05:25
Parkinson-Patient Christian Lorek steht eine besondere OP bevor: Mit der "tiefen Hirnstimulation" soll das Zittern seiner Hände gestoppt werden, ein typisches Symptom der Parkinson-Krankheit. Dafür werden zwei Elektrodenkabel rund acht Zentimeter tief in sein Gehirn implantiert. Sie senden von dort dauerhaft Stromimpulse aus. Doch wird die Therapie wirken? Auch bei Epilepsie könnte das Verfahren eingesetzt werden. Doch Epilepsie-Patient Tim Sturm scheut einen Eingriff in sein Gehirn. Kann ihm ein erst kürzlich zugelassenes Schädeldecken-Implantat helfen, das von außerhalb durch den Kopfknochen hindurch das Gehirn mit Strom stimuliert? Im Kampf gegen schwere Depressionen ist die tiefe Hirnstimulation noch im Versuchsstadium. Am Uniklinikum Freiburg erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Verfahren und sehen bei ihren Probanden immer wieder erstaunliche Erfolge: Waren sie vorher von extremen psychischen Belastungen und Suizidgedanken geplagt, so zeigen sie unter der Strombehandlung wieder Lebensfreude. Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Marseille wollen zunächst das Gehirn auf Zell-Ebene verstehen, um die Möglichkeiten der Stromtherapien zu erweitern. Gemeinsam mit Materialforschern suchen sie nach dem perfekten Implantat, das flexibel und stabil zugleich sein sollte. Ärzte, Betroffene und Forschende aus Deutschland, Frankreich und England geben Einblick in bahnbrechende Therapien und neue technologische Entwicklungen. Die Wissensdoku macht deutlich: Neuro-Implantate für das Gehirn können Patienten eine Perspektive bieten.
06:15
Um den Krug von Soissons rankt sich eine Anekdote, die durch Gregor von Tours' "Zehn Bücher Geschichten" berühmt wurde. Protagonist ist Frankenkönig Chlodwig als brutaler Herrscher und Beschützer christlicher Kultobjekte. Der französische Spätmittelalter-Experte Stéphane Gioanni zeigt, wie diese Geschichte erst Jahrhunderte nach den eigentlichen Ereignissen entstand, und was sie über die Zeit des Frankenreichs unter den Merowingern erzählt.
06:35
Lange konnte man sich die neun Planeten unseres Sonnensystems mit der Eselsbrücke: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" merken: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Doch dann entdeckte Astronom Mike Brown den Himmelskörper Eris am Rande unseres Sonnensystems. Eris ist sehr viel massiver als Pluto und leitete die Degradierung Plutos zum Zwergplaneten ein. Seitdem fehlt ein neunter Planet, und Mike Brown wurde als "Pluto-Killer" bekannt. Doch seit etwa zehn Jahren sucht Brown nun nach einem neunten Planeten. Und es mehren sich die Anzeichen, dass es einen bisher unbekannten Himmelskörper in unserem Sonnensystem geben könnte. Denn es gibt Unregelmäßigkeiten im äußeren Sonnensystem. Einige Objekte haben sehr skurrile Umlaufbahnen und scheinen durch etwas abgehalten zu werden, aus unserem Sonnensystem zu entfliehen - Planet Neun? Bisher ist Planet Neun nur ein mathematisches Phantom. Er wurde zwar berechnet, aber es gibt noch kein Foto von ihm. Auch bestehen Zweifel an der Theorie. Die ungewöhnlichen Umlaufbahnen einiger Objekte im äußeren Sonnensystem könnten auch von einem nahen vorbeifliegenden Stern erzeugt worden sein, sagen Kritiker. Und überhaupt, wer kann schon sicher sagen, dass diese Umlaufbahnen tatsächlich exzentrisch oder skurril sind? Könnte es nicht auch ein Beobachtungsfehler sein? Klarheit könnte das neue Vera Rubin Observatory bringen - ein Spiegelteleskop, das gerade in Chile seine Arbeit aufnimmt. Es könnte auch Fotos von so weit entfernten Objekten wie Planet Neun machen und seine Existenz beweisen. Oder eben nicht.
07:10
Womit lässt sich die ungebrochene Erfolgsgeschichte des Skifahrens erklären? Ist es das Gefühl von Freiheit, das ein Skiläufer verspürt, wenn er schwerelos ins Tal hinuntergleitet? Freiheit trieb die Menschen von jeher an: In früheren Zeiten war es die Bewegungsfreiheit, die Freiheit, sich zu den schnee- und eisbedeckten Regionen unserer Erde aufzumachen, nach Grönland und noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu unerforschten Polarregionen. Oder die Freiheit der Bergbewohner, sich der großen weiten Welt zu öffnen, ohne ihre Heimat zu verlassen? In Archivbildern und Interviews zeichnet die Dokumentation die Geschichte des Skifahrens nach und zieht Parallelen zur Entwicklung unserer Gesellschaft. Zu Wort kommen der Ingenieur und promovierte Naturwissenschaftler Yves Ballu, der Sportwissenschaftler Grégory Quin, der Journalist Guillaume Desmurs, der Freerider Dominique Perret und die erfolgreiche Schweizer Skirennfahrerin Eliane Bernasocchi. Bergwelten vermitteln ein Gefühl der Freiheit, vor allem, wenn wir sie auf Skiern erleben können. Diese Freiheit wird der Mensch sich nicht nehmen lassen, auch wenn er in Zeiten des Klimawandels nicht weiter so Ski fahren kann wie bisher. Ein Film für die Seele der Skifahrer und Skifahrerinnen, die nach dem Urlaub ihre Pisten der Alpen und der Mittelgebirge vermissen.
08:00
Fliegen ist nicht jedem Tier in die Wiege gelegt - für manche ist es Instinkt, für andere ein mühevoller Lernprozess. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Luftakrobaten des Tierreichs" untersucht, wie verschiedene Arten die Lüfte erobern. Die Folge "Waghalsige Flugmanöver" zeigt Fluganfänger bei ihren ersten Versuchen, ungewöhnliche Flugtechniken und die Spitzenperformer der Tierwelt. Andenkondor-Junge üben das Gleiten über Kilometer ohne einen Flügelschlag - eine Fähigkeit, die sie fürs Überleben brauchen. In Ungarn steigen Eintagsfliegen nach dem Schlüpfen aus dem Wasser auf, um in ihren wenigen Lebensstunden Partner zu finden und Eier abzulegen. Ihr Flug dient allein der Fortpflanzung. Nicht alle "Flieger" haben Flügel: In Japans Wäldern gleiten Gleithörnchen mithilfe einer dicht behaarten Hautmembran zwischen Hand- und Fußgelenken von Baum zu Baum. Im südasiatischen Dschungel katapultiert sich die Schmuckbaumnatter mit einem besonderen Sprungmechanismus durch die Luft, während Sifakas auf Madagaskar mit kräftigen Beinsprüngen Klippen überwinden. Einige Tiere fordern die Grenzen der Physik heraus: Der Wanderfalke erreicht im Sturzflug über 300 Stundenkilometer - Weltrekord! Der Feuerkehlkolibri kann da zwar nicht mithalten, aber seine extrem schnellen Flügelschläge ermöglichen präzise Manöver, mit denen er sein Revier verteidigt. Immersive Aufnahmen zeigen, wie Tiere die Schwerkraft überwinden - ein faszinierender Einblick in die Evolution des Fliegens.
08:45
Singen scheint mehr zu bewirken, als uns oft bewusst ist. Es verbessert Haltung, Kreislauf und Immunsystem, zugleich schüttet der Körper Glückshormone wie Endorphine und Serotonin aus. Gesang ist gut für uns. "Unsere Stimme ist das Musikinstrument, das jeder hat, und für die Meisten die erste Erfahrung selbst Musik zu machen", betont Neurowissenschaftlerin Sophie Scott. Also singen wir auf der ganzen Welt, um Liebe, Freude oder Trauer auszudrücken. Singen wirkt für uns wie ein soziales Bindemittel. Wer gemeinsam singt, fühlt sich anderen näher. "Wir können nur in sozialen Gemeinschaften überleben. Man hat über lange Zeit Musikalität und insbesondere das Singen in der Bedeutung für diesen Zusammenhalt doch weit unterschätzt", erklärt der Oldenburger Musikwissenschaftler Gunter Kreutz. Evolutionsforscher Charles Darwin glaubte, dass wir uns das Singen von den Vögeln abgeguckt haben. "Es scheint, als habe sich die Fähigkeit Töne nachzumachen, mindestens zweimal unabhängig voneinander entwickelt - bei Menschen und Tieren wie Vögeln oder Walen", erklärt Verhaltensbiologin Constance Scharff. Singvögel stimmen ihre Lieder seit rund 33 Millionen Jahren an. Dabei gibt es neben vielen Unterschieden zu unserem Gesang auch einige überraschende Parallelen. Zum Beispiel müssen Singvogelhirne ihre komplexen Gesänge erst lernen - genauso wie wir unsere Lieder. Und auch wenn wir, anders als Singvögel, nicht jeden Ton treffen, weiß Neurowissenschaftlerin Daniela Sammler: "Jeder Mensch kann singen. Auch wenn viele behaupten, dass sie nicht singen können, das stimmt nicht." Also, vielleicht sollten wir es alle öfter tun?
09:15
Erschöpft von ihrem exzessiven Pariser Lebensstil fand Josephine Baker Ende der 1930er Jahre in Les Milandes einen Landsitz, an dem sie zur Ruhe kommen wollte. Doch nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Frankreich wurde das Schloss zum Stützpunkt der Resistance: Josephine Baker versteckte in dem verwinkelten Gebäude unter Einsatz ihres Lebens Waffen und Geflüchtete vor den Nazis. Nach dem Krieg eröffnete Baker mit ihrem vierten Mann Jo Bouillon in Les Milandes einen Freizeitpark, den jährlich Hunderttausende besuchten, und in dem Stars wie Jaques Brel auftraten. Auch ihre zwölf Kinder, die sie aus allen Teilen der Welt adoptiert hatte, und die als "Rainbow Tribe" ständig in den Schlagzeilen waren, wuchsen hier auf. Doch der luxuriöse Lebensstil der Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin verschlang Unsummen - ebenso wie der Unterhalt des Anwesens. 1964 rettete sie noch der öffentliche Spendenaufruf der Schauspielerin Brigitte Bardot vor der Pleite. Doch 1968 war es dann so weit: Les Milandes wurde zwangsversteigert - nachdem Josephine Baker sich drei Tage lang in der Küche verbarrikadiert hatte, musste sie ihr Schloss für immer verlassen. Der Film erzählt mit seltenen Archivaufnahmen und Interviews - u.a. mit Josephine Bakers Sohn Brian Bouillon-Baker - die ergreifende Geschichte von Josephine Baker und ihrem Märchenschloss Les Milandes.
09:45
"Twist" ist das Kulturmagazin für relevante Themen unserer Zeit. Jede Woche liegt eine andere europäische Stadt im Fokus: Lokale Kulturschaffende sprechen über große Fragen der Gegenwart und die Beiträge leuchten aus, wie in verschiedenen Kunstdisziplinen dazu gearbeitet und gedacht wird. Eine halbe Stunde voller neuer Perspektiven!
10:20
Giovanni Battista Piranesi - der italienische Architekt, Kupferstecher und Archäologe wurde von seinen Zeitgenossen Ende des 18. Jahrhunderts "Rembrandt der antiken Ruinen" getauft. Rom war Piranesis Inspiration, seine Lebensaufgabe, und er erfand Rom in seinen zahlreichen Stadtansichten noch einmal ganz neu. Er hat unser Bild von der "Ewigen Stadt" für immer geprägt. Zu seinen Lebzeiten war er ein geachteter römischer Künstler und Geschäftsmann. Doch erst nach seinem Tod wurde er berühmt, ironischerweise mit nur einem kleinen Teil seines riesigen Werkes - mit 16 Blättern seiner rätselhaften Kerkerdarstellungen, den "Carceri". Bis heute versuchen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker zu ergründen, was Piranesi mit diesen endlosen surrealen Räumen, in denen Treppen oder Brücken ins Nirgendwo führen, ausdrücken wollte. Entwarf Piranesi eine düstere Vision eines Zukunftsstaates? Ob Psychoanalytiker Siegmund Freud, Regisseur Fritz Lang oder auch der Architekt Daniel Libeskind - sie alle wurden auf ganz verschiedene Weise von Piranesi und seinen Bildwelten inspiriert. Sein fantastisches Werk scheint bis heute weiter zu wirken als unerschöpfliche Quelle für Künstlerinnen und Künstler.
11:15
In Røros in Mittelnorwegen leben Hilde und Mattis Danielsen mit ihren Kindern Signe Marja und Jåvva. Sie gehören zum indigenen Volk der Samen und leben unter anderem von der Rentierzucht. Die Hochebene um Røros bietet den Herden weitläufige Weideflächen, selbst im Winter finden sie unter der Schneedecke noch Moose und Flechten. Rentierfleisch ist fester Bestandteil der regionalen Küche, die nicht nur in den Wintermonaten nahrhaft und deftig ist. Gekochtes Rentierfleisch kommt in einer kräftigen Brühe oder als Filet auf den Tisch, an der Feuerstelle zubereitet. Zwischen den Birken- und Fichtenwäldern liegen zahlreiche zugefrorene Seen. Neben Äschen und Forellen findet man hier auch Hechte und Saiblinge. Eine weitere Spezialität aus Røros sind Pjalt - eine Art norwegische Pfannkuchen.
11:40
Die Dokumentation begleitet Tiere auf mehreren Kontinenten, die den Himmel auf unterschiedliche Weise erobern: In Botswana fängt der Karminspint Insekten im Flug, die von Huftierherden aufgescheucht werden - mit atemberaubenden Wendemanövern bei Tempo 50. In England wird die Schleiereule im Winter zum Tagjäger, weil die Nahrung knapp ist. Ihr lautloser Flug macht sie zur perfekten Jägerin. An einem ruhigen englischen See verwandelt sich die Libellenlarve zu einer Kaiserlibelle, vor der sich Fressfeinde in Acht nehmen müssen. Besonders spektakulär sind die Schakale Namibias, die in der Trockenzeit eine ungewöhnliche Technik entwickeln: Sie springen senkrecht in die Luft, um Beute für ihre Jungen zu schnappen. Noch beeindruckender ist der Selayar-Koboldmaki in Indonesien - mit Sprüngen, die das 40-fache seiner Körperlänge erreichen, überfällt er seine Beute aus dem Hinterhalt. Doch der Luftraum ist nicht nur Jagdrevier, sondern dient auch für unterschiedlichste Überlebensstrategien: In den kalifornischen Redwood-Wäldern lassen sich Wandersalamander aus 30 Metern Höhe fallen, um Fressfeinden zu entkommen - und nutzen im Sturz Körper und Schwanz wie einen Fallschirm. Und in den spanischen Pyrenäen beweisen Bartgeier, wie sie mit einer einzigartigen Technik an Nahrung kommen: Sie lassen Knochen aus großer Höhe auf Felsen krachen, wo sie für andere Aasfresser unzugänglich sind, um an das Mark zu gelangen.
12:25
Viele Tierarten nutzen den Flug zur Partnerwerbung. Die Dokumentation zeigt Balzrituale in der Luft, kämpferische Revierverteidigung und dauerhafte Bindungen - beobachtet bei Arten auf mehreren Kontinenten. Im mexikanischen Tropenwald sammeln Prachtbienen Duftstoffe und komponieren im Flug ein individuelles Bouquet zur Partnerwerbung. Teufelsrochen hingegen versammeln sich zu Tausenden und springen aus dem Meer, um potenzielle Partner auf sich aufmerksam zu machen. Glühwürmchen leuchten ausschließlich zur Paarungszeit: Die Männchen bieten den Weibchen eine fliegende Lichtshow. Blinkt ein Weibchen zurück, gilt das als Zeichen der Paarungsbereitschaft. Im kenianischen Grasland springen Leierschwanzweber in die Höhe, um wählerische Weibchen zu beeindrucken. Andere Arten setzen zusätzlich auf den offenen Zweikampf: Sie fordern Rivalen gezielt heraus. Auf der Isla Contoy konkurrieren Fregattvogelmännchen um Nistmaterial - eine entscheidende Voraussetzung für ihr Werben um Weibchen. Flughundmütter in Australien tauchen ins kalte Nass, um ihren Nachwuchs vor der sengenden Hitze zu schützen. Und in Japan vollführen Mandschurenkraniche ein einzigartiges Balzritual: einen Tanz auf dem Eis.
13:10
Jede zurückgelegte Strecke flugfähiger Tiere dient dem Überleben, sei es zur Nahrungssuche, zur Fortpflanzung oder zur Flucht vor Fressfeinden. Die Folge "Verborgene Flugwege" beleuchtet Strategien wie Präzisionsflug, Risikovermeidung und kollektives Verhalten. In den englischen Wäldern jagt ein Habicht mit sehr hoher Geschwindigkeit durch dichtes Geäst - Präzision und sein ausgezeichnetes räumliches Vorstellungsvermögen ermöglichen es ihm, Beute selbst in komplexen Umgebungen zu fangen. Kleine Rußsegler trotzen am größten Wasserfallsystem der Welt den tosenden Fluten, um hinter dem Wasservorhang Nistplätze anzusteuern. In den Tropen stellen junge Gibbons beim Sprung von Baum zu Baum ihre Geschicklichkeit auf die Probe - sie überwinden dabei Distanzen von mehreren Metern. Kooperationen zwischen Arten können die Überlebenschancen zusätzlich erhöhen - etwa, wenn Delfine und Kap-Tölpel gemeinsam auf Fischjagd gehen. Manchmal genügt auch die Suche einer einzigen Honigbiene nach nektarreichen Blüten, um die Versorgung des gesamten Volkes sicherzustellen. In der Namib-Wüste transportiert ein Flughuhn-Männchen täglich Wasser in seinem Gefieder zu den Küken - eine bemerkenswerte Anpassung an extreme Lebensbedingungen. Doch überall lauern auch Gefahren auf die Flugkünstler: In Texas, Heimat des weltweit größten Fledermausquartiers, jagen Fledermäuse in Schwärmen von Dutzenden bis Hunderttausenden Tieren. Das Kollektiv schützt das Individuum: Gemeinsam reduzieren sie die Gefahr, von Greifvögeln attackiert zu werden.
13:55
Erster Farbfilm von Western-Genius John Ford: Zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zieht das jungvermählte Paar Gilbert und Lana Martin nach Upstate New York ins Mohawk Valley. Als britische Truppen und indigene Stämme immer wieder Angriffe unternehmen, müssen sich Lana und Gil ihr Glück ständig neu erkämpfen. In dem Jahr, in dem Gilbert und Lana Martin an der amerikanischen Ostküste heiraten, erklären die dortigen britischen Kolonien ihre Unabhängigkeit vom Mutterland. Gil und Lana suchen ihr Glück als Siedler in Upstate New York, ihre neue Heimat wird das Mohawk Valley. Dem Krieg können sie dort nur kurz entfliehen. Bald muss auch Gil zu den Waffen greifen, um seine Farm zu verteidigen. Nach ersten Gefechten kehrt für kurze Zeit Ruhe ein, doch es dauert nie lange bis zum nächsten Angriff. Gil und Lana schlagen sich durch, gründen eine Familie. Nach einer trügerisch friedlichen Zeit greifen die Briten mit Unterstützung indigener Kämpfer noch einmal an. Diese letzte Belagerung verlangt den Kolonisten größte Anstrengungen und Opfer ab. Mitreißend, hochdramatisch und in Technicolor inszeniert Western-Ikone John Ford mit den großen Hollywood-Stars Henry Fonda und Claudette Colbert in den Hauptrollen den Überlebenskampf eines jungen Ehepaares an der amerikanischen Ostküste zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges. Für die Leistung der Nebendarstellerin Edna May Oliver in der Rolle der Witwe McKlennar gab es 1940 eine Oscarnominierung.
15:35
1875 war etwa jeder vierte Cowboy schwarz. Auch schwarze Sheriffs, Trapper und Soldaten gab es im Westen. Viele dieser Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner verbündeten sich mit den Ureinwohnern, andere wurden von ihnen versklavt. All diese Männer und Frauen suchten in den Weiten des amerikanischen Westens die Freiheit und nahmen dafür ein abenteuerliches und gefährliches Leben in Kauf. So hat jede prototypische Figur des Wilden Westens ihr afroamerikanisches Double, ob Cowboy, Desperado, Revolverheldin oder furchtloser Sheriff. In der offiziellen Geschichtsschreibung wurden sie unterschlagen und auch Hollywood hat sie nicht auf der Leinwand verewigt. Doch einige von ihnen sind bekannt, denn sie haben der Nachwelt Briefe oder Memoiren hinterlassen: der entflohene Sklave Bass Reeves, der als US-Marshal für Recht und Ordnung sorgte; der sagenhafte Trapper James Beckwourth, ein Grenzgänger zwischen den Welten der Indianer und der Weißen; die Postkutschenfahrerin Mary Fields, die geschickt mit Waffen umzugehen verstand; der "schwarze Moses" Benjamin "Pap" Singleton, der sein Volk nach Kansas in das neue Gelobte Land führte; der von Indianern versklavte Henry Bibbs und der Lasso-Virtuose Nat Love. Ihre Erzählungen lassen die große Zeit des Far West aufleben, vom Sezessionskrieg bis zum Ende der Pionierzeit und der vollständigen Eingliederung des Westens in das amerikanische Hoheitsgebiet bis hin zum Pazifik. Dort konnten sie hoffen, der Knute des Sklavenhalters, den Gewalttaten des Ku-Klux-Klans und dem Rassenhass zu entgehen. Die Dokumentation beleuchtet dieses kaum bekannte Kapitel der US-amerikanischen Geschichte und lässt die vergessenen Helden und Heldinnen mit eigenen Worten schildern, wie sie diese Zeit erlebten. Ihre Erzählungen zeigen, wie sehr dieses unterdrückte Volk damals darauf hoffte und mit welchem Mut es dafür kämpfte, das Freiheitsversprechen des Far West für sich einzulösen.
17:15
Ein künstlerisches und humorvolles Spiel mit Klischees bietet dieses Magazin. In jeder Folge werden dabei bestimmte Eigenheiten der Franzosen und Deutschen unter die Lupe und auch aufs Korn genommen.
17:30
In diesem Jahr führt die "Folle Journée von Nantes" auf eine Reise um die Welt - entlang der großen Flüsse, die die Kontinente durchströmen. Zu diesen großen Strömen gehört selbstverständlich die Donau, der symbolträchtige Fluss Mitteleuropas und Osteuropas. Sie durchfließt zehn Länder und ist eng mit musikalischen Metropolen wie Wien und Budapest verbunden, den Heimatstädten von Komponisten wie Mozart, Beethoven, Liszt oder Bartók. Sie inspirierte zahlreiche europäische Komponisten, darunter Johann Strauss mit seinem berühmten Walzer "An der schönen blauen Donau". Die Moldau ist der längste Fluss Tschechiens und inspirierte Smetana im Jahr 1874 zu seinem berühmten symphonischen Werk "Die Moldau", das den Lauf des Flusses von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe musikalisch nachzeichnet. Auch der Rhein, der durch die Schweiz, Deutschland und die Niederlande fließt, inspirierte viele Musiker, darunter Schumann, der seine 3. Symphonie, die "Rheinische Symphonie", komponierte. Vor allem aber prägte die mit diesem mächtigen Strom verbundene Sage der Loreley Werke von Komponisten wie Wagner ("Das Rheingold"), Liszt und vielen anderen. In Russland gilt die Wolga als mythischer Fluss, der zahlreiche Volkslieder inspirierte, darunter das berühmte "Lied der Wolgaschlepper". Auf dem amerikanischen Kontinent sind Musik und Spiritualität eng verknüpft. Der Mississippi, besonders in der Region um New Orleans, ist untrennbar mit der Entstehung von Blues und Jazz verbunden. In Frankreich denkt man natürlich an die Loire, den längsten Fluss des Landes. Er spielte eine entscheidende Rolle in der Musikgeschichte - insbesondere während der Renaissance, als die kulturelle Blütezeit in den Schlössern des Loiretals neue musikalische Stile hervorbrachte. Auf dem Programm stehen: - Down to the River to Pray - Ol' Man River - Maria Bach: Thema und Variationen über das Lied der Wolgaschlepper (Ausschnitt aus dem Klavierquintett "Wolga") - Schubert: "Auf dem Wasser zu singen" D. 774 - C. Schumann: "Die Loreley" - R. Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54, 1. Satz - Wagner: "Waldweben" (aus "Siegfried") - Smetana: "Die Moldau"
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
In Indien gehört die Körperbemalung mit Henna seit Jahrhunderten zum Alltag der Frauen - als kunstvolles Ritual vor Hochzeiten, Familienfesten, religiösen Zeremonien oder großen Festivals. Doch Kunst auf der Haut zeigt auch, dass hinter den filigranen Mustern weit mehr als nur Ästhetik steckt. Für junge Frauen wie Monica, Yuvi und Pratiksha ist die Kunstbemalung mit Henna ein Weg in die Unabhängigkeit. In einer kleinen Hennaschule in Udaipur lernen sie, mit den Pflanzenpigmenten kunstvolle Figuren und Geschichten zu zeichnen und damit ihr eigenes Leben neu zu schreiben. Meister Satish Nayak bringt den jungen Frauen traditionelle Formen und ihre Bedeutung bei und eröffnet ihnen so die Möglichkeit, selbstständig einen Beruf auszuüben. Auch Renu, Mutter von Zwillingen und Hausfrau, pflegt die Tradition aus Überzeugung. Beim Gangaur-Fest feiert sie mit ihren Freundinnen die Liebe zu ihren Ehemännern und zur Göttin Parvati. Zu den Festivitäten bemalen sich Freundinnen und Verwandte gegenseitig mit kunstvollen Hennamustern. Doch Renu weiß auch: Nicht jede Frau darf in Indien ihre Talente frei entfalten, die Entscheidung trifft ihre Familie oder ihr Ehemann. Der Film taucht ein in die bunte Welt der Traditionen und Rituale rund um Henna und verfolgt den Weg dreier jungen Frauen Monica, Yuvi und Pratiksha aus Udaipur in Rajasthan, von ihren ersten Zeichnungen in der Schule bis zu einem offiziellen Engagement bei einer Hochzeit.
20:15
Nach einem Originaldrehbuch von John Logan erzählt Regisseur Martin Scorsese in seinem epischen Filmporträt "Aviator" die Geschichte des Millionenerben Howard Hughes, im Zeitabschnitt von den späten 1920er bis zum Ende der 1940er Jahre. Es handelt sich um eine Epoche, in der Hughes als Regisseur und Produzent von Hollywoodfilmen ins Rampenlicht rückte, als Testpilot nach eigenen Entwürfen entwickelte Flugzeuge steuerte und skandalträchtige Affären mit einigen der begehrtesten Frauen der Welt hatte. Der waghalsige Pilot und berühmteste Flieger seit Charles Lindbergh wurde zu einer treibenden Kraft der modernen kommerziellen Luftfahrt. Er war eine der aufregendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, mit einer Aura von Glamour und Attraktion, aber auch Geheimnis und Unnahbarkeit. "Aviator" gibt Einblick in Howard Hughes' bewegtes Gefühlsleben, seine Affären mit den Hollywood-Legenden Katharine Hepburn und Ava Gardner. Und er zeigt auch die dunkle Seite dieses schillernden Lebens: Hughes' Kampf mit körperlichen Gebrechen und Phobien, mit immer mehr außer Kontrolle geratenden, zwanghaften Ausbrüchen, die schließlich dazu führten, dass er sich vollkommen isolierte und von seinen Mitmenschen und der Welt zurückzog.
23:00
Martin Scorsese, 1942 als Sohn sizilianischer Einwanderer in New York geboren, wuchs im New Yorker Viertel Little Italy auf - geprägt von der sizilianischen Community, Katholizismus und Filmen von John Ford, die er mit seinem Vater im Kino sah. Später gelang es ihm, die amerikanische Seele so haargenau einzufangen wie sein einstiges Vorbild die Landschaften des Wilden Westens. Doch der Regisseur wollte nie einer Gemeinschaft zugeordnet werden oder als Sprachrohr einer Minderheit gelten -viel lieber hinterfragt er Identitäten und stellt universelle Fragen. Lange Zeit wollte Scorsese Priester werden, doch dann entscheidet er sich für ein Studium der Filmwissenschaften und jobbt nebenher als Cutter und Regieassistent. Mit Steven Spielberg, Francis Ford Coppola und George Lucas baut er in den 1970er Jahren das "New Hollywood" auf. Augenzwinkernd erinnert er sich daran, dass er einst als Ikone jener Gegenkultur galt. "Hexenkessel", eine Milieustudie über das harte Leben in den Straßen von New York, bringt Scorsese 1973 das Lob der Kritiker ein. Zu diesem Zeitpunkt beginnt auch die enge Zusammenarbeit mit Robert De Niro, mit dem er 1976 den nächsten Film dreht: "Taxi Driver". Für das Porträt eines verbitterten Vietnamveteranen bekommt Scorsese die Goldene Palme in Cannes. "Taxi Driver" erhält zudem vier Oscarnominierungen, darunter als bester Film, verliert aber gegen "Rocky" - eine Entscheidung, die Scorsese-Fans der Oscar-Akademie nie verziehen haben. Mit dem Boxdrama "Wie ein wilder Stier" holt sich Scorsese 1980 die erste von insgesamt acht Oscarnominierungen als bester Regisseur. 1989 sorgt sein Film "Die letzte Versuchung Christi" für einen Skandal - der Film isoliert ihn gar eine Zeit lang in der Branche. Mit "GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" kehrt er 1990 in die Hinterzimmer der Lokale der Lower East Side zurück und offenbart einen Blick hinter die Kulissen der Mafia. Als Scorsese 1998 Vorsitzender der Jury in Cannes wird, ist er endgültig im internationalen Film angekommen. 2007 gewinnt "Departed: Unter Feinden" gleich vier Oscars, darunter die ersehnte Trophäe für die beste Regie. "The Wolf of Wall Street" über den knallharten Börsenhai und eiskalten Betrüger Jordan Belfort wird 2014 fünffach für den Oscar nominiert. Scorseses Filme "The Irishman" (2019) und "Killers of the Flower Moon" zeigen, dass er auch noch im fortgeschrittenen Alter ganz oben mitspielen kann. Anhand von Ausschnitten aus seinem enormen filmischen Werk und unveröffentlichten Archivaufnahmen blickt die Dokumentation auf die Karriere des großen Filmemachers zurück.
23:55
Südafrika: Als junger Mann verlässt Joseph Shabalala nach der Ermordung seines Vaters, eines traditionellen Heilers, seine ländliche Heimat und geht in die Stadt Durban. Dort ist Isicathamiya- eine von Männerchören gesungene Musik - gerade en vogue. Eine nächtliche Vision lässt Joseph Shabalala, der bereits ein umtriebiger Musiker ist, eine A-capella-Band gründen, die den Namen Ladysmith Black Mambazo erhält. Mit diesem Ensemble revolutioniert er die Musikform Isicathamiya und bringt sie zu Weltgeltung. Die Dokumentation erzählt die spannungsreiche Geschichte von Joseph und seinen Mitstreitern. Vor dem Hintergrund der Apartheid wird die Musik von LBM zunehmend zum Soundtrack des Widerstands gegen die herrschenden Verhältnisse. Der Film zeichnet die Ereignisse als O-Ton-Dokumentation nach und bietet mit seinem historischen und musikalischen Materialreichtum wenig bekannte Einblicke in die Geschichte Südafrikas. Ein Highlight für LBM und Joseph Shabalala ist die Freundschaft mit Nelson Mandela, dem späteren Präsidenten Südafrikas, die sich nach dessen Haftentlassung ergibt. Musikalischer Höhepunkt ist die Zusammenarbeit mit Paul Simon, die LBM weltberühmt und zu international begehrten musikalischen Kooperationspartnern macht - was allerdings gerade bei schwarzen Südafrikanerinnen und Südafrikanern zunächst auf Skepsis stößt. Die musikalisch mitreißende und thematisch vielschichtige Dokumentation erzählt die Geschichte von Ladysmith Black Mambazo bis zu Shabalalas Tod im Jahr 2020 - seine Söhne haben das Ensemble da schon lange übernommen. Mit Dolly Parton sowie einem Kurzauftritt von Oprah Winfrey.