04:30
Die dritte Staffel des Kurzprogramms wirft einen humorvollen Blick auf unsere Gesellschaft und die Rolle des Sports. In dieser Folge: Im Boule-Spiel scheint er unbesiegbar: Mit Leichtigkeit schlägt ein überheblicher Flamingo einen Elefanten in jeder Runde des Kugelspiels - bis eine schüchterne Giraffe den Platz betritt.
05:10
Ohne Vorwarnung setzt das Gedächtnis des Neurologen Magnus Heier aus. Alles, was er sagte oder tat, war wenige Sekunden später wieder vergessen. Er hatte eine transiente globale Amnesie, kurz TGA genannt. Dabei zeichnet das Gehirn bis zu 24 Stunden lang keine Erlebnisse mehr auf. Für den Neurologen und Ich-Erzähler Magnus Heier wird der Vorfall zum Ausgangspunkt einer Expedition in die Welt unserer Erinnerungen. Warum ist sein Gedächtnis einfach ausgefallen? Wie funktionieren Erinnern und Vergessen eigentlich im Normalfall? Und warum beschäftigen ihn die verlorenen Stunden bis heute? Die Reise führt den Arzt zurück nach Finnland, quer durch Deutschland und bis nach Italien. Dabei besucht er Forscherinnen und Forscher, die einige der Geheimnisse unseres Gedächtnisses entschlüsselt haben. Er trifft einen Mann, der sich an jeden Tag seines Lebens erinnert - und jemanden, der alle seine Erinnerungen verloren hat. Magnus Heier legt sich ins MRT, schläft mit Elektroden auf dem Kopf und unterrichtet Fliegen. Nach und nach wird deutlich, dass unser Gedächtnis viel mehr für uns ist als ein Wissensspeicher - es ist das Fundament unserer Identität. Fällt es aus, bleibt nur ein Schatten unserer selbst zurück. Die Dokumentation ist ein aufwendig gedrehtes Roadmovie über unser Gedächtnis, das uns tief ins Gehirn blicken lässt. Der Neurologe Magnus Heier macht dabei aus abstrakter Neurowissenschaft eine persönliche, leichtfüßig erzählte Geschichte.
06:05
Vor 60 Jahren wurde auf den Kanarischen Inseln die erste Meerwasserentsalzungsanlage auf europäischem Gebiet in Betrieb genommen. Heute gibt es hier bezogen auf Fläche und Einwohnerzahl weltweit die meisten solcher Anlagen. Das so gewonnene Süßwasser ist für menschliches Leben auf den Vulkaninseln unverzichtbar, begünstigt aber - da scheinbar im Überfluss vorhanden - auch eine ungezügelte Wirtschaftsentwicklung; etwa den Massentourismus oder die intensive Monokultur von Bananen für den Export. Zudem ist Meerwasserentsalzung alles andere als klimaneutral: Die Anlagen verschlingen Unmengen von Strom aus fossilen Quellen; die ins Meer zurückgeleitete Sole vernichtet marines Leben und trägt zur Ozeanversauerung bei. "Die Kanaren - Inseln am Tropf" beleuchtet erstmals die Abhängigkeit dieser Region von entsalztem Meerwasser. Ferner erklärt die Dokumentation, wie Wasserentsalzung funktioniert und welche Auswirkungen zu berücksichtigen sind. Im Bewusstsein des dringenden Gebots, die Natur, die eigene Gesundheit und die Zukunft der Kinder zu schützen, engagiert sich die kanarische Bevölkerung gemeinsam mit Wissenschaftlern für Alternativlösungen einer nachhaltigen Wasserwirtschaft. Die Kanarischen Inseln sind dank jahrzehntelanger Erfahrung heute führend auf dem Gebiet der Meerwasserentsalzung, ihre technische Expertise ist weltweit gefragt. Angesichts immer häufigerer Dürren im Zuge des Klimawandels wird die Gewinnung von Trinkwasser durch diese Technologie für immer mehr Menschen zur überlebenswichtigen Notwendigkeit.
07:00
Mitten im Herzen von Sevilla, abgeschirmt vom Lärm der touristischen Altstadt, liegt ein besonderer Ort: Rompemoldes - ein Modellprojekt für junge Kreative, an dem sich Avantgarde und Tradition begegnen. Hier arbeiten 20 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker, die von gedeckelten Mieten profitieren. Unten befinden sich die Werkstätten, oben die Wohnungen. Ob Streichinstrumente, Designerschmuck oder die Restaurierung jahrhundertealter Kunstobjekte - jedes Handwerk erzählt seine eigene Geschichte. Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen Pablo, ein Geigenbauer, Maite, eine Restauratorin, Ilaria, eine Schmuckdesignerin aus Italien, und Carlos, ein Restaurator und Costalero. In Rompemoldes teilen sie nicht nur Räume, sondern auch Werte: Kreativität, Nachhaltigkeit und eine tiefe Verbundenheit mit ihrer Stadt. Gemeinsam gewähren sie einen seltenen Einblick in ein Sevilla, das man so kaum noch zu sehen bekommt - authentisch, lebendig und jenseits der Postkartenklischees. Doch dieses kreative Sevilla ist bedroht. Wie viele europäische Städte leidet auch Sevilla unter dem wachsenden Massentourismus. Immer mehr Wohnungen werden in Ferienunterkünfte umgewandelt, die Mieten steigen, und traditionelle Handwerksbetriebe verschwinden zunehmend aus der Altstadt. Orte wie Rompemoldes sind heute die Ausnahme - und vielleicht ein Modell für die Zukunft. Die Dokumentation erzählt nicht nur von besonderen Menschen und ihrem Schaffen, sondern wirft auch einen nachdenklichen Blick auf den Wandel einer Stadt, die ihren Weg zwischen Tradition und den Herausforderungen der globalisierten Welt sucht.
07:45
Bis zum Jahr 2030 sollen weltweit 30 Prozent der Landmasse und 30 Prozent der Meere unter Naturschutz gestellt werden - dazu haben sich fast alle Staaten der Welt gesetzlich verpflichtet. Der Ökologe und Politikberater Axel Paulsch ist überzeugt, dass wir dieses Ziel auch erreichen können. Allerdings sehen viele Naturschutzgebiete nur auf der Landkarte toll aus: geschützte Wüstenlandschaften sind aber kein Ersatz für abgeholzten Regenwald. Die sinnvollsten Schutzgebiete liegen dort, wo die Vielfalt besonders hoch ist, sagt der Biologe Elie Gaget vom Institut Tour du Valat in der Camargue. Dass es nicht immer leicht ist die zu schützen, zeigt das Beispiel des Weddellmeeres in der Antarktis. Forschende des Alfred-Wegener-Institutes reichen jedes Jahr einen neuen Schutzantrag dafür ein. Trotz überzeugender wissenschaftlicher Argumente wird dieser Jahr um Jahr abgelehnt - aus politischen Gründen. Wie also soll die Artenrettung mit Schutzgebieten gelingen, wenn ständig Einzelinteressen und politische Befindlichkeiten mitbedacht werden müssen? Und selbst wenn wir es schaffen, sinnvolle Schutzgebiete auszuweisen: Wer überwacht sie? Und wie werten wir aus, ob sie schützen, was sie schützen sollen? Können Naturschutzgebiete wirklich einen sinnvollen Beitrag leisten, um das Artensterben aufzuhalten?
08:15
Vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana starten regelmäßig europäische Raketen und Satelliten ins All. Vor jedem Countdown müssen die vorgelagerten drei Inseln aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Sie wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch als Gefängnisinseln genutzt. Danach verfielen sie und wurden von der Natur zurückerobert. Heute wachsen darin Pflanzen, die die Standfestigkeit der Gebäude bedrohen. Schlingpflanzen überwuchern das Gelände. Doch Frankreich hat mit der Vergangenheitsbewältigung begonnen, die Gebäude werden saniert, um dieses historische Erbe zu bewahren. Aurore Schneider ist mit der Freilegung und Renovierung der Anlagen beauftragt. Mit Hilfe der Fremdenlegion sollen sie bald Besuchern offenstehen. Immer wieder jedoch müssen die Arbeiten unterbrochen werden. Raketen, die vom Weltraumbahnhof der Stadt Kourou abgeschossen werden, überfliegen die ehemaligen Gefängnisinseln. Aus Furcht vor herabfallenden Teilen müssen die Inseln bei jedem Start geräumt werden. Auch jetzt wieder, und zwar für eine besonders heikle Mission: das größte bisher gebaute Weltraumteleskop soll schon in wenigen Tagen von Kourou aus in den Orbit fliegen.
09:05
Kanada hat die weltweit größte Pilotendichte, trotzdem sind nur fünf Prozent davon Frauen. Cassandra Dupont, Mariam El Jundi und Leslie Coolen gehören zu dieser noch immer kleinen Elite. Sie sind im ganzen Land unterwegs, um Einsätze mit Ingenieuren, Klima- und Umweltforschern sowie Geologen in den entlegenen Regionen Kanadas zu fliegen. Gerade im Winter, bei bis zu minus 40 Grad Celsius, sind die Einsätze hart und gefährlich: "Es gibt niemanden, der einem sagt, was man tun soll. Wenn man an sehr abgelegene Orte fliegt, ist man der Gefahr noch mehr ausgesetzt. Die Rettungskräfte können dann sehr weit entfernt sein, falls etwas passiert", sagt Cassandra. Sie übernimmt zahlreiche Aufträge für eine Eisenbahngesellschaft am Standort Mont Wright, auf dem Breitengrad von Südgrönland. Mariam El Jundi ist eine erst 26-jährige Pilotin, sie stammt aus Calgary und ist jetzt im Norden von British Columbia stationiert. Leslie Coolen gilt mit ihren 4.000 Flugstunden als Pionierin unter den Hubschrauberpilotinnen - vor zwei Jahren hat sie ihre Zulassung für den Sikorski S 61 erhalten. Von Inuvik, der letzten größeren Siedlung vor den eisigen Weiten der Arktis, startet sie mit einem Biologen auf eine Erkundungsmission der Wolfspopulation. In dieser von Menschen völlig unberührten Landschaft und auf durch Schneemassen undefinierbarem Untergrund zu landen, ist eine echte Herausforderung. Doch für sie gibt es nichts Schöneres: "Es gibt Momente beim Fliegen, in denen man in den Sonnenuntergang am Horizont blickt und denkt: Ich habe so viel Glück."
10:00
Das österreichische Mühlviertel ist bekannt für seine lange Brautradition. Hier wird Hopfen angebaut, eine unverzichtbare Zutat für das Bieraroma. Edeltraud Jungwirth und ihre Freundin Janina Wegscheider haben die Felder stets im Blick, doch gekocht haben sie mit Hopfen noch nie. In diesem Jahr wagen sie zum ersten Mal einen Versuch. Aus frischen Hopfendolden entstehen dabei Gerichte wie Hopfen-Bruschetta, gefüllte Hopfenblätter und Hopfenblüten im Bierteigmantel. Auf den Tisch kommen zudem traditionelle oberösterreichische Spezialitäten wie sogenannte Wespennester mit Spinat- oder Apfelfüllung sowie Bauernkrapfen mit Aprikosenmarmelade. Getafelt wird in historischer Kulisse: Auf Burg Reichenstein, einer Anlage mit Museum und Wohnturm, dem Lebensmittelpunkt von Edeltraud.
10:35
Angeführt von einem Trupp Kapuzineräffchen geht es tief hinein in den mittelamerikanischen Regenwald. Fernab vom lauten Treiben der Menschen gewinnt die Natur die Oberhand zurück. Mit jedem Schritt unter dem dichten Blätterdach lassen sich Tiere auf wichtiger Mission entdecken: Der Jaguar, unsichtbarer Herrscher des Unterholzes, streift lautlos umher. Hoch oben in den Wipfeln lassen sich Rotgesicht-Klammeraffen ganze Früchte schmecken, verbreiten deren Samen und säen damit die Bäume von morgen. Am Boden suhlen sich Weißbartpekaris im Dreck und graben dabei temporäre Tümpel im ausgetrockneten Wald, in denen neues Leben entsteht. Das umtriebige Aguti vergräbt jede Menge Samen und vergisst einen Teil davon; daraus werden neue Baumriesen. Nach der Trockenzeit kehrt der Regen zurück, und der Wald erwacht zu neuem Leben. In einer beeindruckenden Flugshow kommen tropische Laubfrösche aus dem Blätterdach herab und paaren sich. Krötenmännchen locken mit ihrer leuchtend gelben Farbe Weibchen an. Die von den Pekaris gegrabenen Tümpel füllen sich und werden zum Kinderzimmer für unzählige Kaulquappen. Der Stoffwechsel der Kolibris läuft auf Hochtouren: Sie sammeln den Nektar von bis zu 3.000 Blüten am Tag und sorgen so für die Bestäubung Tausender Pflanzenarten. Diese Folge enthüllt die faszinierenden Wechselwirkungen der Natur: Eine erlegte Beute düngt den Boden, ein transportierter Samen schließt eine Lücke im Blätterdach, eine von Nabelschweinen gegrabene Wasserstelle wird zum Treffpunkt für die gesamte Fauna. Nach und nach wird klar: Regeneration ist ein konkreter Prozess, bei dem die Artenvielfalt wieder die Oberhand gewinnt.
11:15
Ein Trupp Kapuzineräffchen führt uns an den Rand des Regenwaldes, wo Dschungel, Mangroven und Ackerland ineinander übergehen. Hier wird jedes Tier zum Entdecker, Landwirt oder Lebensspender. In den Mangroven bewegen sich die Kapuzineräffchen zwischen zwei Welten hin und her und tragen dabei Samen von einem Ökosystem zum anderen. Am Strand ist die Arribada in vollem Gange: Mehr als hunderttausend Oliv-Bastardschildkröten marschieren im Schutz der Nacht an Land, um ihre Eier abzulegen. Ein hungriger Jaguar nutzt diese Gelegenheit, um sich den Magen vollzuschlagen und die Reste seines Festmahls dienen wiederum als Nahrung für Nasenbären, Rabengeier und Kahlkopfgeier. Letztere sind fliegende Düngemaschinen und transportieren Nährstoffe vom Waldrand bis tief ins Herz des Dschungels. Etwas weiter entfernt trampelt eine Herde Weißbartpekaris durch einen Palmenhain, frisst sich an den Früchten satt und trägt zur Verbreitung von Samen bei. Die Montezumastirnvögel weben ihre Hängenester in Eukalyptusbäume und integrieren diese Eindringlinge nach und nach in das Ökosystem. Ein Rotaugenlaubfrosch laicht im Wasserbehälter einer Kaffeeplantage und verwandelt diesen unwahrscheinlichen Ort in einen biologischen Korridor. Am Waldrand wacht der Bechsteinara über die letzten Bergmandelbäume, schneidet mit dem Schnabel tote Äste ab und baut sein Nest in das weiche Holz. Die Folge "Am Rand des Regenwaldes" zeigt, wie die Tierwelt geduldig die Lücken des Regenwaldes schließt und die Natur wieder zu ihrem Recht kommt, wenn Mensch und Fauna respektvoll zusammenleben.
12:00
In Mittelamerika entsteht ein neues Bündnis zum Schutz des Regenwaldes. Ob Klammeraffen oder Fregattvögel, jede Tierart leistet ihren Beitrag. Die einen bringen Samen für neue Baumriesen ein, die anderen versorgen die Küsten mit Nährstoffen und verbinden Meer und Land. Doch die Tiere sind nicht länger auf sich allein gestellt. Seit zwanzig Jahren beobachtet ein Biologe die Rotgesichtklammeraffen hoch oben in den Baumwipfeln. Er kennt jedes Tier beim Namen, notiert jede Bewegung und jede Geburt. Die Daten zeigen, wie diese Gärtner des Dschungels den Regenwald von morgen gestalten. Am Waldrand hat sich ein Dorf dafür entschieden, mit den Weißbartpekaris zusammenzuleben, statt die Nabelschweine zu jagen. Mit den Tieren ist ein neues Gleichgewicht zurückgekehrt. Oben in den Bergen spürt ein Forscher Harlekinkröten auf, Überlebende einer Epidemie, die die Amphibien weltweit dezimiert hat. Jedes einzelne Tier ist ein kleiner Sieg! In der Ebene wacht ein Vogelkundler über die Bechsteinaras und ihre Nester im weichen Holz der Mandelbäume, ohne die sich die Papageienvögel nicht fortpflanzen könnten. Auf einer Insel im Pazifik beobachtet ein Biologe eine große Fregattvogelkolonie. Ihr Kot düngt die Küsten und Trockenwälder und schlägt eine Brücke zwischen Meer und Land. Die Folge "Die Verbündeten des Regenwaldes" zeigt, wie Menschen und Tiere zusammenarbeiten, um den Regenwald wieder zu einem wilden Biotop zu machen und die Wunden von Kultur- und Naturlandschaft zu schließen.
12:45
Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Albert Edelfelts Lobgesang auf Finnland / Finnland, Land der Sammler / Finnland: Stephans Chaga-Kaffee mit Brötchen / Finnland: Wo der Weihnachtsmann "thank you" sagt
13:35
Spezial Japan: Tanizakis Laster und Geheimnisse / Siegeszug des Sake / Mikas Pancakes mit süßen Bohnen/ Die "Desperate Housewives" von Tokio
14:20
Juni 1945: Schwer verletzt und mit entstelltem Gesicht wird die Auschwitz-Überlebende Nelly von Lene, einer Freundin aus Vorkriegstagen und Mitarbeiterin der Jewish Agency, in ihre alte Heimat Berlin gebracht. Kaum genesen von einer Gesichtsoperation macht sich Nelly - den Warnungen Lenes zum Trotz, dass er es war, der sie gegen Kriegsende verraten habe - auf die Suche nach ihrem Mann Johnny. Als Nelly ihn endlich aufspürt, erkennt er in ihr nicht mehr als eine beunruhigende Ähnlichkeit. Johnny schlägt Nelly vor, in die Rolle seiner totgeglaubten Frau zu schlüpfen, um sich das Erbe ihrer im Holocaust ermordeten Familie zu sichern. Nelly lässt sich darauf ein und wird ihre eigene Doppelgängerin. Sie möchte wissen, ob Johnny sie je geliebt hat oder vielleicht sogar ihr Verräter war. Die junge Frau hält krampfhaft an ihrer verlorenen Identität und dem Glauben fest, dass sie durch Johnny ihr altes Leben wiedererlangen kann. Je ähnlicher sie der vermeintlich Toten wird, umso verzweifelter und irritierender wird Nellys Verhältnis zu Johnny. Wird er die Wahrheit gestehen?
15:55
Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine Reise durch über 200 Jahre Eisenbahngeschichte und zeigt, wie grundlegend dieses Transportsystem die Welt verändert hat. 1830 wird die erste reguläre Eisenbahnstrecke in England eingeweiht. Von hier aus beginnt ihr einzigartiger Siegeszug, der Gesellschaften, Landschaften und Städte von Grund auf verändern und ganze Länder vom Agrarstaat ins Industriezeitalter katapultieren wird. Indem sie den Transport von Waren und Personen revolutioniert, wird die Eisenbahn zum Katalysator der Industrialisierung und spielt eine Rolle bei der Verbreitung des Kapitalismus. Zugleich demokratisiert sie das Reisen. Menschen aller Gesellschaftsschichten haben nun erstmals die Möglichkeit, neue Orte zu entdecken und kulturelle Grenzen zu überwinden. Dabei gibt es aber auch dunkle Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn. Als Werkzeug der Kolonialmächte zeigt sie sich als eine zerstörerische Technologie zur Ausbeutung fremder Länder. Sie trägt zur Industrialisierung des Krieges bei, indem mit ihr Truppen und Material effizienter denn je transportiert werden. Verschwiegen werden darf auch nicht, dass die Eisenbahn den Massenmord an den Juden in den Konzentrationslagern der Nazis erst ermöglicht hat. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert erlebt sie eine ungeahnte Renaissance durch Hochgeschwindigkeitszüge, die als Symbol für Effizienz und Nachhaltigkeit stehen. Sie wird wohl auch weiterhin unsere Welt prägen. Aber welche Herausforderungen bringt die Zukunft dieser einzigartigen Technologie?
17:25
In den 1950er Jahren entdeckte der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck die malerische Stadt Positano. Die Amalfiküste wird zum Geheimtipp. Im Sommer 1962 verbringt die First Lady der USA, Jackie Kennedy, dort ihren Sommerurlaub und verliebt sich in den charmanten Fiat-Erben Gianni Agnelli. Die Affäre lässt sich nicht geheim halten. Gerüchte dringen bis nach Washington. Die atemberaubende Landschaft und die Gärten der Adelspaläste werden Filmkulissen. Ingrid Bergman verliebt sich in Roberto Rossellini, für den sie Hollywood hinter sich lässt. Hollywoodlegende Humphrey Bogart hält sich während Dreharbeiten monatelang in Ravello auf und reitet zur Begeisterung der Bevölkerung stets auf einem Esel zur berühmten Villa Cimbrone mit ihrer einmaligen Terrasse. Hier begann auch die Weltkarriere der 19-jährigen Romy Schneider: In "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin" kuriert sie ihre Tuberkulose im milden Seeklima aus. Die Insel Capri war um die vorletzte Jahrhundertwende durch den aus Paris geflohenen Baron Fersen, der in seiner Villa offen seine Homosexualität lebte, berühmt geworden. Auch Friedrich Alfred Krupp, einer der größten Stahl- und Waffenexporteure der Welt, liebt die abgeschiedene Insel, bis Gerüchte über seinen Lebenswandel bis nach Berlin dringen. Die berühmte Blaue Grotte wird Touristenmagnet und die Piazzetta di Capri wird zum Laufsteg mondäner Gäste. Vor Ort verhilft Hollywoodstar und Mode-Ikone Audrey Hepburn einer eigenen Kreation zu ihrem internationalen Durchbruch: Die Caprihose wird zum Must-have moderner junger Frauen weltweit.
18:10
Elon Musks Unternehmen SpaceX kontrolliert mit seinem Satellitennetzwerk Starlink über die Hälfte aller aktiven Satelliten im Erdorbit - und spielt damit eine zentrale Rolle im Ukrainekrieg. Für die ukrainischen Streitkräfte sind die Starlink-Satelliten unverzichtbar, um russische Truppen präzise zu orten. Und: Europa ist militärisch wie wirtschaftlich von den USA abhängig.
18:25
(1) Russland: Ein anonymer russischer Journalist recherchiert die Schicksale Zehntausender vermisster russischer Soldaten in Putins Krieg gegen die Ukraine. (2) Kenia: Innerhalb weniger Jahre wurden drei Weltklasseathletinnen ermordet. Von den hohen Preisgeldern der Läuferinnen angezogen, suchen viele Männer die Nähe der Frauen, um sie auszunehmen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Europa spricht oft von gemeinsamen Werten und dass alle Länder gleichberechtigt der europäischen Identität angehören. Und doch haben viele Menschen in Ost- und Mitteleuropa das Gefühl, dass diese Gleichheit nicht immer so selbstverständlich ist. Manche Länder wirken wie Vorbilder, während andere als diejenigen gelten, die noch "aufholen" sollen. Bestimmte Kulturen prägen das Bild des Kontinents, andere hingegen bleiben eher im Hintergrund. So entsteht der Eindruck einer unsichtbaren Ordnung innerhalb Europas - eine Hierarchie, die offiziell nicht existieren soll, aber im Alltag dennoch spürbar ist. Künstlerinnen wie Pusik drehen den Spieß um und machen aus osteuropäischem Kitsch und Klischees einen Trend. Die Ästhetik der Nullerjahre, die oft den slawischen Alltag und die westeuropäische Konsumkultur vereinte, treibt sie auf die Spitze. Mit Svetlana Del Rey schafft sie ein Alter Ego - die billige osteuropäische Kopie der amerikanischen Diva Lana Del Rey. In ihren Werken verwandelt sie die Träume, Unsicherheiten und Symbole, die mit der Integration Osteuropas in den Westen einhergingen, in eine neue Form digitaler Nostalgie und des Selbstausdrucks. Auch Gleb und Ivan aus Belarus bedienen sich an belarussischen Geschichten mit Cringe-Faktor und wandeln sie in ein Talkformat um. Aus dem Warschauer Exil heraus zerpflücken sie alles, was die regimetreue Medienwelt in Belarus zu bieten hat. Diese Ausgabe von "Tracks East" zeigt, dass osteuropäische Kunst und Kultur es nicht nötig hat, den Westen nachzuahmen.
20:15
Im 1. Jahrhundert nach Christus ist der Golf von Neapel ein Rückzugsort der Elite Roms. Sie will in der Nähe ihrer Kaiser sein, die dort selbst Landvillen besitzen, manche sogar mehrere. Wer besonders viel auf sich hält, hat eine Villa direkt am Meer. So kann man sich den mühsamen Landweg über staubige Straßen sparen. Unter den vielen prächtigen Villen sticht jedoch eine hervor - durch ihre schiere Größe und durch den unglaublichen Luxus ihrer Ausstattung: die Villa Oplontis. Archäologen vermuten, sie könnte Poppaea Sabina, der zweiten Gemahlin Kaiser Neros, gehört haben - einer Kaiserin, die heute ebenso berühmt wie berüchtigt ist. Antike Autoren ließen kein gutes Haar an dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sicher ist: Diese Villa hat ein kaiserliches Gepräge, auch wenn Nero und Sabina sich dort vermutlich nur besuchsweise aufgehalten haben. Heute legen Archäologinnen und Archäologen die Villa, deren Pool mit 60 Metern Länge zu den größten gehört, die je im römischen Machtbereich gefunden wurden, Schicht für Schicht frei. Wertvolle Skulpturen, feinste Fresken, marmorne Fußböden fördern sie unter sechs Metern Vulkangestein zutage. Der Villenkomplex illustriert auch, was ein solches Haus erst möglich gemacht hat. Scharen von Sklaven und Sklavinnen, auch Sklavenkinder, bauten, gärtnerten, kochten, reinigten, bedienten - stets in der Furcht, selbst für ein kleines Missgeschick schwer bestraft zu werden.
21:45
Versunken im Golf von Neapel befindet sich die vermutlich erste Wellness-Oase der Weltgeschichte: Baiae. Der exklusive Badeort war einst das Saint-Tropez und zugleich das Las Vegas des alten Rom: Julius Caesar und die römischen Kaiser Claudius und Nero erholten sich dort in pompösen Villen, Hadrian zog sich in den letzten Tagen seines Lebens in das milde Klima an die Küste Kampaniens zurück. Doch die heilenden Thermalquellen waren es nicht, was die Superreichen damals anzog. Das luxuriöse Baiae war Kulisse und Zentrum eines wilden und ausschweifenden Lebens und Tatort eines berühmten Muttermordes: Dort ließ Kaiser Nero seine Mutter Agrippina töten, um sich von ihrem Einfluss zu befreien. Aber das Dolce Vita in der Bucht von Pozzuoli sollte nicht ewig währen. Die Bucht grenzt an eine Zone hoher vulkanischer Aktivität, die Campi Flegrei - die "Brennenden Felder". Ein als Bradyseismus bekanntes Phänomen führte in der Spätantike zu einer Veränderung des Meeresspiegels und ließ das sündige Baiae im Wasser versinken. Die Villenstadt geriet in Vergessenheit. Erst in den 1960er Jahren begannen Unterwasserarchäologen, die versunkenen Villen, Bäder und Plätze intensiv zu erforschen. Teile der Stadt hatte ein sinkender Meeresspiegel zuvor wieder freigegeben. Das etwa 80.000 Quadratmeter große Areal wurde mittlerweile in einen archäologischen Unterwasserpark umgewidmet - ein im Mittelmeer einzigartiges Projekt. Unterwasseraufnahmen erzählen die Geschichte einer Stadt des Luxus und der Laster einer kleinen Elite.
22:35
Kann erotische Kunst heutzutage noch gedeihen? Wie hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert? Was können bildende Kunst, Film und Literatur über wechselnde Moralvorstellungen erzählen? Und wo liegt die Schwelle zum Tabu? Die alten Römer trieben es noch recht wild: Bei den Grabungsarbeiten von Pompeji wurden Wandmalereien entdeckt, die eindeutiger nicht sein könnten, viele Alltagsgegenstände waren mit Phalli ausgestattet. Dann eroberte das Christentum mit seiner Vorstellung von Sünde Europa - und schlug vielen Statuen die Nasen ab. Zugrunde lag die Vorstellung, so könnten im Inneren eingeschlossene Dämonen entfleuchen. Dabei haben wir in der Moderne sogar unsere Vergangenheit umgedeutet: Die Antike stellen wir uns gern erhaben vor - dabei war sie viel wilder, als wir vielleicht denken. Im Laufe der Kunstgeschichte waren es fast immer Männer, die nackte Frauen malten. Auch heutzutage dominiert der männliche Blick, obwohl es an den Kunstschulen weit mehr weibliche Absolventinnen gibt. Literatur und Film waren ebenfalls lange Zeit von männlichen Fantasien getrieben. Die vergangenen Jahrzehnte sind es aber eher Frauen, die für Aufregung sorgen. Patrick Catuz führt durch die verwegene Seite der Kunstgeschichte und sucht Wege zu einer ganz neuen Ars Erotica.
23:35
Charlotte Link zählt seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Ihre Bücher erreichen Millionenauflagen, werden in 26 Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt. Wer ist die Frau hinter diesen Bestsellern und wie fesselt sie ihr Publikum? Die Dokumentation begleitet Charlotte Link nach Frankreich, wo sie ihre Ferien verbringt und Inspirationen für ihre Krimis findet, und in ihr Haus in Bayern. Sie verfolgt den Weg der Autorin, die mit 16 Jahren zu schreiben begann, und bald zahlreiche historische Romane veröffentlichte. Als junge Frau musste sie mit Vorurteilen kämpfen - und erarbeitete sich mit viel Fleiß und Disziplin ihre große Karriere. Die Auseinandersetzung mit Schmerz und Leid ist zentral für Links Schreiben: Ihr persönlichstes Buch widmete sie ihrer Schwester, die mit 46 Jahren an Krebs starb. Gemeinsam engagierten sich die beiden seit ihrer Jugend im Tierschutz. Bei ihrem Besuch einer Auffangstation für Hunde, Katzen und Pferde in Polen wird deutlich: Empathie und Intuition sind die wichtigsten Eigenschaften für die Schriftstellerin. In ihren Krimis schaut Link hinter die Fassaden, in die Seelen von Opfern, Tätern oder Mitwissern, und gerade dieses tiefe Verständnis fasziniert ihre Leserinnen und Leser. Die ARTE-Reihe "Queens of Crime" porträtiert beliebte europäische Krimi-Schriftstellerinnen und fragt nach der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und vermeintlich "typischen" Geschlechterrollen von Tätern, Ermittlern und Opfern.