Niemals Selten Manchmal Immer

Niemals Selten Manchmal Immer

«Wünschst du dir nicht manchmal, ein Kerl zu sein?», fragt Skylar (Talia Ryder) ihre Cousine Autumn (Sidney Flanigan). Für den Teenager steht fest: Ein Mann zu sein, wäre so viel einfacher. Die beiden Mädchen quälen die typischen Probleme des Erwachsenwerdens: Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Frauenbeschwerden und ein schwieriges Verhältnis zu den Eltern. Für Autumn ist es besonders schwer: Sie ist 17, lebt in einer ländlichen Gegend in Pennsylvania und ist schwanger. Weit davon entfernt, elterliche Verantwortung zu übernehmen, weiss sie, dass eine Abtreibung ihre beste Option ist. Aber so einfach ist es nicht - ihre örtliche Frauenärztin ist gegen Abtreibung. Nach dem Gesetz von Pennsylvania braucht Autumn für einen Schwangerschaftsabbruch zudem die Zustimmung der Eltern, aber auf deren Unterstützung kann sie nicht zählen.
Anders sieht es in New York aus, wo Abtreibungen legal sind. So bricht Autumn gemeinsam mit Skylar, die sich solidarisch zeigt und buchstäblich ihr Gepäck trägt, mit dem Bus in die Grossstadt auf, wo sie sich ohne Geld und Unterkunft durchschlagen müssen. Es ist der Beginn einer Odyssee, auf die Autumn nicht vorbereitet ist.
Es sind Eliza Hittmans Entscheidungen als Autorin und Regisseurin, die den Film so wirkungsvoll machen - sie beschwören die überwältigende Intensität und die allgegenwärtige Bedrohung der Grossstadt herauf. Der langsam aufbauende Film erzählt geradeheraus von den zahlreichen Hindernissen, die Autumn überwinden muss. Diese Unmittelbarkeit mündet in einer intensiven Szene, einer fünfminütigen, ununterbrochenen Einstellung, in der Autumn in der Abtreibungsklinik eine Reihe obligatorischer Fragen zu ihrer sexuellen Vergangenheit gestellt werden, wobei die Antwortmöglichkeiten (das «nie», «selten», «manchmal», «immer» des Titels) noch mehr Schwierigkeiten in ihrer Vergangenheit offenbaren.
Die Newcomerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder verkörpern die jungen Frauen mit einer natürlichen emotionalen Präzision. Mit dem Drehbuch hat Regisseurin Eliza Hittman schon 2012 angefangen, als sie herausfand, wie beschwerlich es für viele amerikanische Frauen ist, eine Abtreibung durchzuführen. Wie aktuell das Thema sein würde, als sie mit dem Film fertig war, hat sie nicht ahnen können. In den USA wird das Recht auf Abtreibung aktuell von allen Seiten attackiert. Der Regisseurin geht es in ihrem dritten Spielfilm «Niemals Selten Manchmal Immer» (Original: «Never Rarely Sometimes Always») jedoch nicht um ideologische Argumente, sondern um ein persönliches Schicksal.

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