Johnny und die Grenzsoldaten

Johnny und die Grenzsoldaten

Dokumentation 

In dem Haus auf dem Elbberg bei Gatow in Niedersachsen brannte Tag und Nacht Licht. Über die Elbtalaue bis in die DDR war es in den 1970er-Jahren zu sehen. In dem Haus wohnten amerikanische Soldaten, die in der Nähe mit ihrer Einheit den Funk der sowjetischen Truppen abhörten. Die GIs waren junge Männer, die sich auf das Feiern verstanden. Eines Nachts im Januar 1970 klopften bewaffnete Grenzsoldaten an ihre Tür. Sie schossen Leuchtkugeln ab und schrieen: 'Wir sind frei, wir sind frei.' Der ehemalige GI aus Kalifornien, Johnny Workman, kann diese Bilder nicht vergessen. Eine abenteuerliche Flucht mussten die DDR-Grenzsoldaten hinter sich haben - über die zugefrorene Elbe. Das hell erleuchtete Haus der Amerikaner hatte ihnen als Orientierungspunkt gedient. Über 40 Jahre später macht sich Johnny Workmann auf, die Soldaten aus der Zeit des Kalten Krieges wiederzusehen. Er recherchiert im Schweriner Stasi-Unterlagen-Archiv und findet Hinweise auf eine 'Fahnenflucht in besonders schwerem Fall'. Er liest in den Akten über einen dritten Grenzsoldaten, der 1970 auf der Ostseite verhaftet worden ist und wegen Beihilfe zur Fahnenflucht im Schweriner Stasi-Gefängnis und später im berüchtigten NVA-Militärgefängnis Schwedt landete. Als Johnny Workmann den in der DDR inhaftierten Soldaten im mecklenburgischen Burg Stargard aufspürt, verblasst die für ihn spektakuläre Episode aus seiner Wehrdienstzeit. Zu bitter sind die Berichte des Mannes. Der Soldat ist verurteilt worden, weil er nicht auf seine Kameraden schießen wollte. Er nimmt den Amerikaner mit auf eine Zeitreise, zeigt ihm die Verhörzimmer und Gefängniszellen in Schwerin. Johnny Workmann setzt alles daran, auch die 1970 geflüchteten Grenzsoldaten im Westen zu treffen. Ein Jahr benötigt er für seine Recherche, bis es dann am Ufer der Elbe zum Wiedersehen kommt.

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