Seitenwechsel

Seitenwechsel

'Diplomaten im Trainingsanzug' wurden sie genannt und sollten der kleinen DDR weltweit mit ihren Erfolgen die große Anerkennung bescheren. Der Leistungssport als Teil der Politik. Rund 600 ostdeutsche Spitzensportler verweigerten sich diesem System, indem sie den Arbeiter- und Bauern-Staat verließen und zu 'Verrätern' wurden. Karin Balzer, Axel Mitbauer und Claus Tuchscherer sind drei dieser ehemaligen DDR-Spitzensportler. Der Leipziger Axel Mitbauer wurde kurz vor den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko, für die er sich mit dem DDR-Meistertitel über 400 m Freistil qualifiziert hatte, auf offener Straße von der Staatssicherheit verhaftet - angeblich wegen geplanter Republikflucht. Die siebenwöchige Einzelhaft mündet in ein lebenslanges Startverbot, das Ende seiner Schwimmerkarriere im Osten. Der Kraulspezialist steigt im August 1969 am Strand von Boltenhagen in die Ostsee und schwimmt gut 22 Kilometer in den Westen. Hürdenläuferin Karin Balzer aus Chemnitz hatte sich 1958 gemeinsam mit ihrem Trainer und späteren Ehemann abgesetzt. Sie war mit ihrer Delegierung zum SC Dynamo Berlin nicht einverstanden. Nach massiven Drohungen gegen Eltern und Familie kehrte das Paar nach zwei Monaten in die DDR zurück. Balzer galt laut SED-Propaganda nun als reumütige Vorzeigesportlerin und wird 1964 Olympiasiegerin. Nach Beendigung ihrer Laufbahn wird Karin Balzer Trainerin, weigert sich aber, Dopingmittel an ihre Athleten zu verabreichen und gerät erneut mit dem System in Konflikt. Sie verliert ihren Job und wird als Berufsschullehrerin nach Dresden abgeschoben. Der Vogtländer Claus Tuchscherer flüchtet im Februar 1976 nach seinem olympischen Wettkampf in der Nordischen Kombination von Innsbruck nach Bischofshofen. Neben ihm im Taxi sitzt seine 17-jährige Freundin, eine Österreicherin, die er erst seit kurzer Zeit kennt. Tuscherer habe seine Mannschaftskameraden im Stich gelassen, heißt es daraufhin in einer Meldung des ostdeutschen Nachrichtendienstes.

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