Köy
Serpil Turhan über ihren Film "Köy" (türkisch für "Dorf"): "In den letzten Jahren verfolgte ich intensiv die politische Entwicklung in der Türkei, und meine Ambivalenz zum Herkunftsland meiner Familie wuchs. Die zunehmende Unterdrückung von Andersdenkenden und ethnischen Minderheiten berührte mich, und ich konnte mich nicht distanzieren von dem, wie sich das Land gesellschaftlich und politisch entwickelte. Ich versuchte, eine Haltung zu finden, und realisierte, dass es mir alleine nicht gelang. Es war für mich notwendig, mit Menschen zu sprechen, die eine Verbindung wie ich zur Türkei hatten und die politische Entwicklung aus der Ferne beobachteten. Durch die vielen Gespräche ist die Idee gereift, einen Film zu machen über dieses Erleben aus der Distanz.
In 'Köy' erzählen drei kurdischstämmige Frauen von ihren Gedanken und Erfahrungen. Ausgehend davon, welche Wirkung die Veränderung in der Türkei auf sie hatte, ging es in unseren langen Gesprächen immer mehr um allgemeine Fragen zur kurdischen Identität und Zugehörigkeit. Bei allen spürte ich eine Sehnsucht, die ich selber in mir trug. Ich fragte mich, worin die Suche nach Identität besteht und worin sie ihren Ursprung hat? Auch die Frage nach Selbstbestimmung war in unseren Gesprächen ein zentrales Thema, denn jede traf wichtige Entscheidungen, die ihr Leben innerhalb der Drehzeit veränderte."
"Köy" war der Eröffnungsfilm der Duisburger Filmwoche 2021.
Serpil Turhan wurde 1979 in Berlin geboren. Zwischen 1997 bis 2005 spielte sie als Hauptdarstellerin in mehreren Kinofilmen von Thomas Arslan und Rudolf Thome. Von 2001 bis 2004 studierte sie Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitete anschließend als Regieassistentin für verschiedene Regisseure.
Parallel begann sie, selbst Dokumentarfilme zu drehen, und studierte bei Thomas Heise im Studiengang Medienkunst/Film an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. 2013 legte sie mit dem Dokumentarfilm "Dilim Dönmüyor - Meine Zunge dreht sich nicht" ihr Diplom ab. Ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm nach dem Studium, "Rudolf Thome - Überall Blumen", feierte seine Premiere 2016 in der Sektion Forum der Berlinale.
Seit 2019 ist Serpil Turhan Gastprofessorin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Sie lebt und arbeitet in Berlin.