Vergissmeinnicht: Salvatore Giuliano, Sizilianer

Vergissmeinnicht: Salvatore Giuliano, Sizilianer

ARTE Live-TV ARTE 21.03., 02:50 - 03:20 Uhr
Gesellschaft und Soziales 201630 Minuten 

Das Poesiealbum: ein Büchlein voller Sinnsprüche, Gedichte und selbst gemalter Bilder. "In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken." Dieser oder andere Verse finden sich fast in jedem dieser Alben. Doch was aussieht wie ein banales Erinnerungsstück an Kindheit und Jugend, erweist sich als wertvolles zeithistorisches Dokument, das Schicksale, Lebenswege und geschichtliche Kontexte eröffnet.

In der dreiteiligen Dokumentation machen sich Menschen auf die Spurensuche in ihre eigene Vergangenheit. Was ist aus den Freunden von damals geworden? Warum haben sich die Lebenswege voneinander entfernt? Erzählt werden Geschichten aus verschiedenen Jahrzehnten, von Menschen aus Norddeutschland, die in Deutschland und weit darüber hinaus alte Freunde ausfindig machen.

Eine der Geschichten ist die von Ingelore und Dieter. Ende der 40er-Jahre lernen sie sich in einem Flüchtlingslager in Hamburg kennen. Dann trennen sich ihre Wege, beide gründen Familien. Jahrzehnte später begegnen sie sich und werden endlich doch noch ein Paar. Wenn sie heute in Ingelores Poesiealbum blättern, findet sich darin nicht nur der Spruch von Dieter. Auch Peter verewigte sich 1946 mit einem Sprüchlein - er war bester Freund, ein bisschen aber auch Dieters Nebenbuhler. Vor allem aber waren die drei unzertrennlich. Der verschollene Freund lebt seit Jahrzehnten in den USA. Auch er sehnt sich danach, Ingelore und Dieter zu sehen. Nach mehr als 60 Jahren treffen sie sich in Hamburg wieder.

Geschichten wie diese finden sich viele, wenn Menschen in ihrem Poesiealbum blättern: Martina und Holger haben sich Jahrzehnte nicht gesehen. Beide wurden in Hannover in den 70er und 80er Jahren groß. Sie waren sehr ungleiche Freunde: Die große Martina entwickelte einen Beschützerinstinkt und kümmerte sich immer um den kleinen Holger. Nach der Schulzeit verschwand Martina aus Hannover und kehrte nicht mehr zurück. Holger hütet seitdem seinen Schatz: Die Erinnerung an die Kindheit - und an Martina.

In den 80er Jahren spielt auch die Geschichte von Jeannette und Peter. Beide waren Schwimmer und hoffnungsvolle Sportler im Nachwuchskader des DDR-Leistungssports. Doch der Staat durchkreuzte die Träume der beiden: Jeannettes Vater kam aus dem Kongo um in Leipzig Nachrichtentechnik zu studieren. Die Heiratspläne der Eltern werden durchkreuzt, Jeanettes Vater wird ausgewiesen und ihre Mutter floh mit ihr aus der Stadt aufs Land nach Vorpommern. Auch bei Peter stand eines Tages eine Entscheidung an: Sport oder Westverwandtschaft. Seine Familie entschied sich für die Tante im westdeutschen Ratingen - Peters Karriere war beendet. In Mecklenburg treffen sich die beiden jetzt wieder und steigen noch einmal ins Schwimmbecken.

Die Dokumentation zeichnet die Suche der einzelnen Personen nach. Die Kamera ist dabei, wenn Menschen sich nach Jahrzehnten wieder begegnen, wenn die Tränen fließen und Erinnerungen ausgetauscht werden.

Jetzt ARTE einschalten

Bewertung

0,0   0 Stimmen

Mitwirkende

  • Regie Jacques Malaterre