Let it snow

Let it snow

DokumentationJ / CDN / R  

Zum Jahresbeginn lädt das ZDF zu einer winterlichen Weltreise ein. Auf drei Kontinenten findet Autor Gert Anhalt in Kälte, Schnee und Eis erstaunliche Menschen und spannende Bräuche.
Auch wenn in unseren Breiten die Fans von Schneegestöber womöglich wieder nicht ganz auf ihre Kosten kommen: Im kanadischen Montreal, in den bewaldeten Weiten Russisch-Kareliens und auf der japanischen Nordinsel Hokkaido gibt es ihn noch - den echten, harten Winter.
Zwei Meter Schnee kommen in einem Durchschnittsjahr in Montreal vom Himmel, und Maxime Fournier muss die Innenstadt auch nach dem schlimmsten Schneesturm befahrbar halten. "Das ist eigentlich ein unmöglicher Job", gibt er zu. Er koordiniert die schweren Räumfahrzeuge, die ausschwärmen, sobald ein Unwetter anrückt. Und er dirigiert auch die Lastwagen, mit denen die Schneemassen aus der Innenstadt geräumt werden. Zwölf Millionen Kubikmeter Schnee schippt der Räumdienst jeden Winter aus dem Weg, das entspricht der Ladung von 200 000 Güterwaggons.
Aber selbst wenn alles liegen bliebe, wäre Montreal noch immer bewohnbar - die Stadt ist komplett untertunnelt. Ein 35-Kilometer-Labyrinth von Gängen und Ladenfluchten verbindet Hotels, Büros, Shopping-Malls und einen ausgewachsenen Eishockey-Ring.
Platz genug für etliche Hockeyfelder hätten sie auf den 66 000 zugefrorenen Seen Kareliens. Aber hier bohren sie lieber Löcher ins Eis und angeln. "Der ideale Zeitvertreib", findet Andrej Kokkonen. "Und gesund ist es auch. Beim Eisfischen bewegt man alle Muskeln!" Besonders die Lachmuskeln, denn hoch geht es her, wenn am Onega-See zum Wettangeln geladen wird. Für so etwas haben Herr Kowaltschuk und Herr Ljubintsew allerdings keine Zeit - ein Luftkissenboot bringt sie zu ihrem Arbeitsplatz: zur Verklärungskirche auf der Insel Kischi. Deren hölzerne Zwiebeltürme sind das Wahrzeichen Kareliens und Weltkulturerbe. "Wir staunen immer wieder über die Kunstfertigkeit der alten Baumeister", sagt Restaurator Kowaltschuk. Wind, Wetter und Gewürm haben dem 300 Jahre alten Gebäude zugesetzt, und es muss aufwändig renoviert werden.
"Nur" minus 16 Grad Celsius sind es frühmorgens in Obihiro auf der japanischen Nordinsel Hokkaido. "Das ist die ideale Temperatur für unsere Kaltblüter. Da drehen sie so richtig auf", sagte Herr Imai und spannt das riesige Pferd Buchio vor den Schlitten. Eine Tonne wiegt der Koloss, doppelt so viel wie ein normales Rennpferd. Und eben diese Last, 500 Kilogramm, wiegen auch die Gewichte, die Buchio und seine Artgenossen über eine hügelige Schotterpiste ziehen. Sie sind die Stars beim traditionellen Ban'ei-Pferderennen, für das Obihiro im ganzen Land bekannt ist.
Große Anstrengungen unternimmt - wie immer - die männliche Jugend im Badeort Noboribetsu. Einmal im Jahr - und diesmal mitten im heftigsten Schneesturm - legen sie ihre Kleidung ab, um sich mit viel Hurra und nur in Lendenschurzen bekleidet in die traditionelle Wasserschlacht an der Thermalquelle zu stürzen. Ein wüstes Wintervergnügen, das für Außenstehende nicht leicht zu verstehen, aber wunderschön anzusehen ist.
Eine moderne Großstadt, eine idyllische Wald - und Seenlandschaft und die Ferienregion eines sensationsverwöhnten Landes zeigen, wie man mit Einfallsreichtum, guter Laune und einer gewissen Hartnäckigkeit den Winter genießen und bezwingen kann.
In diesem Sinne: Let it snow - lasst es ruhig schneien.

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