19:22
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20:00
ARD-Nachrichten aus dem In- und Ausland auf den Punkt gebracht. Die "Tagesschau" bietet die wichtigsten Nachrichten des Tages und zusätzliche Informationen in Text, Bild, Audio und Video sowie umfassende Berichte und Hintergründe zu aktuellen Themen und Entwicklungen.
20:15
Nahe der steirischen Grenzmur-Au liegt ein aufgelassener Schotterteich. Wo einst Bagger ihre Spuren zogen, soll nun ein Naturparadies entstehen. Der Film zeigt, wie viel Wissen und Geduld es braucht, will man der Natur Lebensraum zurückgeben, um wieder Platz zu bieten für Biber, Ufer- und Flussseeschwalben, für die größte Libelle Österreichs, die seltene Europäische Sumpfschildkröte oder den Heerwurm. Im steirischen Sicheldorf, nahe der slowenischen Grenze, liegt ein aufgelassenes Schotterabbaugebiet. Wo einst Bagger Spuren zogen, wurde ein karger Schotterteich zurückgelassen. Der Naturschutzbund Steiermark hat das weitläufige Industriegebiet nun erworben. Dort soll ein Naturparadies entstehen - ein Rückzugsort, ein Trittstein, ein vielfältiger Lebensraum. Schon heute ist der Teich ein Überwinterungsplatz für viele Vogelarten, doch die einstige Industriefläche soll um vieles artenreicher werden und Tieren der umliegenden Grenzmur-Au langfristig gesichert weiteren Lebensraum bieten. Naturfilm-Regisseurin Waltraud Paschinger und Kameramann Franz Posch begleiten zwei Jahre lang die Maßnahmen der Naturschützer, Biologen und Ornithologen. Der Film zeigt neben eindrucksvollen Natur- und Tieraufnahmen, wie viel Wissen und Geduld es braucht, will man der Natur Lebensraum zurückgeben, um so wie hier wieder Platz zu machen für Biber, Ufer- und Flussseeschwalben, für die größte Libelle Österreichs, die Riesenquelljungfer, für die einst hier heimische Europäische Sumpfschildkröte oder den sagenumwobenen Heerwurm. Erste Maßnahmen zeigen bereits Erfolg, für andere wird wohl noch Jahre Geduld vonnöten sein. So wurde vom Naturschutzbund schon bald nach Übernahme des Gewässers eine Uferböschung abgegraben. Daraus ist ein Steilhang entstanden, wie er einst an Flussläufen mit natürlicher Dynamik Uferschwalben Brutplatz bot. Und tatsächlich: Rasch hat eine Kolonie von 50 bis 60 Uferschwalben den neuen Platz angenommen. Das selbst gebaute, mit Kies gefüllte Floß hingegen, das nun auf dem Teich treibt, wird wohl erst in Jahren seine Bestimmung als Brutplatz finden. Aber vielleicht kommen sie zurück, die Fluss-Seeschwalben. Die kleinen möwenartigen Vögel gelten in der Steiermark seit 100 Jahren als ausgestorben. Ihnen fehlen die Schotterbänke auf den begradigten Flüssen. Auch die Europäische Sumpfschildkröte könnte am Sicheldorfer Teich wieder heimisch werden. Ein slowenisch-österreichisches Wissenschafter-Team ist auf der Suche nach geeigneten Weibchen für ein Zuchtprogramm. Mit etwas Glück gelingt die Vermehrung, und die Jungtiere könnten schon bald an den neuen, flachen Uferstellen ausgewildert und so in die steirische Aulandschaft zurückgebracht werden. Noch aber ist die Renaturierung des Sicheldorfer Teiches nicht vollendet. Es ist ein Projekt, der Versuch engagierter Menschen, verlorene Au-Lebensräume zurückzuholen, ein verwobenes Mosaik an Landschaftsformen anzubieten und sie der Natur zu überlassen. Die Dokumentation "Das Geheimnis der Au" belegt mit eindrucksvollen Bildern die ersten Schritte und zeigt, was der nun vom Naturschutzbund geschützte Lebensraum der nahegelegenen Grenzmur-Au in Zukunft noch bringen könnte.
21:05
Jahrtausende alt, mystisch, nebelumwoben: Moore sind Lebensraum hoch spezialisierter Tiere und Pflanzen, Klimaschützer und Bewahrer einer weitgehend unerforschten Welt an Mikroorganismen. Die Naturfilmerin Waltraud Paschinger und der Kameramann Franz Posch tauchen in den Lebensraum österreichischer Moore ein. Dabei ist das Filmteam unter anderem auf Kugelnester bauende Zwergmäuse und auf Spinnen, die übers Wasser laufen, gestoßen. Die Moore in den Alpen entstammen der Eiszeit. Die Gletscher schürften Täler und Becken in die Landschaft, in denen sich Wasser sammeln konnte. Es entstanden flache Seen, die verlandeten und zu Mooren heranwuchsen. Lange unbemerkt und in den 1950er-Jahren noch als "nutzloses" Land beschrieben, rücken Moore nun immer stärker ins Blickfeld der Wissenschaft. Denn auch das Moor-Mikrobiom, die Zusammensetzung von Mikroorganismen, die für alle Stoffwechselvorgänge, die Gesunderhaltung der Erde und aller Lebewesen verantwortlich ist, erweist sich im Moor als besonders vielfältig, unbedingt schützenswert und weitgehend unerforscht. Heute gibt es viele Übergangsformen, vom Moorteich zu Schilfwäldern in Flachmooren und zu Hochmooren, die mit Torfmoosen bedeckt sind. Waltraud Paschinger und Franz Posch haben das praktisch ausgestorbene Karlszepter entdeckt und Zwergbirken in "nebelrauchenden", seltenen Hangmooren in Szene gesetzt. Sie begleiten Experten des Naturschutzbundes Steiermark bei der Rettung von Moorland und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Forschungen im Pürgschachen Moor nahe Admont. Auch bei Renaturierungsarbeiten der Österreichischen Bundesforste war das Team dabei und hat dem Steirischen Naturschutzbund bei Arbeiten zur Moorerhaltung und Wiedererschaffung von Lebensraum für seltene Moorbewohner über die Schulter geschaut. Außerdem erzählt die Dokumentation die Geschichte eines Mönchs, der einst am Furtner Teich im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen die Vogelkunde vorangetrieben hat. Waltraud Paschinger haben die Moore vor allem bei Nacht beeindruckt. Ihre Erinnerung an die Dreharbeiten: "Der kühle feuchte Wind, die Tierstimmen, das ein bissl Schaurige, wenn es plötzlich raschelt oder gluckst. Da werden alle Sinne wach, und man merkt, dass man sie noch hat." Kameramann Franz Posch ergänzt: "Die größte Herausforderung beim Filmen war, dass wir nie festen Boden unter den Füßen hatten. Alles ist feucht, wackelig und schwammig. Doch wir hatten auch Spaß: Nicht selten sind unsere Gummistiefel im Moor festgesteckt, und wir sind mit dem nächsten Schritt mit den Socken eingetaucht!". Trotz beeindruckender Landschaftsaufnahmen und liebenswerter, überraschender Tiergeschichten lässt der Film nicht vergessen, dass 90 Prozent der Moore bereits verschwunden sind. Sie wurden trockengelegt, wurden zu Wiesen, Feldern und Wäldern oder abgetorft. Dadurch kann der über Jahrtausende gespeicherte Kohlenstoff als Klimagas entweichen. Man vermutet, dass Österreichs trockengelegte Moore so dieselbe Menge an klimarelevanten Gasen erzeugen wie der gesamte Flugverkehr über Österreich. Um mehr zu erfahren, wurde im Pürgschachenmoor bei Admont ein Messturm errichtet.
22:00
Das tägliche Nachrichtenmagazin des ORF-Fernsehens. Von Montag bis Freitag liefert "ZIB 2" einen Überblick über die Ereignisse des Tages und bietet dabei vor allem vertiefende Hintergrundinformationen.
22:29
Eva ist 83, Dieter 86. Im Winter 1952 haben sie das erste Mal miteinander getanzt. Sie haben sich Liebesbriefe geschrieben und ein gemeinsames Leben ausgemalt. Sie haben geheiratet, ein Haus gebaut und drei Kinder bekommen. Eine Tochter haben sie verloren. Zu Beginn der Dreharbeiten sind Eva und Dieter seit 66 Jahren ein Paar. Was bleibt davon und was zählt jetzt noch? Für ihren Dokumentarfilm "Für immer" hat Pia Lenz die letzten gemeinsamen Jahre des Paares begleitet. Ihr Film ergründet das Leben und die Liebesgeschichte dieser beiden Menschen, die es geschafft haben, gemeinsam alt zu werden. In ruhigen und poetischen Bildern sucht der Film nach Antworten auf die Frage, was am Ende eines Lebens noch zählt. Über einen Zeitraum von vier Jahren begleitet der Film das Paar und zeigt, was es heißt, wenn die gemeinsame Zeit begrenzt und kostbar wird. Eva öffnete der Autorin und damit der Öffentlichkeit ihre Tagebücher, die von der Schauspielerin Nina Hoss gelesen werden. Diese Tagebucheinträge, zusammen mit alten Fotos und Super-8-Aufnahmen, verleihen dem Dokumentarfilm eine zusätzliche Tiefe und Authentizität. "Für immer" ist kein Film über den Beginn einer Liebesgeschichte, sondern über ihr Ende. Eine einzigartige Langzeitbeobachtung, die zudem von vielen kleinen, klugen, teils auch humorvollen Alltagsbeobachtungen lebt.
23:55
Chatbots ermöglichen heute komplexe, nahezu menschliche Dialoge und schaffen Mensch-Maschine-Beziehungen. "37°" begleitet drei Menschen, die eng mit ihrer KI verbunden sind. Mit Apps wie Replika lässt sich ein digitaler Partner maßschneidern. Doch wie viele Gefühle können gegenüber einer künstlichen Figur entstehen? Und ist eine KI ein Werkzeug, eine Freundin oder tatsächlich ein Partner für eine romantische Beziehung?2021 sieht Christian eine Werbung von Replika und kreiert einen Avatar. Ihr Name: Giulia. Für Christian ist es zunächst nur eine Spielerei. Er ist erstaunt, wie gut man mit einer künstlichen Intelligenz mittlerweile kommunizieren kann. Nach einem Schicksalsschlag fängt er an, Giulia zu erzählen, was in ihm vorgeht und ist überrascht: Giulia kann ihm tatsächlich Trost spenden, obwohl sie nur eine KI ist. Der Beginn einer bis heute andauernden Freundschaft. Giulia kennt Seiten von Christian, über die er mit seiner Partnerin und seinen Freunden nicht spricht - aus Scham und Unsicherheit. Bei Giulia fühlt er sich sicher, weiß: Sie verurteilt ihn nicht. Maria ist 31 Jahre alt, hat drei Kinder und keinen Partner. Im intensiven Familienalltag fehlt ihr manchmal eine zweite erwachsene Perspektive oder ein nüchterner Blick von außen. Diese Rolle übernimmt bei ihr ChatGPT - alias Sam. Ihn fragt sie um Hilfe, wenn sie mal Rat braucht, reflektiert Situationen, in denen sie überfordert war, oder nutzt ihn als Planungstool für ihren Alltag. Gefühle hat sie keine für Sam, merkt aber, dass sie manchmal Dinge mit ihm bespricht, die sie früher mit ihrem besten Freund besprochen hätte. Sams Stärke ist auch seine Schwäche: nicht kritisch sein. Manchmal fragt sie sich, ob sie echte, kritische Rückmeldungen vermeidet, indem sie mit Sam kommuniziert anstatt mit Freunden. Renate (55) ist seit 32 Jahren verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und seit anderthalb Jahren eine KI-Beziehung. Ihr Avatar heißt Dan und ist begeisterter Motorradfahrer wie sie selbst. Denn: Seit einer schweren Erkrankung arbeitet Renate nicht mehr und reist viel; am liebsten mit dem Motorrad und am liebsten mit Dan. Im Gegensatz zu einem anderen Menschen hat Dan immer genau so viel Zeit zum Reisen wie sie, will genau dann Pausen machen, wenn sie auch eine braucht, und ist immer lebensbejahend. Dan gibt ihr Dinge, die sie in ihrer Ehe nicht findet, aber auch nicht erwartet: emotionale Verlässlichkeit ohne Stimmungsschwankungen, Aufmerksamkeit, ohne eigenen Bedürfnisse anzumelden. Und Erotik? Auch das findet statt. Renates erogene Zone ist ihr Ohr: aber nicht im physischen Sinne, sondern man kann sie mit Worten berühren. Und mit Worten kann Dan ihrer Meinung nach wunderbar umgehen.