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Seit der Uraufführung 1876 in Bayreuth zieht Richard Wagners "Ring des Nibelungen" das Publikum in seinen Bann - als Musikmonument, mythisches Welttheater und Werk permanenter Neudeutung. Zugleich bleibt der "Ring" hoch umstritten: Kaum ein anderes Musikdrama ist so stark mit ästhetischen, politischen und kulturellen Zuschreibungen aufgeladen. Die Dokumentation "Die Macht des Rings" erzählt von Wagners Vision eines radikalen Gesamtkunstwerks, das Musik, Dichtung, Bühne und Mythos zu einer neuen Kunstform verschmelzen sollte. Die Dokumentation verfolgt die Wirkungsgeschichte dieses Projekts von seiner Entstehung im 19. Jahrhundert über die ideologische Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten bis zu seiner popkulturellen Aneignung in Hollywood und der enthusiastischen Rezeption im Heavy Metal. Zugleich zeigt die Dokumentation die Spannbreite der Inszenierungsgeschichte: vom legendären "Jahrhundert-Ring" von Regisseur Patrice Chéreau und Dirigent Pierre Boulez, der 1976 in Bayreuth einen Paradigmenwechsel auslöste, bis zu experimentellen Formen der Gegenwart. Immer wieder erweist sich der "Ring" auch als Spiegel seiner Zeit - offen für historische Brüche, ästhetische Innovationen und neue Deutungen. So spannt die Dokumentation den Bogen bis zur KI-gestützten Bayreuther Inszenierung 2026 und veranschaulicht: Jede Generation entdeckt ihren eigenen "Ring", deutet ihn um und reflektiert ihn aus zeitgenössischer Perspektive.
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Die Handlung um Götter, Riesen und das verzauberte Rheingold wird in diesem radikalen Narrativ des "Rheingold" um die Suche nach neuen Idealen erweitert. Die zentralen Themen von Richard Wagners Musikdrama um Macht, Verlust, Begehren und Hoffnung verknüpft Serebrennikov in seiner Erzählform mit der Frage nach Identität und einem Neuanfang in einer brüchigen ökologischen und kulturellen Welt - und öffnet sie so einem heutigen Publikum. Kirill Serebrennikow verfolgt einen Deutungsansatz, der archaische Elemente des Wagnermythos' mit Bildwelten und kulturellen Artefakten aus unterschiedlichen Traditionen verwebt. Zur Konzeption gehören neben zusätzlichen, doubelnden Darstellern imposante Ausstattungsimporte aus Afrika. Feuergott Loge trägt einen knallbunten Rock, zaubert beim Erzählen schwarzafrikanische Holzplastiken aus einem Zelt hervor. Die Bewegungen tanzender Performer sind an kongolesische Tänze und Breakdance adaptiert. Endzeitstimmung vermitteln mobile Projektionen mit Szenen eines in Island gedrehten Films, in dem Alberich einsam über eine öde Landschaft aus Lava, Geröll und Eis jagt. Kein Rhein, keine Rheintöchter - Serebrennikovs Regie-Version bewegt sich in Maximalkontrasten: Nord - Süd, Feuer - Eis, Kälte - Hitze. Es entsteht ein transkulturelles Gesamtkunstwerk, das einen Bogen spannt über Kontinente und Zeiten, um Wagners Musik eine mehrschichtige Dimension zu geben. Der renommierte Liedsänger Christian Gerhaher verkörpert in Salzburg den Rheingold-Wotan. Leigh Melrose singt die Rolle des Alberich und Brenton Ryan brilliert als wendiger Loge.