Steimle staunt

Steimle staunt

KulturreportageD  

Wissen Sie, wie 185 Gesichter auf einen Kirschkern kommen? Nein? Uwe Steimle weiß es auch nicht, will es aber in Erfahrung bringen und macht im Grünen Gewölbe eine erstaunliche Entdeckung: Er findet einen ganz besonderen, einzigartigen Kirschkern. Er ist nur 4,5 Millimeter groß und beherbergt auf seiner kugelförmigen Oberfläche 185 Gesichter: kleine, deutlich erkennbare Antlitze und Köpfchen, die sich zu winzigen Buckelchen und nur noch ahnbaren Gesichtern verdichten. Dieser Kirschkern im Grünen Gewölbe Dresden gehört zum Sensationellsten, das Menschenhände je geschaffen haben. Wie eine Perle in einen Ohrring gefasst, fasziniert er in einem Eckkabinett der Wunderkammer und ist ein phänomenales Beispiel der sogenannten Mikroschnitzerei: der Kunst, auf kleinstem Raum möglichst viel Welt zu zeigen. 'Wahnsinn' rufen Besucher aus, wenn sie das Stück heute durch eine Lupe betrachten. Aber wie ist dies Wunderwerk entstanden? Gab es vor 450 Jahren überhaupt schon Lupen, Sehgläser oder vielleicht Mikroskope, unter denen dann geschnitzt wurde, fragt sich Uwe Steimle und forscht nach. Welche Handwerkskunst steckt dahinter? Welche filigranen Werkzeuge brauchte man dafür und wie arbeiteten die Schnitzer damit? Über viele Jahre wurde an einem Winzling gepickert und geschabt. Anscheinend benutzte man sogenannte Stichel aus Toledostahl, feinste Messer und Schaber, erfährt Steimle und besucht Künstler, die noch heute mit dieser Technik arbeiten. Warum aber wurde für die Schnitzkunst damals ausgerechnet ein Kirschkern verwendet? Und wie kam dieser mit seinen 185 klitzekleinen Gesichtern schließlich ins Grüne Gewölbe, in die reichste Schatzkammer Europas? Und hat die wirklich mal einer gezählt?

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