16:45
Die beiden letzten Monate im Leben des Vincent van Gogh im Sommer 1890 in Auvers-sur-Oise stehen für das Klischee des tragischen Künstlerloses und die Legende des wahnsinnig gewordenen Malers. Während dieser schicksalhaften Zeit und in den ersten Jahren danach gab es eine Zeitzeugin, die von der Kunstgeschichte wenig beachtet wurde: Johanna van Gogh-Bonger. Sie war mit Vincents Bruder Theo verheiratet. Sie traf ihren Schwager nur drei Mal in ihrem Leben. Als Theo im Januar 1891 nur sechs Monate nach Vincents Freitod ebenfalls starb, erbte sie den gesamten Nachlass, darunter die verbliebenen Werke Vincents und den Briefwechsel der beiden Brüder. Das Genie Vincent van Goghs wurde zu dessen Lebzeiten lediglich von einer kleinen Avantgarde erkannt. Johanna, die sich mit Kunst kaum auskannte, kehrte nach Theos Tod in ihre niederländische Heimat zurück. Dort bezog sie eine Villa und bestritt ihren Lebensunterhalt als Pensionsbetreiberin. Vor allem aber setzte sie sich das Ziel, die Aufgabe ihres Mannes fortzuführen: das Werk Vincent van Goghs international bekanntzumachen. Geduldig arbeitete sie sich durch Hunderte Werke und Briefe, knüpfte Kontakte zu Kunstkritikern und -händlern, organisierte Ausstellungen und veröffentlichte die Korrespondenz zwischen den Brüdern. Ihr ganzes Leben war fortan auch dem Anliegen gewidmet, dem Talent ihres Schwagers die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Mit der Veröffentlichung ihrer Tagebücher wurde endlich auch ihre eigene bedeutende Rolle für die Kunstgeschichte publik.
17:40
Es ist ein breitgefächertes Programm, das sich Lang Lang 2003 für sein Solo-Debüt ausgesucht hat. Nach einer eher klassischen ersten Hälfte interpretiert er nach der Pause den chinesischen Komponisten Tan Dun, um mit der sogenannten Don-Juan-Fantasie von Franz Liszt schließlich den halsbrecherischen Höhepunkt zu setzen. Bei all seinem Spiel bleibt Lang Lang dem Publikum stets nah. "Er macht es dem Publikum einfach, selbst denjenigen, die keine Ahnung von klassischer Musik haben", beobachtet Körpersprachenexperte Stefan Verra. Auch das gefürchtete Meisterwerk "Réminiscences du Don Juan de Mozart" von Franz Liszt spielt er scheinbar mühelos, mit ansteckender Begeisterung. Schon als kleiner Junge wird Lang Lang von seinem Vater zum Pianisten gedrillt: Der beste Klavierspieler der Welt soll er werden. Seine Mutter darf er nur selten sehen, damit sie ihn nicht vom Üben abhält. Als er zum Abschluss seines Carnegie-Hall-Debüts seinen Vater auf die Bühne bittet, um mit ihm zusammen über ein chinesisches Volkslied zu improvisieren, endet ein Lebensabschnitt - und ein neuer beginnt. Nicht nur für Lang Lang selbst, sondern auch für langjährige Weggefährten wie den Dirigenten Christoph Eschenbach, den Komponisten Tan Dun und seinen Lehrer Gary Graffman war dieses Konzert ein magischer Moment. Die US-amerikanische Pianistin Claire Huangci kennt Lang Lang ebenfalls seit jungen Jahren. Auch der Kanadier Bruce Liu kommt zu Wort; er gilt ebenfalls als Shooting Star am Klavier. Gemeinsam mit dem Audio-Producer Christian Gansch und dem Körpersprachenexperten Stefan Verra erklären sie die Kontexte von Lang Langs legendärem Rezitalabend.
18:25
Ein künstlerisches und humorvolles Spiel mit Klischees bietet dieses Magazin. In jeder Folge werden dabei bestimmte Eigenheiten der Franzosen und Deutschen unter die Lupe und auch aufs Korn genommen.
18:40
An den Ostertagen dreht sich alles ums Ei - ganz besonders im Nordosten Europas. In Litauen ist Ostern nicht nur religiöser Feiertag, sondern auch das erste Fest des Frühlings. Das liebevoll und handwerklich geschickt gefärbte Ei ist das wichtigste Ostersymbol: Es steht für Leben, Wohlstand und eine reiche Ernte. Im Dorf Sabaliske nahe der weißrussischen Grenze pflegt Familie Trubilene die traditionellen Osterbräuche. Auf den Tisch kommen Klassiker der Landesküche wie litauischer Kartoffelsalat, Hering mit eingelegten Zwiebeln und Zeppelini - Kartoffelklöße mit einer Hackfleischfüllung. Aber sie schaffen auch moderne Kreationen mit Symbolkraft: Tochter Elze zaubert mit einem Spinatbiskuit eine süße grüne Frühlingstorte.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
Traumstrände, eine sattgrüne Hügellandschaft, leuchtend rote Erde - die Verbundenheit der Sierra-Leoner zu ihrem kleinen Land im Westen Afrikas ist groß, obwohl die Grausamkeiten des Bürgerkrieges tiefe Narben hinterlassen haben. Inzwischen mussten die Menschen auch noch Ebola und Covid-19 verkraften. Dass das Land noch zu den ärmsten der Welt gehört, trifft die Frauen besonders hart. Doch es gibt Hoffnung. Die Zukunft Sierra Leones ist bunt, extravagant, nachhaltig und weiblich. In den Vierteln rund um Freetowns Wahrzeichen, den über 300 Jahre alten Cotton Tree, wächst seit einiger Zeit eine pulsierende Modeszene, in der Frauen aus traditionellen sierra-leonischen Stoffen neue Styles und Trends entwickeln. Das Ziel der Modemacherinnen: Die Welt soll Sierra Leone endlich in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt wahrnehmen und Frauen sollen gleichzeitig ein unabhängigeres Leben führen können. Seit zweieinhalb Jahren bringt Mary-Ann Kaikai Frauen im Rahmen eines Ausbildungsprogramms Gara Tie Dye, die Herstellung von Batikstoffen, bei. Für die alleinerziehende Mutter Isatu Conteh, die aufgrund ihrer Schwangerschaft die Schule abbrechen musste, bedeutet Gara endlich Hoffnung auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Die Filmemacher begleiten Frauen, die aus der Arbeit mit traditionellen Stoffen Mut und Zuversicht schöpfen. Eine lebensbejahende Dokumentation, die einen Einblick in die Lebenswelt von Frauen gewährt und die Schönheit ihrer Heimat zeigt, der sie sich trotz ihrer schwierigen Lebensumstände zutiefst verbunden fühlen.
20:15
"The Hi-Lo Country" ist eine karge Weidegrasgegend in New Mexico im Süden der USA. Die Cowboys Pete Calder und Big Boy Matson haben sich vor dem Zweiten Weltkrieg kennengelernt und sind seither beste Freunde. Beide haben als Soldaten in Übersee gekämpft. Mit dem bisschen gesparten Sold versucht Pete nun, seine kleine Ranch hochzupäppeln, und Big Boy, der für den befreundeten Rancher Hoover als Cowboy arbeitet, unterstützt ihn nach Kräften. Während ihrer Zeit in der Armee hat der Großgrundbesitzer Jim Ed Love die Viehzucht in ihrer Gegend industrialisiert und damit ein Vermögen verdient. Selbst Big Boys kleiner Bruder, Little Boy, arbeitet jetzt für ihn. Doch für Pete und Big Boy sind Freiheit und das Leben auf dem Feld wichtiger als ein geregeltes Einkommen. Nichts kann die beiden Freunde auseinanderbringen - bis Mona wieder auftaucht. Pete hatte schon vor dem Krieg ein Auge auf sie geworfen. Doch jetzt ist sie zu allem Überfluss mit dem Vorarbeiter ihres Widersachers Jim Ed Love verheiratet. Pete wendet sich daraufhin Josepha zu, die ihn seit langer Zeit liebt. Big Boy hingegen findet Gefallen an dem riskanten Spiel und wird Monas Geliebter. Dadurch wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, denn Pete kann nicht aufhören, an Mona zu denken. Zudem heizt Big Boy die Rivalität zwischen den Lagern der traditionellen Cowboys und der industriellen Viehzüchter immer weiter an. Damit gerät er auch in Konflikt mit seinem kleinen Bruder, der loyal zu seinem Chef steht. Die Emotionen kochen über, und Pete steht mit seinen widerstreitenden Gefühlen im Auge des Hurrikans.
22:05
Getrieben von seinem Sinn für Gerechtigkeit verpflichtet sich der junge Chris Taylor für ein Jahr in der Armee, um in Vietnam seinem Land zu dienen. Das Jahr ist 1967: Bereits eine Woche nach seiner Ankunft bei der US-Infanterie erkennt Chris die ganz und gar glanzlose Wirklichkeit des Krieges. In den Tiefen des Dschungels ist er niemand mehr; im Kampf erweist er sich als unfähig. Trotzdem sympathisiert der junge Soldat zunächst mit seinen erfahrenen Kameraden; er bewundert die charismatischen Qualitäten seiner Vorgesetzten Barnes und Elias. In der geschlossenen Gesellschaft seiner Einheit verliert Chris dann doch alle Illusionen, als er mit der Brutalität seines eigenen Lagers konfrontiert wird. Aber Zusammenhalten ist keine Wahl, sondern Notwendigkeit. Kameradschaft steht im Mittelpunkt von "Platoon", mit der Suche nach Authentizität als innere Triebkraft des Protagonisten. Angewidert von der Banalität des zivilen Lebens und erschüttert von der sinnlosen Gewalt des Krieges verliert Chris allmählich den Verstand. Die Solidarität innerhalb der Truppe wird zur Fatalität, zum Fluch, wenn sich die Handlungen im Feld jeder Moralität entziehen. Der Feind, das ist zunehmend das eigene Gewissen.
00:55
Auch fünf Jahre nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 haben die USA noch immer mit den politischen und sozialen Spannungen zu kämpfen, die damals offen zutage traten. An einem Morgen im Januar 2021 trifft ein Konvoi von FBI-Fahrzeugen vor dem Haus von Guy Reffitt ein. Bewaffnete Agenten verhaften ihn wegen seiner Beteiligung am Sturm aufs Kapitol. Das Besondere daran: Der Hinweis kam von seinem Sohn Jackson. Die Reffitts, eine normale Mittelklassefamilie - bis Politik und Extremismus ihre Welt auseinandersprengen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte aus der Sicht des Sohnes. Die Folgen seiner Entscheidung, den Vater anzuzeigen, sind für ihn schwer zu ertragen. Schuldgefühle, aber auch die Schockwellen, die dieses Ereignis in seiner Familie auslösen, treiben ihn um. Die Mutter Nicole radikalisiert sich ebenfalls und steht schließlich voll hinter der politischen Einstellung ihres Mannes. Nach der Verhaftung engagiert sie sich immer stärker in der nationalistischen MAGA-Bewegung. Sie setzt sich öffentlich für ihren Mann und die anderen Verurteilten ein. Die Töchter stehen zu Mutter und Vater. Aber die Kluft, die die Familie zu zerreißen droht, belastet auch sie. Nach der Verurteilung von Guy Reffitt zu siebeneinhalb Jahren Haft wird Jackson zunehmend zur Zielscheibe von MAGA-Anhängern. Er erhält Todesdrohungen. Mit der Wiederwahl Trumps und seiner Begnadigung der Angreifer vom 6. Januar 2021 eskaliert die Situation. Die inneren Kriege der USA und die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft werden auch in dieser sehr persönlichen Familiengeschichte greifbar.
01:50
"Nilas Traum im Garten Eden" begleitet Leyla bei ihrem Kampf um die Identität und Anerkennung für ihre Tochter Nila. Als uneheliches Kind existiert diese vor dem iranischen Gesetz nicht. Sie bekommt keine Papiere, kann weder zur Schule gehen noch medizinische Versorgung erhalten. Die Türen der iranischen Gesellschaft sind für sie verschlossen. Im Gegensatz zu Frauen, die im Iran systematisch unterdrückt werden, bestehen für Männer qua Gesetz so gut wie keine Einschränkungen. Leyla und Nila versuchen verzweifelt, diesem Kreislauf zu entkommen und sich aus dem Leben im Untergrund zu befreien. Sie kämpfen gegen bürokratische Hürden und undurchsichtige Regeln eines willkürlichen Staates, der blind gegenüber dem Schicksal eines Kindes ist. Trotz allem schaffen sie es, ihre Zuversicht zu bewahren - sie malen, singen, tanzen und träumen von großen Reisen, einem Jetset-Leben im Luxus und einer wundersamen Fügung. Sie sind ein lebendiges Beispiel dafür, dass Träume und Hoffnungen selbst düstersten Umständen trotzen. Regisseurin Niloufar Taghizadeh kennt Leyla aus Schulzeiten und erfährt Jahre später von ihrer Geschichte, die von einer absurden Lücke im iranischen Gesetz bestimmt wird. Getrieben von dem Wunsch, das Leben der beiden und vielen anderen undokumentierten Kindern im Iran zu verändern, begab sie sich auf eine riskante Reise, um diesen Film zu drehen. Fast drei Jahre begleitet sie die beiden und dreht, zum Teil undercover in iranischen Behörden und hinter verschlossenen Türen bei Entscheidungsträgern des Systems, um eine Geschichte zu erzählen, die es offiziell nicht geben darf.
03:30
1988 in Saint Michael geboren, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen auf der Karibikinsel Barbados, verlässt Rihanna schon in Teenagerjahren die Insel, um in New York zu einem der größten Popstars und zur milliardenschweren Unternehmerin aufzusteigen. Mit mehr als 250 Millionen verkauften Tonträgern und einem Kosmetik-Imperium wird Rihanna in den USA zur jüngsten Selfmade-Milliardärin. Doch die enge Verbindung zu ihrer Heimatinsel hat sie nie gekappt. Von Beginn ihrer Karriere an trägt Rihanna die Verantwortung, das Land in der Welt zu repräsentieren. Anhand der Diskussionen über Rihannas Musik und ihr öffentliches Auftreten verhandelt die barbadische Gesellschaft bis heute ihre nationale Identität, Geschlechterrollen und ihre koloniale Vergangenheit. Als sich Barbados im Jahr 2021 endgültig von der britischen Krone lossagt und sich zur Republik erklärt, wird Rihanna feierlich zur ersten Nationalheldin der Republik Barbados ernannt. Kannte man die Insel vor einer Dekade lediglich als exotische Touristendestination, gilt Barbados heute als gewichtige Stimme für Klimagerechtigkeit und als Vorreiter in einer Debatte über Reparationszahlungen für Sklaverei. Die Dokumentation erkundet, welche Rolle Rihanna für Barbados' Aufbruch in ein postkoloniales Zeitalter spielt und findet Antworten auch im außergewöhnlichen Verhältnis zwischen der Musikerin und der seit 2018 amtierenden barbadischen Premierministerin Mia Mottley.
04:20
Eine junge blonde Frau kommt ins Krankenhaus. Sie muss operiert werden wegen einer Blinddarmentzündung. Vor der OP muss sie sich ausziehen und unter ein Laken auf eine Liege legen. Als sie in den Aufzug geschoben wird, muss die Krankenschwester plötzlich kurz weg ...