauarbeiten an diesem abenteuerlichen Gipfel kosteten 39 Arbeiter das Leben.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Einst als "Liebesapfel" gefürchtet, heute aus kaum einer Küche wegzudenken: Die Tomate ist ein echtes Multitalent - ob als Ketchup, Sugo oder Kosmetik. Mit über 31.000 Genen besitzt die Tomate sogar mehr Erbinformationen als der Mensch. Im Burgenland pflegen Anette und Margarethe alte Tomatensorten und bewahren damit ein Stück kulinarisches Kulturerbe. Moderatorin Lucie verrät zwei besondere Tomaten-Rezepte: Kirschtomaten im Karamellmantel als raffiniertes Fingerfood und selbst gemachten Ketchup ohne künstliche Zusätze. Von Südamerika bis ins All, von der Küche bis ins Kosmetikregal - die Geschichte einer Frucht, die zur Ikone wurde.
20:15
Eigentlich ist der Plan perfekt: Julien Tavernier erschießt seinen Chef, den Ehemann seiner Geliebten Florence, nach Dienstschluss in dessen Büro und lässt die Tat nach Suizid aussehen. Doch kaum unten auf der Straße angekommen, fällt ihm auf, dass er ein verräterisches Indiz hinterlassen hat. Unbemerkt stiehlt er sich zurück in das am Abend verlassene Bürogebäude - und bleibt dort im Fahrstuhl stecken. Während Florence auf der Suche nach Julien verzweifelt durch das nächtliche Paris irrt, stiehlt ein junges Paar das Auto des Mörders. Die abenteuerliche Spritztour der beiden endet in einem Hotel, wo sie unter dem Namen Julien Tavernier ein Zimmer mieten und sich mit einem deutschen Ehepaar anfreunden. Als das Diebespaar sich in der Nacht unbemerkt mit dem Wagen der Deutschen davonmachen will, wird es von ihnen überrascht. Im Affekt erschießt der Autodieb das Ehepaar mit einem Revolver, den er in Juliens Auto gefunden hat, und flüchtet mit seiner Freundin. Die Folgen sind für alle fatal. Aus dem Aufzug befreit, kann sich Julien zwar am nächsten Morgen heimlich aus dem Gebäude schleichen, weiß aber nicht, dass die Polizei ihn bereits sucht: Der Mörder wird eines anderen Mordes verdächtigt, den er nicht begangen hat ...
21:40
Miles Davis (1926-1991) war Trompeter, Bandleader und Innovator. Er war elegant, intellektuell und beeindruckend - aber auch sprunghaft, arrogant und kalt. Ein kreatives Genie und der Inbegriff von cool. Davis beeinflusste die Jazzmusik wie kaum ein anderer, und sein Spiel besaß eine unverwechselbare Ausstrahlung. Sein Werdegang war geprägt von einem unbezwingbaren Willen, Grenzen zu sprengen und eine selbstbestimmte Existenz zu führen. Dies machte ihn zum Weltstar. Für die Menschen, denen er am meisten bedeutete, war aber genau deshalb das Zusammenleben mit ihm oft sehr schwer. Immer wieder - sei es in der Musik oder privat - brach Davis mit den Normen. Wenn er glaubte, seine Werke seien ihrerseits zu einer neuen Norm geworden, ging er erneut in eine andere Richtung. Der Künstler missachtete Traditionen und folgte voller Energie und Innovationsdrang stets seinen klaren eigenen Vorstellungen. So wurde er zu einem Quell der Inspiration für andere Musikerinnen und Musiker und zu einer Ikone für Generationen von Fans. Er beschritt neue Wege in der Musik - vom Bebop über den Cool Jazz, Orchestermusik, Fusion und Rock 'n' Roll bis hin zum Hip-Hop. Der Film "Miles Davis: Birth of the Cool" (2019), benannt nach dem gleichnamigen Album von 1957, zeigt unveröffentlichtes Archivmaterial, Studio-Outtakes und seltene Fotos des Künstlers. Regisseur Stanley Nelson erzählt mit diesem Film die Geschichte eines ungewöhnlichen Mannes und einzigartigen Talents.
23:40
Arundhati Roy wurde 1997 mit ihrem Debüt "Der Gott der kleinen Dinge" über Nacht weltberühmt. Der Roman verkaufte sich über acht Millionen Mal, wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt - und mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet. Doch anstatt den Erfolg konventionell fortzusetzen und weiter Romane zu schreiben, nutzt Roy ihren Ruhm, um gegen Umweltzerstörung, Ausgrenzung und Nationalismus in Indien zu protestieren. Ihr radikales Engagement bringt sie bis vor Gericht - und sogar ins Gefängnis. 2017, erst 20 Jahre nach ihrem Debüt, erscheint ihr zweiter Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks", ein poetischer, politischer Rundumschlag gegen die Zustände im heutigen Indien. 2025, weitere acht Jahre später, folgt ihr bislang persönlichstes Werk: "Meine Zuflucht und mein Sturm". Bewegend und kompromisslos ehrlich erzählt Roy von der Frau, die sie prägte wie keine andere - ihrer Mutter Mary Roy: Feministin, Schuldirektorin, Rebellin. Wie erzählt man die Geschichte einer launischen, herrischen, manchmal gewalttätigen Mutter, ohne sie zu zerstören? Roy gelingt ein Meisterstück literarischen Ambivalenz. "Auf diesen Seiten wird meine Mutter, meine Gangsterin, weiterleben. Sie war meine Zuflucht und mein Sturm." Die Dokumentation folgt dieser literarischen Selbstbefragung, spürt der Kraft und dem Schmerz nach, die Roys Schreiben bis heute antreiben. In einem langen Interview in Delhi gewährt Arundhati Roy tiefe Einblicke in ihr Leben und Schreiben. Die Dokumentation verwebt ihre Erzählung mit poetischen Aufnahmen aus ihrer Heimat Kerala in Südindien - und zeichnet das Porträt einer kompromisslosen Schriftstellerin.