Panzer gegen Polen

Panzer gegen Polen

Die Volksrepublik Polen steckt im Sommer 1980 in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. In Danzig ballen Werftarbeiter die Fäuste. Es kommt zu massiven Streiks, die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc entsteht. Mit ihr entfaltet sich eine Protestwelle, die das ganze Land erfasst. Die DDR-Führung in Ostberlin ist geschockt. Erich Honecker begreift sehr schnell, was passiert, wenn die Entwicklung im Nachbarland nicht aufgehalten wird: Die Tage des Sozialismus wären gezählt, nicht nur in Polen! Denn wenn der Wille nach Freiheit die Massen ergreift, wird er sich wie ein Lauffeuer ausbreiten und Grenzen überwinden. Für Honecker eine Horrorvorstellung, dass der Solidarnosc-Bazillus zur tödlichen Gefahr für seinen SED-Staat werden könnte. Honeckers Position ist klar: 'Wir sind nicht für Blutvergießen. Das ist das letzte Mittel. Aber auch dieses letzte Mittel muss angewandt werden, wenn die Arbeiter- und Bauernmacht verteidigt werden muss.' Zunächst wird politisch gehandelt. Der visafreie Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen endet bereits im Oktober 1980. Er wird einseitig von Ostberlin eingestellt. Die SED-Spitze macht Druck, drängt die kommunistische Führung in Warschau zum kompromisslosen Handeln gegen die Konterrevolution. Doch die Führung im Nachbarland wirkt wie gelähmt. Die Kontakte zum polnischen Geheimdienst werden intensiviert. Aber der Sozialismus in Polen bröckelt weiter. Honecker versucht in Moskau alle Ostblockführer für eine militärische Lösung zu gewinnen. Das Echo ist differenzierter als von ihm erhofft. NVA-Generäle und Spitzenmilitärs des Warschauer Vertrages brüten aber bereits einen Geheimplan aus: Am Tag X sollen zwölf sowjetische, eine tschechoslowakische und eine NVA-Division in Polen einmarschieren, um mit polnischen Waffenbrüdern für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Dokumentation berichtet über eine dramatische Zeit, die viele Historiker als den Anfang vom Ende des Ostblocks bezeichnen.

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