05:55
Gab es Troja wirklich? Heinrich Schliemann und weitere Archäologen des 19. Jahrhunderts waren überzeugt davon und begannen mit den Ausgrabungen am vermeintlichen Schauplatz von Homers "Ilias" und "Odyssee". Sie sollten recht behalten: Neben der verschollenen Stadt Troja entdeckten die Forscher eine homerische Kultur, die über die bis dato überlieferten Texte hinausging.
06:15
Es fängt bei alltäglichen Betrügereien an: Scammer wissen genau, wie wir ticken. Sie nutzen unsere psychologischen Schwachstellen und bringen uns dazu, wirklich dumme Dinge zu tun - etwa sehr viel Geld an sie zu überweisen. Als gäbe es Knöpfe, die man einfach nur drücken muss, als wären wir hackbar. Die Sozialpsychologin Pia Lamberty zeigt, dass Manipulation längst kein Randphänomen mehr ist: In einer überreizten Informationswelt reagieren wir oft automatisch, anstatt kritisch nachzudenken. Besonders umfassend scheinen sich die Führer von Sekten und Kulten damit auszukennen. Der Psychologe Steven Hassan, einst selbst Mitglied einer radikalen Bewegung, erklärt, wie aus normalem Einfluss schleichend Manipulation wird. Er beschreibt, wie Verhalten, Information, Denken und Emotionen kontrolliert werden - bis Menschen fremde Überzeugungen für ihre eigenen halten. Aber was genau bringt Menschen dazu, sich bis zur Selbstaufgabe zu unterwerfen? Wie weit können diese Umprogrammierungen gehen und lassen sie sich womöglich auch zu etwas Gutem nutzen? Könnten wir so nicht unsere Schwächen beseitigen und durch Stärken ersetzen? Zum Beispiel: regelmäßig und gern Sport treiben, obwohl wir zuvor Sport hassten. Die Neurowissenschaftlerin Susan Greenfield erklärt, warum Identität formbar, aber nie vollständig löschbar ist. Der Futurist Janosch Delcker verweist auf die technologischen Grenzen und Chancen. Ist Gehirnwäsche also möglich? Und: Können wir lernen, uns zu wehren, bevor andere in unser Bewusstsein eindringen?
06:40
In Neuseeland gibt es alte Wälder, natürliche Überreste der riesigen Waldfläche, die einst den Archipel überzog. In diesen Fragmenten des Primärwaldes faszinieren die alten Bäume, von denen einige so alt sind wie die Kathedralen in Europa: Totara, Matai, Rimu, Kauri oder Rata - sie alle waren Zeitzeugen vieler Veränderungen. 90 Prozent der Baumarten gibt es nur hier und nirgendwo sonst auf der Erde. Mit der menschlichen Besiedelung vor gerade einmal 700 Jahren wurden Fläche und Stabilität der Wälder drastisch reduziert. Nur wenige, heute geschützte Wälder sind übrig geblieben - Bollwerke gegen Abholzung und Artensterben. Die Baumriesen wachen aus 50 Metern Höhe über ein einzigartiges Ökosystem. Auf ihren Ästen wurzeln Epiphyten, und in ihren hohlen Stämmen erholen sich Kolonien von Langnasenfledermäusen. Aber können die Urbäume auch diesmal den von Menschen verursachten Bedrohungen entkommen? Invasive Arten, Waldfragmentierung und Parasitosen - von Klimaerwärmung ganz zu schweigen - lassen das Zukunftsbild düster erscheinen. Aus Liebe zu "ihren" Bäumen kämpfen Wissenschaftler, Waldhüter und lokale Gebietskörperschaften um deren Erhalt und erklären ihre Pläne, um die Urwälder zu schützen und mit neuem Leben zu erfüllen.
07:35
Dreieinhalb Millionen Urlauber besuchen jedes Jahr Sardinien, Italiens zweitgrößte Insel mit einem Viertel der gesamten Küstenlinie des Landes. Von dieser abwechslungsreichen Küste - 1.800 Kilometer eindrucksvoller Klippen und malerischer Strände - fühlen sie sich angezogen. Wenige hingegen kennen das schroffe Bergland Sardiniens, die mit Macchie bewachsenen Hügel, die nur einheimischen Hirten vertraut sind, und die lieblichen Täler dieser Insel. Zusammen bilden die durch einen schmalen Schelf verbundenen Schwesterinseln Korsika und Sardinien einen kleinen Kontinent: ein Bruchstück des Mutterkontinents Europa, von dem sie sich lösten, als dessen Alpenküste und das westliche Mittelmeer entstanden. Sardinien: ein Stück der Alpen mitten im Mittelmeer. Die Dokumentation nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine zweifache Reise mit: einmal quer durch das Landesinnere, das dem Strandurlauber zumeist verborgen bleibt; und dann die Reise der Insel selbst, die nicht immer eine Insel war und die wie eine Arche aus Stein seit Jahrmillionen von Europas Südrand in Richtung Afrikas Nordrand driftet. Dank extremen Schwankungen des Meeresspiegels war die heutige Insel mehrmals mit dem Festland verbunden, so dass Mannschaft und Passagiere - Sardiniens Fauna - oft wechselte, Arten kamen und verschwanden. Eine dieser Arten ist freilich auch der Mensch. Seit der Steinzeit haben immer neue Wellen von Eroberern Sardinien erreicht, etliche in Begleitung sowohl von Haus- als auch von Wildtieren, die heute die Fauna der Insel dominieren und die ursprüngliche Flora und Landschaft grundlegend verändert haben. Trotzdem: In den unzugänglichen Bergen Sardiniens hat sich manches erhalten, was rund um das Mediterran, diesen seit Jahrtausenden kulturell geprägten Naturraum, längst verloren ist.
08:25
Der Rialtomarkt ist seit jeher der Stolz der echten Venezianer und der Ort, an dem sie ihre frischen Lebensmittel kaufen. Viele der Köstlichkeiten, die Teil der kulinarischen Tradition von Venedig sind, werden mit dem Boot direkt von den nahe gelegenen Inseln Sant'Erasmo und Le Vignole geliefert: Artischocken, Riesentomaten, Jujube-Früchte. Der "späte" Radicchio stammt aus dem Marschland nördlich von Venedig, während Tintenfische, Muscheln und Meeresfrüchte von der anderen Seite der Lagune kommen - von Fischerdörfern wie San Leonardo, der Insel Burano oder sogar von den dem Meer zugewandten Felsen der Giudecca-Inseln. Ursprünglich war der Rialtomarkt in verschiedene Abteilungen unterteilt, die nach den dort angebotenen Produkten benannt waren. Nur der 1907 erbaute Fischmarkt, die Pescheria, befindet sich in einer überdachten Halle mit maritimem Dekor. Ansonsten besteht der Markt auch heute noch vorwiegend aus offenen Piazze, engen Gassen, provisorischen Ständen und Geschäften mit direktem Zugang zum Canal Grande, wo die Produkte leicht entladen werden können. Der Rialtomarkt ist nicht nur für seine lokalen Produkte bekannt, sondern auch, weil man hier bereits vor Jahrhunderten Gewürze, Tee und Trockenfrüchte aus aller Welt bekam, die es sonst in Europa nicht gab. Diesen Einfluss merkt man den vielen lokalen Gerichten der Stadt deutlich an, darunter eine Leibspeise vieler Venezianer, die berühmten Sarde in Saor, Sardinen "mit Geschmack". Ein Besuch des Rialtomarktes ist eine Entdeckungsreise durch die gesamte Lagune von Venedig. Ein Genuss für Augen und Gaumen!
09:20
Ob beim Kampf um den besten Parkplatz, das letzte Kuchenstück, der Sieg beim Spielen gegen Bruder oder Schwester oder beim Wettbewerb um den Traumjob - Konkurrenz gibt es überall. Sie findet sich auch in der Natur, zum Beispiel bei Pflanzen um das meiste Sonnenlicht. Dass Konkurrenz vor allem von Ressourcenknappheit bestimmt wird, habe bereits Charles Darwin erkannt, erklärt Evolutionsbiologe David Lathi von der City University of New York. Sind wir Menschen erst einmal mitten im Konkurrenzkampf, übernimmt bei vielen das "innere Wettkampftier". "Man wechselt in so einen Instinkt-Modus, man ist da gar nicht mehr wirklich so aktiv am Nachdenken", sagt der ehemalige Rennradprofi Rick Zabel. Grund dafür sei ein Hormoncocktail in unserem Gehirn, der uns in solchen Situationen Dinge tun lasse, die wir eigentlich nicht tun könnten, erklärt Maren Urner, Neurowissenschaftlerin an der Fachhochschule Münster. Die Belohnung von Konkurrenz ist aber nicht nur der Sieg in einem Wettbewerb, das Konkurrieren hilft uns auch, uns selbst zu verbessern. Daher spielt schon in der Kindheit das "Sich-miteinander-messen" eine bedeutsame Rolle. Durch diese Art des sozialen Lernens bekämen Kinder ein wichtiges Feedback zu ihren aktuellen Fähigkeiten und ihrem Verhalten, erklärt Ursula Oberst, Psychologin an der Ramon-Llull-Universität in Barcelona. Und trotzdem stellt sich die Frage, ob Konkurrenzdruck und das Verlieren im Wettkampf nicht auch negative Folgen für uns selbst und unsere Gesellschaft mit sich bringen.
09:50
Bunte Farben, Raum zum Spielen und viel Tageslicht - "Healing Architecture" kann dazu beitragen, dass Klinikaufenthalte für Kinder angenehmer werden. Eine freundliche, einladende Umgebung hilft, Stress zu reduzieren und baut Ängste ab. Stress belastet das Immunsystem, und wenn Kinder sich entspannen können - vielleicht sogar wohlfühlen - trägt das wesentlich zum Heilungsprozess bei. In der chinesischen Metropole Shenzhen haben die "Healing Architecture"-Expertinnen und -Experten vom Münchner Architekturbüro Nickl & Partner ein riesiges Kinderkrankenhaus mit vielen Fenstern, viel Farbe und nicht zuletzt viel Grün gebaut. Zahlreiche Studien haben belegt, dass der Aufenthalt in der Natur genesungsfördernd ist - für Jung und Alt. Deshalb ist auch das Alzheimerdorf im südfranzösischen Dax von einer großzügigen Grünanlage umgeben, in der sich die Erkrankten frei bewegen können. Das baut Stress und Ängste ab und hält fit. Die Patientinnen und Patienten fühlen sich besser und benötigen erwiesenermaßen weniger Medikamente. Dazu trägt auch bei, dass das gesamte Areal angelegt ist wie ein ganz normales Dorf - mit Wohnhäusern, Marktplatz, Lebensmittelladen und Frisör. Das hilft, sich besser zurechtzufinden. Auch für das "Krankenhaus der Zukunft" spielt Grün eine zentrale Rolle. Der Entwurf des Rotterdamer Architekturbüros OMA sieht ein Raster von Räumen vor, die sich so um kleine Gärten gruppieren, dass jedes Zimmer einen Blick ins Grüne hat. Heilende Räume tun allen gut, Kindern wie Alten. Mit den Prinzipien der "Healing Architecture" zu bauen, wird daher in Zukunft immer wichtiger werden.
10:15
"Der große Feind der Liebe ist die Romantik", sagt Alain de Botton. Der Philosoph und Schriftsteller hält Liebesgeschichten à la Romeo und Julia für hochgefährlich. De Botton hat internationale Bestseller und Romane über die Liebe geschrieben und plädiert für eine neue Nüchternheit: Nur wenn wir an uns und unseren Beziehungen arbeiten, die Macken des anderen aushalten und die eigenen, haben wir die Chance auf ein glückliches Liebesleben. Jeanne Kiviger hat reichlich Erfahrungen mit Dating-Apps gesammelt. Diese haben die französische Comicautorin zu ihrem Band "Love Machine" inspiriert. Darin treibt sie ihre Erlebnisse humorvoll und böse auf die Spitze. Doch die 25-Jährige kann als eher introvertierte Person den Dating-Plattformen auch etwas abgewinnen. Arlo Parks, britische Sängerin und Dichterin, hat gerade das Album "Ambiguuos Desire" herausgebracht, in dem es um Liebe und Begehren geht. Sie gilt als Stimme der Gen Z, ist bekennende Romantikerin. Für sie ist die "face-to-face"-Kontaktaufnahme nicht zuletzt nach Corona essenziell. Liebe ist für sie eine Entscheidung. Hanna Mattes, Fotografin und Künstlerin aus Berlin, hält es mit "Relationship Anarchy". Sie glaubt nicht daran, dass eine Person alle emotionalen Ansprüche abdecken kann und man romantische Partner automatisch über die Beziehung zu Freunden und Familie stellen muss. Ihr ist auch die Beziehung zu ihren Eltern wichtig: der Schauspielerin Eva Mattes und dem Regisseur Werner Herzog. Das dokumentieren ihre Doppelportraits in dem aktuellen Foto-Band "Love".
10:50
Michelangelo (1475-1564) und Auguste Rodin (1840-1917): Jérôme Prieurs Dokumentation untersucht die Schaffensprozesse der beiden Bildhauer. Trotz eines zeitlichen Abstands von fast 400 Jahren verbindet ihre Werke eine ähnliche Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper - seiner Bewegung, Emotion und Form. Die Dokumentation wirft einen neuen Blick auf die Werke: Die Kamera enthüllt die Materialität von Marmor, Gips und Bronze und verleiht den Skulpturen so eine fast lebendige Präsenz. Unterstützt wird dies durch Originaltexte - Briefe, Tagebucheinträge und Berichte von Zeitgenossen - wie Werkstattgefährten, Schriftsteller, Kritiker und Modelle - die Einblicke in die Arbeitsweisen der Künstler geben. Prieur führt die Zuschauer an zentrale Orte des künstlerischen Schaffens: In Florenz zeigt er die "Accademia" und die "Basilica di San Lorenzo", in Paris den Louvre und das "Musée Rodin". Besonders eindrucksvoll ist Rodins "Villa des Brillants", sein einstiges Wohnhaus, in Meudon. Ein zentrales Thema ist die Entwicklung beider Künstler hin zur Unvollendetheit. Michelangelos späte "Pietà"-Variationen und "Die Gefangenen" zeigen Figuren, die aus dem Stein herauszutreten scheinen. Rodin wiederum nutzte sein "Höllentor" als wahres Experimentierfeld. Die Entstehung emblematischer Werke wie "Der Kuss" oder "Der Denker" zeichneten sich bereits ab. Die Dokumentation lässt diese Werke für sich sprechen.
11:45
Zahlen sind heute allgegenwärtig. Man könnte meinen, es habe sie schon immer gegeben. Doch die Menschheit kam lange Zeit ohne sie aus. Einige traditionelle Gesellschaften zählen noch immer mit den Fingern oder kleinen Gegenständen. Die Samen im hohen Norden begnügten sich vor der europäischen Kolonisation damit, die Zahl der Rentiere in ihren Herden zu schätzen. Wozu sollte man Buch führen über jedes Tier, das geboren oder gestorben war, wenn es auch anders ging? Die ersten Formen der Buchführung entstanden erst, als die Menschen sesshaft wurden. Als Nomaden zählten sie die Tage oder Zyklen ihrer Wanderungen wahrscheinlich mit einfachen Strichen oder anderen Markierungen. Erst als Vorräte gelagert und gesichert werden mussten, wurden genauere Zählsysteme notwendig. In mesopotamischen Ausgrabungsstätten wie dem Stadtstaat Mardaman im Westen der Autonomen Region Kurdistan im Irak wurden zahlreiche Tontafeln gefunden, die von einer frühen Buchhaltung zeugen: Diese ältesten Schriftdokumente der Menschheit zeigen Zahlen, die lange vor den ersten Buchstaben niedergeschrieben wurden. Die Entwicklung schriftlicher Buchhaltungssysteme ermöglichte schon bald die Entstehung riesiger Reiche. Vom Nahen und Mittleren Osten bis nach China und Mittelamerika umgaben sich die großen Herrscher der Antike mit Schreibern und Buchhaltern, die Aufgaben wie Heeresaufstellungen, Landvermessung und Steuererhebung übernahmen. Zunächst wurden an verschiedenen Orten unterschiedliche Zahlensysteme verwendet, doch schließlich setzte sich nur eines durch: das so genannte Stellenwertsystem, das bis heute in Gebrauch ist. Es entstand in Indien und diente zunächst vor allem Astronomen und Wahrsagern. Nur zehn Zeichen - darunter die berühmte 0 - reichen aus, um alle Zahlen abzubilden. Eine geniale Erfindung, die einen weltweiten Siegeszug antrat.
12:40
Im Westen spricht man von "arabischen Ziffern", aber in der arabischen Welt gilt die heutige europäische Schreibweise als westlich. Was also ist "arabisch" an den Zeichen, die einst aus Indien nach Europa kamen und sich in weiten Teilen der Welt durchsetzten? Die Spur der Zahlen führt nach Bagdad. Dort sorgte im 8. Jahrhundert ein Gelehrter namens al-Chwarizmi - von seinem latinisierten Namen "Algorismi" leitet sich "Algorithmus" ab - für die Verbreitung der indischen Zahlenschrift und wurde zum Vater der modernen Algebra. Die heute in Europa gebräuchlichen "arabischen" Ziffern gehen auf eine andere Schriftvariante zurück, die "Ghubar" - arabisch für "Staub" - genannt wird. Sie entstand an den sogenannten "Staubtischen" maghrebinischer Kaufleute im Mittelmeerraum. In dieser Form, aus dem Westen der muslimischen Welt stammend, gelangte sie schließlich auf christlichen Boden. Allerdings hatte es die arabische Zahlschrift im europäischen Mittelalter zunächst schwer, sich gegen die römischen Ziffern durchzusetzen. Letztere waren ein Erbe des Römischen Reiches und wurden von Königen und Päpsten als Namenszusatz verwendet, um ihr Prestige zu unterstreichen. Leonardo Fibonacci machte zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit seinem Rechenbuch "Liber Abaci" die Zahlen aus dem südlichen Mittelmeerraum in Europa populär. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kaufleute das schriftliche Rechnen erlernten und die römischen Abakusse - Rechenbretter, auf denen kleine Steine, die "Calculi", verschoben wurden - mit der Zeit außer Gebrauch kamen. Über das muslimische Andalusien gelangten die Ghubar-Zahlen schließlich ins übrige Europa und von dort über die Ozeane in die Neue Welt.
13:35
Schriftliche Rechenverfahren führten in der Renaissance zu tiefgreifenden Veränderungen im Bankenwesen und im Handel. In der Schule werden heute noch die gleichen Rechenarten gelehrt wie im ausgehenden Mittelalter, doch im modernen Alltag werden sie kaum noch angewendet. Der Grund: Moderne Maschinen können alle erdenklichen Rechenaufgaben in Sekundenschnelle fehlerfrei lösen. Nicht umsonst bedeutet das englische Wort "Computer" schlicht "Rechner". Der leistungsstärkste Rechner der Welt ist der Frontier-Supercomputer in den USA. Die Erfindung des Computers markiert den Beginn eines neuen Zeitalters: Die digitale Revolution übersetzt die Welt von heute in atemberaubender Geschwindigkeit in Zahlen. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass diese Supercomputer am Ende einer jahrhundertelangen Reihe vergeblicher Versuche stehen. Seit der französische Philosoph Blaise Pascal im 17. Jahrhundert die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte, haben Erfinder daran gearbeitet, der Menschheit verlässliche und universelle Bezugspunkte zum Verständnis der Welt an die Hand zu geben. Sie machten die Zahlen zu den besten Verbündeten der Wissenschaft und ermöglichten den Aufstieg des Zahlensystems zur universellen Sprache der Menschheit. Im ausgehenden 20. Jahrhundert sorgte die Computertastatur für eine weltweite Standardisierung der Zahlennotation. Seither zählt die ganze Welt von New York bis Peking mit den gleichen Symbolen. Die faszinierende Geschichte der zehn kleinen Ziffern ist untrennbar mit der Geschichte der Menschheit verbunden, die sie erfunden, verbreitet, übernommen, durchgesetzt und hinterfragt hat. Werden die Zahlen auch die Zukunft der Menschheit bestimmen?
14:25
Im französischen Küstenort Saint-Jean-des-Monts fährt eine schwarze Limousine vor. Drei Männer steigen aus und begehen einen detailliert geplanten Bankraub. Doch es kommt zu einem Zwischenfall, einer der Gangster wird auf der Flucht angeschossen. Die Bankräuber bringen den schwer verletzten Komplizen in ein Krankenhaus. Da er ein Sicherheitsrisiko darstellt, lässt der Chef der Bande, Nachtclubbesitzer Simon, den Verwundeten durch seine Freundin Cathy töten. Wenig später trifft sich Simon mit einem alten Bekannten, Kommissar Edouard Coleman, der in Simons Bar gelegentlich Klavier spielt. Die beiden Männer ähneln einander, beide sind brutal, lieben den gleichen Whisky - und dieselbe Frau: Cathy. Der Polizist ahnt nichts von Simons Plänen, der mit dem Geld aus dem Überfall einen spektakulären Coup finanzieren will. Von einem Hubschrauber aus seilt sich Simon auf einen fahrenden Zug ab, um dem Drogenkurier Mathieu la Valise eine Lieferung Heroin abzujagen. Die Aktion gelingt, doch unglücklicherweise war Edouard ebenfalls hinter dem Rauschgiftschmuggler her. Sein ausgeklügelter Plan, dem Schmuggler eine Falle zu stellen, schlägt damit fehl. Der Flic ist sehr verärgert. Hat sein Spitzel etwa falsche Informationen geliefert? Edouard geht der Sache nach und kommt bald dem eigenen Freund auf die Schliche ...
16:05
Mitten im verborgenen Herzen Spaniens öffnet diese Folge ein Panorama abseits der Strände und Metropolen - ein Spanien voller handwerklicher Leidenschaft, rauer Schönheit und überraschender Lebenswege. Hier leben Menschen, die in der Abgeschiedenheit ihrer Täler, Hochebenen und Dörfer ein Erbe bewahren, das andernorts fast verschwunden ist. Da ist Chema, der letzte Hüter einer jahrhundertealten Tradition: Er züchtet seltene Hähne mit goldschimmernden Federn, aus denen kunstvolle Fliegen für das Angeln entstehen. Seine Welt aus Flussrauschen, Federn und treuen Mastiffs wirkt wie ein Relikt - und zugleich wie ein Schatz, den er mit Hingabe schützt. Dann führt die Reise in die weitläufigen Kornfelder Kastiliens, wo der Dichter Héctor Castrillejo das kulturelle Gedächtnis seines sterbenden Dorfes bewahrt. In Musik, Poesie und Ritual entsteht dort eine leise, aber kraftvolle Gegenbewegung gegen das Vergessen. Schließlich geht es um Daniel, dem Optiker im Van, der durch leere Landstriche fährt, um Menschen zu helfen, die sonst keinen Zugang zu einem so einfachen Gut wie einer Brille hätten. "Von Asturien nach Zamora" zeigt ein Spanien, das in keiner Broschüre steht - verletzlich, wild und voller Menschen, die ihre Heimat mit Herzblut neu beleben.
16:50
Der Bikepacker Ernesto Pastor führt durch die einsamen Montes Universales, wo aus der Stille Inspiration entsteht und eine neue Gemeinschaft von Reisenden, Wirten und Bewohnern wächst. Seine Routen sind weit mehr als sportliche Abenteuer - sie sind eine Einladung, eine entvölkerte Region wiederzuentdecken. In Matarraña begegnen die Zuschauerinnen und Zuschauer einem Architekturprojekt, das weltweit einzigartig ist: den Solo Houses. Zwischen Steineichen und Felsen entsteht eine Sammlung avantgardistischer Bauwerke, die mit der Natur verschmelzen und zeigen, wie visionär ländlicher Raum gedacht werden kann. Im südaragonesischen Olba beweist eine kleine Dorfschule, dass Bildung ein ganzes Tal verändern kann. Familien aus ganz Spanien ziehen hierher, weil Lernen im Freien, Nähe zur Natur und Gemeinschaft eine Zukunft eröffnen, die viele verloren glaubten. Und in den ausgedehnten Wäldern Sorias erzählt die Viehzüchterin Laura Anton vom harten, aber freien Leben einer Frau, die ihren eigenen Weg gefunden hat - zwischen Pferden, Rindern und den Rhythmen der Natur. Schließlich wagt die Niederländerin Maaike Geurts das Unmögliche: Sie kauft ein verlassenes Dorf, um es wiederzubeleben - Stein für Stein, Baum für Baum, gemeinsam mit Menschen, die nach einem neuen Anfang suchen. Mitten im Herzen Spaniens beginnt eine Reise in Regionen, die kaum ein Urlauber kennt: weitläufige Berglandschaften, stille Hochebenen, verlassene Dörfer - und Menschen, die hier mit Mut und Leidenschaft neue Wege gehen. Die ARTE-Reihe "Unbekanntes Spanien" zeigt ein Land voller Visionäre jenseits der Touristenziele: rau, poetisch und kreativ.
17:35
Der Morgen, der Mittag, der Abend: Nicht nur drei Tageszeiten, sondern auch drei von Joseph Haydn komponierte Symphonien, mit denen er 1761 wahrscheinlich sein Debüt am prächtigen Hofe des Fürsten Esterházy feierte. Mehr als 260 Jahre später bringt Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini den Zyklus in der historischen Kulisse der Uraufführung erneut zum Klingen: im prunkvollen Haydnsaal von Schloss Esterházy in Eisenstadt im österreichischen Burgenland. Instrumentale Virtuosität, eine beinahe unerschöpfliche Vielfalt an Klangeffekten und musikalischer Witz kennzeichnen diese frühen Meisterwerke. Eine musikalische Steilvorlage für das italienische Originalklang-Ensemble, das sich sprühend vor Energie ganz auf die Magie des Ortes einlässt. Die Dokumentation erzählt neben der Einordnung der Musik von skurrilen Geschichten rund um Haydns verlorenen Schädel und von den Arbeitsbedingungen eines jungen Kapellmeisters am fürstlichen Hof. Eingebettet in die visuelle Kraft des Schlosses und seiner Umgebung zeichnet die Kamera ein lebendiges Porträt von Werk, Komponist und Aufführungsort - so entsteht ein Wechselspiel aus Vergangenheit und Gegenwart, das der musikalischen Tagesreise eine neue Dimension verleiht. - Joseph Haydn - Symphonie Nr. 6 D-Dur "Der Morgen" - Joseph Haydn - Symphonie Nr. 7 C-Dur "Der Mittag" - Joseph Haydn - Symphonie Nr. 8 G-Dur "Der Abend"
18:25
(1) Das Archiv Der Reaktorunfall von Tschernobyl ereignete sich vor 40 Jahren, in der Nacht des 26. April 1986. Felicitas Schwarz vergleicht die Auswirkung des Reaktorunfalls in Frankreich und in Deutschland. (2) Das Rätsel Und wie jede Woche das Rätsel!
18:35
Warum der Schweizer Kanton Aargau den Namen Rüebliland bekommen hat, ist nicht genau geklärt. Sicher ist aber, dass eine Süßspeise weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt wurde: die Aargauer Rüeblitorte. Innen mit geriebenen Karotten, damit der Kuchen saftig bleibt, und außen dekoriert mit kleinen Marzipanrüebli. Der süße Geschmack von Karotten passt in viele Gerichte. Zudem lassen sich vom Blatt bis zur Wurzel alle Teile des Gemüses verwerten. Carla Brunner, die Tochter von Kurt, macht aus dem Karottengrün ein Pesto und serviert es zu gegrillten Rüebli. Eine Wähe, wie ein flacher Kuchen in der Schweiz heißt, belegt sie mit verschiedenfarbigen Rüebli, und ihren Rüeblisalat würzt sie mit Kardamom. Doch gute und schmackhafte Rüebli zu produzieren ist im Öko-Landbau eine Herausforderung.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
Im Herbst 2018 muss der traditionsreiche Fischmarkt im Herzen Tokios schließen. Mit dem Tsukiji-Markt verschwindet nicht nur der weltweit größte und umsatzstärkste Umschlagplatz für Fisch und Meeresfrüchte, an dem Tausende Familienbetriebe täglich bis zu umgerechnet 20 Millionen Euro umsetzten, sondern auch eines der beliebtesten Touristenziele. Zugleich stehen viele der Beteiligten vor einer kaum lösbaren Herausforderung, denn sie müssen an nur vier Umzugstagen den gesamten Markt, zu dem auch Gemüsehändler, Messerschleifer und Restaurants gehören, in einen Neubau auf einer künstlichen Insel in der Hafenbucht überführen. Als einziger ausländischer Fernsehreporter erhielt der langjährige ARD-Fernost-Korrespondent Klaus Scherer die Erlaubnis, mit seinem Team mehrere Betroffene während der Umzugstage zu begleiten. Darunter sind ein Thunfischhändler, der Tokios Spitzenköche versorgt, die Betreiberin eines Schuh- und Souvenirladens und ein Verleiher der ortstypischen Kleinkarren, Dreiräder und Ladestapler, von denen ebenfalls mehrere Tausend pünktlich zum neuen Standort umsiedeln müssen. Die Dokumentation beleuchtet nicht nur den nächtlichen Konvoi auf der Brücke in der Bucht von Tokio, sondern auch ein letztes Mal die Fülle des schillernden Marktlebens einschließlich der berühmten Thunfischauktionen. Dabei wird auch der Unmut deutlich, den der Beschluss gegen den erklärten Willen der Händler ausgelöst hat. Über Jahre hinweg hatten sie zusammen mit den Anwohnern den Tsukiji retten wollen. Doch die in Tokio geplante Ausrichtung der Olympischen Spiele - welche infolge der Corona-Pandemie auf 2021 verlegt wurden - gab den Anstoß zur Umgestaltung des Geländes.
20:15
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht folgt Oskar Schindler 1939 den Besatzern nach Krakau. Der charmante Opportunist will im Chaos des Krieges Karriere machen: Er übernimmt eine beschlagnahmte Emailwarenfabrik, knüpft Kontakte zu NS-Funktionären, organisiert Material über den Schwarzmarkt und hält die Produktion mit Bestechung am Laufen. Auf Vorschlag seines Buchhalters Itzhak Stern setzt Schindler zunehmend auf jüdische Zwangsarbeiter aus dem nahen Krakauer Ghetto. Für ihn zunächst ein kalkulierter Vorteil, für die Beschäftigten ein schmaler Schutz vor dem Zugriff der Behörden. Mit der Errichtung des Lagers Plaszow und der Räumung des Krakauer Ghettos macht die Gewalt des Systems auch nicht vor Schindlers Geschäft halt. Lagerkommandant Amon Göth entscheidet mit sadistischer Willkür über Leben und Tod; Deportationen, Selektionen und Erschießungen werden zum Alltag. Inmitten dieser Eskalation verändert sich Schindlers Haltung: Seine Fabrik wird für viele zu einem Ort, wo sie Unterdrückung und Willkür entkommen können, weshalb Schindler beginnt, seine Stellung nicht nur für den eigenen Gewinn zu nutzen, sondern sich auch für seine Arbeiter einzusetzen. Als 1944 die Vernichtungspolitik ihren Höhepunkt erreicht, versucht Schindler, seine Arbeiter aus der unmittelbaren Gefahr herauszubringen. Der Plan wird zum Wettlauf gegen eine bürokratisch organisierte Mordmaschinerie.
23:20
Emilie Pelzl wurde 1907 im Sudetenland geboren. Von klein auf arbeitet sie auf dem elterlichen Bauernhof und pflegt Angehörige. Mit 20 verliebt sie sich in den charmanten Oskar Schindler. Obwohl dieser als Herzensbrecher gilt, heiratet sie ihn. Oskar hat Affären und verjubelt die Mitgift, aber Emilie bleibt. Gemeinsam werden sie durch die Nazis mit ihrer Fabrik erst reich und retten dann viele Juden vor dem sicheren Tod. Die Regisseurin Annette Baumeister rekonstruiert einfühlsam das Leben von Emilie Schindler. Nachgesprochene Zitate vermitteln das Bild einer Frau, die sich aus der Rolle der passiven Ehefrau löst und aktiv Menschen hilft. Für "ihre Juden" besorgt sie Lebensmittel und Medikamente und schützt Verfolgte sogar unter den Augen der SS. In der Dokumentation beschreiben Historikerinnen und Historiker sowie Emilie Schindlers argentinischer Pfleger Leandro Coseforti und ihre Nichte Traude Ferrari eine vergessene Heldin.