20:15
Alle im Knast mochten Lenni (Neil Körger). Und alle glaubten an die Unschuld des 25-Jährigen. Verurteilt war er für den gewaltsamen Tod einer jungen Frau vor drei Jahren. Neben seinen Schwestern Maria (Mercedes Müller) und Lisa (Anne Haug), die seit Lennis Verhaftung mit allen Mitteln versucht hatten, die Wahrheit ans Licht zu bringen, hatte auch Dr. Kaiser (Stefan Merki), Chef der Nürnberger Polizei, insgeheim Zweifel. Als Lenni sich das Leben nimmt, stürzt das die Schwestern in tiefe Verzweiflung. Kurz darauf kommt es zu einem weiteren Todesfall: Diesmal sind Karl Dellmann (Fritz Karl) und seine Frau Katja (Ursina Lardi) sowie ihre Familie unmittelbar betroffen. Wie in einem teuflischen Dominospiel überschlagen sich die Ereignisse in Nürnberg - an dessen Ende stehen sich zwei Familien, vereint in Trauer und Verlust, getrennt durch Wut und Schuld gegenüber. Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) müssen versuchen, eine Serie zu stoppen, die eine Spur der Zerstörung und des Todes zurücklässt.
21:45
Die AfD könnte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in zwei Wochen mehr als 40 Prozent erreichen - und ein AfD-Ministerpräsident in Deutschland erstmals möglich werden. Die derzeit regierende CDU liegt in den Umfragen deutlich dahinter - in Sachsen-Anhalt und in bundesweiten Erhebungen. Sind die Entwicklungen in Ostdeutschland Vorboten für die politische Entwicklung im ganzen Land? Haben die etablierten Parteien mit ihrer Politik und dem Festhalten an der Brandmauer zum Aufstieg der AfD beigetragen? Und was würde ein AfD-Wahlsieg für die Bundesregierung und die Demokratie hierzulande bedeuten? Die Gäste: Armin Laschet (CDU-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger CDU-Vorsitzender) Christian Friedel (Schauspieler, Unterstützer der Kampagne "Wahre Heimatliebe ist …") Valerie Schönian (Journalistin, ZEIT) Christian Stecker (Politikwissenschaftler, Technische Universität Darmstadt) "Caren Miosga" ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD, produziert von der MIO media im Auftrag des NDR.
22:45
mit Sport und Wetter
23:05
Das Kulturmagazin berichtet über Neuigkeiten und Bemerkenswertes aus der nationalen und internationalen Kulturlandschaft. Die Beiträge sorgten in der Vergangenheit bisweilen für Kontroversen.
23:35
In der neuen Folge "Druckfrisch" begegnet Literaturkritiker Denis Scheck der Kölner Autorin und Journalistin Seyda Kurt und spricht mit ihr über ihr Belletristikdebüt "Zeit der Monster". Und er spricht mit Musiker und Schriftsteller Sven Regener, der einmal mehr ins Westberlin der 1980er-Jahre führt. Dazu empfiehlt er Literatur, die für den Deutschen Buchpreis nominiert ist: den Roman "Die Lücken" von Shida Bazyar. Die Bestsellerliste Belletristik wird in gewohnt kritischer Weise durchleuchtet auf hopp oder top. Seyda Kurt: "Zeit der Monster" Eine Zeit, die nicht die unsere ist, aber kaum sehr weit weg von ihr: Es herrscht apokalyptische Atmosphäre im Stadtviertel, in dem ein Fitnessstudio und eine Kirche zu Treffpunkten werden, die Natur sich gegen die Bewohnerinnen und Bewohner richtet und Protagonistin Sanya eine Pistole im Rucksack herumträgt. Oszillierend zwischen Soap und Dichtung, zwischen Utopie und Revolution lässt der Roman mit seinen schillernden Figuren eintauchen in eine eventuelle Zukunft. Die Fragen, die Seyda Kurt immer wieder beschäftigen, hat sie bereits in ihren Sachbüchern "Radikale Zärtlichkeit" und "Hass" ausbuchstabiert: Wie können Menschen ein zugewandtes Miteinander leben, wie Strukturen und Rollen aufbrechen? In Köln-Kalk ist die Autorin aufgewachsen und dieser Ort scheint unverkennbar durch in ihrem Romansetting. Seyda Kurt ist Jahrgang 1992, arbeitet als Moderatorin und Journalistin und bleibt ihrem Kiez im Ruhrgebiet treu. Im "Druckfrisch"-Gespräch mit Denis Scheck erzählt sie vom Schreiben ohne Geländer, der Rolle des italienischen Schriftstellers Antonio Gramsci beim Schreiben des neuen Romans. Und wie es war, in die "Zeit der Monster" zu reisen. Sven Regener: "Frankie und Freddie" Wieder einmal zieht dieser Autor seine Linien von Bremen nach Berlin: Frankie und Freddie Lehmann, die beiden schon bekannten Brüder aus "Herr Lehmann", hat es auch in seinem neuem Roman 1980 in die Inselstadt im Osten verschlagen. Der eine versucht, sich in Kreuzberg zu verankern, für den anderen soll Westberlin nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach New York sein. Aber wie kommt man aus einem Hotel am Ku'damm wieder weg, in dem man als Proband für Antidepressiva endlich mal Geld verdient? Herrlich skurril schreibt Sven Regener in seinem siebten Lehmann-Roman über Brüder und die Suche nach einem Halt, über das Westberlin der 1980er-Jahre, von Kneipen und irrwitzigen Überlebenshandlungen. Der Frontman der Band "Element of Crime" spricht mit Denis Scheck über seine Verwurzelung im Lehmann-Kosmos, über das gar nicht so leichte Thema Depression und über das ebenso gewichtige Thema Brüder. - Die Empfehlung von Denis Scheck: "Die Lücken" von Shida Bazyar Erzählt wird dieser Roman von einer Toten. Und wovon lässt Shida Bazyar ihre gespenstische Ich-Erzählerin auf 500 Seiten erzählen? Von der Geschichte eines Dorfes namens Heimesbach im Hunsrück, das im 20. Jahrhundert zur Kleinstadt heranwächst. An die Seite dieser toten Ich-Erzählerin treten aber bald andere Bewohner von Heimesbach, denn Bayzar erzählt ihren Roman chorisch (so wie Juli Zeh oder Robert Seethaler). Während der Nazizeit wird Heimesbach zum "Gau-Musterdorf", die Einwohner erklären sich nach dem Pogrom der sogenannten Reichskristallnacht 1938 für "judenfrei", die Außenstelle eines KZs liegt nur sieben Kilometer entfernt, aber davon will man "im Land der Erinnerungsweltmeister" in der frühen Bundesrepublik nichts mehr wissen. Satirischer Höhepunkt des Romans ist ein Interview, das ein junger Kunststudent mit seinem Großvater über dessen Erfahrungen in der Nazizeit führt. Ein unter die Haut gehendes deutsches Kabinettstück über Verdrängung, Verleugnung und Geschichtsklitterung. Shida Bazyar erzählt von fünf Familien, zwei davon kommen aus dem Iran als Migranten nach Heimesbach, ihre Erfahrungen kontrastiert "Die Lücken" reizvoll mit den Ausgrenzungen, denen die jüdische Bevölkerung in Heimesbach ausgesetzt ist. Bazyar erzählt die Geschichte von Heimesbach als "Ein Geben und Nehmen, ein Erben und Vererben. Und ein Rauben. Denn von den 42 Jüdinnen und Juden, die 1933 im Ort lebten, beraubte man alle, ganz gleich, ob sie Läden führten oder im Viehhandel tätig waren. Ob sie fliehen mussten, überleben konnten oder ermordet wurden." Die kunstvolle Vernetzung der 45 Kapitel, u. a. aus Perspektive einzelner Bewohner Heimesbachs erzählt, die ungeheure Wucht, mit der Shida Bazyar ein ganzes Dorf und seine Geschichte glaubhaft aus dem Erdboden stampft und dabei zentrale Fragen nach Erinnerung und Verdrängung stellt, nach den Wurzeln des Bösen und nach der Bedingung für Versöhnung, machen diesen Roman in Schecks Augen zum Ereignis. Gut möglich, dass "Die Lücken" für Ärger sorgen wird - nicht nur im Hunsrück. Recht so! Das haben Thomas Manns "Buddenbrooks" und "Die Blechtrommel" von Günter Grass auch getan. Außerdem wie immer: Denis Schecks pointierte Revue der "Spiegel"-Bestsellerliste: diesmal Belletristik.