Mensch Schröder!: Eine deutsche Karriere

Mensch Schröder!: Eine deutsche Karriere

ZDFinfo Live-TV ZDFinfo 21.09., 08:25 - 09:10 Uhr
MenschenD 201745 Minuten 

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder polarisiert auch im Wahljahr 2017: als Putin-Freund, als Kanzler der Bosse im Maßanzug, als Vater der Agenda 2010. Wer ist dieser Mensch? Was bewegt ihn? Für "ZDFzeit" spricht der Altkanzler offen über Siege und Niederlagen: die verlorene Wahl 2005, sein schwieriges Verhältnis zur SPD, seine umstrittene Freundschaft mit dem russischen Präsidenten Putin und seine schmerzhafte Trennung von Ehefrau Doris. Dazu äußern sich Mitstreiter wie Otto Schily, politische Gegner wie Wolfgang Schäuble und seine Noch-Ehefrau Doris Schröder-Köpf. "Er war immer ein starker und unangenehmer Gegner", sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble im Gespräch mit Autor Florian Huber über seinen politischen Widersacher. Schröders unbedingter Machtwille war schon bekannt, bevor er laut einer Anekdote bereits als SPD-Nachwuchspolitiker eines Nachts am Zaun des Bundeskanzleramts rüttelte. Auch die DDR-Führung erkannte früh Schröders Potenzial: Bereits Ende der 70er-Jahre hatte die Stasi auf den künftigen "Führungstyp" zwei Agenten angesetzt. Vor der ZDF-Kamera liest Gerhard Schröder zum ersten Mal seine Stasi-Akte, die von seinen Trinkgewohnheiten und seinem Liebesleben bis zu seiner Herkunft alles ausleuchten sollte. In der Tat ist Schröders ärmliche Kindheit ohne Vater irgendwo in Ostwestfalen der Kern einer Aufsteiger-Story, die in Deutschland nahezu einmalig ist. Dabei strickte er selbst mit strategischem Gespür an dieser Heldenlegende vom einfachen Jungen im Kanzleramt mit. In Wahlkämpfen, Parteiveranstaltungen und Talkshows suchte Gerhard Schröder stets die Gelegenheit, sich als einer von ganz unten zu inszenieren. Fußball und Flaschenbier - noch heute läuft Gerhard Schröder an keinem Ball vorbei, ohne einmal dranzutreten. Die Medien haben ihn für seine Auftritte mit Frauen, Hunden und Currywurst zunächst hofiert, wie sie ihn später als "Spaßkanzler" im Brioni-Anzug gnadenlos kritisiert haben. Diese Verletzungen scheinen noch heute auf, wenn Schröders charmanter Ton im Interview unvermittelt schroff und abweisend wird. Die "ZDFzeit"-Dokumentation "Mensch Schröder!" versucht auch das Geheimnis zu lüften, was hinter den verschlossenen Türen seiner legendären Skatrunde geschieht. Im Kreis seiner alten Männerfreunde, auf ihren Gebieten nicht weniger mächtig als er selbst, zeigt sich der Mensch Gerhard Schröder unverstellt. Treu und unbeirrt hält er auch zu seinem umstrittensten Freund, dem russischen Autokraten Wladimir Putin, was selbst alte Weggefährten wie Renate Schmidt irritiert. Fragen oder gar Kritik dazu wehrte Schröder bisher kategorisch als Privatsache ab. Genau seine Aktivitäten nach der Kanzlerschaft und die Abschottung von der Öffentlichkeit schaden Gerhard Schröders Reputation als Altkanzler mehr, als das bei jedem seiner Vorgänger der Fall war. So geht die "ZDFzeit"-Dokumentation auch Fragen von Kritikern nach: Darf Gerhard Schröder das Amt des Altkanzlers einfach so "privatisieren"? Und welches Vermächtnis hinterlässt Gerhard Schröder seiner Partei, der SPD, und seinem Land?

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