Karawane des sanften Wandels

Karawane des sanften Wandels

Das Sultanat Oman ist noch immer ein wenig bekanntes Land. Bis vor 40 Jahren hielt sich der Wüstenstaat zwischen den Vereinigten Emiraten, Jemen und Saudi Arabien versteckt. Lange Zeit herrschten weltfremde mittelalterliche Zustände, und es galt ein Einreiseverbot. Doch vieles hat sich verändert, seit Sultan Qabus regiert, der seinen herrschsüchtigen Vater verjagte und das Land innerhalb von nur drei Jahrzehnten komplett modernisierte. Sein Kapital waren das Öl und die Kraft und Entschlossenheit der Jugend des Landes mit ihrer Sehnsucht nach einem besseren Leben. Doch eine arabische Revolution wie in Ägypten, Libyen oder im Jemen sucht man hier vergebens. Stolz und selbstbewusst sind selbst die jüngsten Bewohner Omans mit den jahrhundertealten Traditionen ihrer eigenständigen arabischen Kultur verwachsen. Radikale Veränderungen, blinde Adaptionen westlicher Werte sind diesem Kulturkreis genauso suspekt wie soziale Ungerechtigkeit und Respektlosigkeit innerhalb der eigenen Gesellschaft. Das islamisch geprägte Land bietet Jungen und Mädchen die gleichen Chancen. Der Anteil der Hochschülerinnen liegt bei nahezu 70 Prozent. Dabei gibt es nicht einmal eine Schulpflicht im Sultanat. Oman gehört heute, dank des Öls, zu den reichsten Ländern der Erde. Es verfügt über eine atemberaubend schöne Landschaft voller Gegensätze zwischen Wüste und Indischem Ozean, bizarren Gebirgen und üppigen Oasen - Gegensätze, die offensichtlich Besonnenheit, Klugheit und das rechte Maß lehren, das schon den Karawanen in früheren Zeiten das Überleben sicherte. Behutsames Fortschreiten, das ist vielleicht die Zauberformel des Oman und seiner Jugend auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft.

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