Mario Adorf - Böse Rollen sind die guten Rollen
Live-TV
BR Nord
Gestern, 23:15
- 23:30 Uhr
Mario Adorf: Bösewicht und Gentleman. Es heißt, er sei der bekannteste und auch der beliebteste Schauspieler Deutschlands. Sohn eines Italieners und einer Deutschen, geboren in der Schweiz. Einer der ersten großen deutschsprachigen internationalen Stars der Nachkriegszeit. Gleich seine erste große Rolle bringt ihm das Filmband in Gold als bester Nachwuchsdarsteller ein, sein Durchbruch als Filmschauspieler mit 27 Jahren: der Serienmörder Bruno Lüdke in "Nachts wenn der Teufel kam". Erste kleinere Filmrollen hat er schon früher.
Adorf besucht die Otto-Falckenberg Schauspielschule in München, spielt Theater an den Münchner Kammerspielen. Viele Jahre ist Adorf auf Bösewichter abonniert wie etwa den Banditen Santer. Dass der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschießt, vergibt das Publikum Adorf auf Jahre nicht. Adorf drehte auch italienische Western und Gangsterfilme, für seine spezielle Statur fand sich oft kein passender Stuntman. Also erledigte er waghalsige Stunts meist selbst. Sein Arbeitspensum in den Sechziger und Siebziger Jahren ist enorm, Adorfs Repertoire an Typen beachtlich.
Den skurril-charmanten Gangster gibt er in "Die Herren mit der weißen Weste", an seiner Seite: Hannelore Elsner. Auch die Regisseure des Jungen Deutsche Films, etwa Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff, schätzen Mario Adorf in den 70er-Jahren.
Bis heute wirkt der Ruhm des Oscar-Gewinner-Films "Die Blechtrommel" nach. Adorf glänzt dort als Nazi-Vater Alfred Matzerath.
Mario Adorf mausert sich zum Prototyp eines Kosmopoliten, lebt und pendelt im Laufe der Jahre zwischen Italien, Frankreich und Deutschland, spricht vier Sprachen fließend. Immer wieder spielt er Italiener, im italienischen und natürlich auch im deutschen Film.
Der Prominenten-Wirt Paolo Rossini, eigentlich eine Ansammlung von Klischees. Dennoch bleibt die Figur im Gedächtnis hängen, der Regisseur Helmut Dietl hat die komödiantische Seite von Adorf gut verstanden.
Adorf hat alles erreicht. Über 150 Arbeiten für das Kino und das Fernsehen in 60 Jahren, unzählige Theater-Engagements, er ist einer der meistausgezeichneten deutschen Schauspieler. Dazu schrieb er auch noch erfolgreiche Bücher.