Wahnsinn, Wagner!

Wahnsinn, Wagner!

Kein anderer Komponist polarisiert Publikum und Feuilleton so wie Richard Wagner. In seinem 200. Geburtsjahr müssen nach der Tannhäuser-Premiere im Düsseldorfer Opernhaus geschockte Zuschauer den Notarzt aufsuchen, während sich in bundesweiten Suchanzeigen Wagner-Fans auf der verzweifelten Suche nach Tickets für die Bayreuther Festspiele überbieten: Der 'Grüne Hügel' bleibt das exklusivste und begehrteste Ereignis im jährlichen Musikkalender. Der 'Mythos Wagner' zeigte sich schon immer von zwei Seiten. So war etwa Thomas Mann die Persönlichkeit des Komponisten alles andere als sympathisch: 'Wagner, das Pumpgenie, der luxusbedürftige Revolutionär, der namenlos unbescheidene, nur von sich erfüllte, ewig monologisierende und die Welt über alles belehrende Propagandist und Schauspieler seiner selbst', und doch erlag der Schriftsteller der Faszination seiner Musik: 'Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben. Was ich ihm als Genießender und Lernender verdanke, kann ich nie vergessen, nie die Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Theatermenge, wie eben nur diese Kunst sie gewährt. Ich bin nicht satt geworden, sie zu belauschen, zu bewundern, zu überwachen - nicht ohne Misstrauen, ich gebe es zu.' Der 'sinnbetörende Rausch' der Wagner'schen Musik (vor dem Nietzsche warnte, und der Brahms und Tschaikowski abschreckte) zieht unverändert seine Anhänger in den Bann. Der 'Wagnerianer' huldigt seinem Idol mit ehrfürchtiger, ja fast religiöser Hingabe - und irritiert mit dieser kultischen Zuneigung die Skeptiker und Kritiker. Mit zahlreichen Werkausschnitten, einem Blick auf die spannendsten Episoden einer verwegenen Biographie und mit Statements von Wagner-Experten und prominenten Musikern zeichnet 'Wahnsinn, Wagner!' zwischen Faszination und Ablehnung das Bild eines revolutionären Musikgenies voller Widersprüche.

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