
Spezialauftrag Theaterumbau
Es knirschte im Gebälk, die Mitarbeiter zitterten sich seit Jahren durch die Vorstellungen. Wie durch ein Wunder ist trotz veralteter Bühnentechnik im Saarländischen Staatstheater noch nichts Gravierenderes passiert als so manche unterbrochene Vorstellung und eine an der Decke fest hängende Sängerin. 75 Jahre nach der Erbauung wurde die Bühnentechnik im Großen Haus in Saarbrücken 2013 generalüberholt. Geradezu skurrile Details kamen ans Tageslicht: Eine Hydraulikanlage etwa, für die schon lange keine Ersatzteile mehr zu bekommen waren, oder ein Hakenkreuz hoch oben im Schnürboden versteckt. Ralf Heid hat die Baustelle seit Frühjahr fast nicht aus den Augen gelassen; mittlerweile kennt er jede Schraube, sieht sofort, wenn irgendetwas am Bauplan nicht funktioniert. Dann muss sofort gegen gesteuert werden, denn eins steht für Generalintendantin Dagmar Schlingmann fest: Am 24. November wird mit ganz großer Oper wieder eröffnet: Giacomo Puccinis 'Tosca'. Bis dahin erleben Ensemble und Bühnentechniker ein Abenteuer nach dem anderen: So stirbt Rigolettos Tochter Gilda eindrucksvoll auf einem Schwungrad in der Gebläsehalle der Völklinger Hütte; und seit der Spielzeiteröffnung im September kämpfen Sänger und Bühnentechniker mit Akustik und eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten im großen Zelt auf dem Theatervorplatz, in das das SST bis zur Wiedereröffnung ausweicht. Wie bewältigt ein Theater diese Herausforderung? Wie plant eine Regisseurin mit ihrem Bühnenbildner eine Oper für eine Bühne, deren neue technische Möglichkeiten erst wenige Wochen vor der Premiere zum ersten Mal erfahrbar werden? Die Kulturspiegel-Autorin Susanne Kirchhofer und Sven Rech haben das Theater durch das Jahr begleitet; haben exklusive Einblicke in die beeindruckende Großbaustelle erhalten und durften sich ausnahmsweise dahin wagen, wo der Zuschauer normalerweise draußen bleiben muss: nicht hinter, sondern zwischen die Kulissen. Wenn der letzte Vorhang gefallen ist, wird ausgeräumt, abgerissen und renoviert. Und während einige Millionen Euro in diesem Sommer in neue Ober- und Untermaschinerie, Schnürboden oder Eisernen Vorhang fließen, erleben Ensemble und Bühnentechniker neue Abenteuer in alternativen Spielstätten. Orchestermusiker dürfen die Zauberflöte auf der Alten Schmelz weniger auf ihren Instrumenten spielen als mit ihren eigenen Körpern; und Verdis großartige Rigoletto-Arien wie 'La donna é mobile' konkurrieren mit den gigantischen Maschinen in der Völklinger Gebläsehalle. Ein spannendes Theaterjahr also, dass Sven Rech begleiten wird.