Kulturzeit extra: Ein Orakel anlässlich der Buchmesse Frankfurt
Zum Auftakt der weltgrößten Bücherschau in Frankfurt blicken Verlage und Buchhandel in eine ungewisse Zukunft. Denn im Zeichen der digitalen Umwälzung wird er Markt für elektronische Bücher immer größer, der Umsatz mit gedruckten Büchern dagegen schrumpft. Vor diesem Wandel trifft sich die Branche in Frankfurt. 'Kulturzeit extra: Ein Orakel anlässlich der Buchmesse Frankfurt' wirft einen Blick zurück nach vorn: zurück ins Jahr 1913 und von heute aus hundert Jahre weiter in die Zukunft. Kann man heute 1913 denken, ohne zu wissen, was seit 1914 alles geschehen ist? Florian Illies besichtigt in seinem Buch '1913' eine Kultur am Vorabend der Katastrophe: er erinnert an die Chronik jener zwölf Monate, da die Menschen auf ein halbes Jahrhundert zurückblicken konnten ohne großen europäischen Krieg. Es geht darum, die Vergangenheit so zu erzählen, als sei sie Gegenwart. Offen für die Fantasie des Lesers bleibt dabei, wohin sich die Zeit entwickelt. Illies entwirft damit den geistigen Grundriss in einer Welt vor hundert Jahren, der die Unterschiede, aber mehr noch die Gemeinsamkeiten zu heute sichtbar macht. Welches sind unsere Perspektiven angesichts der Zukunft, die den Bewohnern des Jahres 1913 bevorstand? 'Kulturzeit extra' spinnt den Faden weiter - von heute aus für das Jahr 2113 - und geht auf Spurensuche. Im Gespräch mit dem Literaturkritiker Denis Scheck diskutieren wir den Bestseller des Jahres 1913 - Bernhard Kellermanns Roman 'Der Tunnel', eine Technikfantasie auf der Höhe der Zeit. Sind wir seitdem wirklich weitergekommen? Und wenn ja, wohin? Wir fragen, wie prognosefähig sind wir überhaupt? Was von dem, was wir heute in Kultur und Gesellschaft für wichtig erachten, wird 2113 noch im Gedächtnis der Menschen präsent sein?