21:15
Der Film dokumentiert auch Verbrechen von Angehörigen der SS-Division "Charlemagne", die vor allem aus kollaborierenden französischen Freiwilligen bestand, darunter auch Soldaten aus französischen Kolonien sowie aus Indochina. Benannt wurde sie nach dem fränkischen König und Kaiser Karl dem Großen. Nach Kriegsende hatte die französische Justiz große Schwierigkeiten, das volle Ausmaß dieser Verbrechen, insbesondere in Osteuropa, zu erfassen. Viele Täter kamen mit milden Strafen davon oder entgingen einer Verurteilung ganz. Amnestiegesetze sorgten dafür, dass dieses dunkle Kapitel der französischen Geschichte weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt wurde. Der Dokumentarfilm korrigiert die lange Zeit vorherrschenden, verklärten Darstellungen überlebender Freiwilliger. Anhand bisher unveröffentlichter militärischer, gerichtlicher und privater Quellen zeigt er die ungeschönte Realität der begangenen Verbrechen - und die direkte Beteiligung dieser Franzosen am Holocaust. Gleichzeitig wirft er einen Blick auf die Kontinuität rechtsextremer Bewegungen, deren politische Erben in Frankreich heute erneut nach der Macht greifen.
22:15
Angesichts des derzeit wütenden Kriegs in Europa verbindet man die Bilder der lang vergangenen Schlacht um Stalingrad unausweichlich mit dem immer noch andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Im Februar 1943 endete sie mit der Niederlage der Wehrmacht gegen die Rote Armee. Man sieht Bilder und hört Stimmen von damals - die Stimmen derer, die in Stalingrad lebten. Sie sprechen aus Tagebucheinträgen und Briefen: von Zivilisten und Soldaten, von Russen und Deutschen. Diese Zeugnisse wurden nicht im Nachhinein verfasst - sie sind kein Werk der Erinnerung mit all ihren Unschärfen und Verklärungen. Es sind Aufzeichnungen, oft flüchtig niedergeschrieben inmitten der Ereignisse - direkt, ungeschönt und manchmal das letzte Zeugnis eines verlorenen Lebens. Die Erzählung beginnt im Sommer 1942, als die Wehrmacht und ihre Verbündeten auf Stalingrad vorrücken, und reicht bis zur Kapitulation der deutschen 6. Armee im Februar 1943. Auf deutscher Seite: Soldaten, zunächst noch selbstsicher, am Ende erschöpfte, frierende und hungernde junge Männer, die wissen, dass sie dem Tod geweiht sind. Auf sowjetischer Seite: Strategen der Armee und Partei - darunter der spätere Staatschef Nikita Chruschtschow - und vor allem Zivilistinnen und Zivilisten, die in Splittergräben und Ruinen Schutz suchen. In den 200 Tagen der Schlacht von Stalingrad kamen über eine Million Menschen ums Leben. Für die Sowjetunion wurde hier jener unerschütterliche Siegeswille geschmiedet, der die Rote Armee bis zum endgültigen Triumph tragen sollte.
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Was viele Smartphone-Nutzer wissen: Die Apps auf ihren Handys sammeln detaillierte Standortdaten. Was den meisten jedoch nicht bewusst ist: Die Informationen landen oft in einem undurchsichtigen, weltweiten Netzwerk aus Datenhändlern und Werbefirmen. Es geht um vermeintlich anonyme Daten, die aber Wohnorte und Arbeitsplätze offenbaren - bis hin zu Bordellbesuchen oder Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. Die Dokumentation zeigt, wie leicht ahnungslose Nutzer ins Visier von Stalkern, Kriminellen oder Geheimdiensten geraten können, und macht deutlich, wie harmlos erscheinende Apps zum Sicherheitsrisiko werden - für Regierungen und auch für Soldaten im Krieg. Grundlage ist eine der bislang größten Recherchen dieser Art: Ein Team aus Bayerischem Rundfunk, netzpolitik.org, Le Monde und weiteren Partnermedien hat rund zehn Milliarden Standortdaten ausgewertet. Eine Spurensuche, die um die halbe Welt führt: zu einer ägyptischen Exiljournalistin in Berlin, die bedroht wird. Nach Brüssel, wo hochrangige Mitarbeitende der EU-Kommission betroffen sind. Nach Washington, wo Politiker ein Sicherheitsrisiko für US-Agenten in Europa sehen. Oder an die ukrainische Front, wo Soldaten in den Datensätzen ihre eigenen Stellungen wiedererkennen. Schließlich führt die Recherche zu einem Händler in Florida, der die Standortdaten deutscher und französischer Smartphone-Nutzer verkauft hat. So entsteht ein Beitrag, der deutlich macht, welch immense Risiken dieses Milliardengeschäft mit sich bringt - auch für Menschen in der Europäischen Union mit ihren vermeintlich strengen Datenschutzregeln.