05:05
Rhythmus ist in der Natur allgegenwärtig, sei es im Zirpen der Zikaden, im Blinken der Leuchtkäfer, im Schwirren der Kolibris oder im Summen der Stechmücken bei der Paarung. Menschen können Melodien leicht aufgreifen, nachahmen und sogar eigene erfinden. Aber ist der Homo sapiens wirklich die einzige Spezies, die diese Sensibilität für Tonfolgen, die man Musik nennt, besitzt? Seit etwa zehn Jahren suchen Biologen und Biologinnen nach Beweisen für musikalische Fähigkeiten, die Menschen und Tiere gemeinsam haben. In Japan erforscht die Primatologin Yuko Hattori die rhythmischen Fähigkeiten von Schimpansen und untersucht dabei auch die evolutionären Ursprünge von Tanz und Musik. An der Universität Amsterdam testet Henkjan Honing das Rhythmusgefühl von Neugeborenen, um zu beweisen, dass es sich dabei um eine angeborene Veranlagung handelt, nicht um eine erlernte Fähigkeit. Dies würde auf eine biologische Grundlage für Musikalität hindeuten, die der Mensch möglicherweise mit verschiedenen anderen Spezies teilt. Als Videos des tanzenden Gelbhaubenkakadus Snowball im Internet viral gingen, rief dies den Neurowissenschaftler Ani Patel auf den Plan. Er fand heraus, dass der Papagei sich an verschiedene Musiktempi anpassen kann und immer wieder neue Tanzbewegungen erfindet - und das scheinbar nur aus Spaß. Der schottische Forscher und Musiker Alex South untersuchte die langen und komplexen Gesänge der Wale. Dabei entdeckte er, dass die Meeressäuger einander zuhören und voneinander lernen. All diese Arbeiten weisen darauf hin, dass Musikalität auch im Tierreich existiert und im Menschen biologisch tiefer verwurzelt ist als bisher angenommen.
05:55
Für Namibia Flores Rodriguez kommt die Aufhebung des Frauenboxverbotes auf Kuba zu spät. Die 47-jährige Faustkämpferin ist inzwischen zu alt, um an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Dabei ist sie mit Leib und Seele Boxerin und wollte sich nie von Niederlagen entmutigen lassen. Weil sie selbst nicht mehr bei den großen Ausscheidungskämpfen antreten darf, hat sie sich auf die Rolle der Trainerin verlegt. Sie fördert sowohl den Nachwuchs - Jungen wie Mädchen - als auch die Großen. Wie ihre Freundin Yoana Rodriguez Castillo. Die Schwergewichtsboxerin ist zwar bereits über 30, hält aber weiter an ihrem Traum fest, eines Tages bei internationalen Wettkämpfen dabei sein zu können. Doch auch wenn dies durch den Wegfall der politischen Schranken nun möglich ist, ist der Weg dorthin voller Hindernisse. Denn in Kuba fehlt es an den einfachsten Trainingsmöglichkeiten und passender Ausrüstung. So bleibt den Boxerinnen auf Kuba nur ihre unermüdliche Leidenschaft und der Enthusiasmus für ihren Sport, mit dem sie die ärgsten Mängel auszugleichen versuchen. Um ihnen hierfür einen Raum zu geben, möchte Namibia Flores einen eigenen Boxstall nur für Frauen aufbauen. Ein Novum auf Kuba und eine weitere Herausforderung. Denn wie so vieles auf der Insel ist ein Großteil der Architektur in Havanna marode und einsturzgefährdet. Doch Namibia will nicht aufgeben. Sie sieht enormes Potenzial in ihren Schützlingen und möchte verhindern, dass die jungen Kampfsportlerinnen ähnlich wie sie an unvorteilhaften Rahmenbedingungen scheitern. Noch einmal will Namibia sich nicht geschlagen geben.
06:50
Das Gericht der Indigenen von Taiwan: Cinavu / Ein Biss'chen Heimat: Jie-Fu, ein Taiwaner auf Malta / Ran an die Töpfe!
07:20
Linda Lorin lädt ein zu einer Reise an vier besondere Orte, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Bayern: Marianne von Werefkin revolutioniert die Malerei / Dem Baskischen Wal auf der Spur / Malaysia: Phylis' Curry Puffs / Irland: Die Piratenkönigin
08:05
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Demokratische Republik Kongo: Der Moloch Kinshasa / Kyoto: Stadt des Kimonos / Paris: My Taylor is Haute Couture
08:55
Dank des Photogrammetrie-Verfahrens, das die Erstellung von 3D-Modellen ermöglicht, kann die Chauvet-Höhle bis ins Detail erkundet werden. Spezialisten untersuchen die Wandmalereien und versuchen, ihre Bedeutung zu ergründen. Sie interessieren sich aber auch für die Überreste von Feuerstellen. Diese deuten auf große Feuer hin, die Muster aus Licht und Schatten auf die Höhlenwände warfen und vielleicht rituelle Bedeutung hatten. Damit könnte die Chauvet-Höhle eines der ersten "Theater" der Menschheit gewesen sein. Auch Klänge mögen dabei eine Rolle gespielt haben: Die junge Disziplin der Archäoakustik erforscht, wie prähistorische Stätten bewusst so gestaltet wurden, dass sie Stimmen und Geräusche zur Geltung brachten. Parallel dazu liefern die Arbeiten über das Zusammenleben von Menschen und Tieren erstaunliche Ergebnisse: Knochen und Kratzspuren von Höhlenbären sowie Fuß- und Pfotenabdrücke von Menschen und Wölfen lassen vermuten, dass diese Arten sich die Höhle teilten. Mit Hilfe all dieser wissenschaftlichen Ansätze zeigt die Dokumentation die Chauvet-Höhle nicht nur als Stätte künstlerischen Schaffens, sondern auch als Ort des Zusammenlebens, an dem Mythen und Rituale gepflegt wurden.
10:25
Bevor die Neandertaler vom Erdboden verschwanden, lebten sie für eine Dauer von rund 300.000 Jahren auf dem eurasischen Kontinent. Warum starben sie aus? Wie trat der Homo sapiens an ihre Stelle? Die Forschungen des Teams um Ludovic Slimak deuten darauf hin, dass Homo sapiens bereits vor rund 54.000 Jahren im Rhônetal präsent war - deutlich früher als bisher angenommen. Zugleich zeigen die außergewöhnlich gut erhaltenen Ablagerungen, dass Homo sapiens und Neandertaler die Höhle in sehr kurzer zeitlicher Folge nutzten und sich möglicherweise in der Region begegneten. In der Grotte Mandrin sind archäologische Fundstücke außergewöhnlich gut erhalten. Dies liegt an ihrer Öffnung gen Norden, durch die der Mistral Sand in sie hineinträgt. Ausgrabungen beweisen, dass Menschen die Höhle über einen Zeitraum von rund 80.000 Jahre lang immer wieder nutzten. Die Analyse von Rußablagerungen erlaubt es, Dauer und Abfolge einzelner Besiedlungsphasen erstaunlich genau zu rekonstruieren. In einer rund 54.000 Jahre alten Schicht fanden Forscher zudem winzige Feuersteinspitzen. Sie zeigen, dass die ersten des Homo sapiens, die sich in der Höhle niederließen, mit Pfeil und Bogen jagten - und das 40.000 Jahre vor der bisher angenommenen Erfindung dieser Jagdmethode. Haben diese Homo sapiens - die ersten, deren Überreste im heutigen Westeuropa gefunden wurden - die Neandertaler aus der Grotte Mandrin vertrieben? 2015 wurde eine neue Entdeckung gemacht: In einer Schicht, die auf etwa 10.000 Jahre nach der Ankunft des anatomisch modernen Menschen zurückgeht, wurden die fossilen Überreste eines Neandertalers gefunden. Sie zeigen, dass der Neandertaler in die Grotte Mandrin zurückgekehrt sein muss. Zunächst wurde seine DNA einer alten Neandertaler-Linie zugewiesen. Über einen Verwandten wurde dann aber eine neuere Abstammungslinie der Art in Südeuropa gefunden. Seither kann bei den späten Neandertalern von einem mediterranen Zweig gesprochen werden. Die Geschichte des Aufeinandertreffens zweier Arten der Gattung Mensch im Rhône-Tal ist ein archäologischer Thriller.
11:25
Vor anderthalb Jahren kannte Sofie Klippenspringen nur aus Videos in den sozialen Netzwerken. Inzwischen springt sie selbst aus Höhen bis zu zwanzig Metern. "Man ist völlig im Tunnel, weil natürlich auch ein Risiko mitspielt", beschreibt Sofie das Gefühl kurz vor dem Sprung. Ihr Freund Jonas weiß aus eigener Erfahrung, welche Folgen die riskanten Sprünge haben können. Er kämpft nach einer schweren Schulterverletzung bis heute mit einer mentalen Blockade. In diesem Sommer will Sofie zum ersten Mal bei einem internationalen Event springen und dabei auch bekannte Gesichter der Szene treffen, die sie bislang vor allem aus dem Netz kennt. Mit dabei ist auch Florian. Er ist Weltrekordhalter im sogenannten Death Diving, einer extremen Form des Klippenspringens. Seit seinem Rekordsprung aus rund 48 Metern ist er einer der Stars der Springer-Szene. Noch arbeitet er als Dachdecker, doch er träumt davon, durch Sponsoren zukünftig vom Sport leben zu können. Diesen Anspruch hatte Lionel, genannt Loulou, aus Südfrankreich nie. Mit 56 Jahren springt er noch regelmäßig von den Kalkfelsen seiner Heimat Cassis und gibt seine Erfahrung an Jugendliche weiter. Er warnt davor, sich von spektakulär inszenierten Clips in den sozialen Netzwerken zu Leichtsinn verleiten zu lassen, denn ohne Training und Sicherheitsmaßnahmen können die Sprünge lebensgefährlich sein. Für Loulou ist Angst ein wichtiger Begleiter - und doch will auch er mehr: Seit Monaten bereitet er sich auf einen Kopfsprung aus 42 Metern vor, mit dem er seinen Rekord in dieser Disziplin übertreffen will.
11:55
Der traditionelle Fleischbrei aus Oman: Harees/ Ein Biss'chen Heimat: Hamed, ein Omaner in Colmar / Ran an die Töpfe!
12:25
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Bosnien: Joe Sacco, der zeichnende Journalist / Englands zielsichere Leidenschaft / Frankreich: Foulematous Erdnusshähnchen / USA: Marie Pantalon hat die Hosen an
13:10
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Venedig: Der Spleen von Joseph Brodsky / Mexiko: Das Ritual der Quinceañera / Paris: Riechsalz im Theater
14:00
Arizona, 1874: Kurierreiter der Kavallerie Hondo Lane durchquert das Grenzland zwischen den Fronten, als er auf die einsam gelegene Ranch von Angie Lowe und ihrem Sohn Johnny stößt. Ihr Ehemann hat Angie allein mit dem Kind zurückgelassen, doch sie will ihr Zuhause nicht aufgeben, trotz der wachsenden Spannungen zwischen der US-Armee und den Apachen. Hondo, verkörpert von John Wayne, erkennt die herannahende Gefahr und beschließt, vorerst an ihrer Seite zu bleiben. Zwischen dem wortkargen Scout und der entschlossenen Rancherin entwickelt sich eine vorsichtige Annäherung. Als die Gewalt näherrückt, gerät Hondo selbst in den Konflikt zwischen den verfeindeten Lagern und muss Entscheidungen treffen, die Mut, Loyalität und Menschlichkeit gleichermaßen verlangen. Mit "Man nennt mich Hondo" schuf John Farrow einen Western, der klassische Motive mit ungewöhnlich differenzierten Figuren verbindet. John Wayne verkörpert den Titelhelden als erfahrenen Grenzgänger zwischen zwei Welten, während Geraldine Page in ihrer ersten großen Filmrolle der Figur Angie bemerkenswerte Stärke und Eigenständigkeit verleiht. Statt eindeutiger Heldenbilder setzt der Film auf moralische Zwischentöne und einen respektvolleren Blick auf die indigene Bevölkerung, als es für viele Western seiner Zeit üblich war.
15:35
Ecuador kennt man vor allem für die außergewöhnliche Tierwelt des Galapagosarchipels - aber auch das Festland bietet eine bemerkenswerte Fauna und Flora, weshalb Ecuador zu den sogenannten megadiversen Ländern der Erde gezählt wird. Die zweiteilige Dokumentation zeigt natürliche Lebensräume, die von fünf Meter unter der Meeresoberfläche bis auf über 5.000 Meter Höhe gelegen sind. Im ersten Teil erkundet Regisseur Ronan Fournier-Christol den schier unendlichen Amazonas-Regenwald im Osten des Landes und erklimmt dann die östlichen Nebelwälder bis zum höchsten Gipfel der ecuadorianischen Anden. Im zweiten Teil geht es durch die westlichen Nebelwälder hinab an die Pazifikküste und zum Galapagosarchipel. Der Zweiteiler bietet einzigartige Einblicke in das Leben der einheimischen Tierarten, zu denen Aras, Tukane, Kolibris, Bären, Kondore, Vikunjas, Affen, Seeleguane, Schildkröten, Seelöwen und Fregattvögel zählen. Jede Spezies besetzt eine eigene Nische in diesem Ökosystem, mit einer Anpassungsfähigkeit, die den Tieren in einem Habitat, das starken Veränderungen unterworfen war, das Überleben sicherte. Mit dem Auffalten der Andenkette und dem Entstehen der Galapagosinseln vor 4,5 Millionen Jahren wurden ganz neue Landschaften und Lebensbedingungen geschaffen.
16:20
Ecuador kennt man vor allem für die außergewöhnliche Tierwelt des Galapagosarchipels - aber auch das Festland bietet eine bemerkenswerte Fauna und Flora, weshalb Ecuador zu den sogenannten megadiversen Ländern der Erde gezählt wird. Die zweiteilige Dokumentation zeigt natürliche Lebensräume, die von fünf Meter unter der Meeresoberfläche bis auf über 5.000 Meter Höhe gelegen sind. Im ersten Teil erkundet Regisseur Ronan Fournier-Christol den schier unendlichen Amazonas-Regenwald im Osten des Landes und erklimmt dann die östlichen Nebelwälder bis zum höchsten Gipfel der ecuadorianischen Anden. Im zweiten Teil geht es durch die westlichen Nebelwälder hinab an die Pazifikküste und zum Galapagosarchipel. Der Zweiteiler bietet einzigartige Einblicke in das Leben der einheimischen Tierarten, zu denen Aras, Tukane, Kolibris, Bären, Kondore, Vikunjas, Affen, Seeleguane, Schildkröten, Seelöwen und Fregattvögel zählen. Jede Spezies besetzt eine eigene Nische in diesem Ökosystem, mit einer Anpassungsfähigkeit, die den Tieren in einem Habitat, das starken Veränderungen unterworfen war, das Überleben sicherte. Mit dem Auffalten der Andenkette und dem Entstehen der Galapagosinseln vor 4,5 Millionen Jahren wurden ganz neue Landschaften und Lebensbedingungen geschaffen.
17:05
Seit 350 Millionen Jahren besitzen Amphibien eine unter Wirbeltieren seltene Superkraft: Sie können die Grenzen zwischen Leben und Tod nach hinten verschieben. Amphibien entstanden, als sich die Fluten zurückzogen und bestimmte Wassertierarten zu Landwirbeltieren wurden. Seitdem sind sie in beiden Habitaten zu Hause und besiedeln nahezu alle Lebensräume. Um zu überdauern, haben manche Lurcharten lebensverlängernde Fähigkeiten entwickelt. Der Waldfrosch, auch "Eisfrosch" genannt, trotzt dem Polarwinter, indem er ein Drittel seiner Körperflüssigkeiten einfrieren lässt: Seine Leber setzt Glukose frei, die wie ein Frostschutzmittel wirkt, und seine Lebensfunktionen kommen zum Stillstand, bis der Frosch im Frühling nach stundenlangem Auftauen zum Leben zurückkehrt. Bei den tropischen Fröschen trotzen einige Arten dem gegenteiligen Extrem: Den Warzigen Makifrosch bewahrt eine aus Hautdrüsen gebildete wachsartige Schutzschicht vor Austrocknung. Doch die beeindruckendste Superkraft ist die Regeneration. Salamander können zwar nicht durchs Feuer gehen, doch manche von ihnen können Gliedmaßen nachwachsen lassen; und der Axolotl, in Mexiko die Verkörperung des Gottes Xolotl, geht noch weiter: Beim Verlust von Körperteilen bilden die Zellen eine Blastem genannte Knospe, die Gewebe, Nerven, Knochen und Haut neu programmiert, um innerhalb weniger Wochen zum Beispiel ein Bein nachzubilden. Die Wissenschaft träumt davon, dieses Wunder zu entschlüsseln, während andere versuchen, daraus Jungbrunnen-Elixiere zu gewinnen.
17:50
Amphibien gehören zu den erfindungsreichsten Überlebenskünstlern der Erde. Seit 350 Millionen Jahren entwickeln sie Strategien, um Fressfeinden, Konkurrenten und widrigen Lebensbedingungen zu trotzen. Ihre Methoden sind so vielfältig wie effektiv - und zeigen, wie kreativ die Evolution sein kann. Pfeilgiftfrösche etwa signalisieren mit knalligen Farben, dass sie giftig sind. Ihre Haut scheidet Toxine aus, die Angreifer abschrecken oder sogar töten. Andere Frösche nutzen eine ähnliche Taktik, ohne selbst giftig zu sein - sie imitieren einfach das Aussehen ihrer gefährlichen Verwandten und profitieren so von deren Abschreckungseffekt. Doch nicht alle Amphibien verlassen sich auf Gift. Manche setzen auf Tarnung: Der Glasfrosch etwa ist dank seines durchsichtigen Bauchs im Blattwerk kaum zu erkennen. Andere Arten wie der Lithodytes lineatus gehen noch weiter und verstecken sich in Ameisenbauten. Sie ahmen den Geruch der Insekten nach und werden so geduldet - ein außergewöhnlicher Trick im Tierreich. Wieder andere Amphibien haben spektakuläre Fluchtmechanismen entwickelt. Einige tropische Laubfrösche springen bei Gefahr einfach ins Leere und gleiten mit ihren Schwimmhäuten von Ast zu Ast, um Feinden zu entkommen. Der Haarfrosch wiederum fährt im Ernstfall knöcherne Krallen aus, um seinen Nachwuchs zu verteidigen - eine seltene und ungewöhnliche Verteidigungsstrategie. Auch bei der Fortpflanzung zeigen Amphibien erstaunliche Anpassungen. Männchen liefern sich Gesangsduelle, um Weibchen zu beeindrucken, oder täuschen Rivalen mit raffinierten Tricks. Einige Arten legen ihre Eier in wassergefüllten Baumhöhlen ab, um sie vor Fressfeinden zu schützen. Doch gegen einen Feind können all diese Strategien nichts ausrichten: den Menschen.
18:35
Seit 350 Millionen Jahren beherrschen Amphibien die Kunst des Überlebens - nicht nur durch Anpassung an extreme Lebensräume, sondern auch durch außergewöhnliche Fortpflanzungsstrategien. Ihre Methoden sind so vielfältig wie faszinierend, aber immer perfekt an ihre Umwelt angepasst. Einige Arten setzen auf spektakuläre Massenbegegnungen: In den Regenwäldern Französisch-Guayanas versammeln sich Tausende Frösche zu ohrenbetäubenden Paarungsritualen, bei denen die Männchen um die Gunst der Weibchen konkurrieren. Andere, wie der Blauflecken-Querzahnmolch, vermehren sich diskret ohne direkten Körperkontakt. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie entwickeln erstaunliche Strategien, um ihren Nachwuchs zu schützen und zu ernähren. Ein extremes Beispiel ist die Große Wabenkröte. Ihre Jungen wachsen in speziellen Hauttaschen auf dem Rücken der Mutter heran. Sobald sie bereit sind, durchbrechen sie die Haut und starten ihr eigenständiges Leben. Noch ungewöhnlicher geht es beim Baumhöhlen-Krötenlaubfrosch zu: Seine Kaulquappen ernähren sich von befruchteten Eiern, die ihre potenziellen Geschwister enthalten. Doch nicht nur Frösche und Kröten überraschen. Die Brut mancher Blindwühlen frisst sich buchstäblich durch die Haut ihrer Mutter, um an Nährstoffe zu gelangen. Und der Rotaugenlaubfrosch hat eine Notfallstrategie entwickelt: Bei Gefahr beschleunigen seine Embryonen ihre Entwicklung und schlüpfen früher als geplant. Manchmal skurril, oft brutal: Die Fortpflanzung der Amphibien ist ein Schauspiel der Extreme. Sie zeigt, wie weit die Natur geht, um das Überleben einer Art zu sichern.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen.
19:40
Als die junge Restauratorin Alejandra Nieto hörte, dass Menschen ihre aufgeweichten und verklebten Fotoalben wegwarfen, begann sie sofort, die beschädigten Fotos einzusammeln - um das persönliche und kulturelle Erbe zu retten, das in Form analoger Fotos existiert. Aus dem kleinen Anfang ist eine große zivile Bewegung geworden: Salvem Les Fotos (Lasst uns die Fotos retten). In der Flut-Region nahe Valencia sind mit Hilfe von Spenden vier lokale Labore aufgebaut worden. Alejandra ist überzeugt, dass jedes gerettete Foto wertvoll ist: "Sie helfen, die seelischen Wunden zu heilen." Rosa Álvarez bestätigt das. Sie hat bei der Flut ihren Vater verloren. Die Behörden lösten den Alarm zu spät aus. Er schaffte es nicht mehr, die Tür seines Hauses zu öffnen. Das Hochwasser beschädigte auch die einzigen Fotos ihrer längst verstorbenen Mutter. Zwei Jahre nach der Flut erhält Rosa eine Einladung vom Labor der Fotoretter. Nur eines ihrer vielen Fotos konnte erfolgreich restauriert werden: ein Porträt ihrer Eltern. Bei aller Trauer ist dies ein Trost: "Dieses Foto bringt mich zurück in die glücklichste Zeit meines Lebens." Paco Costa ist Fotograf. Seit Jahren hängen seine Bilder wie Wandzeitungen in den Straßen von Catarroja. "Jedes Foto ist eine Reise in die Vergangenheit." Die Flut hat die meisten Fotowände zerstört. Als der Wasserpegel gesunken war, nahm Paco seine Kamera und fotografierte die Menschen seines Heimatortes im Ausnahmezustand. 1.500 Fotos in vier Tagen. Eine einmalige Chronologie der Tragödie - und eine Erinnerung für zukünftige Generationen, so Paco: "Unser Leben geht vorbei - die Bilder bleiben."
20:15
Modernes Leben ohne Kita? Das ist heute kaum vorstellbar! Aber wie soll der ideale Kindergarten aussehen? Können im digitalen Zeitalter noch Konzepte modern sein, die schon über hundert Jahre alt sind? Eine spannende Spurensuche von den Kinderaufbewahrungsanstalten bis zu den reformpädagogischen Ideen, die unser Verständnis von früher Bildung in der Kita bis heute prägen: "Diese Kinder müssen nachts Alpträume haben", berichtet die Pädagogin Pauline Kergomard nach ihrem Besuch in einem Kinder-Asyl: "An die Wand gemalt, ein gewaltiges Auge, das alles sieht und ein übergroßes Ohr, das hört, ob die Kinder schwatzen." Sie kämpft gegen ein System, in dem schon Zweijährige lesen und rechnen lernen müssen und revolutioniert um 1900 die französische Vorschule. Erziehung mit "Kopf, Herz und Hand" ist im Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus Anfang des 20. Jahrhunderts der Leitspruch, damals ein Vorbild für ganz Europa. "Hilf mir, es selbst zu tun! " - dieser Satz von Maria Montessori verändert den Blick auf die frühe Bildung. Mit ihrer Methode löst sie eine weltweite Bewegung aus. Montessori wird zum "Popstar" der Pädagogik, anders als die französische Reformerin Pauline Kergomard oder der "Kindergartenerfinder" Friedrich Fröbel. Was ist zeitlos gültig und was Produkt einer Epoche? Der Kindergarten, ein Ort, der Kindern Chancen eröffnet, aber wie im Nationalsozialismus auch zum Ort ideologischer Vereinnahmung werden kann. Der Film erzählt die überraschend aktuelle Geschichte über den Kindergarten als Spiegel gesellschaftlicher Erwartungen.
20:55
Kirgisistan - ein Land, das die meisten Menschen auf Anhieb gar nicht auf der Weltkarte lokalisieren können. Umso überraschender ist, was das zentralasiatische Land zu bieten hat: Imposante Hochgebirge, uralte Traditionen und gastfreundliche Menschen, die mit ihrer einladenden Wärme der winterlichen Kälte trotzen. Traditionen wie der Reitsport Kok Boru oder das Manas-Epos gehören in ländlichen Regionen weiterhin zum Alltag. Das Nomadenleben war lange Zeit die beste Möglichkeit, in der Extremlandschaft zwischen Steppe, Halbwüste und Hochgebirge zu bestehen. Für viele Erwachsene ist Viehzucht auch heute noch die einzige Möglichkeit, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Um aus dieser Armut zu entfliehen, gehen die Kinder hier voller Stolz und Ehrgeiz in die Schule. Denn sie wollen eines Tages ein besseres Leben führen als ihre Eltern. Doch gerade im harten kirgisischen Winter ist der Schulweg lang, beschwerlich und voller Gefahren. Sherali (8) und sein Bruder Ali (12) reiten eineinhalb Stunden vom Haus ihrer Großeltern zur Schule: durch Dunkelheit, über Felder und über einen vereisten Bergpfad. Akzholtoy (12) und ihre Schwester Akmarzhan (6) laufen eineinhalb Stunden zu Fuß. Sie müssen einen gefrorenen Flussarm überqueren.
21:40
Das Leben der Anfang 30-jährigen Aurore ist chaotisch. Sie hält sich mit kleineren Jobs über Wasser und ihr Freund Bastien verlässt sie überraschend. Die Nachricht, dass ihr ehemaliger Cello-Lehrer Étienne Vogler gestorben ist, wirft sie noch mehr aus der Bahn. Verdrängte Erinnerungen kehren zurück, so dass sie Kontakt zu früheren Mitschülerinnen aufnimmt. Aber es wird deutlich, dass Aurore etwas aus dieser Zeit mit sich trägt, das sie von den anderen unterscheidet. Parallel dazu träumt der gleichaltrige Noé von zwei Dingen: als Journalist Fuß zu fassen und seiner großen Liebe zu begegnen. Doch die Sorge um seinen alkoholkranken Vater, der auf ihn angewiesen ist, hindert ihn, in seinem eigenen Leben voranzukommen. Fast verpasst er deswegen ein Vorstellungsgespräch bei einem renommierten Journal, für das er unbedingt arbeiten will. Noé bekommt die Stelle nicht, trifft dafür aber eine Frau und hält die Begegnung für Liebe auf den ersten Blick. Er schafft es jedoch nicht, sie nach ihrer Nummer zu fragen. Stattdessen folgt er ihr zu einem Restaurant - und in der Bar gegenüber begegnet er Aurore. Was zunächst nur eine flüchtige Begegnung scheint, entwickelt sich zu einem Abenteuer ... Für "Eines Tages werden wir uns lieben" schrieb und inszenierte Jérôme Bonnell alle drei Folgen. In den Hauptrollen spielen Natacha Krief als Aurore und Édouard Sulpice als Noé, an ihrer Seite sind unter anderem Laurent Stocker und Olivia Côte zu sehen. Bonnell widmet sich einer intimen Geschichte über Liebe, familiäre Bindungen und die Schwierigkeit, sich aus der eigenen Vergangenheit zu lösen.
22:30
Nach ihrer chaotischen gemeinsamen Nacht verabschieden sich Aurore und Noé am Morgen etwas verlegen voneinander. Eigentlich kennen sie sich kaum und rechnen nicht damit, sich wiederzusehen. Doch wie es der Zufall will, treffen sie wenig später in einem Café erneut aufeinander. Zunächst ist Aurore distanziert; da ihr aber ein Mittagessen auf dem Land bevorsteht und sie dafür dringend ein Auto braucht, bittet sie Noé, sie mit dem Wagen seines Vaters zu begleiten. Ohne von Aurore vorgewarnt zu sein, landet Noé mit ihr schließlich auf dem stattlichen Anwesen ihres Vaters bei einem Familienessen und wird dort als ihr fester Freund vorgestellt. Überrumpelt und sauer wegen dieser erfundenen Behauptung, wird Noé in eine ihm völlig unbekannte Welt hineingezogen: Er lernt Aurores Familie kennen und entdeckt hinter ihrer verschlossenen Art Abgründe, die mit ihrer Vergangenheit und ihrem ehemaligen Cello-Lehrer Étienne Vogler zusammenhängen. Auch für Aurore ist die Heimkehr schwierig und mit schmerzhaften Erinnerungen und Spannungen verbunden, besonders mit ihrem Vater. Während Noé versucht, sich zwischen den fremden Menschen und unausgesprochenen Konflikten zurechtzufinden, kommen sich die beiden näher. Aus einer durchzechten Nacht beginnt langsam eine Verbindung zu entstehen, die für beide unerwartet viel bedeuten könnte ...
23:10
Nach dem Besuch bei Aurores Familie können die Anfang 30-Jährige und der gleichaltrige Noé ihre inneren Verletzungen und Sorgen nicht mehr voreinander verbergen. Trotzdem kann Noé die Begegnung mit der anderen Frau nicht vergessen. Aurore schlägt ihm vor, mit ihrem Armband in das Antiquitätengeschäft zu gehen, wo er die Unbekannte zuletzt gesehen hat, und unter dem Vorwand, ihr den Armreif zurückgeben zu wollen, nach ihrer Nummer zu fragen. Zögerlich nimmt Noé Aurores Idee auf. Als sie vor einer Kirche anhalten, realisiert Noé nicht sofort, dass Aurore vorhat, zu der Beerdigung von Étienne Vogler zu gehen, ihrem pädophilen Cello-Lehrer. Voglers Angehörige und der Anblick des Sargs lösen in Aurore eine Panikattacke aus. Obwohl Noé sie zunächst nicht begleiten wollte, steht er ihr schließlich bei und versucht mit ihr zusammen, die Welle an Gefühlen einzufangen ... Ausgerechnet in diesem Moment meldet sich Noés alkoholkranker Vater bei ihm. Im Chaos der Gefühle setzt Noé Aurore bei ihrem Vater ab, bevor er selbst zu seinem eigenen Vater in die Stadt zurückkehrt. Währenddessen versucht Aurore, sich ihren Problemen mit ihrer Familie zu stellen. Aber wie es das Schicksal will, treffen sich die beiden am Abend erneut ... Werden sie sich schließlich einander öffnen und der Liebe eine Chance geben?