Unsere Geschichte - Als Rostock-Lichtenhagen brannte

Unsere Geschichte - Als Rostock-Lichtenhagen brannte

Es waren ganz normale Bürger aus Rostock-Lichtenhagen, die im Sommer 1992 ihrem aufgestauten Hass und Frust Luft machten. Hass auf die ZASt, die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber, die mitten in ihrem Wohnviertel lag, und Frust über die Untätigkeit der Politiker in Stadt und Land, die die Anwohner seit Monaten mit Floskeln abspeisten. Tagelang rannte eine entfesselte Menge gegen die Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Ausländerwohnheim an. Ein beispielloses Fiasko für Politik und Polizei. 'Das ist ein Bürgerkrieg hier! Das Gefühl hatten wir damals.' Guido Nowak war Streifenpolizist in Rostock. Er hatte die Eingliederung der Volkspolizei in die Bundespolizei mitgemacht. Als die Krawalle am 21. August 1992 losbrachen, stand Nowak in leichter Sommeruniform und mit veralteter DDR-Ausrüstung in der vordersten Reihe: entsetzt, überfordert, hilflos. Mafalda Hohlfeld, die in einer Wohnung im einst begehrten Sonnenblumenhaus lebte, erkannte ihr eigenes Viertel nicht wieder: 'Es prallten zwei Kulturen aufeinander, mit Wut und Unverständnis auf beiden Seiten, und die Politik hat nichts unternommen. Wir konnten es einfach nicht verstehen, wie man solche Zustände zulassen kann.' Mitverantwortlich dafür war Winfried Rusch, Abteilungsleiter für Ausländerfragen im Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern. Die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber fiel in seine Zuständigkeit. Doch auf die drängenden Bitten, die Flüchtlinge anderswo unterzubringen, reagierten weder das Land noch die Stadt. Erst am dritten Tag der Ausschreitungen ordnete Rusch die Räumung der ZASt an. Viel zu spät: 'Man hätte das viel eher entscheiden müssen. Doch ich habe anders entschieden. Das tut mir heute leid, aber ich habe damals das getan, was ich für richtig hielt.' Wolfgang Zöllick, damals stellvertretender Oberbürgermeister der Hansestadt und Bewohner Lichtenhagens: 'Wir haben gemerkt, da braute sich was zusammen. Aber wir sind mit der Situation nicht fertig geworden. Und dann war es in dieser vertrackten Situation so: Wer ist jetzt wofür zuständig?

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