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Das Kulturmagazin berichtet über Neuigkeiten und Bemerkenswertes aus der nationalen und internationalen Kulturlandschaft. Die Beiträge sorgten in der Vergangenheit bisweilen für Kontroversen.

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Literatur

- Siri Hustvedt: Ghost Stories "Ich möchte ein Geist werden" - das hat der Schriftsteller Paul Auster zu seiner Frau, der Autorin Siri Hustvedt gesagt, als klar war, dass er sterben wird. 43 Jahre lebten und arbeiteten die beiden Seite an Seite, im Mai vor zwei Jahren wurde Paul Auster beerdigt. "Ghost Stories" ist das vieldeutige und vielschichtige Buch betitelt, mit dem Siri Hustvedt ihrem Mann und ihrer eigenen Trauer ein Denkmal gesetzt hat. Es ist ein Buch der Erinnerungen, eine assoziativ zusammengestellte Collage aus Briefen und E-Mails, Erfahrungsberichten und Tagebucheinträgen, theoretischen Reflexionen und Rückblicken. Wir kommen dieser Familie sehr nahe, in allen Verästelungen, sind etwa bei der Geburt des Enkels dabei und lesen sehr intensiv von der Todesstunde Paul Austers. Allerdings nie voyeuristisch, denn dies ist eine Geschichte des Verlusts, die ebenso existenziell wie allgemeingültig ist. Es gibt Bücher, die wie Medizin sind. Dieses ist eins, auch, weil es als Selbstmedikation gegen die Trauer geschrieben ist. Im Gespräch mit Denis Scheck erzählt Siri Hustvedt, dass sie einfach das getan hat, was sie kann: Schreiben, um sich selbst eine Medizin zu geben, und auch jedem oder jeder, die jemanden verloren hat und mit der Trauer umgehen muss. - Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel In drei Teilen, durch drei Materialien oder Zustände, von sehr fest bis sehr diffus, so schreibt sich Judith Schalansky durch das, "Woraus wir gemacht sind"-der Untertitel dieses Buches. Zwischen Essay und Erzählung tänzelt die Schriftstellerin dabei und nimmt sich selbst als Taschenlampenstrahl auf die umgebende Wirklichkeit wahr. Es beginnt mit dem Blick auf einen riesigen Marmorblock auf einer griechischen Fähre, der zu der Frage führt, weshalb wir Menschen das Schöne nicht an seinem Platz lassen können, sondern zerhacken und transportieren müssen. Das Quecksilber-Kapitel führt unter anderem in die ostdeutsche Kindheit Schalanskys, wobei der dritte Teil auch einen Aufstieg zum nebelverhangenen Brocken samt seinen Gespensterchen bereithält. Judith Schalansky ist Schriftstellerin, Buchgestalterin und Herausgeberin der "Naturkunden"-Reihe bei einem Berliner Verlag. Die traditionsreichen Frankfurter Poetik-Vorlesung, die vor ihr etwa Christian Kracht oder Judith Hermann bestritten haben, gibt es nun nachzuvollziehen. Im Sommer 2025 hat Schalansky sie gehalten, nun spricht sie mit Denis Scheck über das daraus entstandene Buch. - Die Empfehlung von Denis Scheck: Das gute Übel von Samantha Schweblin,übersetzt von Marianne Gareis Dieser Erzählungsband mit feministischen Horrorgeschichten hat gerade den mit einer Million Euro dotierten Aena-Preis für das beste spanischsprachige Buch gewonnen. Zu Recht, hallen die Geschichten in ihm doch unheimlich lange nach. Zum Beispiel die einer von ihren Kindern überforderten Frau, die sich einen Amboss um den Bauch bindet und von einem Steg in einen See springt, offenbar in der Absicht, sich umzubringen. Ein Nachbar beobachtet sie, ohne einzugreifen. Als die Kinder von der Schule mit einem Kaninchen nach Hause kommen, das sie kurze Zeit beherbergen sollen, kommt es zu einem flirrenden Showdown mit dem Nachbarn, wo Suizid und Mord plötzlich gleich wahrscheinlich sind und nicht nur das Kaninchen um sein Leben fürchten muss. Samanta Schweblin ist als Autorin von Kurzgeschichten so originell und innovativ wie ihre nordamerikanischen Kollegen George Saunders oder David Foster Wallace. Ob Schweblin von einem Jungen erzählt, dem die Knopfzelle einer Fernbedienung in der Speiseröhre steckenbleibt und der dadurch so schlimme Verätzungen erleidet, dass er sein Sprachvermögen verliert, oder von zwei Schwestern, die bei einer alkoholkranken Dichterin "Inspiration" spielen und ihr mal als helfende Engel, mal als alptraumhafte Plagegeister erscheinen: Immer erwächst der Schrecken in diesen Erzählungen aus plausiblen Alltagssituationen, die plötzlich ins Unheimliche kippen. Und wie immer: Denis Schecks pointierte Revue der Spiegel-Bestsellerliste, diesmal Belletristik. Musik-Act sind diesmal die hochtalentierten und experimentierfreudigen Schlagzeuger des Münchner Simon-Popp-Trios. Eine Entdeckung!