Onkel Wanja
Es ist heiß und die illustre Sommergesellschaft auf dem russischen Landgut langweilt sich. Ein schrottreifer Kombi kreist wie in Zeitlupe um die Spielfläche, während man sich die Zeit mit Federballspielen und Teetrinken vertreibt. Hin und wieder schlägt der alte Professor mit seinen Monologen alle in die Flucht, während seine junge Frau Elena wie ein schönes Raubtier lasziv über die Bühne tigert. Wanja und der Arzt sind überwiegend mit Rauchen oder Trinken beschäftigt und schwelgen in Erinnerungen über die gute alte Zeit. Vordergründig dreht sich alles um den Erhalt des Gutes, eigentlich aber geht es um einsame Menschen, darum, dass jeder jemanden liebt, ohne auf Gegenliebe zu stoßen. Wanjas kleine Nichte Sonja liebt den Arzt, alle anderen lieben Elena. Und der Professor denkt nur daran, wie er weiterhin Geld aus dem Gut pressen kann und kommt letztlich zu dem Schluss, es zu verkaufen. Wanja und Sonja sehen sich um ihre Heimat beraubt. Die Situation eskaliert, Schüsse fallen. In seiner Inszenierung von Anton Tschechows 'Onkel Wanja' bringt Robert Borgmann die trostlose Ausweglosigkeit der Figuren und die Hitze eines quälend ereignislosen Sommers fast körperlich spürbar auf die Bühne. Er nimmt sich Zeit, das Beziehungsgefüge aus den Fugen geraten zu lassen, entschleunigt, ohne je zu langweilen. Bei aller Schwermütigkeit bleibt aber immer noch Platz für das Tschechow'sche Augenzwinkern. 'Onkel Wanja' ist das letzte der 'Starken Stücke', die 3sat anlässlich des Berliner Theatertreffens (2. bis 18. Mai) zeigt.