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TV Programm für ARTE am 27.10.2026

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Brasilien: Die Macht der Evangelikalen 22:45

Brasilien: Die Macht der Evangelikalen

Gesellschaft und Politik

Brasiliens politische Landschaft wird zunehmend von einer mächtigen religiösen Kraft geprägt: den Evangelikalen. Mit rund 70 Millionen Anhängern stellen sie fast ein Drittel der Wählerschaft und haben sich in 50 Jahren zu einer der einflussreichsten politischen Bewegungen des Landes entwickelt. Ihre Macht reicht von Tausenden Kirchen über große Medienimperien bis hin zu Hunderten Politikern, die ihre Agenda vertreten. Ein Höhepunkt war die Wahl 2018, die Jair Bolsonaro mit der Unterstützung von rund 70 Prozent der Evangelikalen gewann. Dessen politisches Erbe ist umstritten: Nach seiner Verurteilung wegen eines Putschversuchs stellte er seinen Sohn Flávio als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2026 auf. Ihm gegenüber steht der linksgerichtete Lula da Silva, der zum vierten Mal antreten will. Die Dokumentation zeigt die Schlüsselfiguren dieser Machtkämpfe: Silas Malafaia, einflussreicher Fernsehprediger und "Königsmacher"; Sonia und Estevam Hernandes, Organisatoren des "Marsches für Jesus" und Besitzer eines Gospel-Medienimperiums; Pastor Eurico, Abgeordneter und strategischer Kopf der evangelikalen Lobby im Kongress; Valdeci, Pastor in einer Favela Rios, wo die Kirche längst die Rolle des Staates übernommen hat. Auch der junge Prediger João Vitor Ota erreicht Millionen junger Menschen mit konservativen Werten. Doch es gibt Gegenstimmen: Henrique Vieira, ein linker Pastor und Abgeordneter, sowie Pastor Atila, der eine inklusive evangelikale Gemeinde in São Paulo leitet. Zwischen Megakirchen, Favelas, Fernsehstudios und Parlament wird deutlich, wie die Bewegung die Politik Brasiliens prägt - und warum die nächsten Wahlen entscheidend sein werden.

Danach

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte 23:40

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte

Dokumentarfilm

Kaum jemand weiß, dass Adolf Hitler, Diktator und Massenmörder, am Ende seines Lebens schätzungsweise 16.000 Bücher besaß, verteilt auf die Privatbibliotheken in seinen Residenzen in Berlin, München und Berchtesgaden. Rund 1.300 dieser Bücher befinden sich heute in den USA. Was erzählen diese Bücher über die Quellen nationalsozialistischen Denkens - und über das Fortwirken rechtsextremer Gewalt heute? Der amerikanische Historiker Timothy Ryback gilt als kenntnisreichster Experte für Hitlers Privatbibliothek. Er reist für den Film nach Washington D.C. und Providence in den USA, wo diese Bücher heute lagern. Hitler besaß Klassiker der Weltliteratur und antisemitische Hetzschriften, pseudowissenschaftliche "Rassenstudien" und esoterische Groschenhefte. Viele dieser Bücher waren Bestseller - lange vor der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Hitlers Bibliothek zeugt davon, dass Antisemitismus und Rassismus keineswegs Randphänomene in der westlichen Geistes- und Kulturgeschichte waren, sondern viel mehr in ihrem Zentrum standen. Und bis heute sind diese Traditionslinien virulent: Die sogenannte "Neue Rechte" vermeidet zwar Begriffe wie "Blut" und "Rasse" - doch viele rechtsextreme Denkmuster und Verschwörungserzählungen von heute sind den Gedanken aus Hitlers Bibliothek verblüffend ähnlich, zum Beispiel die Erzählung vom "Großen Austausch", nach der die weiße Bevölkerung Europas und Amerikas gezielt durch Muslime und nichtweiße Menschen ersetzt werden soll. Sie dient rechtsextremen Terroristen auf der ganzen Welt als Legitimation, um Menschen zu ermorden, seien es Schwarze, Juden oder Muslime.