17:05
Neuseeland ist voller Gegensätze. Während der Norden sonnig und warm ist, zeigt sich der Süden kalt und wechselhaft. An manchen Tagen laufen alle vier Jahreszeiten auf einmal innerhalb von 24 Stunden ab. Die Küsten der Inseln sind geprägt von orkanartigen Winden, die Gletscher reichen bis ans Meer, und in den schroffen Bergen der Südalpen müssen Tiere tagtäglich mit Eis und Schnee ringen. Wer in diesem Reich der Extreme lebt, muss anpassungsfähig, robust und clever sein. Keas sind berühmt für ihren Spieltrieb - doch sie sind auch findige Jäger, die mit den harschen Bedingungen der Berge gut zurechtkommen. Neuseeländische Seelöwenweibchen dagegen sind eher zurückhaltende Charaktere. Sie säugen ihre Jungen im Schutz einsamer Dünenwälder, um sie vor aggressiven Robbenbullen zu schützen. Folgt man kleinen Bachläufen zu ihrem Ursprung, entdeckt man tief in verborgenen Felsgrotten ein zauberhaftes Feenreich unter einem Firmament aus trügerischen Irrlichtern. Verursacht werden sie von kleinen Mückenlarven, die mit langen Fangfäden und selbst erzeugtem Licht nach Insekten angeln. Der Meister der Anpassung aber ist die Weta, eine Heuschrecke, die so groß ist wie eine Maus. Ihre Überlebensstrategie lässt sie scheinbar von den Toten auferstehen.
17:50
Gleich hinter der Bucht der Somme beginnt die berühmte Alabasterküste. Ihre weißen Kreidefelsen sind Ikonen der Normandie. Doch sie bröckeln - und der Klimawandel verschärft die Erosion. Imen Turki und Nicolas Lecoq erforschen die Dynamik der Kieselstrände, die hier so typisch sind. Sie wollen herausfinden, wie man Natur und Mensch an der fragilen Küste besser schützen kann. Weiter westlich, an der Blumenküste, liegen die mondänen Strandbäder Deauville, Trouville und Cabourg. Typisch für die normannische Seebad-Architektur: die prächtigen Dachspitzen, die die Häuser krönen. Sie werden noch heute in der Töpferei Mesnil de Bavent von Hand gefertigt, einer der letzten Traditionswerkstätten der Region. Auf den steilen Kreidehängen im Tal der Seine sind Nicolas Valy vom Botanischen Institut der Normandie und seine Kolleginnen unterwegs, um Samen von seltenen Pflanzen für die nationale Samenbank einzusammeln. Ganz im Süden der Normandie trainieren Thomas Bellefontaine und Jeanne Tornier ihre Percheron-Pferde für Zuchtwettbewerbe. Die legendären Kaltblüter, die einst die Pariser Omnibusse zogen, erleben eine Renaissance als Freizeittiere. Gleich nebenan haben sich Paulo Ferreira und Nathalie Leuliet der nachhaltigen Küche verschrieben. Sie besuchen Produzenten in der Umgebung, denn ihre Gerichte sollen so lokal wie möglich sein. Im Domfrontais macht Sébastien Roullier mit seiner Wanderbrennerei beim Obstbauern Jérôme Lecrosnier Station, um Calvados zu brennen. Nur noch wenige dieser fahrbaren Destillen reisen von Hof zu Hof. Südlich von Le Havre liegt das Marais-Vernier, ein einzigartiges Feuchtgebiet. Hier untersucht Clémentine Camus, wie sich das Moor entwickelt, während der Ornithologe Géraud Ranvier auf Lauschtour unterwegs ist, um herauszufinden, welche Vögel gerade im Naturschutzgebiet nisten.
18:35
Am Mont-Saint-Michel formen die Gezeiten eine Landschaft, die sich mit jeder Flut neu schreibt. Mit ihren langen Stränden ist die Region auch Land der Pferde. Hier werden Traber und Springpferde gezüchtet, die weltweit erfolgreich sind, aber auch Verletzungen kennen. Pferdetherapeutin Marine Siron nutzt die Kraft des Meeres und ihr Fingerspitzengefühl zur Heilung der Vierbeiner. An der Steilküste von Granville sammelt Köchin Sarah Herpin Wildkräuter. Gegenüber, auf dem Insel-Archipel Chausey mit seinen weißen Sandstränden, untersuchen Lisa Lefrançois und Frédérik Chevallier die Auswirkung des Bootsverkehrs auf das verborgene Unterwasserparadies der Seegraswiesen. Weiter nördlich lichtet Fotograf Philippe Fauvel Landschaften der Superlative ab. Acht Flussmündungen bilden dynamische Ökosysteme voller Farben und Formen. Ihr Erscheinungsbild wandelt sich ständig im Zusammenspiel von Gezeiten, Licht und Wetter. Im Norden der Halbinsel beginnt das Cotentin mit malerischen Orten wie Vauville. Ursprünglich, verschlafen, doch bewohnt von Menschen, die diese abgelegene Ecke Nordfrankreichs lieben. Schlossherr Eric Pellerin pflegt hier einen botanischen Garten. Subtropische Pflanzen gedeihen hier dank des Golfstroms gut. Im Naturschutzgebiet Mare de Vauville mit seinen endlosen Dünen, Tümpeln und Stränden schützt Marie-Léa Travert Flora und Fauna. Vor der Küste von Omonville-la-Rogue fängt Fischer Jules-Étienne Mauger Hummer und Seespinnen. Täglich genießt er von seinem Boot aus den Blick auf die wilde, menschenleere Küste mit ihren grünen Hügeln.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Der ehemalige Balletttänzer Sylvain Boniface hat das erste Altersheim für queere Menschen in Frankreich mitgegründet: das "Maison de la Diversité", das "Haus der Vielfalt" in Lyon. Er möchte sich in Gesellschaft anderer wohlfühlen, ohne sich als homosexuell outen zu müssen. Der 65-Jährige ist alleinstehend und hat keine Kinder; auch deswegen hat er sich für einen Lebensabend unter Gleichgesinnten entschieden. Zur Eröffnung haben die queeren Bewohnerinnen und Bewohner die ganze Nachbarschaft eingeladen. Für die geplante Drag-Show verwandelt sich Sylvain Boniface in sein Alter Ego Bonnie Butterfly. Doch der Alltag ist nicht ohne Tücken: Trägt eine 60-seitige Charta mit Pflichten und Aufgaben wirklich zu einem friedlichen Miteinander bei? Wie viele Regeln braucht eine Gemeinschaft? Auch das müssen Sylvain und die anderen noch herausfinden. Vorbild für das "Maison de la Diversité" ist der "Lebensort Vielfalt" in Berlin. Es ist das älteste Wohnprojekt für queere Seniorinnen und Senioren in Europa und wurde vor zehn Jahren gegründet. In den 69 Wohnungen leben nicht nur Ältere, sondern auch queere Familien und Paare. Die Mieten sind sozialverträglich, je nach Einkommen. Auch eine Pflege-WG gibt es. Für das große Spektrum der verschiedenen Identitäten, Sexualitäten und Körper werden die Pflegekräfte speziell geschult. Annet ist 61 Jahre alt, lesbisch, nicht-binär und lebt seit drei Jahren in einem kleinen Einzelapartment. Regelmäßig veranstaltet Annet für ihre Nachbarschaft das sogenannte "Kuddelmuddel-Frühstück", denn Gemeinschaft entsteht nicht allein durch die Tatsache, dass alle queer sind.
20:15
Henry Ferré ist soeben aus Nantes in Paris angekommen und begibt sich dort umgehend zu Drogenbaron Paul Liski, der ihn als Geschäftsführer einstellt. Ferré soll für Ordnung sorgen, denn Laxheit und blutige Revierkämpfe sind an der Tagesordnung. Um alles unter seine Kontrolle zu bringen, wird Ferré bis ins kleinste Detail in den Drogenhandel eingeweiht: Er erfährt die Namen der Lieferanten, die aus dem Balkan das Rohopium liefern, und die Orte der Übergabe im weit verzweigten Pariser Gleisnetz. Er lernt Zwischenhändler und zentrale Umschlagorte ebenso kennen wie die Konsumenten, an deren traurigen Schicksalen er oft Anteil nimmt. Auch macht er Bekanntschaft mit einem Chemiker, der das Opium weiterverarbeitet, und mit einem Mörder. All diese Informationen gibt er direkt an die Polizei weiter, denn Ferré ist Inspektor des Drogendezernats und hat sich als V-Mann in den Ring der Rauschgifthändler eingeschleust, um den im Hintergrund agierenden Bossen das Handwerk zu legen. Dies bewahrt ihn jedoch nicht davor, bei einer Razzia gemeinsam mit seinen "Komplizen" festgenommen zu werden
21:55
Dallas, 1985: Ron Woodroof führt ein Leben voller Exzesse. Der großspurige Cowboy steht auf Rodeo, Glücksspiel, Whiskey, Kokain und Frauen. Schlägereien und ungeschützter Sex mit Prostituierten gehören für ihn zum Alltag. Genau wie seine Wett- und Saufkumpane verachtet er Homosexuelle und lässt kein Mitgefühl für Hollywoodstar Rock Hudson aufkommen, der gerade an Aids gestorben ist. Niemals hätte er es sich träumen lassen, selbst daran zu erkranken. Deshalb tickt der Choleriker komplett aus, als ihm Dr. Sevard und Dr. Eve Saks nach einem Arbeitsunfall die niederschmetternde Diagnose mitteilen. Statt den Ärzten zu vertrauen, die ihm nur noch 30 Tage geben, beginnt er, sich selbst zu behandeln, und findet heraus, dass alternative Präparate mehr bringen als das einzige in den USA zugelassene Medikament AZT. Doch die Beschaffung im Ausland ist teuer und die Einfuhr jedes Mal ähnlich riskant wie Drogenschmuggel. Zudem möchte Ron als Autodidakt bei seinen Selbstversuchen ständig neue Mittel aus der ganzen Welt ausprobieren. Weil er das auf Dauer alleine nicht finanzieren kann, muss der homophobe Texaner über seinen Schatten springen. Zusammen mit dem ebenfalls HIV-infizierten Transvestiten Rayon gründet er einen Beschaffungsring: den "Dallas Buyers Club", der eine Gesetzeslücke nutzt und rasant wächst. Damit ruft er die mächtige Pharmalobby auf den Plan.
23:45
Ein exzentrischer Pilot der britischen Streitkräfte und seine junge Frau fliehen aus dem zerstörten Europa der Nachkriegszeit und kommen in Eilat an, der südlichsten Stadt Israels am Roten Meer. Bei guter Sicht kann man vom Hafen der Stadt die Küsten Ägyptens, Jordaniens und Saudi-Arabiens sehen. Hier baut sich Familie Morris ihr abgelegenes Paradies auf. Schon bald machen Geschichten von ihrem unkonventionellen Leben die Runde, wird über den mysteriösen britischen Arzt gemunkelt, der sich ein Krokodil namens Clarence als Haustier hält. Als ein rätselhafter Unfall dazu führt, dass ein junges Mädchen verwaist, sieht sich die Familie mit einem geliebten, aber vergessenen Geist konfrontiert. Der Dokumentarfilm verknüpft die faszinierenden privaten Aufnahmen mit den Erzählungen der Familienmitglieder. So entfaltet sich eine fesselnde Familiengeschichte am Rande der Wüste Negev.