Menschen im Hotel
In einem eleganten Berliner Hotel ist Madame Grusinskaya (Greta Garbo) zu Gast. Der Ruhm der einst gefeierten Primaballerina ist verblasst, die Einsamkeit hat sie eingeholt. Da dringt Baron von Gaigern (John Barrymore), der dauernd in Geldnöten steckt, in ihr Zimmer ein. Er will die Perlen der Diva stehlen, hat sich aber dazu einen sehr ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht: Die Künstlerin will sich gerade das Leben nehmen. Mit der Würde eines Mannes, der auch in Schlafzimmern von Damen sicher seinen Weg findet, hält der Baron Madame Grusinskaya von ihrem Vorhaben ab, indem er sich als Verehrer ausgibt. Die schöne Lüge entzückt die Primadonna. Sie verliebt sich in den stattlichen Mann. Ihre Depressionen sind wie weggewischt. Sie will wieder arbeiten. Und mit ganz anderen Augen sieht sie plötzlich auch die Umwelt in ihrem Luxushotel. Dazu gehören der schwerkranke Angestellte Kringelein (Lionel Barrymore), der einmal ein richtiger Herr sein möchte, sein ehemaliger Arbeitgeber, der ehrgeizige Generaldirektor Preysing (Wallace Beery), und die junge Hotelstenotypistin (Joan Crawford), Flämmchen genannt. In der Folge will Baron von Gaigern den unsympathischen Preysing bestehlen und wird von diesem ohne Skrupel erschlagen. Flämmchen beobachtet alles. Die Polizei verhaftet Preysing, der tote Baron wird abtransportiert. Madame Grusinskaya ahnt nichts von alledem. Menschen im Hotel ist 1932 nach dem berühmten Roman und dem gleichnamigen Bühnenstück von Vicky Baum entstanden. Der Film vereinigt viele jener Attribute auf sich, denen heute unzählige Fernsehserien nacheifern: den Nimbus der Nobelwelt, die Vielfalt der Schicksale, das grosse Melodram. Stars der ersten Garde sind Partner der legendären Garbo. Regie führt der Engländer Edmund Goulding, der in Hollywood den Ruhm des grossen Routiniers erlangte. Er stellt den Glanz der Garbo ganz in den Mittelpunkt. Man glaubt ihrer Grusinskaya, dass sie sich, vom Ruhm verlassen, in einen Dieb verliebt. Sie ist wunderbar kapriziös, launenhaft und überstrahlt alles mit ihrer Schönheit.