Vom Baum zum Papier

Vom Baum zum Papier

Man mag es kaum glauben, aber die deutsche Papierindustrie wird ausschließlich mit heimischen Bäumen versorgt. Buchen aus dem Kaufunger Wald sind begehrte Rohstoffe. Gleich hinter der hessischen Grenze, in der Papierfabrik Sappi im bayerischen Stockstadt, wird aus ihnen in einem aufwändigen Prozess reines, weißes Papier in allen Größen hergestellt. 430.000 Tonnen Papier werden hier jährlich produziert. Dünndruck benötigt die Druckerei Parzeller in Fulda. Hier werden jedes Jahr 40 Millionen Bücher in die ganze Welt geliefert, das Hauptgeschäft aber macht der Druck der Fuldaer Zeitung aus: 52.000 Exemplare, ausschließlich aus Altpapier hergestellt, verlassen jede Nacht die Druckerei. Deutlich edler ist das Papier, das für die über 60.000 Blätter verwendet wurde, die in der Grafischen Sammlung im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel aufbewahrt werden. Handzeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und illustrierte Bücher vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart gehören zum Bestand. Papier ist lichtscheu, der konservatorische Aufwand deshalb besonders hoch, die wertvollen Stücke werden auch nur selten ausgestellt. Da haben es die Marburger Tapetenhersteller doch einfacher. Ihr Material ist deutlich unempfindlicher, dafür ist das Geschäft auch stärker modischen Strömungen unterworfen. Doch in Marburg geht man mit der Zeit, um sich gegen den Raufaserboom zu behaupten. Schrille Farben, plakatives, großformatiges Design und sogar Strasssteine sind derzeit angesagt. Der Tradition des Papiertheaters fühlt sich Albert Völkl besonders verbunden. Ähnlich wie seine Vorbilder im 18. Jahrhundert fertigt der Künstler aus dem nordhessischen Trendelburg Bühnen, Requisiten und Figuren in filigraner Handarbeit aus Papier, um seine mystisch-sagenhaften Geschichten lebendig werden lassen.

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