22:05
Seit mehr als 40 Jahren verbindet die beiden spanischen Stars der Filmbranche Antonio Banderas und Pedro Almodóvar eine außergewöhnliche künstlerische Beziehung. Auch wenn Banderas durch seine US-amerikanische Karriere zum weltweit wohl bekanntesten spanischen Schauspieler wurde, so zeigte und zeigt sich sein wahres Können in den Werken Almodóvars. Acht Filme drehte er mit dem Enfant terrible des spanischen Kinos. Die beiden Männer begegnen einander im wilden Madrid der 1980er Jahre, in den Jahren der sogenannten Movida, aus denen Almodóvars symbolträchtigste Filme hervorgingen. Banderas und seine Männlichkeit inspirieren den Regisseur, lassen ihn zu seiner Muse werden, die all seinen Sehnsüchten Gestalt zu verleihen vermag - in einem provokanten, innovativen Kino des Begehrens, das die Grenzen der Geschlechter verschwimmen lässt. Anfang der 1990er Jahre verlässt Banderas seinen Mentor, um in den USA Karriere zu machen und dort zum Inbegriff des Latin Lovers zu werden. Almodóvar hingegen bleibt dem europäischen Kino treu und wird mehr denn je zum Filmemacher der Frauen mit Stoffen, die das Publikum mitten ins Herz treffen. Erst 20 Jahre später finden die beiden wieder zueinander, in Almodóvars verstörendem Melodram von 2011 "Die Haut, in der ich wohne". Acht Jahre später entsteht "Leid und Herrlichkeit" mit Banderas in der Rolle eines Filmregisseurs, der an einem Wendepunkt in seinem Leben zurückblickt - unverkennbar Almodóvars Alter Ego. Aus der Verschmelzung der beiden Charaktere Banderas und Almodóvar wird ein mehrfach preisgekröntes Meisterwerk.
22:55
Nicaragua, 2020: Wahlkampf und Covid-Pandemie. Trish ist als US-Journalistin ins Land gekommen, doch nun steckt sie fest. Ihr Pass ist weg, das Geld ebenso, und nach einem kritischen Bericht gerät sie ins Visier der Behörden. In einem Klima aus Willkür, Überwachung und latenter Gewalt versucht sie, sich mit Hilfe von Improvisation, Lügen und dem einzigen Pfand, das ihr bleibt, durchzuschlagen: mit Nähe als Währung, um an Dollars, Schutz und eine Möglichkeit zu gelangen, das Land zu verlassen. Im abgeschirmten Mikrokosmos eines internationalen Luxushotels sucht Trish nach einem Ausweg. Dort trifft sie Daniel, einen britischen Geschäftsmann, der sich als kultivierter Fremder zwischen Diplomatie, Wirtschaft und Geheimnissen bewegt. Trish hält ihn für ihre Rettung: jemand mit den richtigen Papieren, den richtigen Kontakten, dem richtigen Abstand zur nicaraguanischen Realität. Doch je näher sie einander kommen, desto deutlicher wird, dass auch Daniel eine Rolle spielt. Was als pragmatische, interessengeleitete Verbindung beginnt, entwickelt sich zu einer leidenschaftlichen Affäre, die Trish Halt gibt, sie aber zugleich tiefer in ein undurchschaubares Geflecht zieht. Als der Druck von außen wächst, versuchen beide, das Land zu verlassen. Auf dem Weg Richtung Grenze wird jede Begegnung zur Probe: Was ist ehrlich, was ist Manipulation? Was ist Begehren, was Strategie? Trish klammert sich an Daniel, weil sie ohne ihn kaum Handlungsspielraum hat und sich inmitten der Bedrohung ein flüchtiges Vertrauen bildet, das jederzeit zerbrechen kann.