18:35
Gracie ist eine lebendige, energiegeladene Rastafrau. Sie rappt gern und lebt mit ihrer zehnjährigen Tochter Anna in einem 400-Seelen-Dorf. Ihre ältere Tochter lebt bei der Schwiegermutter in Kingston - Gracie fehlt das Geld, um beide Kinder selbst großzuziehen. Das ist keine Seltenheit auf Jamaika. Gracie träumt davon, in ihrem Dorf einen kleinen Gemüseladen zu eröffnen, der den Nachhaltigkeitsregeln der Rastafari entspricht. Sie ist Händlerin und fährt wöchentlich mit einem überfüllten Truck zum Markt nach Kingston - mit Bananen, Kokosnüssen und dem, was die Saison hergibt. Die Ware kauft sie auf Kredit von den Farmern, der Gewinn reicht nur für das Nötigste. Doch Gracie lebt nach dem Motto ihrer Großmutter: "Hilf dir selbst, dann wird auch Hilfe kommen." Auch Gracies Freunde Quaco und Robert nennen sich "Großmutters Söhnchen". Schon als Kinder suchten sie mit ihren Großmüttern nach Heilpflanzen im Regenwald. Rasta Quaco gehört zu den "Top Two" der Heiler, sagt Robert. Wenn er nicht mit Quaco unterwegs ist, fährt er ein Sammeltaxi und hilft auch Gracie, die auf der Suche nach günstigem Baumaterial für ihren Laden ist. Quaco und Robert folgen ihrer Vision im tiefsten Regenwald: Sie sind auf der Suche nach der sagenumwobenen Wurzel "Four Man Strength" - benannt nach ihren vier herzförmigen Adern. Die Pflanze gilt weltweit als begehrtes Mittel zur Stärkung der Immunkräfte und als Aphrodisiakum. Quaco braucht sie, um sein spezielles Lebenselixier herstellen zu können. Die Dokumentation gibt einen intimen Einblick in die lebensbejahende und naturverbundene Lebenswelt einer Community, die mehr zu bieten hat als Reggae.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Der Norden Kenias, eine der trockensten Regionen des ostafrikanischen Landes, ist die Heimat der Samburu, eines Halbnomadenvolks, das eng mit den Massai verwandt ist. Seit Jahrhunderten leben die Hirten von der Viehwirtschaft, treiben Rinder und Ziegen über das trockene Land. Ein seit jeher höchst anfälliges Modell, denn besonders die durstgeplagten Rinder verendeten in Dürrejahren schnell. Während der letzten Trockenphase zwischen 2021 und 2023 verloren die Samburu rund 80 Prozent ihrer Tiere. Um dem künftig vorzubeugen, ließ die Regierung Dromedare an die Menschen verteilen und startete damit ein Erfolgsmodell, dessen positive Entwicklung alle überraschte. Nicht nur passten sich die Höckertiere schnell den Bedingungen im kenianischen Dornbuschland an, ihre Milch wurde zum unerwarteten Wendepunkt für die Menschen: Sie ist nährstoffreicher als Kuhmilch und in größeren Mengen dauerhaft verfügbar. Damit wird der Mangel- und Unterernährung, wie sie immer wieder in trockenen Jahren drohten, bei den Nomaden entgegengewirkt. Was die Menschen nicht selbst benötigen, verkaufen sie an Kooperativen, von denen in den letzten Jahren immer mehr entstanden sind. Bis in die großen Städte wie Nairobi liefern sie das "weiße Gold". Von dieser Entwicklung profitieren besonders Frauen auf dem Land. Denn sie sind es, die die Dromedare traditionell melken. Und sie sind es auch, die mit deren Milch nun florierenden Handel treiben.
20:15
Noch immer faszinieren uns die strahlend weißen Marmorskulpturen des antiken Griechenlands. Doch was, wenn dieses Bild trügt? Die Wissenschaft enthüllt: Die Zeit und Menschen haben die prächtigen Farbpigmente ausgelöscht, die Tempel und Statuen einst schmückten. War das "weiße Griechenland" nur eine Illusion? Dank moderner Archäologie, innovativer Technologien und experimenteller Rekonstruktionen machen Forschende und Kunstschaffende eine andere Geschichte sichtbar: die der Farben, der Polychromie. Feinste Analysen auf Ausgrabungsstätten und in Laboren bringen verborgene Pigmente ans Licht. So rekonstruieren sie die ursprüngliche Farbigkeit antiker Kunstwerke - von den Tempeln der Akropolis bis zu den Palästen von Knossos. Der Filmemacher Olivier Lemaître begibt sich auf eine europäische Spurensuche: Welche Pigmente wurden verwendet? Welche Techniken beherrschten die Menschen damals? Wie wirkten die farbenfrohen Monumente auf die Bevölkerung der Antike? Mit atemberaubenden Rekonstruktionen und digitalen Visualisierungen erweckt der Film die bunte Antike zum Leben - und zeigt, wie real die Statuen durch Hauttöne, Stoffe und Schmuck wirkten. Die Dokumentation vereint Wissenschaft und Kunst, um die Antike in neuem Licht zu zeigen: Ein faszinierender Blick auf das farbenreiche Erbe des alten Griechenlands - und die Frage, warum wir diese Geschichte fast vergessen hätten.
21:45
Es ist der 14. September 1822, als Jean-François Champollion in einem kleinen Dachzimmer in der Rue Mazarine in Paris den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen entdeckt. Mit der letzten entschlüsselten Kartusche hält er endlich das fehlende Puzzlestück in der Hand. Der Code ist geknackt - eine jahrtausendealte Zivilisation erwacht zu neuem Leben. In die Geschichtsbücher ging jedoch nur das Genie ein, dem es gelang, das Rätsel der ägyptischen Schriftzeichen zu lösen. Dabei verbirgt sich hinter diesem Erfolg in Wahrheit ein Duo: Die Brüder Jean-François und Jacques-Joseph glaubten an das Unmögliche. Ihnen ist es gelungen, was Generationen von Forschern vor ihnen vergeblich versucht hatten. Während der gesamten Arbeit schrieben sich die beiden fast 700 Briefe, die es Ägyptologen und Historikern ermöglichen, den Beitrag des älteren der Champollion-Brüder angemessen einzuordnen. Diese reichhaltige, teils unveröffentlichte Korrespondenz erzählt von den damaligen sozialpolitischen Umständen und der angespannten Lage im Frankreich nach dem Ende des Ersten Kaiserreichs - am Vorabend des "Weißen Terrors" unter Ludwig XVIII. Auch weitere Figuren spielten eine wesentliche Rolle im Leben der Brüder: ihr Förderer, der Mathematiker und Präfekt des Départements Isère, Joseph Fourier, oder der englische Gelehrte Thomas Young, den eine lebenslange Rivalität mit Jean-François verband. "Das Geheimnis der Hieroglyphen" erzählt auch von den faszinierenden Erlebnissen Jean-François Champollions, als er gegen Ende seines viel zu kurzen Lebens Tempel und Grabanlagen des alten Ägypten vor Ort erforschen durfte. Innerhalb weniger Jahre gelang es ihm, den Grundstein für die moderne Ägyptologie zu legen.
23:20
Wolfgang Amadeus Mozart und der Librettist Lorenzo da Ponte legten die spanische Don-Juan-Legende zugrunde. Auch wenn die Erzählung schon früher sehr bekannt war, wurde ihr Hauptcharakter erst durch Mozarts-Oper "Don Giovanni" zu einer legendären Figur. Diese Darstellung führte dazu, dass viele weitere Versionen der Geschichte entstanden und sie auch von Philosophen genauer betrachtet wurde. Die Handlung dreht sich um den Frauenhelden Don Giovanni, der durch seine Verführungskünste und sein lasterhaftes Verhalten zahlreiche Frauen betrügt und verlässt. Er tötet den Komtur, den Vater von Donna Anna, die er zuvor zu betören versuchte. Doch letztendlich schließen sich viele gebrochene Herzen, gehörnte Ehemänner und entehrte Väter zusammen, um den Verführer ein für alle Mal in die Hölle zu schicken. Die Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper in München übernahm erstmals David Hermann. Der "Faust"-Preisträger hat sich als einer der wichtigsten Opernregisseure seiner Generation profiliert.
02:30
Mit Werken von Maurice Ravel und Edvard Grieg präsentiert das Bergen Philharmonic Orchestra mit dem isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson zwei Meisterwerke voll klingender Leidenschaft und packender Virtuosität. "La Valse" schrieb Maurice Ravel 1919 ursprünglich als Ballettmusik im Auftrag von Sergei Djagilew für dessen Ballettensemble Ballets Russes. Ravel verarbeitet Elemente des Wiener Walzers mit allen Stilmitteln impressionistischer Harmonik und Rhythmik. Er selbst bezeichnete sein Werk als "fantastischen und tödlichen Derwischtanz". Durch schwebende Nebelschleier hindurch erkennt man walzertanzende Paare, in einem riesigen, von Kronleuchtern hell erleuchteten Raum wirbeln die Menschen im Kreis. Nach und nach mischen sich verzerrte Rhythmen und dissonante Harmonien in die Walzerseligkeit, das Stück endet in einem ekstatischen Klangrausch. Das "Klavierkonzert a-Moll" ist Edvard Griegs einziges vollendetes Konzert. Der norwegische Komponist ließ sich dazu inspirieren, als er Clara Schumann das a-Moll-Konzert ihres Mannes spielen hörte. In die romantische Klangfülle und Virtuosität des Stücks ließ Grieg auch Elemente der traditionellen Musik seiner Heimat einfließen, etwa im ersten und dritten Satz den norwegischen Springtanz Halling. Mit leidenschaftlicher Musikalität, explosiver Virtuosität und intellektueller Neugier beeindruckt der isländische Pianist Víkingur Ólafsson sein Publikum. Dabei brilliert er mit Bach ebenso wie mit dem großen klassischen Solistenrepertoire - und engagiert sich auch nachdrücklich für Neue Musik.
03:25
Nördlich von Sizilien liegen die Liparischen Inseln, deren Landschaft von Vulkanen geprägt ist - der berühmteste unter ihnen: Stromboli. Ausbrüche gehören hier zur Tagesordnung, jedoch waren die Eruptionen 2002 besonders gravierend: Über sechs Monate wälzten sich damals immer wieder neue Lavaströme über die Flanken des Stromboli. Arnaud erklimmt den Gipfel des Stromboli - um ihn herum brodelt und zischt es und durch die ständigen Eruptionen fliegen Lavafragmente wie Projektile mit mehreren Hundert Stundenkilometern durch die Luft. Trotz dieser vulkanischen Bomben ist der Glutriese ein Besuchermagnet, dessen Beliebtheit unter anderem dem Kult-Film "Stromboli" des Regisseurs Roberto Rossellini mit Ingrid Bergman zu verdanken ist. Auf der anderen Seite der Insel, im Dorf Ginostra, ist nicht viel vom Touristenrummel zu spüren. In dieser Idylle lebt Pasquale Giuffre - trotz der Gefahren, die vom Vulkan ausgehen, wollte er seine Heimat nie verlassen. Das Leben in einer Großstadt birgt seiner Meinung nach mehr Risiken. Arnauds Reise führt ihn auf die Insel Lipari. Er erforscht dort die dunkle Vergangenheit des Touristenparadieses: Früher bauten Arbeiter hier Bimsstein unter gesundheitsschädlichen Zuständen ab - diese waren so schlimm, dass der Steinbruch auch "weiße Hölle" genannt wurde. Außerdem befand sich vor rund 50 Jahren auf der Insel ein Straflager, dessen Insassen unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen mussten. Von der Hölle auf Erden zum "Himmel" der Touristen - doch eins ist geblieben: Ob Freud oder Leid - auf den Liparischen Inseln bestimmen die Vulkane über das Schicksal der Bewohner.
03:55
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.
04:40
Drei Minuten über einen Star aus der Welt des Films, der Musik, Literatur oder Mode, einen Künstler, Sportler, Politiker oder Superhelden. In dieser Folge: Donald Trump.