20:15
Marlen und Fynn lernen sich durch ein Missgeschick kennen: Fynn löst als Zwischenmieter in einer Wohnung einen Rohrbruch aus und muss Marlen um Hilfe bitten. Marlen wiederum lässt niemanden bei sich hinein und komplimentiert ihn gewitzt wieder hinaus. Doch als Fynn in einem Gewitter vollkommen durchnässt wird, darf er für eine Nacht in ihre Wohnung - unter der Bedingung, nichts anzufassen und am nächsten Tag wieder zu gehen. Stattdessen versucht Fynn hartnäckig, Marlen von seiner Weltsicht zu überzeugen: Nur wer wenig hat, ist wirklich frei und hat Zeit für die wichtigen Dinge. Marlen hält dagegen und erklärt ihm, wie wichtig materielle Bindung und Wertschätzung sind. Diskutierend arrangieren sie sich erstaunlich gut - bis die Hausverwaltung nach dem Rohrbruch die gesamte Heizungsanlage austauschen will. Erstmals seit mehr als zehn Jahren drohen Menschen in Marlens Wohnung zu kommen, ein Alptraum. Jetzt ist Fynn dran, ihr zu helfen. Doch Marlen will nichts weggeben, ergänzt sogar immer wieder Neues. Erst in einem letzten Kraftakt finden die beiden gemeinsam eine ganz eigene Ordnung ... "Alles in bester Ordnung" feierte 2021 Premiere auf dem Filmfest Hamburg und startete 2022 bundesweit in den Kinos. Für ihre Regieleistung wurde Natja Brunckhorst auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ausgezeichnet. Sie ist auch Schauspielerin und Drehbuchautorin. Mit 13 Jahren wurde sie auf dem Schulhof von Regisseur Uli Edel entdeckt und für die Titelrolle in "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" engagiert. Natja Brunckhorst ist Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie.
21:50
Der 29. Februar ist für Kommissarin Michèle Varin ein Tag voller Schuld und Trauer: Vor Jahren verlor sie an diesem Datum ihren Sohn. Kurz vor dem nächsten Schalttag wird sie mit dem rätselhaften Tod einer Frau betraut, die erhängt im Wald aufgefunden wurde. Die Frau litt unter schizophrenen Schüben und suchte nach ihrer Tochter, die sie als Kind zur Adoption weggegeben hatte. Kommissarin Varin kann kaum mehr die grausamen Details der Ermittlung von ihren eigenen Alpträumen unterscheiden. Als sich noch ihr Kollege während der Ermittlungen erschießt, gerät ihr Wirklichkeitsempfinden endgültig ins Wanken. Waren die beiden Fälle gar keine Suizide? Sind ihre "Visionen" vielleicht real, um auch sie in den Suizid zu treiben? Mit "Im Schatten der Wälder" verbindet Regisseur Guillaume Nicloux Krimi, Psychothriller und Mystery zu einem düsteren Rätselspiel über Schuld, Verlust und die Zerbrechlichkeit der Wahrnehmung. In der Hauptrolle überzeugt Josiane Balasko als Kommissarin, die zunehmend an sich selbst zu zweifeln beginnt. Guillaume Nicloux erzeugt mit kühlen Landschaftsbildern, suggestiver Kameraführung und einem eindringlichen Sounddesign eine beklemmende Atmosphäre. Statt auf klassische Krimispannung setzt er auf psychologische Verunsicherung und Anklänge an das Mystery- und Horrorkino. Josiane Balasko wurde für ihre eindrucksvolle Darstellung der Kommissarin Michèle Varin 2004 für den César als beste Schauspielerin nominiert. Regisseur und Drehbuchautor Nicloux ist zudem in einer kleinen Nebenrolle als Polizist zu sehen.
23:25
Eric Vincent erfährt vom Tod seines leiblichen Vaters - eines Mannes, den er nie kennengelernt hat. Auf der Suche nach Antworten gerät er in ein Geflecht aus alten Verbrechen, rätselhaften Begegnungen und widersprüchlichen Erinnerungen. Nach und nach wird deutlich, dass zahlreiche Menschen - vom Privatdetektiv bis zu Gestalten aus dem Rotlichtmilieu - auf unterschiedliche Weise mit der Vergangenheit seines Vaters verbunden sind. Mit "Der Schlüssel" schließt Regisseur Guillaume Nicloux seine lose Thriller-Trilogie nach "Eine ganz private Affäre" und "Im Schatten der Wälder" ab. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sehr die eigene Herkunft das Leben prägt. Dafür verknüpft er verschiedene Zeitebenen und Erzählstränge zu einem komplexen Geflecht, in dem Identität, Herkunft und die Last familiärer Geheimnisse im Zentrum stehen. Der Film verzichtet bewusst auf einfache Antworten und entwickelt stattdessen eine dichte, melancholische Atmosphäre, die stärker von psychologischer Spannung als von klassischen Thrillerelementen lebt. Guillaume Canet verkörpert Erics zunehmende Verunsicherung mit großer Zurückhaltung. Unterstützt wird er von einem hochkarätigen Ensemble mit Marie Gillain, Vanessa Paradis, Jean Rochefort, Josiane Balasko und Thierry Lhermitte. Christophe Offensteins kühle Bildgestaltung unterstreicht den schleichenden Übergang vom geordneten Alltag in eine Welt voller Misstrauen und ungelöster Fragen. "Der Schlüssel" ist weniger Kriminalfilm als existenzielle Spurensuche - ein düsteres Puzzle über die Macht der Vergangenheit.