Ostkreuz
Regisseur Michael Klier ("Überall ist es besser, wo wir nicht sind", "Heidi M.", "Idioten der Familie") stellt in "Ostkreuz" Berlin als einen Nicht-Ort dar. Brachen, Leerstellen, Ruinen und die Überreste der Grenzanlagen sind die Kulisse für die Schicksale von Menschen, die keine Wurzeln, eine unausgesprochene Vergangenheit, aber keine Perspektive für ihre Zukunft haben. In Elfies Odyssee durch die Stadt schreibt sich im Grau-Braun der Bilder eine Atmosphäre ein, wie sie sich Anfang der 1990er Jahre, der sogenannten Wendezeit, im Osten Deutschlands empfinden ließ. Die DDR war untergegangen. Das wie im Rausch empfangene Versprechen des Westens auf Wohlstand und Freiheit wich der bitteren Erkenntnis, dass diese nicht umsonst zu bekommen waren. In dieser Tristesse des Neuanfangs liegt "Ostkreuz" recht nahe an dem Neorealismus von Roberto Rossellinis "Deutschland im Jahre Null" von 1948, in dem der kleine Edmund ständig unterwegs ist durch die Trümmer eines untergegangenen Berlins auf der Suche nach Geld und etwas zu Essen für sich und seine Familie. "Ostkreuz", mit Laura Tonke, Miroslaw Baka und Suzanne von Borsody in den Hauptrollen, gewann auf dem Filmfest München 1991 den Förderpreis Deutscher Film, Regie. Michael Klier wurde 1992 für seinen Film mit dem Bayrischen Filmpreis für die Beste Regie und dem Adolf-Grimme-Preis geehrt.