18:35
Die Dschungelgebiete im Südosten der USA umfassen ausgedehnte Sümpfe, Wälder, Berge und zahllose Flüsse. Ein einzigartiges Ökosystem mit einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt. Diese Folge der Dokumentation führt zu den Lebensadern der Region: ob Sumpf, Bach, oder Fluss - Wasser ist das wesentliche Element. Am Grund des Taccoa River in Georgia findet sich ein urzeitliches Wesen: der Schlammteufel, der einzige Vertreter der Riesensalamander in Nordamerika. In Florida ist ein lebendes Fossil vorzufinden: der Golfstör. Er galt fast als ausgestorben, aber die Bestände haben sich wieder erholt. Zu Beginn der Laichzeit versammeln sich die Fische. Da sie sich im trüben Wasser nicht sehen, kommunizieren sie mit Hilfe spezieller Rufe. In den Everglades von Florida lebt der Schneckenbussard, der sich ausschließlich von Schnecken ernährt, ursprünglich von einheimischen Apfelschnecken. Doch als sich eine größere, vom Menschen eingeschleppte Schneckenart verbreitete, passten sich die Bussarde an. Innerhalb von nur zwei Generationen entwickelten sie stärkere Flugmuskeln und größere Schnäbel, um der neuen Beute Herr zu werden. Angepasst haben sich auch die Manatis: Den Winter verbringen die Seekühe im wärmeren Wasser in der Nähe von Süßwasserquellen. Aber jeden Frühling beginnen sie eine weite Wanderung entlang der Küste im Golf von Mexiko, von Florida nach Alabama.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:35
Künstliche Intelligenz wird zum neuen Schauplatz des Wettbewerbs zwischen den USA und China. Beide Großmächte verfügen über enorme Datenmengen und investieren massiv in die Entwicklung generativer Modelle. Zugleich wachsen die Bedenken: Zensur, Deepfakes und Urheberrechtsverletzungen. Die EU versucht, diese Gefahren mit einem umfassenden Rechtsrahmen einzuhegen.
19:40
Nur eine halbe Stunde blieb Hanna Maksiuta, als sie aufbrach, um ihre Heimat zu verlassen. Ihr Mann und ihre Eltern blieben zurück. Heute lebt sie in Schondorf am Ammersee und hofft, bald wieder als Maschinenbauingenieurin arbeiten zu können. Doch obwohl Deutschland viel in die Arbeitsmarktintegration investiert und in hoch qualifizierten Geflüchteten wie Hanna eine Antwort auf den Fachkräftemangel sieht, bleibt der Einstieg schwierig. Ukrainische Geflüchtete profitieren EU-weit von einer besonderen Regelung: Statt eines langwierigen Asylverfahrens erhalten sie vorübergehenden Schutz. In Deutschland ermöglicht dieser Status einen schnellen Zugang zu Aufenthalt, Arbeit, Bürgergeld sowie Sprach- und Integrationskursen. Polen setzt stattdessen auf eine schnelle Integration über Arbeit. 2025 lag die Beschäftigungsquote ukrainischer Geflüchteter dort mit rund 70 Prozent doppelt so hoch wie in Deutschland. Doch auch in Polen verändert sich die Stimmung. Die Regierung verschärft den Ton, Leistungen werden eingeschränkt. Gleichzeitig wächst die Debatte über Unterstützung und Zusammenhalt. Grzegorz ?ulewski aus Opole betreibt zwei Bars und vermietet Apartments. Ohne ukrainische Arbeitskräfte wäre dieser Erfolg kaum möglich. Er setzt auf Zusammenarbeit und kann sich die Zukunft seines Unternehmens ohne seine ukrainischen Mitarbeitenden nicht vorstellen. Doch auch in der Kleinstadt zeigen sich erste Anzeichen, dass die Solidarität nachlässt. Je länger der Krieg dauert, desto drängender wird die Frage: Wie kann aus einem Zufluchtsort ein Zuhause werden?
20:15
Mit Neuschwanstein will sich König Ludwig II. von Bayern eine eigene, sagenhafte Welt erschaffen, um der nüchternen Realität eines konstitutionellen Monarchen zu entrinnen. Bei der Umsetzung seiner Vision lässt er sich durch nichts und niemanden aufhalten. Bereits die Idee des jungen Königs, sein Schloss auf einem steilen Berggipfel zu errichten, ist ambitioniert. Der Bauherr hat eine präzise Vorstellung für seine idealisierte Ritterburg. Inspiriert wird er durch deutsche Sagenwelten und die Werke des Komponisten Richard Wagner. Nichts geschieht, ohne dass es der König selbst in Auftrag gibt, überall redet er mit - bis ins kleinste Detail. Für die Architekten ist das eine immense Herausforderung, ständig müssen Pläne geändert und angepasst werden. Der Bauherr ist dem technischen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen, um seine oft bizarren Wünsche schnell und präzise umzusetzen. Die bauliche Leistung ist atemberaubend und die facettenreiche Umsetzung im historisierenden Stil bis ins kleinste Detail meisterhaft. Das Besondere an Neuschwanstein ist dabei nicht der oft als kitschig bezeichnete Prunk, sondern die bemerkenswerte Verflechtung von Ludwigs idealisiertem Weltbild und dem Bauwerk selbst. Weder als Repräsentationsbau noch als Machtdemonstration, sondern ausschließlich als privates Refugium gedacht, ist das Schloss wie eine zu Stein gewordene Fantasie des Herrschers. Der Monarch, der sich unverstanden fühlt, zieht sich immer weiter zurück. Das Leben und der plötzliche, legendenumrankte Tod des "Märchenkönigs" sind untrennbar mit seinem Schloss verbunden.
21:45
Die Baubranche ist einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen - und doch beginnt gerade hier ein Umdenken. Einer der neuen Ansätze, die in Zukunft Ressourcen einsparen sollen, ist das zirkuläre Bauen. Es verfolgt eine radikale Idee. Gebäude werden so geplant, dokumentiert und errichtet, dass sie später selbst wieder als Materialspender dienen: zurückbauen statt abreißen, wiederverwenden statt wegwerfen. Das Ziel sind geschlossene Stoffkreisläufe, die bereits beim Entwurf neuer Gebäude mitgedacht werden. In der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland machen sich Architektinnen, Forschende und kommunale Entscheider daran, diese Vision Realität werden zu lassen. Sie retten Glasfassaden vor der Deponie, erproben Methoden des Rückbaus von Gebäuden, forschen an der Wiederverwendung von Betonteilen und entwickeln digitale Werkzeuge, die Angebot und Nachfrage von Bauteilen besser zusammenbringen. Der Ansatz des zirkulären Bauens gewinnt in immer mehr kommunalen, nationalen und europäischen Regelungen an Bedeutung. Der Kanton Basel fördert intensiv die Wiederverwendung von Baumaterialien bei kommunalen Neubau-Projekten. In den Pariser Banlieues lassen Architektinnen und Architekten ein Kultur- und Gemeindezentrum entstehen, Keramikfliesen und Treppen kommen aus Häusern in der Nachbarschaft. Die Dokumentation begleitet diese Pionierinnen und Pioniere. Sie zeigt eine Vision, die Mut macht: Städte, die immer wieder aus sich selbst heraus erneuert werden. Jede Siedlung kann so zur Mine werden - ein wertvolles Rohstofflager, mit den Baumaterialien für die Zukunft.
22:35
Paris, 1969: Nach den Studentenunruhen im Mai 1968 entsteht am Rand der Stadt in Vincennes ein modernes Universitätsgebäude, in dem die Studierenden ein antiautoritäres, selbstverwaltetes Lernexperiment praktizieren und die gesellschaftliche Ordnung auf den Kopf stellen. Die Vorgänge werden jedoch unter offizieller wie auch heimlicher Kontrolle des Ministeriums und des Geheimdienstes beobachtet - unter anderem von Jacques, Polizist und Spitzel, der überzeugt ist, die Revolution sei von linken Terroristen gesteuert. So prallen in Vincennes verschiedenste Ideologien aufeinander: Kommunisten, Maoisten, Außenstehende, Studierende und der Staat als Überwachungsorgan. Im Zentrum steht zunächst die Prostituierte Claudine, die mit dem verheirateten Jacques liiert ist. Sie lebt in ihrem Wohnwagen im Wald neben der Universität. Als sie die Universität entdeckt und erkundet, wird sie als "echte Proletarierin" zu ihrem Aushängeschild. Claudine entfacht sogar in Merloux, dem Rektor der Universität, den Glauben an die Veränderbarkeit der Verhältnisse. Dieses Ziel treibt auch den aktivistischen Gérard an, Dozent aus wohlhabenden Verhältnissen und zugleich Gründer einer militanten linken Gruppe. Als er auf die engagierte Studentin Françoise stößt, die ihr bürgerliches Elternhaus hinter sich gelassen hat, um die Gesellschaft zu verändern, weiß er noch nicht, was für eine hitzige Mitstreiterin er in ihr gefunden hat ... Die Serie "Die Revoluzzer" erzählt vom studentischen Abenteuer der Reformuniversität Vincennes: dem einzigartigen Versuch, ein Jahr nach der Mai-Revolution 1968, unter der konservativen Staatsmacht de Gaulles eine Reformuniversität zu betreiben. Die Serie von Benjamin Charbit und Dominique Baumard integriert auf kreative Art Original-Archivmaterial. Darin kommen namhafte Intellektuelle von damals zu Wort. Neben den - heute wieder aktuellen - Debatten um Rollenbilder, Machtverhältnisse und Revolution als Kampf um die Wahrheit ist die Serie vor allem ein großer Spaß für junge und jung gebliebene Revoluzzer.
23:10
Gérard, Françoise und Amadéo suchen fieberhaft nach dem "wahren Proletariat", um ihrer maoistischen Gruppe Legitimität zu verleihen. Mit Claudine tritt eine Figur auf den Plan, die alle Zuschreibungen sprengt: Arbeiterin, Prostituierte, Studentin, Projektionsfläche. In ihrer Unbedarftheit erschüttert sie die theoretischen Gewissheiten gründlich und schließt sich der Gruppe an. Während Rektor Merloux Vincennes als "Universität des Volkes" für einen kommunistischen Imagefilm inszenieren will, protokolliert die Polizei längst mit. Gérard und Françoise kapern die Werbefilmvorführung, um die Arbeit der Putzkräfte, Migranten und Frauen hinter dem Bild der Universität des Volkes offenzulegen. Zugleich treten erste Konflikte um Geschlechterverhältnisse offen zutage. Die Frauen wollen sich als eigene Gruppe formieren.
23:40
An der Reformuniversität Vincennes fordern Studentinnen verschiedener linker und feministischer Gruppen einen eigenen Raum, um sich jenseits männlicher Dominanz zu organisieren. Als ihre Forderung von Präsident Merloux herablassend abgewiesen wird und auch linke Männer wie Gérard den Feminismus als Nebenwiderspruch behandeln, ziehen die Frauen kurzerhand in den Wald. Dort errichten sie ein autonomes Lager mit Küche, Bibliothek, Kursen und Versammlungen. Während die Situation an der Universität zunehmend chaotisch wird, verfolgt Claudine die Ereignisse aufmerksam. Angesichts der feministischen Debatten, ihres eigenen Doppellebens und der alltäglichen Improvisation in Vincennes begreift sie, dass ein Studium für sie mehr sein könnte als die Befriedigung ihrer Neugier. Als sie erfährt, dass sie möglicherweise Anspruch auf Studienbeihilfe hat, eröffnet sich erstmals eine reale Perspektive auf ein anderes Leben. Am Ende erhalten die Frauen tatsächlich einen eigenen Raum, und Françoise gründet einen autonomen maoistischen Bund.