Plötzlich waren es 5
Cathy und Martin haben ein Haus, einen Hund und einen Garten. Es ist die perfekte Vorstadtidylle. Für ihr Glück fehlt ihnen nur noch ein Kind. Da Cathy unter den Folgen eines schweren Autounfalls leidet, entscheiden sie sich für eine Adoption.
Sie verlieben sich in die vierjährige Alyona, die aus einem ukrainischen Waisenhaus stammt und die sie als Gastfamilie für die Sommerferien einladen. Und sie erfahren: Dort leben auch noch zwei Brüder und zwei Schwestern des Mädchens. Cathy und Martin wollen die Geschwister nicht auseinanderreissen und beschliessen, alle fünf Kinder nach Kanada zu holen. Ein regelrechter Papierkrieg beginnt: Dem Paar gelingt es zuerst nur, Alyona und ihre Schwester Snezhana zu adoptieren. Und dann verhängt die Ukraine auch noch einen Stopp für internationale Adoptionen.
Was folgt, ist eine Achterbahn der Gefühle: Das Leben der Familie Ward wird zu einer Abfolge von herzzerreissenden Besuchen und Abschieden. Was für eine Erleichterung, als endlich alle fünf in Kanada sind. Doch das Familienabenteuer beginnt erst. Da sind die hohen Adoptionskosten, die Martin dazu zwingen, eine besser bezahlte Stelle als Krankenpfleger in der Arktis anzunehmen, um die Familie über die Runden zu bringen. Da sind Cathys und Martins gesundheitliche Probleme. Und da sind die Konflikte mit der 17-jährigen Yulya, die sich mehr und mehr von allen abwendet und schliesslich von zu Hause auszieht.
Yulya musste sich die ganze Kindheit über durchkämpfen und hat für ihre Brüder und Schwestern in der Ukraine die Mutterrolle übernommen. Der Stiefvater war Alkoholiker und hatte die Kinder geschlagen und misshandelt.
Im Gegensatz zu ihren Geschwistern fällt es ihr schwer, sich in der heilen kanadischen Familienidylle einzufinden und immer nett zu sein, wie es Cathy gerne sieht. «Trägt man den Konflikt nicht aus, wird man nur noch wütender aufeinander», so Yulya.
Die russisch-kanadische Filmemacherin Julia Ivanova arbeitete acht Jahre als Spezialistin für internationale Adoptionen. Mit diesem Thema beschäftigt sie sich auch in den Filmen «From Russia, For Love» und «Family Portrait in Black and White». Julia Ivanova will für die Komplexität von internationalen Adoptionen sensibilisieren, denn für sie ist klar: Nur wenn die Adoptionseltern auf die diesbezüglichen Herausforderungen vorbereitet sind, kann eine Adoption erfolgreich sein.
Wurden in der Schweiz 1980 noch rund 1600 Kinder adoptiert, sind es heute weniger als 400. Doch es stehen heute mehr Adoptionseltern bereit, als Kinder zur Adoption freigegeben werden. Da in der Schweiz heute aufgrund des gesellschaftlichen Wandels kaum mehr Kinder zur Adoption freigegeben werden, versuchen viele Eltern mit unerfülltem Kinderwunsch im Ausland ihr Glück.
Seit 1993 ist das Haager Adoptionsübereinkommen in Kraft, das mittlerweile von rund achtzig Staaten unterzeichnet wurde, auch von der Schweiz. Es schreibt insbesondere vor, dass zuerst Adoptionseltern im Herkunftsland gesucht werden müssen.