22:29
Bruno Stefanini - Immigrantensohn, Offizier, Frauenschwarm und milliardenschwerer Bauunternehmer: Mit viel Humor verwebt der Dokumentarfilm Sozialgeschichte mit dem Leben Stefaninis. Roter Faden der Geschichte ist Stefaninis Sammelwut, die bereits das Kind Bruno prägte, das als eines der fleißigsten Sammler von Steinfels-Bildchen ausgezeichnet wurde. - Ein Dokumentarfilm des schweizerischen Regisseurs Thomas Haemmerli. Stefanini wuchs im Milieu antifaschistischer italienischer Immigranten auf. Prägend waren die Armut während des Kriegs und die Einsamkeit, die dem Fleiß der Eltern geschuldet war, die Tag und Nacht arbeiteten. Bruno war ehrgeizig, studierte an der ETH. Er stieg über seinen Vater in das Immobiliengeschäft ein. Stefanini sammelte Wohnungen und wurde reich. Er träumte von einem Museum und begann rabiat Bilder, historische Objekte, Krimskrams und Schlösser zu sammeln. Als Charismatiker und Charmeur sammelte Stefanini auch Liebschaften. Seine Ehe ging in die Brüche. Selbst lebte er äußerst karg, schlief oft auf einem Feldbett in seinem Büro. Er achtete auf jeden Rappen und steckte kaum etwas in den Unterhalt seiner Häuser. Der Traum vom großen Volksmuseum platzte endgültig. Als er starb, hinterließ er einen Scherbenhaufen.
23:57
Ein Jahr nach dem Training mit den Ehrlich Brothers zeigen Kinder mit halbseitiger Lähmung, wie selbständig sie heute durchs Leben gehen. Eine neue Form der Therapie. Radfahren, Socken anziehen, Zopf binden - einige Alltagsziele der Kinder erreichten sie bereits im Zaubercamp "Magic Moves". Doch können sie das Gelernte behalten? Und trauen sie sich, neue Herausforderungen im Alltag anzugehen? Ein wissenschaftlich-medizinische Team hat die Entwicklung der Kinder ein Jahr lang verfolgt. Bis zu zwei von 1000 Kindern in Deutschland haben eine Hemiparese, verursacht durch eine angeborene oder erworbene Erkrankung des Gehirns. Frühere Studien lassen vermuten, dass gezieltes intensives und maßgeschneidertes Training Netzwerke im Gehirn aktivieren und so den Arm-Hand-Einsatz und die Selbständigkeit im Alltag verbessern kann. Diese Annahme war die Basis für das "Magic Moves"-Camp im Sommer 2024 auf Burg Rabenstein. Das Therapiekonzept, entwickelt von Dr. Michaela Bonfert, Dr. Alexandra Sitzberger und Maike Marx, iSPZ Hauner MUC & LMU Klinikum München, kombiniert alltagsorientierte Ergotherapie, Neurostimulation und Gruppenaktivitäten sowie ein maßgeschneidertes Zaubertraining, das in Zusammenarbeit mit den Ehrlich Brothers entwickelt wurde. Das medizinisch-therapeutische Team wollte zudem herausfinden, ob der Effekt der Therapie auch im Gehirn sichtbar wird. Da die neu erworbenen Bewegungsabläufe auch wieder verlernt werden können, wenn die Zielaktivitäten im Alltag nicht mehr regelmäßig angewendet werden, hat die Reportage-Reihe "37°" vier der Kinder ein Jahr nach dem "Zauber-Camp" besucht, um zu sehen, wie selbständig sie inzwischen ihren Alltag meistern.
00:25
"10 vor 10" ist eine Informationssendung von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Vertiefende Berichte, Reportagen, Porträts und Live-Gespräche informieren über die wichtigsten Themen des Tages aus der Schweiz und der Welt.
00:50
Seit mehr als 30 Jahren sind Die Sterne eine Institution des deutschsprachigen groovigen Indie-Pops - und Protagonisten der immer wieder diskurs-umflorten "Hamburger Schule". Ihre Musik bedient sich aber auch an Hip-Hop, Soul, Funk und elektronischen Anleihen und hat einen mitnehmenden Groove. Die Texte bewegen sich zwischen Politik und Privatem, transformieren die Nabelschau - ohne eindeutige Parolen - in gesellschaftliche Kontexte. In ihrer Anfangsphase wurden die Band in der Musikpresse gar als Nachfolger der Ton Steine Scherben gefeiert. Titel wie "Was hat dich bloß so ruiniert?", "Universal Tellerwäscher" und "Du musst gar nix" gehören zum Kanon, sind Klassiker auf Indie-Club-Tanzböden und in WG-Küchen. Frank Spilker, Sänger, Gitarrist, Gründungsmitglied und Fixpunkt der Band, bezeichnet die derzeitige Konstellation der Sterne als "weniger Band, mehr Kollaboration". Was der Kohärenz der Gruppe nicht schadet.
02:10
Es gibt kaum jemanden in der deutschen Indie-Szene, der noch nie etwas von Jesper Munk gehört hat. Er spielt Indie-Neo-Soul mit Blueswurzeln. Jesper Munks Geschichte ist eine von vielen Auf und Abs, von der bluesy Supernova zum zwar hippen, aber unterschätzten Crooner, vom Teenage-Posterboy zum etablierten und gestandenen Singer-Songwriter. Jesper Munk musste in den letzten Jahren Etiketten wie "Blues-Wunderknabe" und "Blues-Erneuerer" loswerden, die man ihm zu Beginn seiner Karriere irgendwo zwischen den "White Stripes" und "The Black Keys" mit seinem Indie-Erstling "For in My Way It Lies" und dem darauffolgenden Major-Debüt "Claim" aufgeklebt hatte. Gerade mal 20 Jahre war er damals jung - kein Wunder, dass ihm da einiges ziemlich gegen den Strich ging, denn wenn eins seine Sache nicht ist, ist das die Vereinnahmung durch inhaltliche Etiketten. "Gerade mal Anfang 30 blickt der im wahrsten Sinne des Wortes in Berlin gestrandete Münchner Jesper Munk auf eine durchaus beeindruckende Karriere als Musiker zurück. Die gute Botschaft vorab: Jesper Munk hat die obligatorischen 27 Jahre überlebt. Und: Er hört auf, sich wichtig zu nehmen. Keine großen Hallen mehr, sondern stinkige kleine Clubs überall auf der Welt. Spielen, zuhören, sich fühlen. Echte Menschen treffen. Lernen. Nur darum geht es ihm, das will er machen. Er fängt an, komplett allein aufzunehmen und macht sich so auf die Suche nach seiner wirklichen musikalischen Bestimmung. Pop-Höhepunkte, wie man sie in ihrer Wahrhaftigkeit und Wärme seit Amy Winehouse nicht mehr gehört hat. Er ist ein Mann mit einer goldenen Stimme." (Patrick Wagner, Gewalt-Sänger) Zuletzt liefert er sowohl Annäherung und Versöhnung mit seinem Frühwerk als auch Bewältigung verschiedener Themenkomplexe - von Starrummel über Depression, von klischeebehafteten Eskapaden bis Beziehungskrisen, von Kapitalismuskritik bis zur menschlichen Entfremdung, aber auch von sachgemäßem, zwingend notwendigem Eskapismus sowie bedingungsloser Liebe und ein bisschen Zuversicht. Jener gefühlvolle, alles vereinnahmende Spot auf die Musik, die Texte und auf den Vibe. Seine hochkarätige Band trägt dazu bei. Jesper: "Die Cassette-Heads kennenzulernen hat sich für mich angefühlt wie nach Hause kommen ... besser habe ich mich musikalisch ehrlich gesagt noch nie gefühlt." Seine Begleiter Tim Granbacka an Keyboards und Gitarre, Bassist Hal Strewe und Schlagzeuger Ziggy Zeitgeist kommen aus der Berliner Session-Szene, fungieren aber - egal ob mit oder ohne Jesper - in ihrer Arbeit als Kreative ebenfalls als Komponisten und Produzenten und sind so umso besser in der Lage, Jespers Ideen zielgerecht, manchmal auch virtuos, immer aber mit sehr viel Herz, Können und Wärme umzusetzen. Was die vier Musiker auf einer Bühne zusammen erschaffen, ist moderner Neo-Soul, vom Jazz geküsst, dazu Chanson, R'n'B, bluesy Crooner-Balladen und zarter Indie-Pop bis hin zum Slow Wave. Aber das kann nur eine annähernde Beschreibung sein. Dazu Jesper: "Ich sehe Musik als eine universellen Sprache, bei der sich jegliche Art von Ausgrenzung falsch anfühlt." Das hat jede Menge Seele, seine Stimme war nie besser, sein Vortrag ist berührend und begeisternd.
03:25
Das Berliner Trio mit dem poetischen Namen "Acht Eimer Hühnerherzen" macht halbakustischen NylonPunk, der die drei Musikstile "Powerviolence-Folk, Kakophonie und Bindungsangst" verquirlt. Sie spielen laut eigener Aussage "Wandergitarren-Hardcore mit Fuzz und Driver für Alleinerziehende, Alleinerzogene, Allergiker und alle Heiter-Depressiven". Apocalypse Vegas Rotzgören-Gesang und Berliner Schnauze fläzen sich lauthals in mitreißende kleine Hits. In diesen werden alle Regeln von Punk, Folk und Songwritertum eiskalt ignoriert. Alles bleibt handgemacht, ohne Tricks und Effekte, aber Spiralgalaxien-entfernt von "Unplugged"-Patina und -Pathos, alles ist schnell und Punk-affin getaktet. Die Genre-Medien überschlagen sich vor Begeisterung: "Acht Eimer Hühnerherzen spielen einen komplett verzerrerfreien, prä-unplugged, Pro-Tools verachtenden und Foo Fighters dissenden Sound, der dir trotz allem und auch gerade deswegen mächtig an deinen Arsch tritt" ("curt München"), "Mischung aus kreativer Brillanz und rotzig-charmanter Biestigkeit, NDW-Anleihe, Indie-Pop und Eisenhüttenstadt-Folklore" (Fred/"Underdog Fanzine") und "Irgendwo zwischen Art-Punk und Rotz-Folk" (Simon/"Away From Life").
04:35
Es ist die Suche nach einer Bestimmung, einer Perspektive und Lebensrichtung, die die 26-jährige Deutsch-Iranerin Mina Richman schon früh zur Musik, speziell zum Indie-Folk und Soul treibt. In Berlin geboren, aber in der Kleinstadt Bad Salzuflen aufgewachsen, pendelt sie zwischen den Welten und entdeckt in der CD-Sammlung ihrer Tante Schätze wie Joan As Police Woman und Nina Simone. Soul und Blues, die Hip-Hop-Kultur und die Revolte der großen Singer-Songwriterinnen stehen Pate. Von ihrem Vater "aus Versehen" zur Feministin erzogen - wie sie es einmal in einem "Zeit"-Interview formulierte - bediente sie sich für ihren Künstlernamen beim berühmten Cher-Zitat "Mom, I am a rich man". Der Solidaritätssong "Baba Said" geht während der Kopftuchrevolution im Iran schlagartig viral und macht die queere Deutsch-Iranerin über Nacht auf dem ganzen Globus bekannt. Das Musikalische mit dem Gesellschaftlichen zu verbinden, war ihr schon immer ein Anliegen. Mina Richman ist eine souveräne, selbstbestimmte Songwriterin, reflektiert und offen. Sie greift kulturelle Entwurzelung sowie den gesellschaftlichen wie auch ihren persönlichen Umgang mit ihrem Körper auf - aber es geht ihr nicht ausschließlich um Verwundbarkeit und Wege, diese zu überwinden. Ihre Single "Nearly To The End" beispielsweise - "ein herrlich beschwingter Song, der vermuten lässt, dass Amy Winehouse oder die Alabama Shakes in der ein oder anderen Playlist von ihr einen Platz haben" (DIFFUS) - beleuchtet die schönen Seiten des Erwachsenwerdens: Mut und liebe Menschen, die einen begleiten. Musikalisch ist das enorm reif - Mina stellt nun mit Soul, Folk und Indie-Pop einen brillant kreierten Sound vor. "Dabei lässt sie ihre klugen und trotz viel inhaltlicher Tiefe immer auch wieder herrlich amüsanten Gedanken auf eine Art und Weise in ultra-eingängige Folk-Pop-Nummern fließen, die geschickt mit allerhand Versatzstücken jonglieren und deshalb sofort vertraut klingen, obwohl sie gerade hierzulande praktisch referenzlos sind." ("Gaesteliste.de") Mina Richman und ihre Band haben eine äußerst einnehmende Art, entspannt zu grooven, ohne dass es auf Kosten der Intensität geht. Das macht gleichzeitig fröhlich und traurig, also immer ein bisschen bitter sweet. "Kunstvolle Songs und Texte, die gerade durch ihr Oversharing nichts als berührende Wahrhaftigkeit produzieren. 'Grown up' von der Deutsch-Iranerin Mina Richman ist das bemerkenswerteste Debüt-Album des Jahres." (Linus Volkmann, "Musikexpress") Nicht umsonst erhielt Mina Richman den popNRW-Preis 2024 in der Kategorie "Outstanding Artist".