Sauerkraut in Valparaiso

Sauerkraut in Valparaiso

Es gibt Schwarzwälder Kirschtorte, Sauerkraut und eine Freiwillige Feuerwehr, 12.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Chile und Deutschland haben eine besondere Verbindung, nicht erst, seitdem bekannt wurde, dass die Honeckers in Chile Zuflucht suchten. 1973, nach dem Sturz Allendes, flüchteten 20.000 Menschen aus Chile in beide Teile Deutschlands. Die meisten von ihnen kehrten nach dem Ende der Militärdiktatur in ihr Heimatland zurück, aber die Jahre des Exils waren nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Für viele Chilenen wurde das Erlebnis einer offenen Gesellschaft prägend. Sie brachten ihre Erfahrungen von Demokratie und Liberalität ein, als nach Pinochet eine neue demokratische Gesellschaft aufgebaut werden musste. Carmen Zuniga hat ihr kleines Hotel in Vina del Mar bei Valparaiso 'Offenbacher Hof' genannt, eine Hommage an 20 Jahre Exil. Sie ist heute noch dankbar für Zuflucht und Unterstützung. Ernesto Parra wurde aus einem Todeslager gerettet, konnte in Deutschland Musik studieren und ist heute Dirigent eines Jugendorchesters in Santiago. Patricia Munoz kehrte als Ärztin nach Chile zurück und erzählt bei gedecktem Apfelkuchen im Cafe Mozart, die chilenischen Männer hätten es mit ihr nicht leicht. Sie habe in Deutschland gelernt, den Mund aufzumachen und sich für ihre Rechte einzusetzen. Alvaro Camu, dessen Vater von den Putschisten erschossen wurde, flüchtete nach Ostberlin. Heute ist Alavaro Leiter des Goethe-Instituts in Santiago. Doch die deutsch-chilenische Geschichte ist länger als die Solidarität mit den Verfolgten nach dem Militärputsch 1973. Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts wanderten deutsche Handwerker und Landwirte nach Chile aus. Der Aufschwung des Landes, die Förderung von Kupfer, bis heute Grundlage der Wirtschaft Chiles, wurde auch von deutscher Ingenieurskunst beflügelt. Etwa 500.000 Chilenen stammen von Deutschen ab, für viele ist die deutsche Sprache auch heute noch Muttersprache. Noch heute gibt es in Chile eine Brauerei, in der nach dem Reinheitsgebot Bier gebraut wird, und natürlich fehlen auch nicht Errungenschaften wie die 'Freiwillige Feuerwehr', die bei den häufigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen unverzichtbare Hilfe leistet. Chile erstreckt sich über 4.500 Kilometer und über mehrere Klimazonen. Es ist eines der größten Länder Südamerikas. Die Reportage führt von der Atacama Wüste und den Salzseen inmitten großartiger Landschaften bis zur mondänen Großstadt Santiago und der 'schiefen' Hafenstadt Valparaiso, mit deren Kaufleuten schon Konsul Buddenbrook Handel trieb. Weiter geht es bis in den 'kleinen Süden', wo Strände und Palmen Mittelmeergefühle aufkommen ließen, wenn sich nicht im Hintergrund schneebedeckte Vulkangebirge erheben würden.

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