Indiens wilde Esel

Indiens wilde Esel

Bauer Punja ist wahrlich nicht der Typ eines Kriegers. Aber wenn er nachts sein Feld verteidigt, dann geht es um die Existenz seiner Familie und dann rennt er, bis er die Feinde in die Flucht geschlagen hat. Aber auch auf der feindlichen Seite geht es ums Überleben: Für den Esel könnten Eigensinn, Mut und Durchsetzungsfähigkeit schon bald zu alles entscheidende Stärken werden. Aus der afrikanischen Variante des Wildesels entstand irgendwann der heimische Hausesel. Der Domestizierung bis heute verweigert haben sich jedoch die asiatischen Wildesel. Im Westen Indiens lebt in einer der extremsten Landschaften der Welt der Khur, der Indische Wildesel. Aus dem 'Kleinen Rann von Kutch' wird nach den Überflutungen durch den Monsun alljährlich eine Salzwüste, ein Glutofen. Nur Überlebenskünstler haben hier noch eine Chance. Die Genügsamkeit der Wildesel ist in dieser Region legendär. Da aber immer mehr Rinder, Schafe und Ziegen auch die letzten grünen Inseln des längst zum Schutzgebiet erklärten Kleinen Rann und seiner Randzonen niedermachen, sind die Wildesel ihrerseits zum Angriff übergegangen. Auf breiter Front fressen sie sich nachts durch Baumwoll- und Hirsefelder, die am Rande des Kleinen Rann angelegt wurden von Bauern, die oft zu den Ärmsten der Armen gehören. Deren Leidensfähigkeit ist vielfach erschöpft, und unerklärliche Todesfälle unter den Wildtieren werden schon als Lossagung von einer bislang praktizierten Toleranz gedeutet.

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