05:05
Die Hugenotten sehen sich in Frankreich Gewalt und Willkür ausgesetzt. 1685 hat König Ludwig XIV. die religiöse Minderheit mit einem Federstrich zu Verfolgten gemacht. Wer seinem Glauben nicht abschwört, sieht oft keinen anderen Ausweg, als zu fliehen. Suzanne Loyal (Anja Antonowicz) und ihre Familie, die Kaufleute Godeffroy sowie der zehnjährige Händlersohn Pierre Boué (Nils Brunkhorst) haben die lebensbedrohliche Flucht gewagt und sind in den deutschen Landen angekommen. Deutsche Fürsten haben ihre Grenzen geöffnet, um die gut ausgebildeten Hugenotten anzuwerben. Viele Gebiete sind nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges fast menschenleer und sind auf neue Arbeitskräfte angewiesen. Suzanne und ihrer Familie steht ein beschwerlicher Fußmarsch bevor: Über Frankfurt am Main wollen sie quer durch die deutschen Lande bis nach Brandenburg gelangen. Pierre Boué, der spektakulär in einem Zuckerfass versteckt außer Landes geschmuggelt wurde, versucht sich in der Hansestadt Hamburg als Kaufmann einen Namen zu machen. Die Godeffroys werden in Frankfurt an der Oder schon sehnlich erwartet. Als berühmte Kaufleute sollen sie der Stadt zu neuem Glanz verhelfen. Doch vielerorts stoßen die Hugenotten auf Widerstand, und das Ankommen in der Fremde ist schwer. Werden sie in den deutschen Landen ein neues Zuhause finden? Was für Frankreich einen Verlust bedeutete, war für Deutschland ein Gewinn. Nachfahren der Hugenotten wie Theodor Fontane, Carl Benz oder Paul Wallot haben Deutschland geprägt. Ihre Spuren sind bis heute zu finden, wie das Doku-Drama eindrucksvoll beleuchtet.
05:55
George Tatirayi erinnert sich gut an die Zeit, als er es als junger Friseur schwer hatte. Frauen gingen lieber zu anderen Frauen, um sich die Haare machen zu lassen - und Männern war es ohnehin höchst suspekt, wenn ein anderer Mann den Kopf ihrer Partnerinnen berührte. Diese Zeiten sind noch nicht lange vorbei, doch inzwischen hat sich viel verändert. In den Straßen von Harare, der Hauptstadt Simbabwes, gibt es immer mehr männliche Friseure. Die Toleranz der Kundschaft ihnen gegenüber ist gestiegen - viele Frauen glauben sogar, dass Männer die besseren Friseure sind. Was für sie wie ein Segen erscheint, empfinden manche alteingesessene Friseurinnen als Problem. So auch Sandra Ciatsi. In ihrer Familie wird das Friseurhandwerk seit Generationen ausgeübt - es ist Sandras Leben und ihre Leidenschaft. Inzwischen betreibt jedoch Rasta Jabu mit seinen Kollegen einen ähnlichen Salon, nur wenige Hundert Meter weiter die Straße hinunter. Auf lange Sicht glaubt Sandra nicht daran, dass sich Männer in diesem Geschäft durchsetzen können. Sie hält deren Stil für zu eindimensional - ihr Auftreten für zu aggressiv. Hoffnung schöpft sie auch daraus, dass die traditionellen Friseurschulen weiterhin mehr Frauen als Männer ausbilden. Und doch spürt jeder in der Branche: Etwas ist im Umbruch. Wie tiefgreifend diese Veränderungen sein werden, zeigen die kommenden Jahre. Sandra fühlt sich gewappnet. Dass auch ihr direkter Konkurrent Jabu sich selbst als bestens gerüstet sieht, beunruhigt sie nicht. Behauptet sie zumindest ...
06:50
(1): Eine kulinarische Kuriosität aus Québec: Pizza-ghetti (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Andalusien: María Sánchez, Feministin vom Lande (2): Puerto Rico: Rebellischer Reggaeton (3): Zypern: Androullas Schweinefleisch mit Bulgur (4): La Roque-sur-Pernes: Eine neue Heimat für die Banater Schwaben
08:05
(1): Kosovo: Kaltrina Krasniqi träumt von der Unabhängigkeit (2): Rouen: Jeanne d'Arc, eine weibliche Ikone (3): Bali: Wayans scharfes Hähnchen (4): Ägypten: Eine revolutionäre Messmethode
08:55
Der Rialtomarkt ist seit jeher der Stolz der echten Venezianer und der Ort, an dem sie ihre frischen Lebensmittel kaufen. Viele der Köstlichkeiten, die Teil der kulinarischen Tradition von Venedig sind, werden mit dem Boot direkt von den nahe gelegenen Inseln Sant'Erasmo und Le Vignole geliefert: Artischocken, Riesentomaten, Jujube-Früchte. Der "späte" Radicchio stammt aus dem Marschland nördlich von Venedig, während Tintenfische, Muscheln und Meeresfrüchte von der anderen Seite der Lagune kommen - von Fischerdörfern wie San Leonardo, der Insel Burano oder sogar von den dem Meer zugewandten Felsen der Giudecca-Inseln. Ursprünglich war der Rialtomarkt in verschiedene Abteilungen unterteilt, die nach den dort angebotenen Produkten benannt waren. Nur der 1907 erbaute Fischmarkt, die Pescheria, befindet sich in einer überdachten Halle mit maritimem Dekor. Ansonsten besteht der Markt auch heute noch vorwiegend aus offenen Piazze, engen Gassen, provisorischen Ständen und Geschäften mit direktem Zugang zum Canal Grande, wo die Produkte leicht entladen werden können. Der Rialtomarkt ist nicht nur für seine lokalen Produkte bekannt, sondern auch, weil man hier bereits vor Jahrhunderten Gewürze, Tee und Trockenfrüchte aus aller Welt bekam, die es sonst in Europa nicht gab. Diesen Einfluss merkt man den vielen lokalen Gerichten der Stadt deutlich an, darunter eine Leibspeise vieler Venezianer, die berühmten Sarde in Saor, Sardinen "mit Geschmack". Ein Besuch des Rialtomarktes ist eine Entdeckungsreise durch die gesamte Lagune von Venedig. Ein Genuss für Augen und Gaumen!
09:50
Die Markthallen von Dijon sind ein lichtdurchflutetes, riesiges Areal mit über 700 Ständen, die sich auf vier Pavillons verteilen. Gerade groß genug für die kulinarische Vielfalt, die die Region Burgund zu bieten hat. Die Atmosphäre der Markthalle, die vor 150 Jahren im gleichen Stil wie die berühmten Pariser Hallen erbaut wurde, macht das Einkaufen zu einem wahren Vergnügen, zu dem auch unbedingt der Verzehr des einen oder anderen kleinen Snacks direkt vor Ort gehört. An den äußeren Ständen, die sich an der Peripherie des Gebäudes befinden, werden tierische Produkte angeboten, darunter eine große Auswahl an Fleisch, Geflügel und Wurstwaren, wie der berühmte Dijoner Petersilienschinken. In der Mitte werden Pilze verkauft, die je nach Saison lokal geerntet werden, Bio-Obst und -Gemüse sowie eine beeindruckende Käsevielfalt. Das Burgund und die angrenzende Jura-Region weisen den höchsten Anteil an Biobauernhöfen in Frankreich auf. Die Landwirtschaft zieht heute viele engagierte junge Leute an, die an einen nachhaltigeren Lebensstil glauben, zu dem auch der Direktverkauf auf dem Markt gehört. Stolz erklären die Händler, wie die Mönche, die in den Abteien der Côte d'Or leben, ihren Käse herstellen und zur perfekten Reife bringen, wie die Bauern die Schwarzen Johannisbeeren für die berühmte Crème de Cassis ernten und wie die Schnecken "à la bourguignonne" zubereitet werden: nämlich mit Butter und Petersilie. In Dijon gibt es viel mehr zu entdecken als nur den berühmten Senf oder den beliebten würzigen Lebkuchen.
10:40
Eine Reise zu den Anfängen des Speiseeises: von chinesischem und arabischen Schneesorbets bis zur Erfindung der ersten Kühlmethoden mit Eis-Salz-Mischungen in Eiskellern - denn: ohne Eis kein Eis! Von da war es nicht mehr weit zum italienischen Gelato und den ersten Kühlschränken. Der technische Wandel ließ Eis vom Luxus- zum Alltagsprodukt werden. Im schwedischen Västerbotten besuchen wir eine Familie, die die Milch ihrer Kühe mit der Hand zu Eis verarbeitet. Lucie zeigt ein schlichtes Rezept für eine spektakuläre Eistorte und wie Eis auch ohne eine Maschine cremig wird. Bei einer Blindverkostung wagt sie sich an ungewöhnliche Sorten: Wie wär's mit Colablatt- und Estragon-Eis? Außerdem erklären Expertinnen, warum Gehirnfrost entsteht und wie man den Schmerz schnell wieder loswird.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Sansibarisches Blattgemüse in Kokosmilch: Mchicha wa nazi (2): Ein Biss'chen Heimat: Dina, von Sansibar nach England (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Peru: Virgilio Martínez, neue Küche mit Tradition (2): Istanbul: Anadolu Rock, der Sound der Freiheit (3): Österreich: Walters Topfenknödel (4): Banyuls-sur-Mer: Fotos aus der Tiefe
13:10
(1): Elfenbeinküste: Frédéric Bruly Bouabré, der malende Prophet (2): Portugal: Wenn Pferde zum Tanz bitten (3): Spanien: Rosas geschmorte Schweinebäckchen (4): Polen: Eine gesalzene Sprechstunde
14:00
15:35
Laikipia County, Kenia: Obwohl sich das familiäre Zusammenleben bei Grevy- und Steppenzebras grundlegend voneinander unterscheidet, gelingt es den beiden Arten, miteinander auszukommen. Ein Rudel Fleckenhyänen im kenianischen Naturschutzgebiet Masai Mara hat Zuwachs bekommen. Doch der Sohn der Matriarchin sorgt für Ärger: Der Kleine muss lernen, wo sein Platz ist. Die Familien der Gelben Spinnerameise zählen Tausende Mitglieder. Zusammen können Brüder und Schwestern erreichen, was für den Einzelnen unmöglich wäre. In der südafrikanischen Kalahari-Wüste müssen die Mitglieder einer Erdmännchen-Gemeinschaft ihre Opferbereitschaft unter Beweis stellen, um die Familienbande zu stärken.
16:20
Die Westliche Honigbiene, die zur Bestäubung der kalifornischen Mandelfelder eingesetzt wird, muss gegen Parasiten und Krankheitserreger ankämpfen, um ihre Kolonien zu erhalten. Das letzte Rudel Afrikanischer Wildhunde ist auf dem Laikipia-Plateau in Kenia zuhause. Nach einer verheerenden Epidemie müssen die seltenen Tiere ums Überleben der Gruppe kämpfen. Der Hurrikan Maria hat Spuren auf der Insel Cayo Santiago in Puerto Rico hinterlassen. Die dort lebenden Rhesusaffen passen ihre sozialen Beziehungen auf faszinierende Art und Weise an das veränderte Ökosystem an. Fort Collins, Colorado: Nachdem eine Krankheit vom Menschen auf den Schwarzschwanz-Präriehund übertragen wurde, werden möglicherweise die weniger sozialen Tiere das Überleben der Gruppe sichern.
17:05
In Radolfzell am Bodensee werden Kohlmeisen einem Persönlichkeitstest unterzogen, bei dem sich zeigt, dass sie besser zusammenarbeiten wenn verschiedene "Typen" in der Gruppe vertreten sind. Der kollektive Charakter der in den Regenwäldern Panamas vorkommenden Azteca-Ameisen-Kolonien hat einen Einfluss auf die sie umgebende Flora. Der in der Savanne Kenias beheimatete Afrikanische Elefant lebt in Sozialgemeinschaften, deren Zusammenhalt durch bestimmte Charaktereigenschaften ihrer Mitglieder, wie etwa Besonnenheit und Sanftmut, gestärkt wird - was auch die Überlebenschancen der Gruppe erhöht. Im Regenwald Ugandas bedienen sich einige Schimpansen roher Gewalt, andere dagegen ihrer Intelligenz, um in der sozialen Hierarchie ihrer Gruppe aufzusteigen.
17:50
Die Iberische Halbinsel ist für ihre traumhaften Strände bekannt - dabei ist sie auch Heimat von Hochgebirgen. Im Norden Spaniens, entlang des Atlantiks, liegen die Picos de Europa. Hier zeigt sich das Land von einer anderen Seite: grün und regenreich. Die Gegend kämpft mit Landflucht und Klimawandel. Die Gebirgswelt verwildert, da die Felder nur noch wenig bestellt werden. Und das, obwohl seit Jahrhunderten die nomadische Weideform Transhumanz aufgrund der fruchtbaren Böden Tradition hat. Heißeres Wetter bedroht zudem die Artenvielfalt. Dieser unbekanntere Teil Spaniens könnte bald mehr in den Fokus von Urlaubern geraten, weil es am Mittelmeer im Sommer zu heiß wird. Die Picos de Europa sind eine keltisch geprägte Region, deren Stimmung oftmals eher an Irland als an Südeuropa erinnert, und in der alte Bräuche fortleben. So gehen junge Schäfer der Transhumanz nach, wenn auch anders als in den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Weiden der Tiere ist eine Waffe gegen Waldbrände, die durch Hitze und Dürre ausgelöst werden. Öko-Bauern produzieren Gamoneu-Käse, der Monate lang in Höhlen reift - und für den die Beständigkeit der Temperatur ein Muss ist. Der Klimawandel fordert Flora und Fauna der Picos de Europa heraus: eine Biologin überwacht Schmetterlingspopulationen, die Tiere sind wichtige Bio-Indikatoren. Und Experten versuchen, den Bartgeier zu erhalten, den größten Vogel Europas. Die wachsende Zahl von Mücken, auch in Hochlagen, setzt dem Tier zu: Sie können es mit Krankheiten infizieren.
18:35
Es ist das höchste Gebirge Norwegens und Skandinaviens - und seit Jahren immer wärmerem Wetter ausgesetzt: Jotunheimen, deutsch: das Heim der Riesen. Eine mythische Landschaft zwischen schneebedeckten Gipfeln, Holzkirchen und imposanten Bergseen. Ein stiller Rückzugsort, der aber immer mehr auch von Touristen besucht wird. Denn der Klimawandel erschwert den Urlaub im Süden Europa mancherorts, wegen zu großer Hitze. "Coolcation" dagegen - eine Mischung aus "cool" und "vacation" - ist ein Trend, der auf den Gletschern und Fjorden dieser Gebirgskette zu spüren ist. Und ihr Ökosystem unter Druck setzt. Im Mittelpunkt dieser Dokumentation stehen Menschen, die sich an neue Gegebenheiten anpassen müssen. Der Betreiber eines Sommerskizentrums muss immer mehr Kunstschnee produzieren, junge Bergsteigerinnen stellen beim Klettern fest, dass manche Routen nicht mehr begehbar sind. Denn die Gletscher sinken ab, massive Felsen kommen zum Vorschein. Lachsfischer müssen den Fischbestand selbst kontrollieren und aktiv Artenschutz leisten, um überhaupt weiter angeln zu können. Und schließlich besucht diese Episode auch eines der nördlichsten Weingüter der Welt am Sognefjord. Eine Reise durch Nordeuropa, wie man es so nur selten sieht - zum Zeitpunkt einer historischen Hitzewelle im Sommer 2025. So warm wie während der Dreharbeiten war es in Jotunheimen seit rund 150 Jahren nicht mehr. Noch hält die Waldgrenze auf nur rund 1.100 Metern; die spärliche Vegetation in Höhenlagen erinnert daran, wo man sich in Norwegen geografisch befindet. Aber wie lange noch?
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Die Einwohner von Vjazhi, 350 Kilometer südwestlich von Moskau, freuen sich auf ihre neue Ärztin. Zu Sowjetzeiten war Vjazhi ein blühendes Dorf, heute leben hier nur noch rund 200 Menschen, überwiegend ältere Frauen. Die Jüngeren sind weggezogen, dorthin, wo es Arbeit gibt. Vjazhi ist kein Einzelfall. Deswegen hat Russland ein Förderprogramm für den ländlichen Raum aufgelegt. Dazu gehört auch medizinische Versorgung. Die junge Ärztin Julia L. siedelt sich in Vjazhi an. Die Reportage begleitet Julia in ihren ersten Arbeitstagen. Sie kommt frisch von der Uni. "Am ersten Tag fühlte ich mich wie ein Kind, dem man Süßigkeiten gekauft hat. Oder ein Spielzeug", erzählt Julia. "Man will alles sehen, alles entdecken, etwas Eigenes anfangen." Im Nachbarort Odinok arbeitet Anastasia S. schon seit zwei Jahren als Dorfärztin. Sie muss das ganze medizinische Spektrum abdecken, auch Notfälle. Das wird auch auf Julia zukommen. Die Reportage bietet seltene Einblicke in das alltägliche Leben in der russischen Provinz. Dort, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Wo alles nach Sowjetunion aussieht. Doch gleichzeitig ist die Gegenwart ganz nah. Die Region liegt im Grenzgebiet zur Ukraine. Fast täglich gibt es ukrainische Drohnenangriffe. Das sei beängstigend, erzählt Anastasia. "Wer weiß, ob die Drohne vorbeifliegen wird oder hier irgendwo einschlägt. Das ist schrecklich." Und Julia hat Angst um ihren Bruder. 2022 wurde er zwangsmobilisiert und kämpft seitdem als Soldat in der Ostukraine.
20:15
Weltweit ziehen sich Gletscher immer schneller zurück. Forschende versuchen zu verstehen, warum sich dieser Prozess beschleunigt - und schlagen Alarm. Die Dokumentation begleitet Wissenschaftler, Diplomaten, Politiker und Bürger, um die Herausforderungen des Gletscherschwunds zu verstehen. Gletscher gehören zu den verlässlichsten Klimaindikatoren der Natur. Bis 2050 wird voraussichtlich ein Drittel der Welterbe-Gletscher infolge der Erderwärmung verschwunden sein. Die Schmelze destabilisiert Gebirgszüge und bedroht die Wasserversorgung von zwei Milliarden Menschen. Ohne Gletscher geraten Landwirtschaft, Industrie und Energieversorgung unter Druck - in Europa ebenso wie in den Anden und im Himalaya. In Zentralasien führt Wasserknappheit bereits heute zu politischen Spannungen. Doch betroffen sind nicht nur Hoch- und Gebirgslagen, denn Gletscher regulieren das Klima weltweit. Ihr Rückzug verändert Meeresströmungen, beschleunigt den Anstieg des Meeresspiegels und führt zu dramatischen Veränderungen der globalen Ökosysteme. Angesichts der akuten Bedrohung kalter Klimazonen riefen Uno und Unesco die Aktionsdekade der Kryosphärenwissenschaften (2025-2034) aus. Der Bergsturz des Birchgletschers im Schweizer Blatten im Mai 2025 war der Auslöser für Pierre-Olivier François und Judith Rueff, sich intensiv mit der Gletscherkrise zu befassen. Ihr Film untersucht die Folgen eines unwiederbringlichen Gletscherschwunds. 3D-Animationen und Karten machen das globale Ausmaß sichtbar. Spektakuläre Aufnahmen unter Extrembedingungen würdigen die fragile Schönheit der Eisriesen.
21:45
Der bis in die Mammutzeit zurückreichende arktische Permafrostboden taut heute schneller auf als je zuvor. Mit dem Untergrund sackt auch die von Menschen errichtete Infrastruktur ab: Häuser bekommen Risse, Straßen verformen sich, ganzen Gemeinschaften wird förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Sowohl Nikita aus Ostsibirien als auch Martha aus Nordalaska erleben hautnah, wie ihre Welt buchstäblich zerfällt. Doch die Krise beschränkt sich nicht auf die Dörfer, in denen die beiden leben. In dem vereisten Boden sind enorme Mengen prähistorischer Flora und Fauna eingeschlossen, deren nun beginnende Zersetzung Kohlendioxid und Methan freisetzt. Diese Treibhausgase heizen den globalen Klimawandel weiter an. Die einst großen Klimaversprechen der Weltpolitik schwanden im Zuge von Kriegen und globalen Wirtschaftskrisen dahin. Das Thema "Energiesicherheit" steht heute ganz oben auf der Agenda der Regierungen. Deshalb gibt es immer mehr Bohrungen in der Arktis - einer Region mit riesigen, bislang unerschlossenen Rohstoffvorkommen. Russland treibt die Öl- und Gaserschließung trotz internationaler Sanktionen in Sibirien voran, während die USA in unmittelbarer Nähe von Marthas Heimatdorf ein großangelegtes Bohrprojekt genehmigten. Wissenschaftler schlagen Alarm: Die Arktis erwärmt sich viermal schneller als der globale Durchschnitt. Sie warnen vor Kipppunkten und unumkehrbaren Rückkopplungseffekten, doch angesichts kurzfristiger politischer und wirtschaftlicher Interessen verhallen ihre Stimmen ungehört. Die Geschichten von Nikita und Martha sind mehr als lokale Schicksale. Sie gelten als letzter Weckruf aus dem hohen Norden - an die gesamte Menschheit.
23:10
Ende des 19. Jahrhunderts ist der Nordpol ein weißer Fleck auf der Landkarte - Sinnbild für Abenteuer, Ruhm und wissenschaftlichen Fortschritt. Am 11. Juli 1897 starten die Schweden August Salomon Andrée, Nils Strindberg und Knut Frænkel von der Inselgruppe Spitzbergen nördlich von Norwegen in einem Wasserstoffballon ihre Nordpol-Expedition. Die ganze Welt schaut zu, ihr Heimatland hält den Atem an. Nachdem Brieftauben einige optimistische Nachrichten überbracht haben, bricht plötzlich der Kontakt ab. Es folgen 33 Jahre Funkstille. Zahlreiche Bücher und Presseartikel spekulieren über das Verschwinden der Entdecker und überbieten sich mit den wildesten Erklärungen. Am 6. August 1930, nach einem außergewöhnlich heißen Sommer mit starkem Eisrückgang, stoßen Robbenjäger auf der Insel Kvitøya - der "Weißen Insel" im äußersten Norden des Spitzbergen-Archipels - auf die Überreste der Expedition. Im Schnee befinden sich perfekt konservierte Körper sowie die gesamte Ausrüstung: Hunderte Gegenstände, darunter Morphin und Opium, aber auch intakte Notizbücher und Fotofilme mit 240 Aufnahmen, von denen 93 gerettet werden können. Was verraten diese Fotografien und sorgfältig geführten Tagebücher über die Expedition? Wie gelangten die drei Männer auf diese Insel - und wie, wann und warum starben sie? Geisterhaft anmutende Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Tagebuchfragmente rekonstruieren den Verlauf der legendären Andrée-Expedition und ihr rätselhaftes Ende. Vor Ort, in derselben kargen und grauen Landschaft, suchen heute drei Personen nach Erklärungen: Der schwedische Fotografie-Historiker Tyrone Martinsson, die französische Schriftstellerin Hélène Gaudy und die schwedische Autorin und Ärztin Béa Uusma. Immer noch bleiben viele Fragen offen. Doch wo liegt die Wahrheit - und muss man ihr auf den Grund gehen? "Gestrandet im ewigen Eis" ist ein archäologischer Thriller. Die Dokumentation rekonstruiert mithilfe mystisch wirkender Schwarz-Weiß-Bilder und heutiger Landschaftsaufnahmen die letzten Etappen der legendären Andrée-Expedition. Drei Experten begeben sich vor Ort auf Spurensuche - doch trotz neuer Erkenntnisse bleiben Fragen offen.