20:15
Alljährlich präsentieren die Wiener Philharmoniker zum Jahreswechsel ein schwungvolles und facettenreiches Programm aus dem Repertoire der Strauss-Dynastie und deren Zeitgenossen. Erstmals wird der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2026 am Pult der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins stehen. Seit gut 15 Jahren ist er dem Orchester musikalisch wie freundschaftlich verbunden. Wobei das Sommernachtskonzert 2023 der bisherige Höhepunkt der künstlerischen Zusammenarbeit war. Gemeinsam mit Nézet-Séguin versuchen die Wiener Philharmoniker programmatisch auch teils neue Akzente zu setzen, und so werden auch Werke der Komponistinnen Josephine Weinlich und Florence Price erklingen. Die beiden Balletteinlagen - getanzt vom Wiener Staatsballett - wurden im Museum für angewandte Kunst sowie in der Wiener Hofburg gedreht. Die Choreografie wurde von John Neumeier kreiert, der über 50 Jahre lang das Hamburg Ballett geleitet hat und mit seinen außergewöhnlichen Kreationen zu den bedeutendsten Choreografen unserer Zeit zählt. Die Ballettkostüme stammen vom Schweizer Designer Albert Kriemler, Kreativchef des Modelabels Akris. Für die Bildregie von Ballett und Liveübertragung zeichnet Michael Beyer verantwortlich, den Live-Kommentar zum Konzert gestaltet Radiomoderatorin Teresa Vogl.
22:45
Die "Tiroler Festspiele Erl" bieten ein Kontrastprogramm zum hektischen Opernbetrieb in der Stadt. Seit September 2024 übernimmt Startenor Jonas Kaufmann die künstlerische Leitung in Erl. In dem kleinen Tiroler Dorf nah der bayrischen Grenze schlendert das Publikum über die grüne Wiese zum architektonisch und akustisch herausragenden Festspielhaus. Der schwarze, scharfkantige Bau wirkt wie ein auf der Wiese gelandetes Ufo. Der vielseitige Opernsänger Jonas Kaufmann ist auf den Bühnen der Welt zu Hause. In Erl übt sich der Publikumsliebling nun in seiner neuen Rolle als Intendant am Land. Beim Programm setzt Kaufmann auf Kontinuität mit neuen Akzenten. So erarbeitet in seiner ersten Sommersaison ein junges Team die zeitgenössische Oper "Picture a Day Like This", Regisseur Claus Guth wagt sich an eine Neuinterpretation von "Herzog Blaubarts Burg" als Thriller, und neben klassischen Liederabenden werden auch Lesungen und ein Stummfilm mit Livemusik geboten. Kulturredakteurin Teresa Andreae hat den Neo-Intendanten Jonas Kaufmann in seinem ersten Festivalsommer mit der Kamera über Maisfelder und hinter die Kulissen begleitet und geht der Frage nach, was die "Tiroler Festspiele Erl" von anderen Festivals unterscheidet.
23:15
Die junge Schwedin Linnéa verlässt ihre Heimat, weil sie in den USA ein Filmstar werden will. Allerdings hat sie nicht das klassische Hollywood im Visier, sondern die Erotikbranche. Als Bella Cherry möchte sie in Los Angeles eine Karriere starten. Der Einstieg ist relativ einfach, doch dann lernt die junge Frau die harten Seiten und Machtstrukturen des Business kennen. Wie weit ist sie bereit zu gehen, um ihr angestrebtes Ziel zu erreichen? Die 19-jährige Linnéa reist mit einem ganz speziellen Traum im Gepäck nach Los Angeles. Die junge Schwedin hat sich vorgenommen eine Karriere im Pornobusiness zu starten. Das Casting per Handy ist nur eine Formalität mit Altersnachweis und die erste Szene mit Bella Cherry folgt umgehend. Eine Unterkunft findet sie in einer WG mit anderen Erotikdarstellerinnen. Mitbewohnerin Joy wird zu ihrer besten Freundin, von der sie auch wichtige Tipps erhält. Doch schnell erkennt Bella, dass das Pornobusiness ein knallhartes Geschäft ist. Vor und hinter der Kamera existieren Machtstrukturen, die weitestgehend von Männern dominiert werden. Vor allem die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Produzenten verspricht lukrative Aufträge und Bekanntheit. Also setzt Bella alles daran, um auf sich aufmerksam zu machen. Das Ziel ist, in einer Liga mit ihrem großen Vorbild Ava Rhoades zu spielen. Doch dafür muss sie nicht nur an ihre Grenzen gehen, sondern darüber hinaus. Regisseurin Ninja Thyberg: "Porno ist ein extrem wichtiger Teil unserer Kultur und wird heute mehr denn je konsumiert, ob wir es wollen oder nicht. Er existiert in einer parallelen Schattenwelt, und nur wenige wagen es, das Thema anzusprechen. Wir masturbieren heimlich, distanzieren uns aber öffentlich und stigmatisieren Menschen in diesem Geschäft, indem wir ihnen eine Schande aufbürden, die eigentlich unsere eigene ist." Als Grund für ihre Einreise in die USA gibt Linnéa "Pleasure" (Vergnügen) an. Doch es wird nicht verraten, was genau sie dazu bewegt hat, aus eigenem Antrieb in die Branche einzusteigen. Auch dadurch gelingt es der schwedischen Regisseurin Ninja Thyberg in ihrem Langfilmdebüt einen vorurteilsfreien Blick auf das Pornobusiness zu präsentieren. Und letztendlich ähneln die schonungslosen Regeln und Machtstrukturen dann auch denen, die in anderen bedeutenden Wirtschaftszweigen herrschen. Somit reduziert sich der Film nicht nur auf eine Betrachtung der Sexindustrie, sondern regt auch an, über gesellschaftliche Normen, persönliche Träume, Identität und sexuelle Selbstbestimmung zu reflektieren. Um eine größtmögliche Authentizität zu erreichen, wurden fast alle Rollen, abgesehen von der Hauptfigur, mit Darstellern besetzt, die tatsächlich in der Erotikbranche tätig sind. "Pleasure" wurde auf zahlreichen Festivals mit Preisen ausgezeichnet und erhielt praktisch durchweg positive Kritiken.
01:00
Emma, eine Schriftstellerin, beschließt, ein Buch über Prostitution zu schreiben - und lernt dabei am eigenen Leib unterschiedlichste Seiten der Arbeit in einem Bordell kennen. Als Emma dem jungen Ian begegnet und von ihrer Sexarbeit erzählt, stehen beide vor einer kniffeligen Entscheidung. - "La Maison" ist die Verfilmung des aufsehenerregenden Bestsellers der Französin Emma Becker, die in ihrem Buch eigene Erfahrungen beschreibt. Die französische Schriftstellerin Emma ist 27 und lebt mit ihrer jüngeren Schwester Madeleine in Berlin. Sie führt eine Gelegenheits- und Fernbeziehung mit dem verheirateten Stéphane, der sie ab und zu in Berlin besucht. Als sie ihm erzählt, dass sie ein Buch über Prostitution schreiben und sich deshalb als Prostituierte versuchen möchte, ist er fassungslos. Ihre Schwester nicht weniger. Doch Emma lässt sich nicht abbringen. Das erste Bordell, in dem sie es versucht, ist allerdings kein guter Ort, und schon bald macht sie unliebsame Erfahrungen mit einem unkontrollierbaren Freier. Doch im "La Maison" hat sie mehr Glück: Dort führt Inge (Hildegard Schroedter) wie eine Mutter Regie und passt auf. Auch ihre Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Ländern und Milieus gefallen Emma. Eine große Bandbreite von Männern begegnet ihr: alte, junge, Machos, sexgierige und Genießer, aber auch verklemmte und schüchterne Anfänger. Aus wenigen Monaten werden zwei Jahre, in denen sie Material für ihr Buch sammelt - möglichst unauffällig. Sie erlebt gefährliche Situationen, Geheimnistuerei und Isolation, aber sie erlebt sich auch als stark und selbstbestimmt. Doch dann lernt sie Ian kennen, verliebt sich in ihn - und steht vor einer kniffeligen Entscheidung. "La Maison - Haus der Lust" entstand nach dem 2020 auch in Deutschland erschienenen gleichnamigen Bestseller von Emma Becker, der in Frankreich mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Die 1988 im Großraum Paris geborene Becker verarbeitete in ihrem dritten Roman eigene Erfahrungen während ihrer Zeit in Berlin. Im "Stern", aber nicht nur dort, wurde der Roman begeistert aufgenommen: "So zwingt Emma Becker ihr Publikum - manchmal frech, manchmal lüstern, immer nachdenklich und literarisch eindrucksvoll - letztlich mit über die Grenze und eröffnet eine Welt jenseits der bekannten Klischees." Die Filmemacherin Annissa Bonnefont war zunächst mit Dokumentarfilmen bekannt geworden, unter anderem über den Modedesigner Olivier Rousteing vom Pariser Modehaus Balmain. Fast wäre sie zu spät auf das Projekt aufmerksam geworden und kam erst durch den Rückzug eines anderen Regisseurs zum Zug. Gemeinsam mit Emma Becker und der Hauptdarstellerin Ana Girardot ("Der Wein und der Wind", "Einsam Zweisam") entwickelte sie das Drehbuch und die Hauptfigur, wobei es nicht zuletzt um die Arbeit und die Umstände beim Dreh der zahlreichen Nacktszenen ging: "Schon ab den Kamera-Tests arbeiteten wir am Thema Nacktheit, Anas Auftreten, damit sie von Anfang an natürlich rüberkommt. Im Drehbuch ist Nacktheit nie spekulativ, jede Sex-Szene soll etwas sagen und die Geschichte voranbringen." Ana Girardot gelingt es tatsächlich, die komplexen Motive Emmas zum Ausdruck zu bringen, auch ihre Zerrissenheit im Umgang mit dem Buchprojekt und seinen ganz besonderen Herausforderungen. Neben Girardot ist mit der Deutschen Hildegard Schroedter ("Deutsches Haus") als Bordell-Leiterin sowie Aure Atika ("The Night Manager", "Ein Sommer in der Provence") und der Almodóvar-Ikone Rossy de Palma weitere namhafte und internationale Frauenpower vertreten.
02:25
Im Eryri-Nationalpark im Nordwesten von Wales verbinden sich wilde Berge mit britischer Industriegeschichte. Heute spielt dort neben dem Tourismus auch Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Viele kennen den Eryri-Nationalpark unter dem Namen "Snowdonia" als einen der ältesten britischen Nationalparks. Da dort walisisch gesprochen wird, nutzt man wieder Ortsnamen in der Landessprache - auch für den höchsten Berg, Yr Wyddfa - früher "Snowdon" genannt. Seit 1985 führt die "Snowdon Mountain Railway" - eine Zahnradbahn mit Dampfantrieb - auf den Gipfel des Yr Wyddfa. Für Zigtausende von Touristen bietet die Bahn eine bequeme Aufstiegsmöglichkeit. Wer es gern abenteuerlicher mag, dem bietet der Eryri-Nationalpark wilde Wanderwege und klassische Kletterrouten. In den malerischen Tallandschaften entstehen außerdem immer mehr barrierefreie Wander- und Fahrwege, die auch naturbegeisterten Menschen mit körperlichen Einschränkungen traumhafte Naturerlebnisse ermöglichen.
03:10
Norwegen gilt als eine der einsamsten, aber auch schönsten Regionen der Erde. Die Reise beginnt in Bergen und führt über die Lofoten und Tromsø bis zum Nordkap und zum Kirkenes Bay. Es ist das Land der eisigen Polarnächte, in denen im Winter die Nordlichter über den Nachthimmel tanzen und die schneebedeckte Landschaft in ein spektakuläres Licht tauchen. Im Sommer geht die Mitternachtssonne über dem Polarkreis mehrere Wochen lang nicht unter.
03:40
Über Wasser und Land geht es von der Hansestadt Wismar über das Seebad Heiligendamm, den Kreuzfahrthafen Warnemünde und die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst bis zur Insel Hiddensee. Abstecher führen in die atemberaubende Natur des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft mit Dünen, sturmgebückten Kiefern und den Kranichen mittendrin, aber auch zur Hanse und ihren Koggen - und natürlich auf See. Dort tüfteln Wissenschaftler daran, dass der Plattfisch künftig durchs Netz schlüpfen kann. In Rerik wird das Geheimnis gelüftet, wie das Salzhaff zu seinem Namen kommt. Nicht weit entfernt, in Kühlungsborn, steht ein grauer Zeitzeuge: der letzte Ostseegrenzturm. Welche Rolle spielte er in der DDR? Und warum ist es gut, dass er noch heute dort steht? In Heiligendamm wird es historisch: Der mecklenburgische Großherzog geht samt Gefolge baden. Auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst laden in Ahrenshoop Künstler in ihre Ateliers. Die Maskenbastler aus Born hingegen verstecken sich hinter ihren Masken. Mit großem Spektakel und hoch zu Ross werden nebenan die Heringstonnen abgeschlagen. Aber woher stammen die bekannten "Darßer Türen"? Das Fischen mit den Zeesbooten hat Tradition in Mecklenburg-Vorpommern, ebenso das Regattasegeln. Auf Hiddensee fallen die Hausmarken der alten Inselfischer ins Auge, auch der Dornbusch mit seinem Leuchtturm, und allgegenwärtig ist der Künstler Gerhart Hauptmann. Der Schriftsteller hatte sich vor 130 Jahren in die kleine, damals einsame Insel verliebt. Vor allem wohl der Küstenlandschaft wegen, die die Ostsee mit ihrer gewaltigen Natur unentwegt neu formt. Grandiose Luftbilder zeigen diese Arbeit des Meeres.
04:40
Die Urlaubsreise auf den Planken eines historischen Segelbootes führt von Stralsund über Rügen bis zur Insel Usedom entlang der Ostseeküste Vorpommerns. Die Backsteingotik der Hansestadt Stralsund wurde zum UNESCO-Welterbe erklärt. Dort träumt die Museums-Crew der ersten "Gorch Fock" vom wieder segelnden Windjammer. Und was hatte dort der alte Fischkonservenfabrikant mit Bismarck am Hut? Am Kap Arkona auf Rügen sind Archäologen bei der Arbeit am Stahlseil gesichert, weil sie sonst ins Meer zu rutschen drohen. Rügen liegt auf einem Brocken Kreide, was die Küste der Insel einmalig macht. Die Kreideklippen von Jasmund sind ein Naturschauspiel, das im Königsstuhl seine Krönung findet. Jedenfalls noch heute, denn kaum etwas anderes auf dieser Insel ist so vergänglich wie die weiche Kreide. Ihre Bestandteile waren Teile von Lebewesen, Abdrücke und Versteinerungen erzählen davon. Weitere Stationen der Reise sind das Ostseebad Binz mit seinen Logierhäusern in Bäderarchitektur, die "Weiße Stadt" Putbus und das Jagdschloss Granitz, Mönchgut und die Insel Vilm, Bootsbauer in Lauterbach und Kegelrobben auf der Sandbank Großer Stubber. Segelt man über den Greifswalder Bodden, liegt Greifswald mit dem benachbarten Hafenort Wieck am Ryck und der Klosterruine Eldena, die schon Caspar David Friedrich inspirierte, nicht weit entfernt. Dessen Angehörige waren alle Seifensieder und Kerzenmacher. Damals ein einträgliches Handwerk, das heute im Caspar-David-Friedrich-Zentrum noch lebendig ist. Dann ist die Insel Usedom mit dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde auf seiner nördlichsten Spitze das Ziel. Das Filmteam trifft den Kaiser und sein Gefolge in Heringsdorf, einen eifrigen Bademodensammler und einen jungen Käpt'n auf der ältesten Seebrücke Deutschlands. Mit einem der letzten Strandfischer geht es über die brausende Brandung vor Ahlbeck. Die Seenotretter von Zinnowitz holen ihren "Hecht" aus der Garage. Und kurz vor Sonnenuntergang bricht ein Bernsteinfischer zur Jagd nach den "Tränen der Götter" auf, die vor Millionen Jahren tief im Grund der Ostsee verschüttet und nun wieder an der vorpommerschen Küste angespült werden, zwischen Stralsund, Rügen und Usedom, im Land zwischen Belt und Bodden.