17:50
Menschen, die sich leidenschaftlich für die Natur und Kultur der größten Baleareninsel einsetzen - davon erzählt "Mallorca, die Königin". Bekannt für seine steilen Küsten, fruchtbaren Olivenhaine und die majestätische Serra de Tramuntana, ist Mallorca auch die Heimat des Wissenschaftlers José Roepstorff. Mit dem Projekt MedGardens versucht er, die bedrohten Neptungraswiesen rund um die Insel zu retten. Diese Unterwasserpflanzen sind essenziell für das marine Ökosystem, aber durch Tourismus und Umweltverschmutzung stark gefährdet. Mit großer Hingabe werden sie gesammelt und an geeigneten Stellen wieder angesiedelt. In den Höhen der Serra de Tramuntana arbeitet Pep Tapia von der Fundación Vida Silvestre Mediterránea unermüdlich für den Schutz der Mönchsgeier. Diese majestätischen Vögel waren einst vom Aussterben bedroht - dank der Anstrengungen von Naturschützern leben heute wieder rund 350 Exemplare auf der Insel. Mit Kameras überwachen die Forscher die Geier und dokumentieren ihre Lebensweise, um ihren Fortbestand zu sichern. In Capdepera bewahren die Ses Madones de sa Llata eine alte Handwerkskunst: das Flechten von Körben und anderen Gegenständen aus Palmblättern. Antonella Farris und Araceli Iranzo haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese jahrhundertealte Tradition zu erlernen und weiterzuführen - damit das Wissen der letzten Korbflechterinnen an kommende Generationen weitergegeben werden kann. Die Dokumentation zeigt auch Mallorcas kulturelles Erbe - von den maurischen Terrassen bis zur modernen Küche, in der traditionelle Speisen wie das Gebäck Ensaïmadas und die Rohwurst Sobrasada nach wie vor eine wichtige Rolle spielen.
18:35
Menorca ist der östlichste Punkt Spaniens im Mittelmeer. Oft wird die Insel als kleine Schwester von Mallorca bezeichnet - dabei hat sie einen ganz eigenen Charakter. Sie bezaubert mit türkisfarbenem Wasser, unberührter Natur, geologischer Vielfalt und vielen Besonderheiten, die es nur hier gibt. Obwohl sie nur ein Fünftel der Nachbarinsel Mallorca misst, spielte sie im Mittelmeer seit jeher eine strategisch wichtige Rolle. Araber, Briten und Franzosen rangen um die Vorherrschaft über den Hafen der Hauptstadt Mahón, bis die Insel 1802 spanisch wurde. Der rund sechs Kilometer lange Naturhafen gilt als einer der größten Europas und war stets ein begehrtes Ziel der Seemächte. Noch heute zeugen zahlreiche historische Befestigungsanlagen an der majestätischen Hafeneinfahrt davon. Die Jahrtausende alten Talayot-Siedlungen sind ein Relikt der bewegten Geschichte der Insel. Die hohen Steintürme aus der Bronzezeit geben bis heute Rätsel auf. Aus der Talayot-Kultur stammten auch die gefürchteten Steinschleuderer, die der Inselgruppe vermutlich ihren Namen gaben, denn "Balearen" heißt übersetzt "Steinschleuderkämpfer" - sie sollen sogar für die Römer in den Krieg gezogen sein. Heute ist das traditionelle Steinschleuderschießen ein friedlicher Volkssport auf Menorca - ebenso wie das Reiten. Die Insel hat sich ihre ganz eigene Kultur bewahrt: Mit traditionell hergestellten Sandalen, aromatischem Käse und einer eigenen Pferderasse betonen die Menorquiner ihren Stolz auf die Heimat.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
"Ich bin nun mal eine Rampensau", sagt die 80-jährige Marianne, "ich muss immer mit den Leuten reden", - und führt zwei junge Gäste mit vielen Piercings an einen Tisch im Wiener Café "Vollpension". Als sogenannte Oma vom Dienst begrüßt sie alle Gäste und erklärt ihnen das besondere Konzept des Cafés: "Hier backen Omas und Opas, um ihre schmale Pension aufzubessern. Und wir wollen, dass Alt und Jung mehr miteinander reden." Den Kuchen müssen sich die Gäste dann selbst am Tresen holen, wo Back-Oma Katrin ihre über Jahrzehnte erprobten Bananenschnitten anpreist, während ihre Kollegin Resi gerade einen Apfelstrudel in den Ofen schiebt. Ohne den Zusatzverdienst beim Café "Vollpension" müsste Resi mit knapp 1.100 Euro Rente auskommen. Frauen erhalten in Österreich im Schnitt 40 Prozent weniger Rente als Männer, Altersarmut ist hier vor allem weiblich. Im Service des Cafés arbeiten Studentinnen und Studenten, in der Verwaltung ein junges Team, zu dem auch Karin gehört. Sie schätzt die Zusammenarbeit mit den Senioren und Seniorinnen sehr: "In welchem Unternehmen kann man schon seiner Kollegin zum 80. Geburtstag gratulieren?", fragt sie. Gerade plant Karin eine große Tour: Die "Vollpension" will ihren Gedanken des Generationencafés weitertragen in andere österreichische Städte. So soll in Bad Ischl für ein paar Tage ein Pop-up-Café eingerichtet werden, die Back-Omas aus Wien werden dort in ungewohnter Umgebung arbeiten. "Alles kann schiefgehen, auch gesundheitlich", sagt Karin. Aber Marianne freut sich drauf: "Ich bin dann bestimmt so sehr mit allem beschäftigt, dass ich vergesse, wo es mir überall wehtut."
20:15
Die Wartburg gilt als renommierteste Festung Deutschlands und verkörpert seit annähernd 1.000 Jahren deutsche Kultur und Identität. Gegründet wurde sie um 1067 von Ludwig dem Springer. Das einzigartige Bauwerk erfährt in den folgenden Jahrhunderten diverse Erweiterungen, Umbauten und Renovierungsphasen. Die Wartburg wird immer wieder beschossen, vom Blitz getroffen oder von verheerenden Bränden heimgesucht. Um den Verfall aufzuhalten, wird sie stetig instandgesetzt, meist besser als zuvor. Die Burg ist Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse: Im 13. Jahrhundert lebt hier die Heilige Elisabeth von Thüringen. Sie gibt ihr Leben als Adlige auf und widmet sich der Armenpflege. Der berühmte Sängerkrieg, ein Wettstreit der Minnesänger, findet im Palas statt und beeinflusst nachhaltig die deutsche Kultur. Im 16. Jahrhundert sucht Martin Luther auf der Wartburg Zuflucht, übersetzt hier 1521 und 1522 das Neue Testament ins Deutsche. Damit stellt Luther die Weichen für die Reformation, die nicht nur seine Zeit, sondern große Teile der Welt verändert. 1817 wird die Burg mit dem Wartburgfest zum Symbol nationaler Einheit und des Strebens nach Freiheit und Gleichheit. Unter den Nationalsozialisten wird sie politisch umgedeutet und missbraucht. Heute ist die Wartburg ein Symbol für die Verbindung von deutscher Architektur, Geschichte und Kultur. Sie ist Zeugnis deutscher Vergangenheit und schenkt nach wie vor Hoffnung für eine Zukunft in Freiheit und Demokratie.
21:40
Der Warschauer Kulturpalast ist mehr als Stein und Fassade - er ist eine Last und ein Erbe zugleich. Als "Geschenk Stalins" in den 1950er Jahren errichtet, galt er vielen Polinnen und Polen lange als Fremdkörper, als Symbol der Unterwerfung unter die Sowjetunion. Und doch ist er heute, Jahrzehnte später, nicht mehr aus der Skyline der Stadt wegzudenken. Er verkörpert die Ambivalenz einer Nation, die ihre Geschichte nicht verdrängen, sondern neu erzählen muss. Die Dokumentation nähert sich dem Palast über die Menschen, die ihn mit Leben füllen: Schauspielerinnen, die im Theater zwischen Prunk und Vergangenheit auftreten; Jugendliche, die ihn zu ihrem Treffpunkt machen, als sei er längst ihrer Generation überlassen; sowie Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten dem Palast treu geblieben sind und mehr in seinen Wänden sehen als Macht und Kontrolle. So entsteht das Porträt eines Hauses, das widersprüchlicher kaum sein könnte: ein Monument, das einst Macht demonstrieren sollte und nun Teil polnischer Identität ist - schmerzlich, vertraut, umkämpft. Die Dokumentation ist eine leise, zugleich eindringliche Erkundung der Frage, wie Architektur Gefühle prägt, wie Erinnerung durch Räume wirkt - und wie Menschen ein Bauwerk, das ihnen einst aufgezwungen wurde, Schritt für Schritt zu ihrem eigenen machen.
22:25
Ein wackeliges Handyvideo geht viral und macht sie zur Heldin: Zu sehen ist, wie Alex Irving unerschrocken einem Amokläufer entgegentritt und ihn davon abhält, weitere Menschen niederzuschießen. Die mutige Tat zieht die Aufmerksamkeit der konservativen Premierministerin Rachel Anderson auf sich. Sie möchte Alex, die sich seit Jahren in ihrer Kleinstadt für die Belange der indigenen Community engagiert, in den Senat berufen. In sieben Monaten sind Wahlen und ihr fehlt in der Bevölkerung wie auch in der eigenen Partei der Rückhalt. Alex lehnt zunächst ab, willigt aber ein, als Anderson ihr verspricht, dass sie ihre politische Position im Kampf für mehr Rechte für die Aborigines einsetzen kann. Schnell wird Alex klar, dass sie als Quoten-Aborigine fungieren und von der Partei an der kurzen Leine gehalten werden soll. Doch als sie vom - mutmaßlich gewaltsamen - Tod einer indigenen Jugendlichen in Haft erfährt und ihre Mutter ihr berichtet, dass die eigene Community sie für eine Verräterin hält, ersinnt Alex eine andere Strategie ...
23:15
Die indigene Senatorin Alex muss ihre Verhandlungsstärke unter Beweis stellen, als die australische Regierung von den USA aufgefordert wird, einen neuen Militärstützpunkt auf dem Land der Aborigines zu errichten. Alex macht sich auf den Weg in ihre Heimatstadt Winton, um gegenüber ihrer Community in die Waagschale zu werfen, was ihr von der Premierministerin zugesagt wurde: großzügige Abfindungen, eine bessere medizinische Versorgung und die Aussicht auf Arbeitsplätze. Doch innerhalb der Regierungspartei eskalieren die Spannungen, und ehrgeizige Parteimitglieder bringen sich in Stellung, um die Premierministerin anzugreifen und den Winton-Deal zu torpedieren. Währenddessen trampt die aus der Haft ausgebrochene Teenagerin Jess durch das Outback, um Alex in Canberra zu treffen und von der indigenen Senatorin Hilfe zu erhalten - der einzigen Person, der sie das brisante Geheimnis um den Tod ihrer Freundin Marcie anvertrauen kann. In Alex keimt unterdessen der schreckliche Verdacht, dass ihre eigene Regierung womöglich in die Vertuschung eines tödlichen Gewaltakts verwickelt ist ...