05:10
Die japanische Insel Yakushima liegt im Ostchinesischen Meer und ist ein Ort der Extreme: Während die Küsten von subtropischem Klima geprägt sind, herrscht in den bis zu 2.000 Meter hohen Bergen ein gemäßigtes Klima. Vor etwa 15 Millionen Jahren entstand die Insel durch vulkanische Aktivität - ihr Granitgestein wurde durch seismische Kräfte aus der Tiefe an die Oberfläche gedrückt. Ihre abgelegene Lage und das Fehlen großer Raubtiere ermöglichten eine einzigartige Tierwelt: Hier leben endemische Unterarten japanischer Makaken und Sikahirsche in enger Wechselbeziehung. Doch Yakushimas wahre Schätze sind die Wälder der Insel. In den Hochlagen findet sich das wahrscheinlich letzte Ökosystem der Welt, das von japanischen Zedern dominiert wird. Einige dieser uralten Bäume - sogenannte Yakusugi - wachsen bereits seit der Jomon-Zeit, der Vorgeschichte Japans, und überstanden jahrhundertelange Abholzung. Ihre mystische Erscheinung inspirierte Hayao Miyazaki zu seinem Animationsfilm "Prinzessin Mononoke". 1993 wurde Yakushima als erste japanische Naturstätte in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen - ein Zeichen für ihre herausragende Artenvielfalt. Über 1.900 Pflanzenarten, darunter zahlreiche Endemiten, prägen die Insel. Doch der Massentourismus stellt eine wachsende Bedrohung dar: Jährlich besuchen mehr als 250.000 Menschen die nur 13.000 Einwohner zählende Insel. Besonders gefährdet sind empfindliche Ökosysteme wie der Strand von Nagata, das größte Brutgebiet der Unechten Karettschildkröte im nördlichen Pazifik. Doch nicht nur der Tourismus, sondern auch der steigende Meeresspiegel und die Verschmutzung durch Plastikmüll setzen der Insel zu. Lange Zeit prägten menschliche Eingriffe das Gesicht Yakushimas. Heute steht der Schutz und die Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts im Vordergrund, um dieses einzigartige Naturjuwel zu bewahren.
05:55
Viele Forschende gehen davon aus, dass wir weltweit nicht zunehmend mehr Wind haben werden, sondern weniger. Denn wenn das Eis an den Polen schmilzt und sie sich erwärmen, wird auch die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und eben diesen Polen sinken. Der Temperaturunterschied ist aber der "Motor", der unseren Wind antreibt: Warme und feuchte Luft steigt am Äquator auf und strömt in Richtung der Pole, wo sie sich abkühlt und wieder absinkt. Wenn dieser Temperaturunterschied kleiner wird, sollte es deshalb auch weniger Wind geben. Und so verlief auch die Entwicklung: Jahrzehntelang ließ der Wind langsam nach. Vor rund zehn Jahren nahmen die mittleren Windgeschwindigkeiten wieder zu. Warum das so ist? Darüber rätselt die Klimaforschung noch. Bei einem besonders wichtigen Wind, dem Jetstream, beobachten die Forschenden in letzter Zeit immer wieder, dass er nachlässt. Da es der Jetstream ist, der die Hoch- und Tiefdruckgebiete über unseren Kontinent treibt, hat seine Verlangsamung große Konsequenzen: Bleibt ein Hochdruckgebiet stationär, kann das zu langen Hitze- und Trockenperioden führen. Wird dagegen ein Tiefdruckgebiet mit niederschlagsreichen Wolken nicht weitergeblasen, kann es zu schweren Überschwemmungen kommen. Der Fokus in dieser Folge liegt darauf, wie Wind entsteht und unser Wetter und Klima beeinflusst. Wer den Wind berechnen will, muss sich mit dem Riesenbillard unserer Atmosphäre befassen. Rund 10 hoch 44 Kugeln beziehungsweise Luftmoleküle sind hier im Spiel. Denn nichts anderes ist Wind: winzige Moleküle, die aneinanderstoßen und erst in der Summe die Gewalt von Stürmen entfesseln. Aber um im Billardvergleich zu bleiben: Selbst nur ein paar Zusammenstöße von Billardkugeln sind auch mit Supercomputern nicht mehr genau vorhersagbar. Können wir den Wind der Zukunft gar nicht berechnen? Welche Trends lassen sich trotzdem feststellen?
06:25
Im Herbst ziehen in Oostduinkerke an der belgischen Nordseeküste die Pferdefischerinnen und Pferdefischer mit ihren Brabanter Kaltblütern in die eiskalte Nordsee, um Krabben zu fischen. Sie bewahren damit eine Tradition, die über 500 Jahre alt ist. Die Dokumentation erzählt die Geschichten von einigen der noch heute aktiven Pferdefischer: von der jungen Mutter Katrien Terryn, vom alten Seemann Marius Dugardein, von Stefaan Hancke, der sein Pferd vom Schlachthof gerettet hat. Mittlerweile wird die robuste Pferderasse wieder gezüchtet, die Brabanter sind für die Aufrechterhaltung der Tradition unabdinglich, denn das Meer kann beängstigend und gefährlich sein. Von den ruhigen Wintermonaten am einsamen Strand, bis in den Sommer, in dem es viele Touristen ans Meer zieht, begleitet die Dokumentation die Pferdefischer. Dieser Küstenabschnitt ist unverbaut, der Lauf der Gezeiten ist hier noch unverändert. Auch die Natur ist erhalten: um die Dünen kümmert sich eine Eselherde. Und manchmal kommen sogar Seehunde ans Ufer. Als Höhepunkt in jedem Sommer steht ein pompöses Garnelenfest an. Es ist eine Welt voller Kontraste: Auf der einen Seite steht das jahrhundertealte Handwerk, für das immer noch traditionelle Utensilien verwendet werden und auf der anderen Seite der ehemalige Fischerort, der sich im Sommer in eine Touristenhochburg verwandelt. Allein vom Krabbenfischen kann keiner der noch 15 aktiven Pferdefischer leben. Dennoch sind sich alle bewusst, dass sie die letzten sind, die eine alte Kulturtechnik erhalten. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Besonders nicht, seit ihr Handwerk 2013 von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurde.
07:10
Rot mit weißen Punkten, Glückssymbol, Giftpilz, Märchenfigur, Forschungsobjekt: Kaum ein Pilz ist kulturell so aufgeladen wie der Fliegenpilz. Seit Jahrhunderten steht er für Verheißung und Gefahr, für Zauber, Rausch und die Sehnsucht nach einer anderen Wahrnehmung der Welt. Doch was wissen wir tatsächlich über Amanita muscaria? Die Dokumentation von Thomas Grube folgt dem Fliegenpilz durch Wälder, Mythen und Labore. Sie trifft Forschende aus Mykologie, Pharmakologie, Anthropologie, Psychologie, Literatur- und Kunstgeschichte, aber auch Menschen, die sich dem Pilz in Ritualen, naturspirituellen Praktiken oder als Symbol eines verlorenen Wissens nähern. So entsteht das Bild eines Organismus, der sich einfachen Zuschreibungen entzieht: ökologisch hochkomplex, kulturgeschichtlich tief verankert und wissenschaftlich in vieler Hinsicht noch immer rätselhaft. Der Film erzählt vom Fliegenpilz als Teil unterirdischer Netzwerke im Wald, von seiner Rolle in alten Erzählungen, in schamanischen Traditionen und in der europäischen Kultur zwischen Glücksbringer, Hexensymbol und Weihnachtsikone. Zugleich richtet er den Blick auf aktuelle Debatten: auf neu entfachtes Interesse an psychoaktiven Substanzen, auf Fragen nach Wirkung, Risiko und Regulierung sowie auf die Kommerzialisierung eines Naturstoffs, dessen Erforschung noch am Anfang steht. Je genauer die Wissenschaft den Fliegenpilz untersucht, desto deutlicher zeigt sich, wie viel an diesem Wesen bis heute unverstanden bleibt.
08:05
Die großen Volksparteien der Mitte verlieren zunehmend Wählerinnen und Wähler. Die Gründe sind vielschichtig: Liegt es vielleicht an uns, weil wir nicht so rational und strategisch wählen, wie es die Demokratie von uns verlangen würde? Am Ende bestimmen vor allem unsere Herkunft, unser Umfeld und unsere Persönlichkeit unser Wahlverhalten. Aber ist das wirklich der Grund, warum so viele von uns nicht mehr die zu unseren Interessen passende Partei finden? Oder liegt es doch daran, dass die Parteien unseren Problemen nicht mehr gerecht werden? Es stimmt: Wir haben uns verändert. Wir sind individueller und pluralistischer geworden. Das macht es den etablierten Volksparteien zunehmend schwer, Wählende an sich zu binden. Die alten Milieus aus Arbeiterschaft, Konservativen oder Liberalen existieren in dieser Form nicht mehr. Gleichzeitig wird den Parteien immer wieder angekreidet, dass sie die Bevölkerung nicht ausreichend repräsentieren. Auch eine steigende wirtschaftliche Ungleichheit verstärkt das Gefühl der Unzufriedenheit. In die Lücken drängen populistische Parteien, die häufig die Werte unserer heutigen liberalen Demokratien in Frage stellen. Die Lage ist angespannt. Weltweit sind Autokratien auf dem Vormarsch. Nur 7 Prozent der Menschen leben in einer liberalen Demokratie. Damit hat unsere Staatsform einen regelrechten Exotenstatus bekommen. Müssen wir jetzt um diesen bangen? Oder können wir wieder zusammenfinden, wir und die Parteien?
08:30
Für Namibia Flores Rodriguez kommt die Aufhebung des Frauenboxverbotes auf Kuba zu spät. Die 47-jährige Faustkämpferin ist inzwischen zu alt, um an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Dabei ist sie mit Leib und Seele Boxerin und wollte sich nie von Niederlagen entmutigen lassen. Weil sie selbst nicht mehr bei den großen Ausscheidungskämpfen antreten darf, hat sie sich auf die Rolle der Trainerin verlegt. Sie fördert sowohl den Nachwuchs - Jungen wie Mädchen - als auch die Großen. Wie ihre Freundin Yoana Rodriguez Castillo. Die Schwergewichtsboxerin ist zwar bereits über 30, hält aber weiter an ihrem Traum fest, eines Tages bei internationalen Wettkämpfen dabei sein zu können. Doch auch wenn dies durch den Wegfall der politischen Schranken nun möglich ist, ist der Weg dorthin voller Hindernisse. Denn in Kuba fehlt es an den einfachsten Trainingsmöglichkeiten und passender Ausrüstung. So bleibt den Boxerinnen auf Kuba nur ihre unermüdliche Leidenschaft und der Enthusiasmus für ihren Sport, mit dem sie die ärgsten Mängel auszugleichen versuchen. Um ihnen hierfür einen Raum zu geben, möchte Namibia Flores einen eigenen Boxstall nur für Frauen aufbauen. Ein Novum auf Kuba und eine weitere Herausforderung. Denn wie so vieles auf der Insel ist ein Großteil der Architektur in Havanna marode und einsturzgefährdet. Doch Namibia will nicht aufgeben. Sie sieht enormes Potenzial in ihren Schützlingen und möchte verhindern, dass die jungen Kampfsportlerinnen ähnlich wie sie an unvorteilhaften Rahmenbedingungen scheitern. Noch einmal will Namibia sich nicht geschlagen geben.
09:25
Im August ist es endlich wieder so weit, die kleine Stadt Sète bereitet sich auf das Fest Saint Louis vor. Die Stadt ist in Aufruhr, denn sie feiert sechs Tage lang ein Fest zu Ehren von Ludwig XIV, dem Gründer des Hafens von Sète im Jahr 1666. Anlässlich dieses Festes werden die Joutes Languedociennes ausgetragen, die prestigeträchtigen Seespiele. Christophe Bancilhon und auch sein Sohn Vincent werden in unterschiedlichen Gewichtsklassen antreten - der mit den Jahren etwas beleibte Vater Christophe in der Kategorie Schwergewicht. Werden sie den ersehnten Sieg einfahren können? In Sète gibt es sieben Ritterspielvereine, einer davon ist der 1947 gegründete Jeune Lance Sétoise. Jeden Dienstag trainieren die Aktiven in ihrem Stadtviertel auf Holzkarren, die die Boote simulieren, die später beim Turnier auf dem Wasser gegeneinander antreten. Immer und immer wieder werden die Abläufe und Bewegungen trainiert. Es geht darum, einen ganz selbstverständlichen Automatismus zu erreichen, denn Präzision ist das Wichtigste in den nicht ganz ungefährlichen Duellen. Vor den Wettkämpfen des Fischerstechens, wie die Spiele auch genannt werden, findet ein Umzug der ganz in weiß gekleideten Stecher statt, der von traditioneller Musik begleitet wird. Danach stellen sich die Stecher auf das Standpodest des Bootes, um das Turnier zu beginnen. Zum Zeitpunkt des Angriffs berühren sich die beiden Boote auf der rechten Seite, um den Stechern zu ermöglichen, mit Hilfe von Schild und Lanze den Sturz des Gegners ins Wasser zu bewirken. Gewinner ist derjenige, der auf seinem Standpodest stehenbleibt. Die Turniere werden verbissen geführt, die Kampfwerkzeuge wirken martialisch. Die Turniere sind weitaus mehr als nur ein Sport, es geht um Kameradschaft, um Freundschaften, um historische Rituale und letztlich um Ehre und Familie.
10:20
Am Attersee in Oberösterreich ist Zwetschgenzeit. Gina Brandlmayr hat zum Glück Helfer: Sommerfrischler aus Salzburg und Wien unterstützen sie beim Ernten und beim Kochen. Aus der tiefblauen, fruchtig-süßsauren Zwetschge entstehen ein Salat mit Aprikosen und Wirsing, der zu geflämmtem Rinderfilet serviert wird oder Schweinebraten "à la Pekingente" mit Kartoffelfladenbrot und Zwetschgen-Chutney. Süß schmecken die Früchte im Zwetschgenfleck oder in Pofesen, gefüllt mit aromatischem Powidl. Clemens Schnaitl, Leiter des Naturparks "Attersee-Traunsee", erforscht seit Jahren alte Zwetschgensorten und setzt sich für den Erhalt der alten Streuobstwiesen ein. Ein besonderes Ereignis ist für ihn Neumond: Da erstrahlt der Sternenhimmel über dem Attersee in seiner ganzen Schönheit.
10:50
Unter den im Becken gefangenen Lebewesen ist ein Hai-Baby, das es nicht mehr rechtzeitig herausgeschafft hat. Der kleine Hai und seine Mitgefangenen müssen die beengten Verhältnisse, die Hitze und die Konkurrenz untereinander überstehen, bis die Flut sie wieder befreit. Unter und über der Wasseroberfläche offenbaren sich ganz unterschiedliche Strategien, um zu überleben. Am freigelegten Ufer entfaltet sich ein faszinierendes Schauspiel: Meereswürmer buddeln sich ein, Strandflöhe springen das 25-Fache ihrer Körpergröße hoch, um dem Schnabel des Piepers zu entkommen, Möwen kreisen angriffslustig im Gleitflug. Je höher die Sonne steigt, desto mehr erwärmt sich das Becken, und der Sauerstoffgehalt sinkt - eine tödliche Gefahr für den kleinen Hai, der jetzt eigentlich weit draußen auf hoher See sein sollte. Ein Einsiedlerkrebs sucht verzweifelt nach einer neuen Muschel, der Hummer gräbt mit seinen Scheren eine Festung, eine Samtkrabbe legt 200.000 Eier, und die Napfschnecken weiden mit ihrer widerstandsfähigen Raspelzunge die Algen ab. Die Dokumentation macht diesen Thriller hautnah erlebbar. Ihre Dramaturgie folgt dem Rhythmus der Gezeiten: Mit jeder Stunde wird die Lage bedrohlicher: Wer wird bis zur nächsten Flut überleben? Auch viele Nebendarsteller kämpfen ums Überleben. Auf oft verblüffende Art und Weise gelingt es den Akteuren dieser Miniaturwelt, bis zur Flut durchzuhalten: Jagdbündnisse werden geschmiedet, unerwartete Schwächen ausgenutzt. Aber auch für Balz, Paarung und Geburten ist das Gefängnis des Gezeitenbeckens mitunter genau der richtige Ort.
11:35
Unter den im Becken gefangenen Lebewesen ist ein Hai-Baby, das es nicht mehr rechtzeitig herausgeschafft hat. Der kleine Hai und seine Mitgefangenen müssen die beengten Verhältnisse, die Hitze und die Konkurrenz untereinander überstehen, bis die Flut sie wieder befreit. Unter und über der Wasseroberfläche offenbaren sich ganz unterschiedliche Strategien, um zu überleben. Am freigelegten Ufer entfaltet sich ein faszinierendes Schauspiel: Meereswürmer buddeln sich ein, Strandflöhe springen das 25-Fache ihrer Körpergröße hoch, um dem Schnabel des Piepers zu entkommen, Möwen kreisen angriffslustig im Gleitflug. Je höher die Sonne steigt, desto mehr erwärmt sich das Becken, und der Sauerstoffgehalt sinkt - eine tödliche Gefahr für den kleinen Hai, der jetzt eigentlich weit draußen auf hoher See sein sollte. Ein Einsiedlerkrebs sucht verzweifelt nach einer neuen Muschel, der Hummer gräbt mit seinen Scheren eine Festung, eine Samtkrabbe legt 200.000 Eier, und die Napfschnecken weiden mit ihrer widerstandsfähigen Raspelzunge die Algen ab. Die Dokumentation macht diesen Thriller hautnah erlebbar. Ihre Dramaturgie folgt dem Rhythmus der Gezeiten: Mit jeder Stunde wird die Lage bedrohlicher: Wer wird bis zur nächsten Flut überleben? Auch viele Nebendarsteller kämpfen ums Überleben. Auf oft verblüffende Art und Weise gelingt es den Akteuren dieser Miniaturwelt, bis zur Flut durchzuhalten: Jagdbündnisse werden geschmiedet, unerwartete Schwächen ausgenutzt. Aber auch für Balz, Paarung und Geburten ist das Gefängnis des Gezeitenbeckens mitunter genau der richtige Ort.
12:20
Spezial China, mit folgenden Themen: Das Peking des letzten Kaisers / Die Kunst der Kalligrafie / Karamellisierte Schweinerippchen von Liu / Das Geheimnis des Porzellans
13:05
Spezial Deutschland mit folgenden Themen: Hiddensee, Insel außerhalb der Zeit / Die Halligen: eine faszinierende Welt für sich / Hamburg: Alex' Rundstück warm / Hamburg: Chinesen unerwünscht
13:55
Arizona, 1874: Kurierreiter der Kavallerie Hondo Lane durchquert das Grenzland zwischen den Fronten, als er auf die einsam gelegene Ranch von Angie Lowe und ihrem Sohn Johnny stößt. Ihr Ehemann hat Angie allein mit dem Kind zurückgelassen, doch sie will ihr Zuhause nicht aufgeben, trotz der wachsenden Spannungen zwischen der US-Armee und den Apachen. Hondo, verkörpert von John Wayne, erkennt die herannahende Gefahr und beschließt, vorerst an ihrer Seite zu bleiben. Zwischen dem wortkargen Scout und der entschlossenen Rancherin entwickelt sich eine vorsichtige Annäherung. Als die Gewalt näherrückt, gerät Hondo selbst in den Konflikt zwischen den verfeindeten Lagern und muss Entscheidungen treffen, die Mut, Loyalität und Menschlichkeit gleichermaßen verlangen. Mit "Man nennt mich Hondo" schuf John Farrow einen Western, der klassische Motive mit ungewöhnlich differenzierten Figuren verbindet. John Wayne verkörpert den Titelhelden als erfahrenen Grenzgänger zwischen zwei Welten, während Geraldine Page in ihrer ersten großen Filmrolle der Figur Angie bemerkenswerte Stärke und Eigenständigkeit verleiht. Statt eindeutiger Heldenbilder setzt der Film auf moralische Zwischentöne und einen respektvolleren Blick auf die indigene Bevölkerung, als es für viele Western seiner Zeit üblich war.
15:15
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, noch vor der Gründung Europas, verband der Orient-Express den Okzident und den Orient. Seine Passagiere legten in drei Tagen rund 3.000 Kilometer zurück: von Paris über Wien und Budapest bis nach Varna, später auch von den Alpen über Venedig bis zur Donau und auf den Balkan. Er galt als Zug der Könige, Diplomaten, Schriftsteller und anderer legendärer Passagiere wie Mata Hari, Josephine Baker, Marlene Dietrich und Agatha Christie, die sich zu ihrem Roman "Mord im Orient-Express" inspirieren ließ. Mit seinen Schlaf- und Speisewägen bot er einen für damalige Verhältnisse völlig neuartigen Luxus. Von der Einweihungsfahrt 1883 bis zum Ende der historischen Fernverbindung Paris-Istanbul war der Orient-Express ein prunkvoller und ruhmreicher Zug. Doch er erlebte auch Verfall, Revolutionen und Kriege. Als eine der wenigen internationalen Zugverbindungen, die den Eisernen Vorhang durchquerten, wurde er während des Kalten Kriegs zum Transportmittel für Arbeiter und Immigranten Der Dokumentarfilm "Der Orient-Express - Vintage auf Schienen" blickt auf beinahe ein Jahrhundert Eisenbahn-Abenteuer zurück und stützt sich dabei auf Erkenntnisse und Berichte von Historikern, Eisenbahn-Restauratoren und -Sammlern. Der Historiker für industrielles Kulturerbe Arthur Mettetal zeigt nicht nur die Hinterlassenschaften des Luxuszuges in Europa, sondern auch Restaurationswerkstätten und 13 ungewöhnliche Waggons, die an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland abgestellt und aufgegeben wurden. ARTE schickt die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine grenzüberschreitende Reise zwischen Mythos und Realität.
16:40
Die Côte d'Azur ist ein Küstenabschnitt an der Französischen Riviera - voller Tradition, lebendigem Kunsthandwerk und außergewöhnlicher Natur. Zwischen Menton und Cannes leben Menschen, die diesen Küstenstreifen prägen. Meeresschützer, wie Olivier Brunel, der die Aquarien im Ozeanografischen Institut von Monaco leitet. Oder Kunsthandwerker wie der Glasbläser Antoine Pierini aus Biot, dessen Glaskunst regelmäßig auf internationalen Ausstellungen zu sehen ist. In Nizza verkaufen Sophie Budoia und ihr Mann Jean-Luc an einem Stand in der Nähe des Marché aux Fleurs Fladen aus Kichererbsenmehl - Socca genannt. Am Cap de la Croisette in Cannes zieht es Céline Guésdon raus aufs Meer: Die ehemalige Profisportlerin fährt mit ihrem Stand-Up-Paddle gerne zu der vor Cannes liegenden Île Sainte-Marguerite. Ihr vorgelagert ist die etwas kleinere Île Saint-Honorat. Hier bauen Mönche der Abtei Lérins seit Jahrhunderten Wein an.
17:25
Tief im Herzen Afrikas liegt ein Ort, an dem zwei Welten aufeinandertreffen: der endlose Regenwald des Kongobeckens und der wilde Atlantik. An der Küste Gabuns verschmelzen Urwald und Ozean zu einem Grenzland von seltener Magie - dem Strand der Dschungeltiere. Hier zeigt sich das Leben von seiner überraschendsten Seite. Tiere, die man sonst nur tief im Dschungel erwartet, finden sich plötzlich am Meer wieder. Giganten wie Elefanten und Flusspferde, die in der Brandung surfen, teilen sich den Strand mit Antilopen, Affen, Reptilien und unzähligen kleineren Bewohnern. Jeder folgt seinen eigenen Bedürfnissen - auf der Suche nach Nahrung, Schutz oder Heilung. Und wenn die Nacht hereinbricht, verwandelt sich der Strand in eine Wiege des Lebens, die seit Jahrtausenden neue Generationen hervorbringt. Doch das Paradies hat Risse bekommen. Strömungen tragen Plastikmüll bis an diese Küste, an den letzten unberührten Strand Afrikas. Was für die Tiere seit Jahrtausenden ein Ort der Nahrung, des Schutzes und der Begegnung war, droht zur Müllkippe zu werden. Die Dokumentation ist eine filmische Reise an einen einzigartigen Ort, an dem Wald und Meer, uralte Rhythmen und moderne Bedrohungen aufeinandertreffen - ein Naturfilm voller Magie und eindringlicher Geschichten über ein Paradies, das aus dem Gleichgewicht zu geraten droht.
18:10
Afrika rückt zunehmend in den Fokus - als Kontinent der Chancen. 2026 überstieg das afrikanische Bruttoinlandsprodukt erstmals das von Asien. Länder wie Ruanda, Tansania, Marokko oder Südafrika zeigen wirtschaftliches Potenzial, auch wenn einige Staaten weiterhin mit Konflikten (Sudan, Kongo), dschihadistischen Bedrohungen und politischer Instabilität (Mali) konfrontiert sind. Währenddessen mehren sich in Asien Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung. Die Sendung "Mit offenen Karten" zeigt diese Entwicklungen, nicht ohne die historischen Meilensteine beider Kontinente zu beleuchten. Obwohl Afrika und Asien oft unter dem Begriff "aufstrebende Volkswirtschaften" zusammengefasst werden, verlief ihre Entwicklung höchst unterschiedlich.
18:25
(1) Brasilien: Mein Onkel wählt Bolsonaro Miyuki Droz Aramaki erzählt die Geschichte ihrer Familie, von der Ankunft ihrer Vorfahren als japanische Einwanderer in Brasilien vor fast einem Jahrhundert bis zum Engagement ihrer Mutter gegen die Militärdiktatur in den 70er-Jahren. Die Idee für die Reportage kam ihr aufgrund der WhatsApp-Familiengruppe, in der ihr Onkel seit Jahren Videos zugunsten von Bolsonaro teilt. Sie erhielt den Eindruck, dass ihre Angehörigen mit populistischen Videos und Aufrufen zur Stimmabgabe für die extreme Rechte überschwemmt werden. Die Reportage drehte sie mit Bolsonaristen der jüngeren Generation und besuchte politische Influencer. Sie traf Familien in bescheidenen Verhältnissen, die gegen die Regierung Lula und für die extreme Rechte stimmen wollen, und einen jungen Aktivisten, der dem Bolsonarismus den Rücken kehrt. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Luiz Inácio Lula da Silva, dem Anführer der brasilianischen Linken, und dem rechtsextremen Flavio Bolsonaro, voraus. (2) USA: Trump und die Liebe der Latinos Trumps Beliebtheit bei den Hispanics hat stark abgenommen. Gründe dafür sind unter anderem die Wirtschaft, denn das "golden Age", das er versprochen hatte, ist nicht eingetroffen. Hinzu kommen die ICE-Razzien, die in den Latino-Vierteln Angst säen. US-Bürger, die festgenommen werden, weil sie "mexikanisch aussehen" und Arbeitnehmer, die sich nicht mehr auf die Straße trauen … Einige seiner ehemaligen Wähler werfen Trump vor, mit ICE zu weit gegangen zu sein. Werden die Latinos deshalb zu den Demokraten zurückkehren? Nicht unbedingt. Viele, die von beiden politischen Parteien enttäuscht sind, neigen dazu, sich ihrer Stimme zu enthalten. Fast 15 Prozent der amerikanischen Wähler sind Latinos: eine entscheidende Wählerschaft für den Ausgang der Zwischenwahlen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Klimaschutz, Ukraine-Hilfe, EU-Kurs: Bei fast allen großen Fragen schlägt Tschechien seit dem Regierungswechsel im Dezember 2025 einen radikaleren Ton an. Die rechtspopulistische Koalition unter Andrej Babiš bremst den bislang pro-europäischen Kurs des Landes. Die rechte Partei Motoristé sob? wurde erst 2022 gegründet und sitzt schon in der Regierung. Sie wurde vor allem von jungen Männern gewählt. Investigativjournalist Dávid Pásztor trifft Adam Sejna, der mit gerade mal 19 Jahren als Influencer in der rechten Szene Furore macht. Pásztor versucht zu verstehen, wie der Partei dieser bemerkenswerte politische Aufstieg gelingen konnte. Die erfolgreiche Indie-Sängerin Amelie Siba sorgt sich um die Kulturszene und den Rechtsruck in der Gesellschaft. Worauf sich viele einigen können: den Stolz auf den "Kleinen Maulwurf", den Exportschlager des tschechischen Animationsfernsehens und das heimliche Kultursymbol des Landes. Der Maulwurf spielt eine zentrale Rolle im Projekt des Künstlers Jakub Jansa für die Biennale in Venedig.
20:15
Franziskus von Assisi, dessen Tod sich 2026 zum 800. Mal jährt, gehört zu den populärsten Figuren der Kirchengeschichte. Sein Leben ist ein Bruch mit allen Konventionen seiner Zeit: ein Sohn aus reichem Haus, der öffentlich dem Besitz abschwört, sich an die Seite der Ausgestoßenen stellt und die Kirche damit zugleich herausfordert und erneuert. Seine radikale Botschaft prägt die europäische Kultur bis heute. Wie konnte ein Mann, der freiwillig als Bettler lebte, so wichtig werden? Aktuelle Forschung zeigt einen Franziskus, der die großen gesellschaftlichen Veränderungen des 13. Jahrhunderts miterlebt: Aufstieg des Frühkapitalismus, religiöse Reformbewegungen, die Kreuzzüge. Doch seine Radikalität inspiriert und provoziert noch heute: Sein Sonnengesang beeinflusst die Umweltbewegung, sein radikaler Eigentumsverzicht wirft Fragen an unsere Gesellschaft auf. Seine naturnahe Spiritualität ist auch für säkulare Sinnsucher anschlussfähig. Und Franziskaner bauen heute wieder Brücken zwischen Christentum und Islam. Filmemacher Stefan Ludwig folgt den Spuren dieses charismatischen Rebellen. Die Reise führt von Paris, wo ein erst kürzlich entdecktes Manuskript zu sehen ist, bis in die Felsspalten von La Verna, wo Franziskus wochenlang meditierte. In Assisi wird die Faszination Franziskus besonders spürbar, als seine Gebeine erstmals öffentlich zu sehen sind und 370.000 Gläubige anziehen. Doch Franziskus' Grenzgänge führen weit über Europa hinaus: Mitten im Fünften Kreuzzug trifft er den muslimischen Sultan Al-Kamil - eine Begegnung voller Symbolkraft, gerade heute.
21:40
Woher kommen wir? Warum leiden wir? Und woran halten wir uns fest, wenn die Welt unbegreiflich wird? "Warum wir glauben" geht den ältesten Fragen der Menschheit nach - und erzählt Glauben nicht als etwas Fernes oder Vergangenes, sondern als Kraft, die unser Denken bis heute prägt. Die Reise beginnt bei den San in der Kalahari-Wüste, wo Natur, Ahnen und Rituale den Alltag bestimmen. Sie führt zu Forschenden, die erklären, warum der Mensch überall Bedeutung erkennt: im Rascheln eines Busches, in Wolken, Gesichtern, Zufällen und Krisen. Glaube erscheint hier als uraltes Überlebensprogramm - und als Antwort auf Angst, Tod und Chaos. Doch die Suche endet nicht in der Tradition. Ein jüdischer Philosoph spricht von Spiritualität als Versuch, die Punkte des Lebens zu verbinden. Ein atheistischer Podcaster fragt, ob Sinnkrisen nicht schlicht zur menschlichen Existenz gehören. Ein ukrainischer Militärseelsorger erlebt, wie Menschen an der Front nach Trost greifen, wenn nichts anderes mehr trägt. Und in Israel erzählt ein ehemaliger Ultraorthodoxer vom schmerzhaften Weg aus einem Glaubenssystem, das Halt gab - und zugleich Freiheit nahm. Zwischen Ritual und Vernunft, Geborgenheit und Kontrolle, Gottvertrauen und Zweifel fragt der Film: Warum verschwindet der Glaube nicht, selbst in säkularen Gesellschaften? Vielleicht, weil Menschen immer nach etwas suchen, das größer ist als sie selbst.
22:35
Was bleibt vom Glauben, wenn die großen Kirchen an Macht verlieren? Diese Folge von "Warum wir glauben" führt in eine Welt, in der Spiritualität nicht verschwindet, sondern sich Menschen ihre Glaubenswelt selbst "basteln": in indischen Ashrams, bei französischen Neo-Druiden, in japanischen Shinto-Ritualen oder in der Popkultur. Ein junger Niederländer folgt Sadhguru nach Indien, weil er im westlichen Leben nur Leere und Selbstoptimierung findet. In Frankreich berufen sich moderne Druiden auf alte Gottheiten und die Kräfte der Natur. In Japan bezeichnen sich viele Menschen als unreligiös - und verehren doch Anime-Figuren oder Popstars wie Götter. Forschende erklären, warum Glaube nicht einfach verschwindet, sondern sich immer neue Bühnen sucht. Zwischen Sehnsucht und Kommerz, innerer Erfahrung und Abhängigkeit fragt der Film: Wo beginnt Spiritualität - und wo kippt sie in Kult, Ausbeutung oder Selbstverlust? Zugleich zeigt er, warum Menschen auch in einer säkularen, vernetzten Welt nach etwas suchen, das größer ist als sie selbst: nach Verbindung, Orientierung und einem gemeinsamen Sinn.
23:30
Kann Glaube die Welt verändern und zu einem besseren Ort machen? Diese Folge von "Warum wir glauben" erzählt von Menschen, für die Glaube nicht nur Trost ist, sondern auch ein Auftrag: zu helfen, zu handeln, sich einzumischen. In einem Kloster in der Bretagne lebt Schwester Laure in Stille, Gebet und Dienst an Alten und Kranken. Für sie bedeutet Glauben, aus sich selbst herauszutreten. Im Mittelmeer rettet Isabell Nohr mit der Organisation Sea-Watch Menschenleben - ohne an Gott zu glauben, aber mit einem tiefen Glauben an Gemeinschaft und Verantwortung. In New Orleans wird Gospel zur Kraftquelle einer Community, die im Glauben Schutz und Zusammenhalt gefunden hat. In Mexiko sprechen die Wixárika mit Erde, Feuer, Meer und Pflanzen - für sie ist Natur keine Ressource, sondern Familie. Und in Dubai sieht ein muslimischer Astrophysiker Gott in den einfachen Gesetzen des Universums, die so viel Schönheit möglich machen. Zwischen Kloster und Rettungsschiff, Bibel und Menschenrechten, Wissenschaft und Naturreligion fragt der Film, was Glauben heute bewirken kann. Er zeigt seine Ambivalenz: Religion kann trösten, verbinden und mobilisieren - aber auch instrumentalisiert werden. Am Ende steht eine große, sehr gegenwärtige Frage: Reicht Vernunft allein, um die Welt zu retten? Oder brauchen Menschen etwas, das sie über sich selbst hinausführt, etwas, das sie handeln lässt für eine bessere Welt?