Sarrasani - Der Zirkus-Revolutionär

Sarrasani - Der Zirkus-Revolutionär

DokumentationD  

Schauspielerin Anna Thalbach erzählt eine buchstäblich zirkusreife Geschichte, die 1902 in Sachsen beginnt: Hans Stosch-Sarrasani gründet 1902 einen kleinen Zirkus - und baut ihn zu einem Weltunternehmen auf, das über Jahrzehnte die Entertainment-Industrie beherrschen und beeinflussen wird. Diese einzigartige Geschichte des Zirkus Sarassani ist eine Geschichte voller grandioser Triumphe und bitterer Niederlagen. Denn in der Geschichte des weltberühmten Zirkus Sarrasani spiegeln sich auch die weltbewegenden Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Doch Sarrasani, der Zirkus-Revolutionär, ließ sich nie unterkriegen. Sarrasani - Träumer, Künstler, knallharter Kaufmann. Er steht für die wohl schillerndste Biographie der Belle Epoque in Deutschland. Seine Visionen begeistern noch heute Klein und Groß. Was für ein Zirkus!

1912 geschieht in Dresden eine Sensation: Elefanten baden in der Elbe, festgehalten von den Fotoapparaten der Zeit. Doch damit nicht genug: Das ganze Land spricht neuerdings von wilden Tieren und anderen exotischen Phänomenen, die aus den Kolonien ins europäische Festland schwappen. Zoos, Kuriositätenkabinette, aber vor allem die Zirkusse boomen. Die Vereinigung von Menagerie und Zirkus, wie wir sie heute noch aus dem Zirkuszelt kennen, schwappt zu dieser Zeit aus den Vereinigten Staaten herüber. Das goldene Zeitalter des Zirkus bricht an, und der Zirkus Sarrasani in Dresden ist der Vorreiter für diese ganz neue Entertainmentkultur.

Für Hans Stosch-Sarrasani gilt schon als Kind: Niemals tun, was andere erwarten. Mit 15 Jahren büchst der junge Träumer von Zuhause aus und geht mit einem kleinen bayerischen Wanderzirkus auf Reisen. Enterbt und ohne Kontakt zu seiner Familie, startet er als Giovanni Sarrasani durch - und begründet den modernen Zirkus mit damals nie gesehenem Aufwand. Sarrasani - das steht fortan für modernes Entertainment in einer Zeit des Aufbruchs und des technischen Fortschritts.

In Dresden lässt er den "Circus 5000" bauen - einen Palast für fast viertausend Menschen. Aus der alten Idee vom Wanderzirkus wird eine gigantische Varietéhalle an einem Ort - Kathedrale des Entertainments und gleichzeitig moderner Maschinenraum mit mobiler Bühne, frei schwebenden Tierkäfigen, modernstem Brandschutz und Einrichtungen zur Filmvorführung. Neuartige Riesendynamos liefern den Strom für 50 Flammbogenlampen zur Ausleuchtung der Fassade und der Manege - eine Synthese aus Technik und Jugendstil, die schon äußerlich Trends setzt.

Für die Menschen, die an nichts Vergleichbares auch nur annähernd gewohnt sind, ein unglaubliches Spektakel - "... eine Sensation für die hiesigen Gesellschaftskreise", jubelt die Presse zur Premiere 1912. So wird Sarrasani zum Symbol der Belle Epoque, des Aufbruchs, aber auch der Überspanntheit einer Zeit, in der alles möglich zu sein scheint. Der Erste Weltkrieg lässt diese Illusion zerplatzen. Der Zirkus wird zur Ader gelassen, verliert Personal, Material und viele seiner Tiere. Seine berühmten Elefanten werden fotografiert, wie sie kriegswichtige Güter durch Dresden transportieren. Sarrasani, der rastlose Revolutionär der Manege, und seine Nachfolger stehen wieder auf. Doch die Zeit der Zirkuskathedralen ist vorbei, sie werden zum Mythos der Unterhaltungsgeschichte.

Anna Thalbach und das Filmteam haben uneingeschränkten Zugang zum Familienarchiv Sarrasani erhalten. Reiches, teils farbiges Originalmaterial aus den Metropolen der Zeit erzeugt das Flair jener Jahre des Aufbruchs. Interviews mit Familienangehörigen, darunter Ingrid und André Sarrasani, Artisten, Künstlern und Historikern helfen durch die vielen Legenden hindurch zum Charakter Sarrasanis vorzudringen.

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