14:00
Die hochzeitsflüchtige Französin Nelly folgt dem New Yorker Industriellen und Aussteiger Martin auf eine einsame Karibikinsel, wo sich zwischen beiden ein abenteuerlicher Liebeskrieg entspinnt. Als die emotionsgeladene Robinsonade durch einen innigen Kuss endlich befriedet scheint, taucht plötzlich Nellys angehender Ehemann Vittorio auf, der ihr einstiges Versprechen mit Gewalt einfordern will. Auch Martin ist durch einen Vertrag gezwungen, wieder seinem alten Beruf als Parfümeur nachzugehen. Das Paradies liegt in Trümmern ... Ein Film, der die Weltfluchtromantik intelligent parodiert und von der ersten Minute an kurzweilig unterhält. Martin lebt wie Robinson Crusoe auf einer kleinen Karibikinsel, wo er fernab der Zivilisation Gemüse anbaut. Nur ab und an fährt er in die nächste Hafenstadt, um seine Erzeugnisse zu verkaufen und sich ein wenig zu amüsieren. Bei einem solchen Ausflug macht er Bekanntschaft mit Nelly, einer hübschen Französin. Diese hat sich in das ihm benachbarte Hotelzimmer abgeseilt, um den Fängen ihres angehenden Ehemannes Vittorio zu entkommen. Als der wutentbrannte Bräutigam auftaucht und mit Gewalt Nellys Versprechen einzufordern versucht, kann Martin nicht umhin, ihr zu helfen. Doch Nelly gelingt es tatsächlich, in noch weitaus größere Schwierigkeiten zu geraten, indem sie ihren alten Freund und Nachtclubbesitzer Alex um ein wertvolles Gemälde bringt, das die mittellose Hochzeitsflüchtige in Reisegeld einzulösen gedenkt. Als Martin es trotzdem schafft, Nelly in ein Flugzeug nach Paris zu verfrachten, ist die Erleichterung groß. Aber da irrt er sich, denn Nelly ist ihm unbemerkt auf seine beschauliche Insel gefolgt. Der Aussteiger Martin sieht jedoch nicht ein, sein hart erarbeitetes Paradies mit der aufdringlichen Französin zu teilen, woraufhin sich zwischen beiden ein abenteuerlicher Liebeskrieg entspinnt. Nelly wiederum entdeckt, dass auch Martin auf der Flucht ist, und erhofft sich einen gemeinsamen Neustart in unbekannter Ferne. Jean-Paul Rappeneau inszenierte eine rasante, außergewöhnliche Filmkomödie über die Sehnsucht nach einer heilen Welt, die weniger auf eine spektakuläre Inszenierung als auf das hervorragende Spiel ihrer beiden Hauptdarsteller setzt. Der Film wurde an Originalschauplätzen in Venezuela, auf den Bahamas, in New York und Frankreich gedreht.
15:50
Folge zwei erkundet den Norden Südtirols. Seit der Römerzeit führt vom Brenner aus eine Verbindungsader durch die Region: das Eisacktal. Noch heute zählt es zu den wichtigsten Handelswegen der Alpen und verbindet auch die Esskulturen des Nordens und des Südens. Auf 2.369 Meter Höhe liegt die Tribulaunhütte. Sie fiel mit Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg von Österreich an Italien. Daniela Eisendles Eltern übernahmen in den 1970er Jahren die Bewirtschaftung der Hütte. Heute sorgen Daniela und ihr Mann Fabrizio für das leibliche Wohl der Gäste. Der Renner bei den hungrigen Besuchern sind die Schlutzkrapfen: Teigtaschen aus Pustertaler Roggenmehl. Die Dreitausender der Texelgruppe sind ein Paradies für Naturliebhaber - und Fliegenfischer. Mehrmals in der Woche geht Lukas Fahrner in den Gebirgsbächen zum Fliegenfischen. Hier kommt er zur Ruhe und fängt den Fisch fürs Abendessen: frische Regenbogenforellen mit Bratkartoffeln und Pfifferlingen. Auf einem knappen Hektar pflegt Harald Gasser bei Barbian einen Mikrokosmos aus mehr als tausend Gemüsesorten und Kräutern. Seine Anbaumethoden sind ungewöhnlich, aber die Ergebnisse so hervorragend, dass Harald zum Lieblingslieferanten der Top-Gastronomen Südtirols geworden ist. Am Ufer des Flusses Eisack thront die imposante Trostburg. Hier lebt Terese Gröber, die seit ihrer Kindheit auf dem Hof gearbeitet und in der Burg gedient hat. Den beliebten Nachtisch ihrer Kindheit kocht sie immer noch gern: Schwarzplentene Riebler. Der Kaiserschmarrn aus Buchweizen wird mit einer Frucht vom eigenen Hof abgerundet.
16:20
Afrika wird oft als ein junger Kontinent wahrgenommen, da er erst seit dem 19. Jahrhundert als weitgehend erforscht gilt. Allerdings gehört er in Wirklichkeit zu den ältesten Kontinenten, der sich schon sehr früh in der Erdgeschichte zusammengesetzt und tektonischen Spannungen lange Zeit weitgehend standgehalten hat. Der Kontinent besteht aus bis zu drei Milliarden Jahre alten Plattenformen und war vor zwei Millionen Jahren die Wiege der Menschheit. Nach einer durch einen kosmischen Einschlag verursachten Naturkatastrophe übten die Landmassen rund um Afrika im Laufe mehrerer Millionen Jahre immer mehr Druck auf den Kontinent aus. Schließlich war die Spannung zu stark, die Erdkruste riss und der Superkontinent, in dessen Herzen Afrika sich befand, zerbrach. Die tektonische Geschichte Afrikas hat beeindruckende Landschaftsformationen hervorgebracht und bietet mit ihren vielfältigen Gesteinsformen ein einzigartiges Territorium für Forscher. In dieser Episode beginnt die geologische Zeitreise im Süden des Kontinents und verfolgt die Entwicklung Afrikas von den Ursprüngen bis zum Auseinanderbrechen des Superkontinents Gondwana in die Kontinente Afrika, Australien, Südamerika und die Antarktis.
17:05
Erdgeschichtlich gesehen ist Afrika erst seit kurzem ein eigenständiger Kontinent. Während er in seiner Frühzeit relativ stabil war, ist der afrikanische Kontinent seit einigen Millionen Jahren ständig in Bewegung und nähert sich unaufhaltsam der eurasischen Landmasse - die Kollision hat bereits begonnen. Einst trennte das Tethysmeer Afrika und Eurasien, doch dieser Ozean verschwand, und der unausweichliche Zusammenprall von Europa und Asien war von Gibraltar bis Anatolien zu spüren. Zwei Zentimeter pro Jahr schiebt sich der afrikanische Kontinent heute unaufhaltsam gen Norden. Innerhalb des Kontinents führt der Große Afrikanische Grabenbruch dazu, dass die Arabische Halbinsel abreißt. Einen Zentimeter pro Jahr entfernen sich die Platten voneinander. Der von Palästina bis Mosambik verlaufende Spalt wird Afrika in zwei Teile teilen und den gesamten Osten des Erdteils abtrennen - eine Entwicklung mit weltweiten Konsequenzen. Nachdem die vorhergehende Folge der Dokumentationsreihe sich den Anfängen Afrikas auf der Südhälfte des Kontinents gewidmet hat, steht in dieser Folge der Norden des Kontinents im Fokus. Dort wird sich die Zukunft Afrikas und der umliegenden Landmassen entscheiden.
17:50
Die Niederlande und das Wasser - ein Land und eine Naturgewalt, die untrennbar miteinander verwoben sind. In ihrer faszinierenden Landschaft sind Deiche, Kanäle, Teiche, Becken, Seen und Flüsse allgegenwärtig. Rund 16 Prozent ihrer Oberfläche bestehen aus Süßwasser, ein Drittel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Wasser und Wolkenlandschaften sind Teil der niederländischen Identität. Tatsächlich fühlen sich die Menschen seit Urzeiten zum Wasser hingezogen. Aber die ursprünglichen Systeme mit ihren breiten Flussdeltas wurden begradigt, kontrolliert und wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Die Süßwasserbiotope interessierten dabei kaum jemanden. Noch vor 30 Jahren hätte niemand dort drehen können, denn in den verschmutzten Gewässern gab es so gut wie kein Leben mehr. Aber die Zeiten dieser umfangreichen Umweltverschmutzung sind vorbei und die Nachhaltigkeitspolitik macht sich bezahlt: Zahlreiche Lebewesen haben sich ihren einstigen Lebensraum zurückerobert und tummeln sich im frischen, sauberen Nass. Wie das Wasser selbst ist auch sein Ökosystem in ständiger Bewegung. In dem von Wetter und Wolken begünstigten Kreislauf spielt das Quellwasser, das sich in Ströme und Flüsse ergießt, eine ebenso wichtige Rolle wie das scheinbar stagnierende Becken. Jedes Gewässer hat seine Geschichte und seine Protagonisten - nur der Aal ist überall zu Hause. Die Dokumentation entführt das Publikum in die verborgene, faszinierende und atemberaubend schöne Welt unter der Wasseroberfläche.
18:35
Seit Jahrzehnten werden Waldbrände weltweit heftiger und zerstörerischer. In den Sommermonaten füllen Nachrichten von katastrophalen Brandverläufen im Süden Europas die Schlagzeilen. Und doch haben Feuer und Landschaft hier eine lange gemeinsame Geschichte. Waldbrände gehören zum natürlichen Rhythmus der Erneuerung. Aus Asche folgt Wiedergeburt. Tier- und Pflanzenarten in natürlich gewachsenen Wäldern haben im Laufe der Evolution erstaunliche Anpassungs- und Überlebenstricks entwickelt. Einige Arten sind feuerresistent, andere sind sogar auf Brände angewiesen, um sich fortzupflanzen. Die andalusischen Korkeichenwälder etwa trotzen seit Jahrtausenden den immer wiederkehrenden Waldbränden. Ihre mehrere Zentimeter dicke Korkborke schützt die Bäume und die darunter liegenden Knospen vor den Flammen. Das artenreiche spanische Buschland existiert nur, weil es hier regelmäßig brennt. Einige hier lebende Arten wie das andalusische Taublatt brauchen die Brände sogar, um zu überleben. Nach jedem Feuer werden die Karten im Waldsystem neu gemischt. Zu den Gewinnern gehören anpassungsfähige Tierarten wie Manguste, Ginsterkatze und viele Gliedertiere. Ein alter, natürlich gewachsener Wald ist bei einem Brand die beste Lebensversicherung für seine Bewohner. Vom Menschen gepflanzte Monokulturen aus Kiefern und Eukalyptus dagegen brennen in den Sommermonaten oft großflächig und vernichtend nieder. Doch auch sie haben danach die Chance auf einen Neuanfang, um gegen künftige Brände besser gewappnet zu sein. Das erfordert ein Umdenken bei der Bepflanzung im Sinne einer nachhaltigen Waldnutzung.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Im Schweizer Andermatt hat der US-Konzern Vail Resorts das Skigebiet mehrheitlich übernommen. Bergbahnchef Ignaz Zopp übt nun den Spagat: Er führt den Betrieb für den börsennotierten Konzern und versucht dabei die Identität des Skiortes zu bewahren. Katia Österlund, Mitarbeiterin im Sportgeschäft und Skilehrerin, erlebt, wie Mieten sowie Immobilienpreise auf Großstadtniveau steigen. Ihr Dorf verwandelt sich in ein Luxus-Resort mit schicken Hotels, aber kaum noch bezahlbarem Wohnraum für Einheimische und Saisonkräfte. Ganz anders die "Weiße Arena" bei Flims/Laax: Hier haben Bürgerinnen und Bürger dafür gestimmt, das Skigebiet selbst zu kaufen, um es vor dem Zugriff großer Investoren zu schützen. Urs Welti, Skibauer mit eigener Werkstatt, begrüßt den Schritt. Denn er möchte nicht, dass ausländische Konzerne den wichtigsten Wirtschaftsmotor vor Ort dominieren. Im Familien-Skigebiet Schetteregg in Vorarlberg musste Geschäftsführer Hannes Waldner nach mehreren schneearmen Wintern Insolvenz anmelden. Doch nun will ein Investor den Neustart wagen: Der ortsansässige Unternehmer plant gemeinsam mit Hannes Waldner ein Ganzjahres-Angebot rund um das kleine Skigebiet. Ob es den beiden gelingt, alle Grundbesitzer ins Boot zu holen und für den Sommertourismus zu gewinnen, entscheidet über die touristische Zukunft dieser traditionsreichen Region im Bregenzerwald.
20:15
Claire ist Hebamme aus Leidenschaft und geht in ihrer Arbeit auf einer Entbindungsstation vollkommen auf. Ihr sonstiges Leben verläuft ruhig und geordnet: Ihre Freizeit verbringt sie meist allein in ihrem Kleingarten oder mit ihrem Sohn. Doch gleich mehrere Umbrüche stellen dieses wohlgeordnete Leben infrage. Die Entbindungsstation soll geschlossen werden, ihr Sohn denkt darüber nach, sein Medizinstudium hinzuschmeißen, in der Kleingartenkolonie taucht der neue Nachbar Paul auf, der hartnäckig Interesse an ihr zeigt, und dann meldet sich auch noch Béatrice, die frühere Geliebte ihres Vaters, nach mehreren Jahrzehnten bei ihr. Claire ist nicht gut auf Béatrice zu sprechen; sie gibt ihr die Schuld dafür, dass ihr Vater kurz nach Béatrices Verschwinden Suizid beging, und will daher möglichst wenig Zeit mit ihr verbringen. Béatrice jedoch hat einen Gehirntumor und nur noch wenige Monate zu leben, die sie nicht allein verbringen will. Ohne Freunde oder Familie wendet sie sich an Claire in der Hoffnung, die vergangene Beziehung wieder aufleben zu lassen. Widerwillig lässt Claire die Nähe zunächst aus Pflichtgefühl zu. Aus der Konfrontation zweier unterschiedlicher Charaktere entsteht eine unerwartete Freundschaft, die Claire zwingt, ihren Lebensentwurf neu zu verhandeln.
22:05
Was bedeuten Flucht und Vertreibung für die Betroffenen? Das beschreibt der Bestsellerautor Erich Maria Remarque in seinem zweiten großen Welterfolg "Arc de Triomphe". Der Roman erzählt die Liebesgeschichte eines verfolgten deutschen Emigranten, der unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Paris eine geheimnisvolle Frau trifft. Eine Amour fou, wie Remarque sie selbst mit der Hollywood-Diva Marlene Dietrich erlebt hat - und zwar zu einer Zeit, in der ein Leben im faschistischen Deutschland für beide Weltstars ausgeschlossen war. Die Dokumentation rekonstruiert die Parallelen zwischen dieser realen Liebesgeschichte und der fiktiven im Roman. In "Arc de Triomphe" verarbeitet Remarque nicht nur den Schmerz seines eigenen Heimatverlusts, sondern auch seine über zehn Jahre währende, aufreibende Beziehung zu Marlene Dietrich. Entlang der Lebensstationen des Paares und auf der Grundlage von biografischen und historischen Dokumenten sowie Filmausschnitten - 1947 wurde "Arc de Triomphe" in Hollywood mit Starbesetzung verfilmt - begibt sich der Film auf eine mitreißende Zeitreise. Von Paris und Antibes nach Los Angeles und New York rekonstruiert er die Entstehungsgeschichte dieses stark autobiografischen Romans, der heute als Schlüsselwerk der europäischen Exilliteratur gilt - als literarisches Vermächtnis einer langjährigen Leidenschaft zweier Weltstars.
23:00
1949 rief Simone de Beauvoirs (1908-1986) Essay "Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau" einen riesigen Skandal hervor - und wurde zum weltweiten Bestseller. Erstmals hinterfragt eine Philosophin und Schriftstellerin darin die Stellung der Frau in einer von Männern beherrschten Gesellschaft. Vor allem die tabulosen Beschreibungen von Mutterschaft, Sexualität und Abtreibung wirkten für damalige Verhältnisse schockierend. Es ist zugleich ein tausendseitiges Plädoyer für Gleichberechtigung, weibliche Unabhängigkeit und Sittenlockerung. Aber wie reifte dieses bahnbrechende Werk in Simone de Beauvoir heran? Entscheidende Impulse zur Ausarbeitung ihres berühmten Essays empfing die damals 39-Jährige im Jahr 1947, auf einer Vortragsreise durch die USA: Vier Monate lang beobachtete sie die Haltungen junger US-Amerikanerinnen auf dem Universitätsgelände und staunte über die Fügsamkeit der verheirateten Frauen. Auf dieser Reise begann sie auch eine Liebesbeziehung zu dem Chicagoer Schriftsteller Nelson Algren, der ihr sein Land nahebrachte. Entsetzt über die brutale Rassentrennung, verglich sie die Lage der Schwarzen unter der weißen Vorherrschaft mit der Situation der Frauen unter der männlichen Dominanz - ohne allerdings den doppelten Opferstatus der afroamerikanischen Frauen ausreichend zu reflektieren. Heute werden Grundrechte wie die körperliche Selbstbestimmung der Frau erneut infrage gestellt; de Beauvoirs Überlegungen scheinen aktueller denn je. Ihr Schlüsselsatz "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es" nahm die aktuelle Gender-Forschung vorweg. Der Dokumentarfilm "Das andere Geschlecht - auf den Spuren von Simone de Beauvoir" führt in der Art einer Initiationsreise an die für das Buch inspirierenden Orte. Bedeutende feministische Forscherinnen kommentieren einzelne Reisestationen: Judith Butler, Laure Murat, Silvia Federici, Kellie Carter Jackson, Caitlin Keliiaa und Françoise Vergès. Bei ihrer kritischen Neulektüre setzen sie sich mit Aktualität und Grenzen des Buches auseinander, das bis heute vielfältige Denkanstöße bietet.