21:45
Der Patriziersohn Amerigo Vespucci aus einer Florentiner Familie ist Mitarbeiter einer Bank in Florenz, als er im Dienst der reichen und mächtigen Medici nach Sevilla geschickt wird. Er soll dort nach dem Rechten sehen. In Spanien lernt der Vierzigjährige seinen Landsmann Kolumbus kennen. Über die Westroute will der Genuese im Auftrag der spanischen Krone 1492 zu den sagenhaft reichen Gewürzländern Asiens gelangen. Was Europa später als größte Entdeckung der Menschheitsgeschichte feiern sollte, wird jedoch unternehmerisch ein Desaster. Kolumbus bringt keine Schätze mit. Stattdessen häuft er Schulden bei seinen Kapitalgebern an. Und bis zu seinem Tod wird der Seefahrer überzeugt bleiben, er habe Indien auf der Westroute gefunden. Erst nach diesen Entdeckungsreisen sollte Vespuccis Stunde schlagen: Mit mehreren Expeditionen, die endlich Reichtümer finden sollen, macht er sich auf den Weg gen Westen. Vespucci erreicht die Küstengebiete von Guayana und das riesige Delta des Amazonas. Der Florentiner erkundet auch die brasilianische Küste bis weit nach Süden. Sein Reisebericht "Mundus Novus" ("Neue Welt") wird zum immer wieder nachgedruckten Bestseller. Denn Vespucci präsentiert eine Sensation: Dort im Westen liegt nicht Indien, sondern ein riesiger, bisher unbekannter Kontinent, dicht besiedelt mit Menschen, voller exotischer Tiere und Pflanzen. Es ist dieser Reisebericht, der den deutschen Kartographen Martin Waldseemüller dazu veranlasst, auf seiner Weltkarte den bisher in Europa unbekannten Kontinent "Amerika" zu nennen.
22:35
Viele der rund 20.000 nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder sind bis heute nicht zu ihren Familien zurückgekehrt. Der Film "Die Mütter von Cherson - Dokumentation über die Entstehung einer einzigartigen Oper" erzählt von den Schicksalen dieser Kinder und ihrer Familien. Und von einer außergewöhnlichen künstlerischen Auseinandersetzung mit ihrem Leid in Form einer Oper, die in Zusammenarbeit mit der Metropolitan Opera in New York und der Polnischen Nationaloper entstanden ist. Dabei begleitet die Dokumentation Menschen, deren Leben vom Krieg geprägt wurde und die mit der Entstehung der Oper verbunden sind: die ukrainische Dokumentaristin Sasha Andrusyk, den in Leipzig im Exil lebenden Komponisten Maxim Kolomiiets und die Sängerin Mariia Udovenko, die Teile ihrer Familie nach Polen in Sicherheit bringen musste. Und die Dokumentation zeigt die wahren Geschichten, auf denen das Libretto der Oper basiert. Zum Beispiel die von Yulia Radzevilova: Als beinahe täglich ihre Heimatstadt Cherson von russischen Angriffen getroffen wurde, wollte sie ihren Sohn Maxim schützen. Man versprach ihr, der damals Zwölfjährige könne sich in einem Feriencamp auf der nahegelegenen Krim erholen und sie stimmte zu. Doch nach wenigen Wochen wurde klar: Die Russen ließen ihn nicht zurückkehren. Nach einer abenteuerlichen Reise gelang es ihr, Maxim zurückzuholen. Bei einer Voraufführung in Kiew erleben die beiden ihre eigene Geschichte auf der großen Bühne.
23:10
Die Oper "Die Mütter von Cherson" basiert auf einer wahren Geschichte - die der Mütter und Großmütter, die sich aus dem Süden der Ukraine auf den Weg machten, um ihre verschleppten Kinder nach Hause zu holen. Fast 5.000 Kilometer legten sie zurück, um über Polen, Weißrussland und Russland das Lager auf der Krim zu erreichen, in dem ihre Kinder in so genannten "Summercamps" festgehalten wurden. Nicht für alle ging diese Reise glücklich aus. Der amerikanische Librettist George Brand hat den Operntext auf Grundlage von etlichen Interviews mit betroffenen Müttern, Großmüttern und zurückgekehrten Jugendlichen geschrieben. Die Musik zu der Oper, die von der New Yorker Metropolitan Opera und dem Teatr Wielki in Warschau in Auftrag gegeben wurde, komponierte der Ukrainer Maxim Kolomiiets, einer der erfolgreichsten jungen Komponisten des Landes. In "Die Mütter von Cherson" verzichtet er auf übermäßig komplexe Musik, um den Hauptfiguren der Geschichte, die keine mythologischen Helden, sondern gewöhnliche Frauen aus Cherson sind, gerecht zu werden. Die Musik ist zeitgemäß, aber nicht avantgardistisch und verwendet musikalische Themen aus der Ukraine. Seit Beginn der russischen Invasion wurden laut offiziellen ukrainischen Angaben und internationalen Berichten mehr als 20.000 ukrainische Kinder systematisch nach Russland sowie in russisch besetzte Gebiete verschleppt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat wegen dieser rechtswidrigen Deportationen offizielle Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie seine Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa erlassen.