Tod in der Eifel - Der Fall Lolita Brieger

Tod in der Eifel - Der Fall Lolita Brieger

Recht und Kriminalität 

Im Jahr 2011 berichtet die Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" über das ungeklärte Verschwinden einer jungen Frau vor fast 30 Jahren in einem kleinen Dorf in der Eifel. Einen Kommissar aus Trier hat das Schicksal des Mädchens nicht los gelassen, er hat ihrer Mutter versprochen, die Tochter zu finden und den Täter zu bestrafen. Er hofft auf Mitwisser, Zeugen, Dorfbewohner mit schlechtem Gewissen.

Tatsächlich meldet sich jemand nach der Sendung, und ein Mitwisser packt aus. Die Leiche der Vermissten wird nach tagelanger Suche auf einer Müllkippe gefunden. Eine mittlerweile zugewachsene Müllkippe, die die Mutter des Mädchens jeden Tag von ihrem Fenster aus gesehen hat. Ohne zu wissen, dass ihr Kind dort verscharrt liegt. Von dem Bauernsohn, der die Müllhalde ebenfalls ständig im Blickfeld hat.

Mit dem Leichenfund wird die unglaubliche Geschichte dieses Verbrechens zutage gefördert: Die 18-jährige, Tochter von missachteten Spätaussiedlern, verliebte sich Anfang der 1980er Jahre in den Erben des reichsten Bauern der Umgebung. Sie wird schwanger, er muss sie loswerden, weil der Altbauer strikt gegen eine solche unpassende Heirat ist. Sie streiten, er tötet und verscharrt sie - und lebt all die Jahre nur wenige hundert Meter von der Familie des Opfers entfernt.

Wer im Dorf etwas ahnt, schweigt. 30 Jahre lang. All die Zeit hat die Mutter des Mädchens eine Kerze ins Fenster gestellt, damit sie heim finden möge, wenn sie wiederkommt. Mit dem Fund der Leiche und der Zeugenaussage des Mitwissers kann der der Kommissar den Täter überführen, vor Gericht stellen und einen Teil seines Versprechens einlösen. Der Bauer wird des Totschlags für schuldig befunden - und kommt doch ungestraft davon, weil die Tat mittlerweile verjährt ist. Ein Mord kann ihm nicht nachgewiesen werden: er schweigt.

Der Film rekonstruiert den Fall sowie das Sozial- und Gesellschaftsdrama dahinter. Stück für Stück entblättern wir die archaischen Strukturen hinter der idyllisch-dörflichen Eifelfassade, loten Schuld und Mitschuld aus, erzählen eine Liebesgeschichte, die zum Scheitern verurteilt ist und sezieren die Motive, die den Freund zum Täter werden ließen. Wir erzählen aber, damit eng verwoben, auch die Geschichte verschworener Dorfgemeinschaften, die 30 Jahre lang dem Täter Glauben schenkt hält - und schweigt.

Ein Kriminalfall um soziale Grenzen und Vorurteile, um "Oben" und "Unten", um die Freiheit, selbst über sein Leben zu entscheiden, um Ansässige und hinzugekommene Spätaussiedler, Themen, die nach wie vor aktuell sind in einer Gesellschaft mit Zuwanderung.

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