Kamelhaar - Luxus aus der Wüste Gobi

Kamelhaar - Luxus aus der Wüste Gobi

NDR Live-TV NDR Heute, 12:45 - 13:30 Uhr

Kamelhaarmäntel sind ein Statussymbol, eine Anschaffung fürs Leben. Das Kamelhaar gilt als sehr edel, gleichzeitig wärmt es, ist strapazierfähig und wasserabweisend. Kamelwolle ist rar und deshalb auch teuer. Das Edelhaar stammt vom zweihöckrigen Trampeltier. Dieses Kamel gehört mittlerweile fast zu den bedrohten Arten, die größten Herden leben heute in der Mongolei. Die Nomaden der Wüste Gobi liefern das hochwertigste Kamelhaar. Einmal im Jahr, von Mitte April bis Mitte Mai, wird geschoren. Die Schur ergibt pro Tier nur etwa fünf Kilogramm Rohwolle.

Altangerel, seine Frau Choloontsetseg und sein Sohn Ganzorig leben in der Ostgobi nahe der Grenze zu China. Die Familie hat etwa 80 Kamele, 220 Ziegen und Schafe, 29 Pferde und zwölf Rinder. Zehn bis zwölf Mal im Jahr bauen sie ihr Zelt, die so genannte Jurte, ab und ziehen einige Kilometer weiter, damit die Tiere in der kargen Wüste neues Futter finden können. "Je öfter eine Familie umzieht und die Weide wechselt, desto gesünder und munterer bleiben die Tiere. Wenn wir kein Vieh hätten, könnten wir uns ruhig an einem Ort niederlassen", erzählt die Mutter. "Das Vieh braucht aber immer frisches Grün. Das ständige Umziehen ist ziemlich anstrengend."

Die Kamelschur dauert zwei bis drei Tage. Altangerels Bruder ist mit seinem Motorrad angereist und hilft mit. Seine Kamele sind schon geschoren. Die Zeit drängt, denn in zwei Tagen will der Wollhändler vorbeikommen. Die wilderen Kamele werden im Liegen geschoren. Mit Lassos fangen die Männer die Tiere ein, fesseln sie an den Beinen und werfen sie auf den Wüstenboden. Mit ihren Scheren brauchen sie etwa eine halbe Stunde, um zuerst die Langhaare vom Hals und von den Beinen abzuschneiden und später die feineren Kurzhaare vom restlichen Körper.

In Italien, nördlich von Mailand, wird aus der Rohwolle der wohl feinste Kamelhaarstoff der Welt produziert. Roberto Colombo führt das Familienunternehmen in der dritten Generation: "Die wichtigste Voraussetzung für die Verarbeitung von Kamelhaar ist das Wasser. Wir leben im Valsesia-Tal, am Fuß des Monte Rosa, also in einem der schönsten Täler Europas. Das Wasser hier ist so hart, dass es für die Verarbeitung dieses Stoffs optimal ist." Die Frauen in der Näherei der Firma Max Mara in Reggio Emilia arbeiten an einer Herbst-und Winterkollektion. Bei der Produktion der Kamelhaarmäntel treffen Handarbeit und modernste Maschinen aufeinander. Das wohl bekannteste Produkt der Marke ist der Klassiker unter den Kamelhaarmänteln, der "Mantel 101801". Laura Lusuardi ist seit über vier Jahrzehnten Chefdesignerin bei Max Mara. Unter ihrer Regie haben Modeschöpfer wie Klaus Lagerfeld ihre Kollektionen für das Unternehmen entworfen: "Die Herausforderung ist, dass man mit Kamelhaar alles machen kann. Wichtig ist, dass man mit viel Kreativität immer neue Modelle entwickelt, die aber nicht zu modeabhängig sind. Eine Frau muss ihren Kamelhaarmantel immer tragen können, denn er ist eine Art Investition, ein Mantel, den die Frau sehr lange haben wird."

"Kamelhaar - Luxus aus der Wüste Gobi" ist ein Film voller spannender Gegensätze und Abenteuer. Er zeigt das Leben der Nomaden in der unwirtlichen und zugleich großartigen Landschaft der mongolischen Wüste. Er begleitet den Wollhändler bei seiner Fahrt mit Auto und Eisenbahn durch Sandsturm und Nacht von der Ostgobi bis in die Hauptstadt Ulaanbaatar. Dort verkauft er die Rohwolle an das ehemalige Kombinat GOBI, wo sie sortiert, gewaschen und schließlich zu Pullovern und Decken verarbeitet wird. Darüber hinaus führt der Film in die Modemetropole Mailand und stellt die Menschen vor, die für die edelsten Kamelhaarprodukte der Welt verantwortlich sind.

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