Vater, Mutter, Hitler

Vater, Mutter, Hitler

Auch über 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus fragen sich Kinder und Enkel, wie ihre Eltern und Großeltern zu Adolf Hitler und zur NS-Ideologie standen. Gehörten sie zu den Unterstützern und Anhängern des NS-Regimes? Oder waren sie vielleicht sogar Täter? Und was bedeuten die Antworten auf diese Fragen für ihr eigenes Leben heute?

Auf Spurensuche

"Vater, Mutter, Hitler" erzählt, was die Angehörigen von vier ganz unterschiedlichen Menschen bei ihrer Spurensuche herausgefunden haben. Als Quelle dienen ihnen die Tagebücher ihrer Eltern oder Großeltern, in denen diese ihre Gedanken und politischen Überzeugungen festgehalten haben. In aufwendigen Spielszenen rekonstruiert der Film das Leben von Felix Landau, Wilm Hosenfeld, Luise Solmitz und Ida Timmer zwischen 1933 und 1945. In Interviews kommentieren und ergänzen deren Kinder und Enkel die Spielszenen und lassen deutlich werden, wie stark sie die Fragen von Schuld und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus noch heute beschäftigen.

Die Nachfahren lernen ihre Eltern und Großeltern auch von einer manchmal verstörenden Seite kennen. Sie erfahren, welche Hoffnungen diese mit der Machtübernahme Hitlers verbanden, welche Lebensentwürfe sie verfolgten und wie sich ihr Leben unter Hitler veränderte. Sie erfahren aber auch, wie diese Lebensträume an Hitlers Politik zerbrachen - und manche müssen damit leben, dass Familienmitglieder zu den Tätern gehörten.

Felix Landau - der "Judengeneral"

Teja-Udo Landau, geboren 1944, erfuhr erst spät, was sein Vater in der NS-Zeit getan hat. Felix Landau war ab 1941 an Erschießungen von Juden beteiligt. Im damals polnischen Drohobycz führte er als selbst ernannter "Judengeneral" ein Schreckensregiment.

Das Tagebuch des Vaters ist ein erschütterndes Dokument, das seinen Sohn Teja-Udo bis heute verstört. Zum ersten Mal gibt er ein ausführliches Interview: "Es hat eine Weile gedauert, dass ich mit mir ins Reine gekommen bin und mir gesagt hab, okay, du bist wohl der Sohn deines Vaters, aber das heißt noch lange nicht, dass du so sein musst wie er."

Wilm Hosenfeld - der heldenhafte Retter?

Wilm Hosenfeld rettete als Wehrmachtsoffizier während der deutschen Besetzung Warschaus den jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman vor dem Tod. Roman Polanskis Film "Der Pianist" machte ihn weltweit berühmt. Ein Held? Was bisher wenig bekannt war: Fasziniert von den Nationalsozialisten besuchte Hosenfeld Reichsparteitage, trat in die SA ein und wurde als Besatzungssoldat in Polen zum Hauptmann befördert.

Wie passt das zusammen? Das fragen sich seine Kinder Jorinde und Detlev, seit sie zum ersten Mal seine Aufzeichnungen lasen. Jorinde Krejci: "Ich glaube, der Vater konnte sich dieser Massenhysterie nicht entziehen ... aber er hat doch die große Gefahr gesehen des Krieges."

Luise Solmitz - Patriotin im Zwiespalt

Auch die Hamburgerin Luise Solmitz ist 1933 glühende Hitleranhängerin. Sie erhofft sich nach Jahren gewaltsamer politischer Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik vor allem politische Stabilität. Aber da ihr Mann, Fredy Solmitz, der im Ersten Weltkrieg als Offizier für Deutschland gekämpft hatte, jüdischer Abstammung ist, wird die Familie ausgegrenzt und verfolgt.

Den Enkel von Luise Solmitz, Robert Salkind, berührt das Schicksal seiner Großmutter und ihrer Familie noch heute tief: "Es war ein Schock, als ich begriffen habe, wie es ihr ergangen ist."

Ida Timmer - der Traum von Sicherheit und Wohlstand

Ida Timmer aus Solingen begrüßt Hitlers Machtübernahme. Als junges Mädchen imponiert ihr, wie das NS-Regime die Jugend umwirbt und Arbeit und soziale Sicherheit verspricht. Sie will heiraten und Kinder kriegen. Doch ihr Lebensentwurf scheitert an Hitlers Kriegspolitik, ihre Träume platzen.

Ihre Töchter Brigitte Sprenger-Eichhorn und Gerlinde Eichhorn beklagen das Schweigen der Mutter nach dem Krieg. Gerlinde Eichhorn: "Dass sie sich mir gegenüber nicht geöffnet hat, das kann ich nicht verstehen. Warum? Warum?"

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